Viele Jugendliche nehmen Integration negativ wahr

Viele Jugendliche nehmen Integration negativ wahr

Okt 3, 2017

Factbox

  • Studie: 39 % der Jugendlichen glauben Integration funktioniert nicht
  • Wert steigt mit dem Alter der Befragten
  • Respekt für Jugendliche wichtigster Wert für erfolgreiche Integration
  • 28 % haben kein Vertrauen in Parteien bei Integrationspolitik
  • ÖIF-Studie: Viele Wiener Moscheen wirken gegen Integration

 

Sprach- und Bildungsförderung in Kindertageseinrichtungen, gratis Deutschkurse und die Förderung der beruflichen Qualifikation von MigrantInnen. Das sind drei Punkte, die Österreichs Jugendliche als zentrale Integrationsmaßnahmen benennen. Dies ist das Ergebnis des aktuellen „Jugend-Trend-Monitors“, der vom Meinungsforschungs-Institut „marketagent.com“ durchgeführt wurde. Gleichzeitig sehen nur 14 Prozent der Befragten die Integration als gelungen.

 

Unterdessen kommt ein vom Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) in Auftrag gegebener Forschungsbericht zum Schluss, dass einige Moscheen in Wien gegen die Integration der MuslimInnen in die österreichische Gesellschaft wirken. Die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) wirft einen Blick auf die Studien.

 

Nur wenige Jugendlichen sehen funktionierende Integration

„Inwieweit funktioniert deiner Ansicht nach die Integration von Migranten in Österreich?“ Das ist eine der Fragen, die „marktagent.com“ insgesamt 3.115 Jugendlichen im Zeitraum Juni und Juli 2017 gestellt hat. Das Ergebnis: Der Großteil, nämlich 46,6 Prozent, antwortet auf diese Frage mit „mittelmäßig“. Nur 2,4 Prozent sagen, dass die Integration sehr gut funktioniert. 11,9 Prozent geben an, dass die Integration eher gut funktioniert. Deutlich mehr Jugendliche sind der Meinung, dass die Integration von MigrantInnen „eher schlecht“ (25,7 Prozent) bzw. „sehr schlecht“ (13,4 Prozent) funktioniere.

 

Insgesamt nehmen 39 Prozent der Jugendlichen die Integration also negativ wahr. Dieser Anteil steigt mit dem Alter der Befragten: So sagen 25,4 Prozent der 14 bis 19-jährigen, dass die Integration eher oder sehr schlecht funktioniere. Bei den 25 bis 29-Jährigen sind es 47,2 Prozent.

 

Frage: „Inwieweit funktioniert deiner Ansicht nach die Integration von Migranten in Österreich?“

Frage: „Inwieweit funktioniert deiner Ansicht nach die Integration von Migranten in Österreich?“, Quelle: marketagent.com

 

Hälfte findet Sprach- und Bildungsförderung für Kinder sinnvoll

Gefragt nach sinnvollen Maßnahmen für eine erfolgreiche Integration, erachten 49,8 Prozent der befragten Jugendlichen „Sprach- und Bildungsförderung in Kindertageseinrichtungen“ und 49,2 Prozent „gratis Deutschkurse“ als sehr sinnvoll. 41,3 Prozent sind zudem der Meinung, dass die beruflichen Qualifikationen von MigrantInnen geeignet eingesetzt werden sollten.

 

Am unteren Ende der Liste finden sich Maßnahmen wie die „interkulturelle Kompetenz-Förderung von Lehrkräften“ (empfinden 20,6 Prozent als sehr sinnvoll), die „staatliche Förderung von Arbeitsplätzen für Migranten“ (13,2 Prozent) oder „Fahrpreisermäßigungen im öffentlichen Verkehr“.

 

Frage: „Welche Maßnahmen wären für eine erfolgreiche Integration sinnvoll?“

Frage: „Welche Maßnahmen wären für eine erfolgreiche Integration sinnvoll?“, Quelle: marketagent.com

 

Einen Beitrag zur Integration kann laut den befragten Jugendlichen die österreichische Bevölkerung leisten: 36,7 Prozent geben an, dass diese Gruppe am besten zur Integration hierzulande beitragen könne. Danach folgen Bildungseinrichtungen mit 23 Prozent und politische Parteien mit 15,6 Prozent.

 

Auch hier spielt das Alter eine zentrale Rolle: Je jünger die Befragten sind, desto wichtiger ist die Rolle der österreichischen Bevölkerung bei den Jugendlichen. Je älter, desto wichtiger werden politische Parteien.

 

Welche der folgenden Gruppen können deiner Meinung nach am besten zu einer erfolgreichen Integration von Migranten in Österreich beitragen?

Frage: „Welche der folgenden Gruppen können deiner Meinung nach am besten zu einer erfolgreichen Integration von Migranten in Österreich beitragen?“, Quelle: marketagent.com

 

Wichtige Werte: Respekt deutlich auf Platz 1

„Marktagent.com“ fragte die Jugendlichen auch nach Werten, welche von MigrantInnen mitgebracht werden müssten, um sich erfolgreich in die österreichische Bevölkerung integrieren zu können. 66,8 Prozent der Befragten geben an, dass Respekt für eine erfolgreiche Integration wichtig sei. Weit dahinter folgt mi 37,7 Prozent „Sinn für Gleichberechtigung“, nahezu gleich viele nennen Toleranz (37,1 Prozent).

