Höchststand: 65,6 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene weltweit

Höchststand: 65,6 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene weltweit

Jun 20, 2017

Factbox

  • Etwa die Hälfte der Flüchtlingsbevölkerung ist minderjährig
  • 55 Prozent der Flüchtlinge stammen aus drei Ländern
  • 84 Prozent der Flüchtlinge leben in Entwicklungsländern
  • Deutschland erhielt die meisten Erst-Asylanträge, Österreich auf Platz sieben
  • 552.200 Flüchtlinge in die Heimat zurückgekehrt
  • 2017: 78.000 Flüchtlinge überquerten bisher das Mittelmeer, 1.800 starben dabei

 

65,6 Millionen Menschen sind weltweit von Flucht und Vertreibung betroffen – laut der aktuellen UNHCR-Statistik ein erneuter Höchststand. Gegenüber dem Jahr zuvor stieg diese Zahl um rund 300.000 Personen.

 

Von den 17,2 Millionen Flüchtlingen, die unter dem UNHCR-Mandat stehen, stammen 54,9 Prozent aus drei Ländern: Syrien, Afghanistan und Südsudan. Insbesondere die Zahl der Flüchtlinge aus dem Südsudan stieg im vergangenen Jahr stark an.

 

Nach wie vor lebt die Mehrheit der Flüchtlinge in sogenannten Entwicklungsländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen (84 Prozent). Setzt man die Zahl der Flüchtlinge in Relation zur Bevölkerungszahl der Zielländer, liegt der Libanon deutlich auf Platz eins der Top-Zielländer. In Österreich lebten 2016 10,88 Flüchtlinge pro 1.000 EinwohnerInnen. Damit liegt Österreich auf Platz 16.

 

Einer von 113 Menschen von Flucht und Vertreibung betroffen

Laut der neuen UNHCR-Jahresstatistik gab es Ende 2016 weltweit rund 65,6 Millionen Menschen, die von Flucht und Vertreibung betroffen waren – um 300.000 Menschen mehr als im Jahr zuvor. In Relation zur Weltbevölkerung ist damit einer von 113 Menschen von Flucht und Vertreibung betroffen.

 

Laut UNHCR verlangsamte sich der Anstieg von Flucht und Vertreibung im Jahr 2016. So lag der Zuwachs der weltweit Vertriebenen in den vergangenen fünf Jahren jeweils in Millionenhöhe. 2012 registrierte das UNHCR 45,2 Millionen Menschen, die zur Flucht und Vertreibung gezwungen wurden. 2013 waren es 51,2 Millionen Menschen, 2014 59,5 Millionen und 2015 wurde mit 65,3 Millionen Menschen erstmals die 60-Millionen-Marke überschritten.

 

Gleichzeitig blieb die Zahl jener Personen, die 2016 neu zur Flucht gezwungen wurden mit 10,3 Millionen Menschen auf einem hohen Niveau. Anders ausgedrückt: Durchschnittlich musste im vergangenen Jahr alle drei Sekunden ein Mensch fliehen.

 

Vertriebene und Flüchtlinge weltweit 2007 – 2016 (in Millionen)

Vertriebene und Flüchtlinge weltweit 2007 – 2016 (in Millionen), Quelle: UNHCR, eigene Darstellung

 

Unter den insgesamt 65,6 Millionen geflüchteten und vertriebenen Menschen sind 22,5 Millionen Flüchtlinge, 40,3 Millionen Binnenvertriebene und 2,8 Millionen Asylsuchende. Innerhalb der Flüchtlinge fallen 17,2 Millionen in den Verantwortungsbereich des UNHCR und 5,3 Millionen sind palästinensische Flüchtlinge, die bei der Schwesterorganisation UNRWA registriert sind.

 

Vergleicht man die Zahlen mit dem Jahresende 2015, zeigt sich dass die Zahl der Binnenvertriebenen (2015: 40,8 Millionen Menschen) und der Asylsuchenden (2015: 3,2 Millionen Menschen) etwas rückläufig ist, während die Zahl der Flüchtlinge (2015: 21,3 Millionen Menschen) anstieg.

 

Hälfte der Flüchtlingsbevölkerung unter 18 Jahre alt

Wirft man einen Blick auf die Flüchtlinge nach demographischen Merkmalen, zeigt sich dass mit 51 Prozent rund die Hälfte der Geflüchteten minderjährig sind. Dabei machen Kinder und Jugendliche geschätzt nur 31 Prozent der gesamten Weltbevölkerung aus. Der Frauenanteil bei den Geflüchteten lag im Jahr 2016 bei 49 Prozent.

