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Einbürgerungen: Entwicklungen und aktuelle Trends

Einbürgerungen: Entwicklungen und aktuelle Trends

Okt 24, 2017

Factbox

  • Einbürgerungszahlen seit 2004 stark rückläufig
  • Seit 2010 liegt die Einbürgerungsrate bei 0,7 Prozent
  • 2016: 8.530 Personen wurde die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen
  • Immer mehr der eingebürgerten Personen sind anerkannte Flüchtlinge
  • Top drei Länder: Bosnien-Herzegowina, Türkei, Serbien
  • Österreich deutlich unter OECD-Durchschnitt

 

Im vergangenen Jahr erhielten 8.530 Personen die österreichische Staatsangehörigkeit. Die meisten von ihnen besaßen vor der Einbürgerung eine bosnisch-herzegowinische Staatsangehörigkeit. 16,8 Prozent der eingebürgerten Personen sind anerkannte Flüchtlinge. Die Einbürgerungsrate lag 2016 – wie auch in den Jahren zuvor – bei 0,7 Prozent. Im internationalen Vergleich liegt Österreich damit deutlich unter dem OECD-Durchschnitt.

 

Ein Blick auf die Einbürgerungszahlen in den letzten Jahrzehnten zeigt, dass diese ab den 1990er stark anstiegen und seit 2003 wieder rückläufig sind. Die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) wirft einen Blick auf die Entwicklung der Einbürgerungen sowie auf aktuelle Zahlen.

 

Starker Rückgang seit 2004

Wirft man einen Blick auf die Einbürgerungszahlen in den letzten Jahrzehnten, zeigt sich dass diese zwischen 1991 und 2003 stark anstiegen. In den Jahren zuvor betrug die Zahl der jährlichen Einbürgerungen nie mehr als 11.000. 2003 wurde mit 45.112 Einbürgerungen der Höhepunkt erreicht. Seit 2004 sind die Einbürgerungszahlen stark rückläufig. Erst seit dem Jahr 2011 ist wieder ein leichter Aufwärtstrend bemerkbar.

 

2016 wurde insgesamt 8.530 Personen die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen. Das sind um 386 Personen mehr als ein Jahr zuvor.

 

 

Einbürgerungsrate seit 2010 auf gleichem Niveau

Dementsprechend zeigt sich eine ähnliche Entwicklung bei der Einbürgerungsrate (Einbürgerungen auf 100 in Österreich lebenden ausländischen StaatsbürgerInnen): Zwischen den Jahren 1991 und 1998 lag diese immer unter drei Prozent. Bis 2003 stieg diese auf den Höchstwert von sechs Prozent. Seitdem sinkt die Einbürgerungsrate und liegt 2016 bei 0,7 Prozent und damit auf dem gleichen Niveau wie auch in den sechs Jahren zuvor.

 

 

Einbürgerungsrate in Oberösterreich am höchsten

Leichte Unterschiede zeigen sich dabei je nach Bundesland: In absoluten Zahlen erhielten die meisten Personen in Wien die österreichische Staatsbürgerschaft (3.055), gefolgt von Oberösterreich (1.519) und Niederösterreich (1.154).

 

Setzt man die Zahl der Einbürgerungen jedoch in Relation zur jeweiligen Bevölkerung, liegt Oberösterreich mit einer Einbürgerungsrate von einem Prozent an der Spitze. Bei den restlichen Bundesländern bewegt sich die Rate zwischen 0,6 und 0,8 Prozent.

 

 

Immer mehr anerkannte Flüchtlinge eingebürgert

Ein Blick auf die vergangenen zehn Jahre zeigt, dass immer mehr Personen, die gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention Asyl erhalten haben, eingebürgert wurden: So betrafen im Jahr 2007 212 von 14.010 Einbürgerungen anerkannte Flüchtlinge. Das entsprach einem Anteil von 1,5 Prozent an allen Einbürgerungen. 2016 wurden 1.224 anerkannte Flüchtlinge eingebürgert, das entspricht 16,8 Prozent aller Einbürgerungen.

