Organisationen: Rassismus in Österreich nimmt zu

Organisationen: Rassismus in Österreich nimmt zu

Apr 25, 2017

Factbox

  • 2016 registrierte ZARA 1.107 rassistische Vorfälle
  • 31 Prozent davon waren Online Hass- und Hetzbotschaften
  • In den letzten fünf Jahren stiegen rassistische Vorfälle um 57 Prozent
  • Online-Hetze richtet sich oft gegen Flüchtlinge
  • Zunahme auch bei Antisemitismus und Islamophobie

 

Rassismus in Österreich nimmt nach Beobachtungen verschiedener Organisationen in den vergangenen Jahren zu. So registrierte die Antirassismus-Organisation ZARA 2016 1.107 Fälle. Ein Jahr zuvor waren es 927 Fälle, 2014 794. Immer größere Bedeutung fällt dabei dem Internet zu. Allein von 2014 von 2016 stiegen die dokumentierte Fälle von Rassismus im Internet um 187 Prozent.

 

Zudem zeigen weitere Berichte, dass gruppenspezifischer Rassismus zunimmt: Sowohl der Antisemitismus-Bericht des Forums gegen Antisemitismus als auch der anitmuslimische Rassismus-Report der Dokustelle berichten von steigenden Fällen im Jahr 2016. Die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) fasst die Entwicklungen zusammen.

 

2016: 1.107 rassistische Vorfälle registriert

Im vergangenen Jahr registrierte ZARA insgesamt 1.107 rassistische Fälle. Damit erreichte die seit 2013 stetig steigende Zahl der dokumentierten Rassismusfälle einen neuen Spitzenwert. Ein Jahr zuvor dokumentierte ZARA 927, 2014 794 und 2013 731 Fälle. Vor fünf Jahren waren es 706 Fälle. Damit stiegen die rassistischen Vorfälle von 2011 auf 2016 um 57 Prozent.

 

Eine noch stärkere Steigerung lässt sich bei den rassistischen Fällen, die im Internet registriert wurden, feststellen: Wurden 2014 136 Fälle bekannt, waren es 2016 390 – entspricht also einer Zunahme von 187 Prozent in zwei Jahren.

 

Anzahl der von ZARA registrierten rassistischen Fällen gesamt und im Internet 2010 bis 2016

Anzahl der von ZARA registrierten rassistischen Fälle gesamt und im Internet 2010 bis 2016. Die Kategorie „Internet“ berücksichtigt hier alle Fälle, die im Internet passiert sind. Dadurch können hier auch Fälle aus anderen Kategorien reinfallen, Quelle: ZARA, eigene Darstellung

 

31 Prozent der Fälle sind Online Hass- und Hetzbotschaften

Die von ZARA registrierten Online Hass- und Hetzbotschaften machen 31 Prozent aller bekannt gewordenen Rassismus-Fälle aus. Aber auch auf der Straße findet die rassistische Stimmung, die sich im Netz breitmacht, Ausdruck: So fanden 20 Prozent der Fälle im öffentlichen Raum statt. Dazu zählen unter anderem Beschimpfungen und Drohungen auf der Straße, Brandanschläge oder auch ein Ausschluss aus der Fußballmannschaft.

 

Auf Platz drei folgen rassistische Vorfälle im Bereich Güter und Dienstleistungen (16 Prozent der registrierten Fälle), die vor allem im Wohnbereich ihren Ausdruck fanden. Laut ZARA finden Diskriminierungen in diesem Bereich bereits bei Inserat-Schaltungen statt, indem VermieterInnen betonen, dass nur an ÖsterreicherInnen vermietet wird.

