Fünf Millionen Menschen migrierten 2016 in OECD-Länder

Fünf Millionen Menschen migrierten 2016 in OECD-Länder

Jun 29, 2017

Factbox

  • Migration in OECD-Länder erreichte neuen Höhepunkt
  • Beliebteste Zielländer: USA, Deutschland, Vereinigtes Königreich
  • Häufigster Migrationsgrund: Familienmigration
  • Humanitäre Migration nimmt in Österreich zu
  • 400.000 Kinder migrierten 2015 aus familiären Gründen in europäische OECD-Länder
  • FamilienmigrantInnen schlechter in Arbeitsmarkt integriert

 

Rund fünf Millionen Menschen sind 2016 dauerhaft in ein OECD-Land migriert. Damit wurde ein neuer Höchststand erreicht, heißt es im heute veröffentlichten „International Migration Outlook 2017“ der OECD. Die beliebtesten Zielländer sind die USA, Deutschland und das Vereinigte Königreich.

 

Nach Österreich wanderten 2015 103.000 Personen dauerhaft zu. Verglichen mit 2014 nahm hier insbesondere die humanitäre Migration stark zu. Der aktuelle OECD-Bericht gibt einen Überblick über die Migrationsbewegungen in den vergangenen Jahren mit Fokus auf die Familienmigration sowie auf die Arbeitsmarktintegration. Die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) fasst wesentliche Ergebnisse zusammen.

 

Fünf Millionen Menschen migrierten in OECD-Länder

Laut den vorläufigen Zahlen der OECD migrierten im vergangenen Jahr rund fünf Millionen Personen permanent in die OECD Länder. Damit wurde der bisherige Höchststand der permanenten Migration aus dem Jahr 2007 überschritten.

 

Permanente Migration in OECD Länder bis 2016  Permanente Migration in die OECD-Länder, Quelle: OECD, eigene Darstellung

 

Genauere Zahlen, die auch nach den Gründen der Migration aufschlüsseln, gibt es nur für 2015: Wie in den Jahren zuvor entfällt ein Großteil der Wanderungen auf die Familienmigration (38,2 Prozent) sowie auf die Personenfreizügigkeit (32,6 Prozent).

 

Dennoch zeigt sich, dass der Anstieg der Migration in erster Linie auf Konflikte – insbesondere in Syrien – zurückzuführen ist: So entfallen auf die humanitäre Migration 12,8 Prozent der gesamten permanenten Migration, gegenüber 2014 stieg die Zahl der humanitären MigrantInnen jedoch um 50 Prozent. Die Arbeitsmigration ging hingegen um sechs Prozent zurück und macht 11,2 Prozent der gesamten Migration aus.

 

Insgesamt wurden 2016 im OECD-Raum 1.639.940 Asylanträge gestellt – ähnlich wie ein Jahr zuvor (1.661.490). Aktuelle Zahlen zu Flucht und Asyl sind im Artikel „Höchststand: 65,6 Millionen Menschen Flüchtlinge und Vertrieben weltweit“ zusammengestellt.

 

Beliebteste Zielländer: USA, Deutschland, UK

Bezüglich der Zielländer stehen Zahlen aus dem Jahr 2015 zur Verfügung: Demnach liegen nach wie vor die USA auf Platz eins der Migrationszielländer. Mehr als eine Million MigrantInnen migrierten in die USA, um sich dort permanent niederzulassen. Gegenüber dem Jahr zuvor entspricht das einem Plus von drei Prozent. Dahinter folgt Deutschland mit 686.000 MigrantInnen (+ 19 Prozent), auf Platz drei liegt das Vereinigte Königreich (378.000, plus 4 Prozent).

 

Österreich liegt im Mittelfeld auf Platz 13 mit 103.000 MigrantInnen. Gegenüber 2014 entspricht das einem Plus von 26 Prozent.  

 

Humanitäre Migration in Österreich angestiegen

In Österreich ist der Anteil des freien Personenverkehrs mit 68,9 Prozent um einiges höher als im OECD-Durchschnitt. Gegenüber 2014 ging die Zahl jedoch leicht zurück (71,1 Prozent). Der Anteil der humanitären Migration stieg hingegen stark an – von 9,4 Prozent 2014 auf 15,3 Prozent 2015.