 

Einbürgerungen nach Aufenthaltsstatus bis 2016

Einbürgerungen nach Aufenthaltsstatus, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Top drei Länder: Bosnien-Herzegowina, Türkei, Serbien

Vor der Einbürgerung besaßen 14,6 Prozent bzw. 1.262 Personen die Staatsbürgerschaft von Bosnien-Herzegowina, gefolgt von der Türkei (820 Personen), Serbien (752), dem Kosovo (456), der Russischen Föderation (337), Afghanistan (332) sowie Mazedonien (297). Diese sieben Nationalitäten machen damit die Hälfte aller Einbürgerungen aus.

 

Einbürgerungen nach Staatsangehörigkeit 2016

Einbürgerungen nach Staatsangehörigkeit, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

55 Prozent aller Einbürgerungen aufgrund Rechtsanspruches

Die Voraussetzungen für die Verleihung der Staatsbürgerschaft in Österreich sind im internationalen Vergleich restriktiv.

 

Die Verleihung der Staatsbürgerschaft kann aufgrund eines Rechtsanspruches erfolgen, oder aber nach freiem Ermessen des zuständigen Amtes der Landesregierung. In beiden Fällen müssen zuvor allerdings die allgemeinen Einbürgerungs-Voraussetzungen erfüllt sein (siehe MSNÖ-Artikel: Einbürgerungen im EU-Vergleich und Einbürgerungen stark gesunken).

 

Im vergangenen Jahr erfolgte mehr als die Hälfte aller Einbürgerungen (4.709 bzw. 55,5 Prozent) aufgrund eines Rechtsanspruchs. Darunter wurden 3.007 Personen nach mindestens sechsjährigem Wohnsitz hierzulande und aus besonders berücksichtigungswürdigen Gründen eingebürgert (u.a. Geburt in Österreich, EWR-Staatsangehörigkeit oder asylberechtigt).

 

388 Personen erhielten die österreichische Staatsbürgerschaft aufgrund eines mindestens 15-jährigen Wohnsitzes in Österreich, verbunden mit dem Nachweis einer nachhaltigen Integration und 781 Personen durch die Ehe mit einem oder einer österreichischen Staatsangehörigen. Weitere 1.288 erhielten die Staatsbürgerschaft durch Ermessen der Behörden (15,1 Prozent). Unter dem Titel „Erstreckung der Verleihung“ wurden 278 Ehegatten sowie 2.255 Kinder eingebürgert.

 

Einbürgerungen nach Rechtsgrund 2007 bis 2016

Einbürgerungen nach Rechtsgrund 2007 bis 2016, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Österreich deutlich unter OECD-Durchschnitt

Die aktuellsten OECD-Daten zeigen, dass im Jahr 2015 über zwei Millionen Personen in einem OECD-Land eingebürgert wurden. In den vergangenen zehn Jahren lagen die Einbürgerungen im OECD-Raum auf einem ähnlichen Niveau. Innerhalb der EU wurden 2015 rund 800.000 Personen eingebürgert.

 

Bei den Einbürgerungsraten liegt Österreich deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von zwei Prozent und liegt mit einer Rate von 0,7 Prozent auf dem sechstletzten Platz. Weiter hinten liegen nur die Slowakei (0,6 Prozent), Lettland (0,5 Prozent), Japan (0,4 Prozent), Estland (0,4 Prozent) und Chile (0,1 Prozent). An der Spitze liegt Schweden mit einer Einbürgerungsrate von 6,5 Prozent.

 

 

 

Weitere Informationen und Kontakte:

 

Einbürgerungsstatistiken auf der Website der Statistik Austria

 

Statistik Austria, Pressestelle, Tel.: 01/71128-7777, presse@statistik.gv.at

 

„International Migration Outlook 2017“ der OECD in der iBib

 

Leiter der Abteilung für Internationale Migration bei der OECD, Thomas Liebig, Thomas.Liebig@oecd.org, Tel.: +33 1 45 24 90 68

 

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