 

 

 

Frauen

Alter

Unter 18

18 – 59

Über 60

2014

49%

51%

46%

3%

2015

47%

51%

46%

3%

2016

49%

51%

45%

4%

Demographische Verteilung der Flüchtlinge, Quelle: UNHCR, eigene Darstellung

 

Zudem wurden 2016 75.000 Asylanträge von Kindern gestellt, die allein oder von ihren Eltern getrennt fliehen mussten. Damit ging die Zahl gegenüber 2015 zurück (98.400), ist jedoch weiterhin auf einem hohen Niveau. So stellten 2014 34.300 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einen Asylantrag, 2013 waren es 25.300.

 

Mehr als Hälfte der Flüchtlinge aus drei Ländern

Von den 17,2 Millionen Flüchtlingen, die unter dem UNHCR-Mandat stehen, stammen 54,9 Prozent aus drei Ländern – nämlich aus Syrien, Afghanistan und dem Südsudan.

 

Syrien stellt dabei nach wie vor die größte Gruppe der Flüchtlinge: So waren 2016 zwölf Millionen SyrerInnen von Flucht und Vertreibung betroffen. Das entspricht fast zwei Dritteln der Gesamtbevölkerung. 5,5 Millionen SyrerInnen waren Ende 2016 beim UNHCR als Flüchtlinge registriert. An zweiter Stelle folgt Afghanistan mit einer Flüchtlingsbevölkerung von 2,5 Millionen. Gegenüber dem Jahr zuvor ging die Zahl der afghanischen Flüchtlinge leicht zurück.

 

Ein deutlich anderer Trend ist bei den südsudanesischen Flüchtlingen erkennbar: So registrierte das UNHCR Ende 2016 1,4 Millionen südsudanesische Flüchtlinge. Im Vergleich zu 2015 entspricht das einem Plus von 84,5 Prozent. Damit ist der Südsudan aufgrund der dortigen Konflikte die schnellste wachsende Flüchtlingsbevölkerung. Insgesamt sind 3,3 Millionen SüdsudanesInnen von Flucht und Vertreibung betroffen.

 

Flüchtlinge unter dem UNHCR-Mandat 2015 und 2016 nach Herkunftsland

Flüchtlinge unter dem UNHCR-Mandat 2015 und 2016 nach Herkunftsland, Quelle: UNHCR, eigene Darstellung

 

84 Prozent der Flüchtlinge leben in Entwicklungsländern

14,5 Millionen bzw. 84 Prozent der Flüchtlinge, die unter dem UNHCR-Verantwortungsbereich fallen, lebten 2016 in Entwicklungsländern. Wirft man einen Blick auf die zehn stärksten Zielländer, liegt die Türkei mit 2,9 Millionen Flüchtlingen deutlich an der Spitze der Liste. Danach folgen Pakistan mit 1,4 Millionen und der Libanon mit einer Million Flüchtlinge.

 

Flüchtlinge unter dem UNHCR-Mandat nach Zielland

Flüchtlinge unter dem UNHCR-Mandat nach Zielland, Quelle: UNHCR, eigene Darstellung

 

Setzt man die Zahl der Flüchtlinge in Relation zur Bevölkerung des jeweiligen Ziellandes, liegt der Libanon mit 169 pro 1.000 EinwohnerInnen deutlich auf Platz eins. Danach folgen Jordanien mit 88 und Nauru mit 49 Flüchtlingen pro 1.000 EinwohnerInnen, wobei Nauru insgesamt nur rund 10.000 EinwohnerInnen hat und damit zu einem der bevölkerungärmsten Staaten weltweit zählt.

 

In Österreich lebten 2016 10,88 Flüchtlinge pro 1.000 EinwohnerInnen. Damit liegt Österreich auf Platz 16. Im Vergleich zum Nachbarland Deutschland leben in Österreich mehr Flüchtlinge in Relation zur Bevölkerung. Deutschland liegt hier auf Platz 22 (8,3 Flüchtlinge/1.000 EinwohnerInnen).

