Zwei Jahre nach dem Flüchtlings-Rekordjahr – Eine Bilanz

Zwei Jahre nach dem Flüchtlings-Rekordjahr – Eine Bilanz

Sep 12, 2017

Factbox

  • Illegale Migration und Schlepperei: 2015 mehr als 94.000 Aufgriffe
  • 2017 wurden bis Anfang August rund 17.000 Personen aufgegriffen
  • Starker Rückgang der Asylanträge
  • Mit Ende Juli 2017 sind 63.782 Asylverfahren offen
  • Seit 2015: 49.617 Asylverfahren rechtskräftig positiv entschieden
  • Zwangweise Ausreisen steigen, während freiwillige Ausreisen abnehmen

 

Noch nie sind in einem Jahr so viele Flüchtlinge nach Österreich gekommen wie 2015. Mehr als 94.000 Personen wurden damals aufgegriffen, die rechtswidrig nach Österreich eingereist sind oder als rechtswidrig aufhältig, geschleppt sowie als Schlepper galten. Insgesamt erreichten Österreich 88.340 Asylanträge.

 

Zwei Jahre danach ist die Zahl der Asylanträge deutlich gesunken. Die Zahl der aufgegriffenen Personen in Österreich liegt heuer bei etwa 17.000 (bis Anfang August). Die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) fasst wichtige Entwicklungen im Asylbereich seit 2015 zusammen.

 

2016: 50.848 Personen aufgegriffen

Laut dem Schlepperbericht des Innenministeriums wurden im Jahr 2016 50.848 Personen aufgegriffen, die rechtswidrig nach Österreich eingereist sind oder als rechtswidrig aufhältig, geschleppt sowie als Schlepper gelten. Gegenüber dem Rekordjahr 2015 ist das ein Rückgang von 46 Prozent. Damals wurden 94.262 Personen aufgegriffen.

 

Insbesondere sank dabei die Zahl der geschleppten Personen – von 72.179 Personen 2015 auf 27.850 im darauffolgenden Jahr (- 61 Prozent), während die Zahl jener, die ohne Schlepper rechtswidrig einreisten oder in Österreich aufhältig waren, von 20.975 auf 22.749 Personen leicht zunahm (+ acht Prozent).

 

Trotz des insgesamten Rückgangs der aufgegriffenen Personen ist die Zahl – verglichen mit 2014 – noch relativ hoch: So wurden 2014 laut dem Schlepperbericht 34.070 Personen aufgegriffen.

 

 

2017 sind die Zahlen weiter im Sinken begriffen: Laut dem Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schlepperei und des Menschenhandels im Innenministerium, Gerald Tatzgern, wurden heuer bis Anfang August rund 17.000 Personen aufgegriffen.

 

Asylanträge sind rückläufig

Bis Ende Juli 2017 erreichten Österreich 14.627 Asylanträge. Gegenüber dem Vergleichszeitraum 2016 ist das ein Rückgang von 49,2 Prozent, gegenüber Jänner bis Juli 2015 ging die Zahl der Asylanträge um 60,8 Prozent zurück. Geht man noch ein Jahr zurück – vor dem Rekordjahr 2015 – zeigt sich, dass die registrierten Asylanträge mittlerweile fast auf einem ähnlichen Niveau sind: So erreichten Österreich von Jänner bis Juli 2014 insgesamt 11.625 Asylanträge.

 

Lagen die monatlich registrierten Asylanträge 2014 zwischen 1.200 und 4.200, stiegen diese 2015 auf bis zu 12.300 Anträge (Oktober). Im laufenden Jahr bewegen sich die monatlichen Asylanträge zwischen 1.908 (April 2017) und 2.220 (Jänner 2017).

