Mittelmeer-Route: Mehr als 112.000 Menschen flüchteten bis Juli 2017

Mittelmeer-Route: Mehr als 112.000 Menschen flüchteten bis Juli 2017

Aug 1, 2017

Factbox

  • 94.000 Flüchtlinge kamen über die Mittelmeer-Route in Italien an
  • 72 Prozent der Geflüchteten sind Männer und 16,1 Prozent Kinder
  • Flüchtlinge vor allem aus Nigeria, Guinea und Elfenbeinküste
  • UNHCR geht von mehr als 2.300 Toten und Vermissten aus
  • 24.600 Flüchtlinge aus Italien und Griechenland umverteilt

 

Etwas mehr als 112.000 Flüchtlinge sind bis Ende Juli 2017 (Stichtag 26. Juli) über das Mittelmeer nach Europa gekommen. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl stark zurück. Die meisten Flüchtlinge kommen in Italien an und stammen aus Nigeria, Guinea und der Elfenbeinküsten. Obwohl die Zahl der Flüchtlinge auf der Mittelmeer-Route von 2016 auf 2017 stark rückläufig ist, ging die Zahl der Toten und Vermissten nach Schätzungen des UNHCR nur leicht zurück. Die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) liefert einen Überblick zur Flüchtlingssituation auf der Mittelmeer-Route.

 

Mittelmeer-Route: 112.000 Flüchtlinge

Mehr als 112.000 Flüchtlinge kamen 2017 bis dato über das Mittelmeer nach Europa (Stichtag 26. Juli 2017). Dabei kam es insbesondere im Mai und Juni zu einem Anstieg, als 26.000 bzw. 27.900 Flüchtlinge Europa über das Mittelmeer erreichten. Zum Vergleich: Im April waren es rund 15.000.

 

Der Großteil der Flüchtlinge kam zuerst in Italien an, nämlich rund 94.000. Etwa 11.000 kamen in Griechenland an, 6.500 in Spanien und knapp 400 in Zypern.

 

Zum Vergleich: Vor einem Jahr sind zwischen Jänner und Juni insgesamt 297.227 Menschen über das Mittelmeer geflüchtet. Im gesamten Jahr 2016 kamen 362.753 Personen über die Mittelmeer-Route nach Europa.

 

Situation_am_Mittelmeer_2017

Ankünfte über das Mittelmeer (Stichtag 26. Juli 2017), Quelle: UNHCR

 

Route über Italien wichtiger als über Griechenland

Wirft man einen Blick auf die täglichen Ankünfte in Griechenland und Italien seit 2015 zeigt sich deutlich, dass sich die Flüchtlingsroute immer stärker nach Italien verlagert hat. So kamen 2015 674.000 der insgesamt 800.000 Personen, die über die Mittelmeer-Route flüchteten, in Griechenland und 143.500 in Italien an. Allein im Oktober gab es Tage, an denen bis zu 10.000 Personen nach Griechenland flüchteten. Seit September 2016 befindet sich die Zahl der täglichen Ankünfte in Griechenland im dreistelligen Bereich.

 

 

 

Aufgrund der Verschiebung der wichtigsten Flüchtlingsroute von Griechenland nach Italien wird in Österreich die Einführung vorübergehender Grenzkontrollen am Brenner diskutiert. Laut der Tiroler Polizeidirektion sind die Grenzübertritte von Italien nach Österreich jedoch überschaubar. So sind seit Jänner rund 4.000 Grenzübertritte registriert worden (Stichtag: 27. Juli). Pro Tag kommen durchschnittlich 25 Flüchtlinge von Italien nach Griechenland.

 

72 Prozent der Geflüchteten sind männlich

Mit einem Anteil von 72 Prozent ist der Großteil der Flüchtlinge, die 2017 über die Mittelmeer-Route Europa erreichten, laut Angaben des UNHCRs männlich. 11,9 Prozent sind Frauen und 16,1 Prozent Kinder. Allein im ersten Quartal kamen mehr als 5.000 geflüchtete Kinder in Griechenland, Italien, Bulgarien oder Spanien an. Rund 70 Prozent von ihnen sind unbegleitete bzw. von ihren Eltern getrennte Kinder.

 

Größte Herkunftsländer: Nigeria, Guinea und Elfenbeinküste

Im ersten Halbjahr 2017 stammten mit 14,8 Prozent die meisten Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa kamen, aus Nigeria (14.120 Personen), gefolgt von Guinea (9.193 Personen bzw. 9,6 Prozent) und aus der Elfenbeinküste (8.635 bzw. 9,1 Prozent). Weitere starke Herkunftsländer sind Bangladesch (8.241 bzw. 8,6 Prozent) und Syrien (6,3 Prozent).

 

Dabei gibt es einen deutlichen Unterschied bei den Herkunftsländern, je nachdem wo die Geflüchteten ankommen. Nach Griechenland kommen nach wie vor zu einem großen Teil SyrerInnen: Im Mai 2017 kamen 694 und im Juni 725 syrische Flüchtlinge in Griechenland an. Danach folgen IrakerInnen mit 312 Personen im Juni und die demokratische Republik Kongo mit 171 Personen.