 

Flüchtlinge unter dem UNHCR-Mandat nach Zielland und in Relation zur Bevölkerung

Flüchtlinge unter dem UNHCR-Mandat nach Zielland und in Relation zur Bevölkerung, Quelle: UNHCR, eigene Darstellung

 

Deutschland mit den meisten Erst-Asylanträge

2016 wurden 2,2 Millionen Asylanträge in 164 verschiedenen Ländern registriert. Etwa zwei Millionen davon waren Erst-Asylanträge. Wie schon 2015 ist Deutschland jenes Land, in dem die meisten Erstasylanträge eingingen: Im Jahr 2016 waren es 722.400. An zweiter Stelle folgen die Vereinigten Staaten von Amerika mit 262.000 Erst-Asylanträgen, gefolgt von Italien (123.000), der Türkei (78.600) und Frankreich (78.400). Auch Österreich ist in der Liste der Top-Ten-Zielländer von Asylsuchenden: Mit 39.900 Erst-Asylanträgen liegt Österreich auf Platz sieben.  

 

Erst-Asylanträge im Jahr 2016 nach Zielland

Erst-Asylanträge im Jahr 2016 nach Zielland, Quelle: UNHCR, eigene Darstellung

 

Unterschieden nach dem Herkunftsland liegt Syrien – wie in den drei Jahren zuvor – bei den Erst-Asylanträgen auf Platz eins (347.600 Erst-Asylanträge), gefolgt von Afghanistan (237.800) und dem Irak (185.100).

 

2016 wurden laut den vorläufigen UNHCR-Daten weltweit 2,8 Millionen Asylentscheidungen getroffen. 546.372 Asylsuchende erhielten Flüchtlingsstatus nach der Genfer Konvention und 335.176 eine andere Form von Schutz. 598.402 der Asylanträge wurden negativ entschieden.

 

552.200 Flüchtlinge in die Heimat zurückgekehrt

Die Zahl jener Menschen, die in ihre Heimat zurückkehren konnten, stieg im Jahr 2016 an: So kehrten 201.400 Flüchtlinge nach Hause zurück. Das sind deutlich mehr als 2015 (201.400). Der Großteil davon kehrte laut dem UNHCR-Bericht trotz der schwierigen Situation nach Afghanistan zurück (384.000 Personen).

 

Rückkehr in die Heimat 1990 bis 2016

Rückkehr in die Heimat 1990 bis 2016, Quelle: UNHCR, eigene Darstellung

 

362.753 Personen kamen über Mittelmeer nach Europa

Nicht umfasst im aktuellen UNHCR-Bericht sind Statistiken zur Situation auf der Mittelmeer-Route, Zahlen stehen trotzdem zur Verfügung: So kamen 362.753 Flüchtlinge im Jahr 2016 über das Mittelmeer nach Europa. 5.096 Personen kamen ums Leben oder wurden als vermisst gemeldet. Zum Vergleich: 2015 flüchteten mehr als eine Million Personen über das Mittelmeer nach Europa. Dabei kamen 856.7000 in Griechenland, 153.800 in Italien und 15.400 in Spanien an. 3.771 Personen wurden 2015 als tot oder vermisst gemeldet.

 

2017 ging die Zahl der Mittelmeer-Überquerungen deutlich zurück: Mit 16. Juni 2017 erreichten 77.018 Flüchtlinge Europa über die Mittelmeer-Route. Rund 70.000 von ihnen kamen in Italien an. Trotz diesen Rückgangs werden nach wie vor viele Menschen, die versuchen das Mittelmeer zu überqueren, als tot oder vermisst gemeldet: Bis Ende Mai 2017 waren es 1.778 Personen. Im Vergleichszeitraum 2016 waren es 2.537.

 

 

Weitere Informationen und Kontakte:

 

Der UNHCR-Bericht „Global Trends. Forced Displacement in 2016“ ist in der iBibliothek abrufbar.

 

UNHCR-Daten zur Fluchtroute über das Mittelmeer

 

Ruth Schöffl; Sprecherin von UNHCR Österreich; schoeffl@unhcr.org; Tel: 01 26060 5307

 

Asylstatistiken des BM.I

 

Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Bundesministeriums für Inneres; karl-heinz.grundboeck@bmi.gv.at; Tel: 01 53126 – 2490

 

Siehe auch folgende MSNÖ-Artikel:

1. Quartal 2017: 6.480 Asylanträge – Rückgang um 55 %

 

UNHCR: Lösungsvorschläge für besseren Flüchtlingsschutz

 

Asyl in der EU: Unterschiedliche Rechte für Flüchtlinge

 

2016 flüchteten mehr als 100.000 Kinder über das Mittelmeer

 

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   

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