 

 

12.914 zugelassene Asylanträge, 63.782 offene Verfahren

Zu Beginn des Jahres 2016 reagierte die österreichische Regierung mit Obergrenzen auf die Flüchtlingsmigration: Für 2016 wurde eine Obergrenze von 37.500, für 2017 von 35.000 AsylwerberInnen vereinbart. Verglichen mit den Asylanträgen, die zu einem Asylverfahren zugelassen wurden, wurde diese Obergrenze bis dato nicht erreicht. So wurden 2016 unabhängig vom Antragsdatum 36.030 AsylwerberInnen zum Verfahren zugelassen, bis Juli 2017 waren es 12.914.

 

Asylanträge und beschlossene Obergrenze

Asylanträge und beschlossene Obergrenze, * gestellte und zugelassene Asylanträge für 2017 beziehen sich auf die Anträge bis Ende Juli, Quelle: BM.I, eigene Darstellung

 

Gleichzeitig warten nach wie vor viele AsylwerberInnen auf eine Entscheidung ihres Verfahrens, wenn auch immer weniger: So waren Ende 2015 noch 79.723 Asylverfahren offen, Ende 2016 waren es 76.409 und Ende Juli 2017 63.782.

 

49.617 Asylverfahren seit 2015 positiv entschieden

Von 2015 bis Ende Juli 2017 wurden laut den Statistiken des Innenministeriums insgesamt 49.617 rechtskräftig positive und 34.539 negative Asylentscheidungen getroffen. Zudem wurde 10.466 Personen subsidiärer Schutz und weiteren 4.453 humanitärer Schutz gewährt.

 

Allein heuer wurde 4.289 Personen subsidiärer Schutz gewährt. 2015 war es 2.478 subsidiäre Schutzgewährungen. Zudem wurden in diesem Jahr bis Ende Juli 12.897 rechtskräftige positive und 8.263 negative Asylentscheidungen getroffen.

 

Asylentscheidungen 2015 – 2017

Asylentscheidungen 2015 – 2017, * Zahlen für 2017 bis Ende Juli, Quelle: BM.I, eigene Darstellung

 

Wirft man einen Blick auf die prozentuelle Verteilung der Entscheidungen der Asylverfahren zeigt sich, dass die Asylanerkennungen seit 2015 zunehmen. So wurden 2015 40,5 Prozent der Asylverfahren positiv im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention und 37 Prozent negativ entschieden. 2017 wurde bis Ende Juli fast die Hälfte der Asylverfahren positiv entschieden (49,3 Prozent).

 

Asylverfahrensentscheidungen 2015 – 2017 in %

Asylverfahrensentscheidungen 2015 – 2017 in %, * Zahlen für 2017 bis Ende Juli, Quelle: BM.I, eigene Darstellung

 

Freiwillige Ausreisen nehmen ab

Im 1. Halbjahr 2017 führte das BFA insgesamt 5.858 Außerlandesbringungen von AsylwerberInnen durch. Mit 61 Prozent (3.553) erfolgten die meisten Ausreisen zwangsweise. 39 Prozent (2.305 Personen) verließen Österreich freiwillig.

 

Damit konnten laut BFA die Außerlandesbringungen zwar um zehn Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2016 gesteigert werden, die freiwilligen Ausreisen sanken jedoch um 30 Prozent. Auch 2015 gab es deutlich mehr freiwillige (5.087 Personen bzw. 61 Prozent) als unfreiwillige Ausreisen (3.278 Personen bzw. 39 Prozent). 

 

Außerlandesbringungen 2015 – 2017

Außerlandesbringungen 2015 – 2017, Quelle: BFA, eigene Darstellung

 

Weitere Informationen und Kontakte

 

Asylstatistiken des BM.I

 

Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Bundesministeriums für Inneres;  Tel: 01 53126 – 2490, karl-heinz.grundboeck@bmi.gv.at;

 

Statistiken des BFA, BFA-Stabsstelle@bmi.gv.at

 

 

Siehe auch MSNÖ-Artikel:

 

Zuwanderung rückläufig, aber weiter auf hohem Niveau

 

Asylanträge weiterhin rückläufig

 

Mittelmeer-Route: Mehr als 112.000 Menschen flüchteten bis Juli 2017

 

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