2016 flüchteten mehr als 100.000 Kinder über das Mittelmeer

2016 flüchteten mehr als 100.000 Kinder über das Mittelmeer

Mai 30, 2017

Factbox

  • 34 % der geflüchteten Kinder kamen unbegleitet über das Mittelmeer nach Europa
  • Großteil der minderjährigen Flüchtlinge sind männlich und im Jugendalter
  • 390.770 Minderjährige stellten 2016 einen Asylantrag in Europa
  • Entscheidungen der Asylverfahren unterscheiden sich je nach Herkunftsland
  • 2017: 8 % der Asylanträge in Österreich stammen von unbegleiteten Minderjährigen
  • 33 % der AsylwerberInnen in österreichischer Grundversorgung sind minderjährig

 

Jedes vierte Kind leidet nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF unter Naturkatastrophen, bewaffneten Konflikten, Gewalt oder Krisen. Tausende Kinder sehen sich daher gezwungen, ihr Heim zu verlassen.

 

Allein 2016 flüchteten mehr als 100.000 Kinder über das Mittelmeer nach Europa. Rund 34 Prozent von ihnen erreichten Europa ohne Eltern. 390.770 Minderjährige stellten einen Asylantrag in Europa. In Österreich stellten bis Ende April 2017 667 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einen Asylantrag. 33,4 Prozent der AsylwerberInnen in der Grundversorgung sind minderjährig. Anlässlich des internationalen Kindertages am 1. Juni wirft die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) einen Blick auf aktuelle Zahlen zu geflüchteten Kindern.

 

100.000 Kinder flüchteten über das Mittelmeer

100.264 Kinder flüchteten laut einem Fact Sheet, das gemeinsam von UNHCR, UNICEF und IOM herausgegeben wurde, im Jahr 2016 über das Mittelmeer nach Europa (Griechenland, Italien, Spanien und Bulgarien). Etwa 33.806 von ihnen sind dabei unbegleitete oder von den Eltern getrennte Kinder. Das entspricht einem Anteil von 34 Prozent an allen geflüchteten Kindern.

 

Der Großteil der Kinder und Jugendlichen floh über das Mittelmeer nach Griechenland: 2016 kamen dort 63.920 minderjährige Flüchtlinge an. Laut Schätzungen sollen rund acht Prozent von ihnen unbegleitet angekommen sein. Italien erreichten 28.223 minderjährige Flüchtlingen – der Anteil jener, die ohne ihre Eltern ankamen, ist mit 92 Prozent deutlich höher als in anderen Ländern. 

 

 

Großteil der minderjährigen Flüchtlinge männlich und im Jugend-Alter

Das Fact Sheet gibt Aufschluss über die Demographie der geflüchteten Kinder und Jugendliche: So sind 60 Prozent der begleiteten Flüchtlinge männlich, bei den unbegleiteten Flüchtlingen liegt der Männer-Anteil bei 94 Prozent.

 

Nach den einzelnen Ankunftsländern aufgeteilt zeigt sich, dass der Großteil ebenso männlich ist – auch wenn es hier große Unterschiede gibt: So sind 44 Prozent der minderjährigen Flüchtlinge, die in Griechenland ankamen, weiblich, in Italien sind es sieben Prozent und in Bulgarien 25 Prozent.

 

Geflüchtete Minderjährige nach Geschlecht

Geflüchtete Minderjährige nach Geschlecht 2016, Quelle: UNHCR, UNICEF, IOM, eigene Darstellung

 

Nach Alter unterschieden sind 30 Prozent der minderjährigen begleiteten Flüchtlinge, die in Griechenland ankamen, unter vier Jahre alt und 52 Prozent zwischen fünf und 14 Jahre alt. In Bulgarien waren 41 Prozent unter vier Jahre, 33 Prozent zwischen fünf und 14 und 26 Prozent zwischen 15 und 17 Jahre.

 

Bei den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen ist der Anteil jener, die sich im Teenager-Alter befinden, deutlich höher:

 

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Alter und Ankunftsland

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Alter und Ankunftsland, Quelle: UNHCR, UNICEF, IOM, eigene Darstellung

 

Meisten Asylanträge von Minderjährigen in Deutschland

2016 stellten insgesamt 390.770 Minderjährige einen Asylantrag in Europa. Das entspricht rund einem Drittel aller in Europa eingegangenen Asylanträge. 261.300 dieser Asylanträge registrierte Deutschland. Fast die Hälfte der minderjährigen AntragsstellerInnen in Deutschland ist unter fünf Jahre alt.