 

Ankünfte in Griechenland nach Herkunftsland, Mai und Juni 2017

Ankünfte in Griechenland nach Herkunftsland, Mai und Juni 2017, Quelle: UNHCR, eigene Darstellungen

 

Bei den Ankünften in Italien liegt hingegen Nigeria auf Platz eins: Im Mai kamen 4.033 NigerianerInnen über das Mittelmeer nach Italien und im Juni 4.832. Auch die Zahl der Flüchtlinge aus Eritrea stieg in diesem Zeitraum von 1.300 auf 2.192 an. Die Zahl der Personen aus Bangladesch ging stark zurück: Im Mai flüchteten 2.461 Personen nach Italien und im Juni 1.135.

 

Ankünfte in Italien nach Herkunftsland, Mai und Juni 2017

Ankünfte in Italien nach Herkunftsland, Mai und Juni 2017, Quelle: UNHCR, eigene Darstellung

 

2.365 Tote und Vermisste

Im ersten Halbjahr 2017 kamen laut Schätzungen des UNHCR 2.253 Flüchtlinge am Mittelmeer ums Leben oder wurden als vermisst gemeldet. Obwohl die Zahl der Flüchtlinge auf der Mittelmeer-Route von 2016 auf 2017 stark rückläufig ist, ging die Zahl der Toten und Vermissten nur leicht zurück. So waren es 2016 2.896. Die meisten Vermissten und Toten gab es auf der zentralen Mittelmeer-Route auf dem Weg nach Italien.

 

Tote und Vermisste 2016 und 2017

Tote und Vermisste 2016 und 2017, Quelle: UNHCR

 

Relocation: 24.676 Flüchtlinge von Italien und Griechenland umverteilt

Um Italien und Griechenland zu entlasten, wurde 2015 die Umverteilung von Flüchtlingen aus diesen Ländern auf die anderen EU-Mitgliedsstaaten beschlossen. Insgesamt sollten 106.000 Flüchtlinge aus Griechenland (66.400) und Italien (39.600) auf andere EU-Mitgliedsstaaten verteilt werden. Bis jetzt wurden 24.676 Flüchtlinge umverteilt. 7.873 von ihnen aus Italien und 16.803 aus Griechenland (Stichtag 24. Juli 2017).

 

Drei Länder haben nach wie vor noch keine Flüchtlinge im Rahmen des Relocation-Programms aufgenommen. Dazu zählt neben Ungarn und Polen auch Österreich. Die meisten Flüchtlinge wurden nach Deutschland (6.972), gefolgt von Frankreich (3.945) und den Niederlanden (2.152) umverteilt.

 

Top 10 Aufnahmeländer des Relocation-Programms

Top 10-Aufnahmeländer des Relocation-Programms, Quelle: Europäische Kommission, eigene Darstellung

 

Resettlement: Mehr als 17.000 Flüchtlinge umgesiedelt

Neben dem Relocation-Programm vereinbarte die EU ein Resettlement-Programm. Dabei sollen 22.000 Personen von der Türkei in andere EU-Mitgliedsstaaten umgesiedelt werden, um sichere Fluchtwege sicherzustellen. Zusätzlich wurde mit dem EU-Türkei-Deal im März 2016 vereinbart, dass für jeden syrischen Flüchtling, der von Griechenland in die Türkei zurückgeschickt wird, ein syrischer Flüchtling aus der Türkei in die EU umgesiedelt wird (1:1-Mechanismus).

 

Mit Stichtag 24. Juli wurden im Rahmen dieser zwei Programme insgesamt 17.179 Flüchtlinge umgesiedelt, 7.806 von ihnen nach dem 1:1-Mechanismus. Die meisten Flüchtlinge wurden nach Norwegen (3.421), in das Vereinigte Königreich (2.200) und nach Frankreich (1.903) umgesiedelt. Österreich hat insgesamt 1.802 Flüchtlinge aufgenommen und liegt damit auf Platz vier.

 

Top 10 Aufnahmeländer des Resettlement-Programms und des 1:1 Mechanismus

Top 10-Aufnahmeländer des Resettlement-Programms und des 1:1-Mechanismus, Quelle: Europäische Kommission, eigene Darstellung

 

Weitere Informationen und Kontakte:

 

Asylstatistiken des BM.I

 

Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Bundesministeriums für Inneres; karl-heinz.grundboeck@bmi.gv.at; Tel: 01 53126 – 2490

 

UNHCR-Daten zur Fluchtroute über das Mittelmeer

 

Ruth Schöffl; Sprecherin von UNHCR Österreich; schoeffl@unhcr.org; Tel: 01 26060 5307

 

Fact Sheets zu Migration von der Europäischen Kommission

 

Pressesprecher der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich, Falk Kunadt, Tel.: 01 516 18 324, falk.kunadt@ec.europa.eu

 

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