 

Permanente Migration nach Migrationsgrund Österreich

Permanente Migration nach Migrationsgrund Österreich 2015, Quelle: OECD, eigene Darstellung

 

Neben der permanenten Migration kamen 2015 auch 13.600 Personen für einen temporären Aufenthalt nach Österreich. Der Großteil der temporären MigrantInnen waren SaisonarbeiterInnen (6.900) sowie Studierende (5.900). Während die Zahl der internationalen Studierenden 2015 zunahm (2014: 5.400), ging die Zahl der SaisonarbeiterInnen zurück (2014: 7.200).

 

Top-Herkunftsländer: China, Syrien, Rumänien

Wirft man einen Blick auf die Herkunftsländer der MigrantInnen zeigt sich, dass die meisten MigrantInnen aus China kamen (7,8 Prozent aller MigrantInnen). Gegenüber 2014 ging die Zahl um drei Prozent zurück. Die Migration von SyrerInnen hingegen stieg um 234 Prozent. 2015 kamen 6,2 Prozent aller MigrantInnen aus Syrien. Danach folgen Rumänien (6,1 Prozent), Polen (4,4 Prozent) und Indien (3,9 Prozent).

 

Häufigster Migrationsgrund: Familienmigration

Ein Teil des OECD-Berichts fokussiert sich auf die Familienmigration, da sie in den vergangenen Jahren den Großteil der permanenten Migration ausmachte. 2015 erhielten mehr als 1,6 Millionen einen Aufenthaltstitel aus einem familiären Grund. Das entspricht 38 Prozent an allen permanenten MigrantInnen.

 

Danach folgt die Personenfreizügigkeit – jedoch wird auch in diesem Bereich angenommen, dass viele von ihnen aus familiären Gründen migrieren. Laut einer Eurostat-Umfrage gaben 30 Prozent der EU-BürgerInnen, die in ein anderes EU-Land auswanderten, „Familie“ als Grund für ihre Migration an. Das entspricht rund 400.000 Personen.

 

Hier zeigen sich große Unterschiede je nach Land. In den USA erhielten 2015 754.000 Personen einen Aufenthaltstitel aus familiären Gründen. Insgesamt migrierten etwa zwei Drittel aller FamilienmigrantInnen in vier Länder: USA, Kanada, Australien und Neuseeland. Österreich findet sich am Ende der Liste, weiter hinten liegen nur Luxemburg, Irland, Finnland und Portugal.

 

Großteil der FamilienmigrantInnen weiblich

Laut der OECD zeichnen sich FamilienmigrantInnen durch eine große Heterogenität aus, ein Phänomen zieht sich jedoch durch alle OECD-Länder: In den vergangenen Jahren lag der Frauenanteil immer über 50 Prozent. 53 Prozent der MigrantInnen, die 2015 aus familiären Gründen in ein europäisches OECD-Land auswanderten, waren weiblich. In Österreich lag der Frauenanteil bei 55,6 Prozent

 

400.000 Kinder unter 15

400.000 MigrantInnen, die aus familiären Gründen in ein anderes Land zogen, waren unter 15 Jahre alt. Mindestens 130.000 waren sogar unter vier Jahre. Allein in die europäischen OECD-Länder migrierten rund 200.000 Kinder unter 15. Nach Österreich migrierten 13.935, von ihnen sind 9.141 unter vier Jahre alt.

 

MigrantInnen aus familiären Gründen unter 15 Jahre nach den wichtigsten Zielländern 2015 (ohne Flüchtlinge)

MigrantInnen aus familiären Gründen unter 15 Jahre nach den wichtigsten Zielländern 2015 (ohne Flüchtlinge), für Deutschland und Frankreich stehen keine genaueren Aufschlüsselungen zur Verfügung, Quelle: OECD, eigene Darstellung

 

Beschäftigungsquote bei MigrantInnen steigt

Laut der OECD verbesserte sich der Zugang zum Arbeitsmarkt für MigrantInnen im Jahr 2016: Lag die Beschäftigungsquote bei der Migrationsbevölkerung (erste Generation) in allen OECD-Ländern 2015 bei 66,4 Prozent, stieg diese ein Jahr darauf auf 67,4 Prozent. Dementsprechend ging die Arbeitslosenquote bei MigrantInnen um 0,9 Prozent zurück: 2016 betrug sie in allen OECD-Ländern 8,3 Prozent.