 

Weitere wichtige Werte sind nach Meinung der Jugendlichen Höflichkeit (35,8 Prozent), Sinn für Demokratie (31,5 Prozent), soziale Verantwortung (29,3 Prozent), Ehrlichkeit (29,2 Prozent), Integrität (28,6 Prozent), Disziplin (26,6 Prozent) und Fleiß (26,1 Prozent). Weniger wichtiger sind Religiosität (1,8 Prozent) und Reichtum (0,8 Prozent).

 

Frage: „Welche Werte müssen Migranten mitbringen, um sich erfolgreich in die österreichische Bevölkerung zu integrieren?“

Frage: „Welche Werte müssen Migranten mitbringen, um sich erfolgreich in die österreichische Bevölkerung zu integrieren?“, Quelle: marktagent.com

 

Fast jede/r Dritte traut keiner politischen Partei

Geht es um die Integrations-Politik der einzelnen Parteien, zeigt sich, dass die meisten Befragten (28,2 Prozent) keiner politischen Partei in diesem Punkt vertrauen. 20,4 Prozent geben an, dass die Liste Sebastian Kurz bzw. die ÖVP die besten Integrationskonzepte habe. Danach folgen die FPÖ mit 16,6 Prozent, die SPÖ mit 14,1 Prozent, die Grünen (13,8 Prozent) und die NEOS (4,1 Prozent).

 

Frage: „Welcher politischen Partei Österreichs traust du die besten Konzepte für die Integration von Migranten in Österreich zu“

Frage: „Welcher politischen Partei Österreichs traust du die besten Konzepte für die Integration von Migranten in Österreich zu?“, Quelle: marktagent.com

 

Erwartungen an EU: Lösungen zur „Einwanderungspolitik“

Ein Teil des „Jugend-Trend-Monitors“ beschäftigt sich mit der Einstellung der Jugendlichen zur Europäischen Union. Dabei zeigt sich, dass der EU eine wichtige Rolle bei der Migration zugeschrieben wird. Nach den Erwartungen an die EU gefragt, gibt mehr als die Hälfte (56,6 Prozent) an, dass sie sich klare Lösungen in Sachen „Einwanderungspolitik“ erwarten. Dieser Punkt liegt damit auf Platz zwei der größten Erwartungen – nach der Terrorismusbekämpfung. Zudem geben 36,1 Prozent der Jugendlichen an, dass sie sich einen höheren Schutz der Außengrenzen erwarten.

 

Frage: „Welche Erwartungen hast du an die EU?“

Frage: „Welche Erwartungen hast du an die Europäische Union?“, Marktagent.com

 

ÖIF-Studie: Moscheen in Wien wirken gegen Integration

Unterdessen kommt ein vom Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) in Auftrag gegebener Forschungsbericht zum Schluss, dass einige Moscheen in Wien gegen die Integration der MuslimInnen in die österreichische Gesellschaft wirken. Insgesamt wurden 16 Moscheen und deren Träger (Kultusgemeinden) in Wien untersucht, in denen theologisch geschulte Beobachter mehrfach an Freitagspredigten teilnahmen und deren Kernaussagen auswerteten.

 

Nur zwei der 16 Moscheen unterstützen laut der Studie aktiv die Integration der MuslimInnen und fordern diese auch ein. In mehr als einem Drittel der untersuchten Moscheen würde hingegen der Integration aktiv entgegengewirkt. Zum Teil gebe es sogar fundamentalistische Tendenzen.

 

Die Studie zeigt zudem, dass die Wiener Moscheen ethnisch stark getrennt sind. Muslime mit türkischen, albanischen, bosnischen oder arabischen Wurzeln beten demnach getrennt in eigenen Moscheen. Gepredigt wird fast ausschließlich in der jeweiligen Landessprache.

 

Studienautor Heiko Heinisch gibt zu bedenken, dass die Ergebnisse nicht repräsentativ seien. Dazu sei die Moscheenlandschaft zu heterogen. Zudem sei für aussagekräftigere Daten ein wesentlich längerer Untersuchungszeitraum nötig (beobachtet wurden die Einrichtungen im Frühjahr 2017). Die Ergebnisse würden aber zeigen, dass es beim Integrationsprozess große Probleme gebe.

 

Weitere Informationen und Kontakte:

 

Marktagent.com, Thomas Schwabl, t.schwabl@marktagent.com, Tel.: 02252/909009

 

Der ÖIF-Forschungsbericht „Die Rolle der Moschee im Integrationsprozess“ steht in der iBib zum Download zur Verfügung

 

Österreichischer Integrationsfonds, Franziska Troger. Tel.: 01 710 12 03 133, franziska.troger@integrationsfonds.at

 

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