 

Direkt nach Deutschland folgt Österreich auf Platz zwei – mit 17.125 Asylanträgen von Minderjährigen. 4.451 von ihnen sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Die Zahl des österreichischen Innenministeriums weicht von jenen des UNHCR ab. So stellten laut BM.I 3.900 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im vergangenen Jahr einen Asylantrag. Mit ein Grund für die abweichenden Zahlen können Altersfeststellungen sein. Nach Österreich folgt Griechenland mit 16.900 Asylanträgen von Minderjährigen auf Platz drei.

 

2015 galt noch Schweden als das häufigste Zielland für minderjährige Flüchtlinge. So stellten 35.400 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Jahr 2015 einen Asylantrag in Schweden, 2016 waren es 2.200.

 

 

346.150 Entscheidungen von Asylanträgen von Kindern und Jugendlichen wurden im Fact Sheet ausgewertet. Das Ergebnis: 67 Prozent erhielten einen positiven Asylbescheid. 33 Prozent der Anträge wurden abgelehnt. Unter den positiven Entscheidungen entfallen 53 Prozent auf Minderjährige, die einen Flüchtlingsstatus nach der Genfer Konvention erhielten, 38 Prozent erhielten subsidiären und neun Prozent humanitären Schutz.

 

Dabei zeigen sich große Unterschiede je nach Herkunft der Kinder und Jugendlichen: Ein Blick auf die Minderjährigen aus den drei größten Herkunftsländer, die in Griechenland ankamen (Syrien, Afghanistan, Irak) und jenen, die in Italien ankamen (Eritrea, Nigeria, Gambia) zeigt, dass nur zwei Prozent der Asylanträge von syrischen Minderjährigen abgelehnt wurden, während 35 Prozent der afghanischen Kinder und Jugendlichen einen negativen Asylbescheid erhielten. Besonders hoch ist der Anteil der negativen Entscheidungen bei nigerianischen Kindern und Jugendlichen (63 Prozent).

 

Entscheidungen geflüchteter Minderjähriger nach Herkunftsland 2016

Entscheidungen nach Herkunftsland 2016, Quelle: UNHCR, UNICEF, IOM

 

Österreich: 2017 stellten 667 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge Asylantrag

In Österreich wurden heuer bis Ende April 667 Asylanträge von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen gestellt. Das entspricht einem Anteil von acht Prozent an allen in Österreich eingegangenen Asylanträgen. Mit 610 Kindern und Jugendlichen befindet sich der Großteil von ihnen im Teenager-Alter zwischen 14 und 18.

 

Gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr ging die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die in Österreich um internationalen Schutz ansuchten, um 55 Prozent zurück. So stellten von Jänner bis April 2016 1.482 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einen Asylantrag in Österreich. Auch im Vergleichszeitraum 2015 waren es deutlich mehr, nämlich 1.156 Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Familie nach Österreich kamen.

 

Wie auch in den Jahren zuvor stammen mit 46 Prozent die meisten der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge aus Afghanistan (304), danach folgen nigerianische (119) und pakistanische Kinder und Jugendliche (68).

 

24.173 minderjährige AsylwerberInnen in der Grundversorgung

In der Grundversorgung befinden sich derzeit 72.410 AsylwerberInnen (Stichtag 29. Mai 2017). 24.173 von ihnen sind minderjährig. Das entspricht einem Anteil von 33,4 Prozent. Der Großteil der minderjährigen AsylwerberInnen ist in Wien untergebracht (6.066), gefolgt von Oberösterreich (4.412) und Niederösterreich (4.318).

 

 

 

Weitere Informationen und Kontakte:

 

UNHCR-Daten zur Fluchtroute über das Mittelmeer und Link zum Download zum Fact Sheet

 

Ruth Schöffl; Sprecherin von UNHCR Österreich; schoeffl@unhcr.org; Tel: 01 26060 5307

 

Informationen zu unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen der Asylkoordination

 

Katharina Glawischnig, UMF-Expertin der Asylkoordination, Tel.: 01-532 12 91-11, E-Mail: glawischnig@asyl.at

 

Asylstatistiken des BM.I

 

Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Bundesministeriums für Inneres; karl-heinz.grundboeck@bmi.gv.at; Tel: 01 53126 – 2490

 

Statistische Datenbank Eurostat “Asyl und gesteuerte Migration”, eurostat-mediasupport@ec.europa.eu

 

 

 

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.