 

Hier zeigen sich jedoch große Unterschiede je nach Region und Land: Positive Entwicklungen zeigen sich insbesondere in Australien, Neuseeland und Kanada, während die Arbeitsmarktintegration von MigrantInnen in europäischen OECD-Ländern nur langsam vorangeht. So lag die Beschäftigungsquote 2016 bei MigrantInnen bei 63 Prozent und die Arbeitslosenquote bei 12,4 Prozent. Zum Vergleich: Im Inland geborene Personen weisen eine Beschäftigungsquote von 67,6 Prozent und eine Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent auf.

 

In Österreich zeigt sich nach den Daten der Statistik Austria ein erheblicher Unterschied bei der Arbeitslosenquote. Im Jahresdurchschnitt 2016 betrug diese bei im Inland geborenen Personen 4,7 Prozent und bei jenen, die im Ausland geboren wurden, 11,3 Prozent – ein Unterschied von 6,6 Prozentpunkten.

 

 

Beschäftigungsquote

Arbeitslosenquote

 

Im Inland Geborene

Im Ausland Geborene

Im Inland Geborene

Im Ausland Geborene

OECD-Länder

66,7 %

67,4 %

6,5 %

8,3 %

Europäische OECD-Länder

67,6 %

63,0 %

8,1 %

12,4 %

Österreich

57,7 %

56,8 %

4,7 %

11,3 %

Beschäftigungsquote / Arbeitslosenquote nach Geburtsland 2016, Quelle: OECD/Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Junge MigrantInnen öfter nicht in Ausbildung oder am Arbeitsmarkt

15-24-jährige MigrantInnen sind öfters nicht in Ausbildung, am Arbeitsmarkt oder in Schulungen (NEET). Im OECD-Durchschnitt lag die NEET-Quote 2015/16 bei MigrantInnen bei 17,8 Prozent, bei im Inland geborenen Personen bei 11,9 Prozent. Österreich liegt leicht über dem OECD-Durchschnitt. So lag die NEET-Quote 2015 bei MigrantInnen bei 18,9 Prozent, bei in Österreich geborenen Personen hingegen bei acht Prozent.

 

NEET-Quote nach einzelnen OECD-Länder 2016

NEET-Quote nach einzelnen OECD-Länder 2016, Daten für Europa und die Türkei stehen nur für 2015 zur Verfügung, Quelle: OECD, eigene Darstellung

 

FamilienmigrantInnen schlechter in Arbeitsmarkt integriert        

Laut dem OECD-Bericht brauchen MigrantInnen, die aus familiären Gründen auswandern, deutlich länger, um sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren, als MigrantInnen anderer Kategorien oder im Inland geborene Personen. Aufgrund dieser Schlechterstellung plädiert die OECD, das Management der Familienmigration zu verbessern.

 

Als wenig hilfreich benennt die OECD dabei Beschränkungen bei der Familienzusammenführung wie bestimmte Einkommensnachweise oder Mindestaufenthalte. Diese Beschränkungen würden die Familienmigration nicht verhindern, sondern nur verzögern und die Migration würde über andere Wege – oft über die der illegalen Migration – stattfinden. Zudem könne eine restriktive Agenda in puncto Familienmigration dazu führen, dass hochqualifizierte ArbeitsmigrantInnen nicht in das Land kommen.        

 

 

Weitere Informationen und Kontakte:

 

Der OECD-Bericht „International Migration Outlook 2017“ steht in der iBib zum Download zur Verfügung.

 

Leiter der Abteilung Erwerbstätigkeit, Arbeitsmarkt und Soialwesen bei der OECD, Jean Christophe Dumont, jean-christophe.dumont@oecd.org, Tel.: +33 1 45 24 92 43

 

Leiter der Abteilung für Internationale Migration bei der OECD, Thomas Liebig, Thomas.Liebig@oecd.org, Tel.: +33 1 45 24 90 68

 

Siehe auch folgende MSNÖ-Artikel:

2016 flüchteten mehr als 100.000 Kinder über das Mittelmeer

 

Familiennachzug: Zahl der Einreiseanträge stieg um 22 Prozent

 

Asyl in der EU: Unterschiedliche Rechte für Flüchtlinge

 

Migration weltweit: Österreich auf Platz 35

 

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.