 

Die weiteren Bereichen gliedern sie wie folgt auf:

 

Rassistische Vorfälle nach Kategorien 2016

Rassistische Vorfälle nach Kategorien 2016, Quelle: ZARA, eigene Darstellung

 

35 Prozent der Online-Hetze richten sich gegen Flüchtlinge

Wirft man einen detaillierteren Blick auf die Online-Hetze, zeigt sich, dass sich 2016 35 Prozent der Hass- und Hetzbotschaften gegen Flüchtlinge richteten. Dies zeigt die Auswertung von ZARA nach den vom EU-Projekt „Research-Report-Remove: Countering Cyber Hate Phenomena“ aufgeschlüsselten Hasskategorien (Rassismus, Antimuslimischer Rassismus, Antisemitismus, Hetze gegen Flüchtlinge). 16,7 Prozent der Fälle waren antimuslimisch und 7,3 Prozent antisemitisch.

 

Rassismus im Internet nach Art 2016

 

Online-Hetze nach Art 2016, Quelle: ZARA, eigene Darstellung

 

Antisemitismus nimmt zu

Das Forum gegen Antisemitismus dokumentierte im aktuellen Anitsemitismus-Bericht 477 antisemitische Vorfälle. Im Vergleich zum Jahr zuvor gab es somit um zwölf Fälle mehr, wirft man jedoch einen Blick weiter zurück, zeigt sich eine starke Zunahme: So wurden 2014 255 Fälle dokumentiert, vor fünf Jahren waren es 71 Fälle – ergibt somit ein Plus von 572 Prozent bis zum Jahr 2016.

 

Antisemitische Fälle von 2007 bis 2016

Antisemitische Fälle von 2007 bis 2016, Quelle: Forum gegen Antisemitismus, eigene Darstellung

 

Mit 41,5 Prozent passierte der Großteil der registrierten Fälle via Post, Email oder Telefon, gefolgt vom Online-Bereich (Social Media und Internet-Foren) mit 32,1 Prozent. Zudem wurden 24 Beschmierungen, sieben tätliche Angriffe sowie 68 Beschmierungen und Sachbeschädigungen bekannt. Dabei wurden auch Hakenkreuz-Schmierereien als antisemitisch motiviert bewertet.

 

Viele rechtsmotivierte Fälle – Neuer „Islamischer Antisemitismus“

Rund 41 Prozent der dokumentierten Fälle konnten einer bestimmten ideologischen Richtung zugeordnet werden. Davon wiederum waren eine deutliche Mehrheit, nämlich 68 Prozent, rechtsmotiviert. Zunehmend ist laut dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, ein neuer „islamischer Antisemitismus“ (22 Prozent). Zehn Prozent fallen in das links-motivierte Spektrum, diese Fälle betreffen vor allem „Israel-Bashing“.

Antisemitische Vorfälle nach ideologischer Richtung 2016

Antisemitische Vorfälle nach ideologischer Richtung 2016 (nur eindeutig zuordenbare Fälle), Quelle: Forum gegen Antisemitismus, eigene Darstellung

 

Dokustelle: 253 antimuslimische Rassismus-Fälle

Die Dokustelle „Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus“ veröffentlichte in ihrem zweiten antimuslimischen Rassismus-Report insgesamt 253 Fällen im Jahr 2016. Gegenüber dem Jahr zuvor entspricht das einem Plus von 62 Prozent (im ersten Bericht wurden 156 Fälle registriert). Trotz methodischer Einschränkungen berichtet Elif Öztürk von der Dokustelle von einer „aufgeheizten Stimmung in der Gesellschaft“.

 

Wie schon 2015 war der Großteil der Opfer weiblich, nämlich 98 Prozent. Die Dokustelle vermutet, dass dies mit der stärkeren Sichtbarkeit muslimischer Frauen durch das Tragen des Kopftuchs zusammenhänge.

 

So wurden 62 Prozent der Fälle in der (Halb-)Öffentlichkeit registriert. Danach folgt mit 18 Prozent das Internet. In den Bereichen Bildungsstätten und Arbeitsplatz wurden die wenigsten Fälle dokumentiert. Laut der Dokustelle liege das daran, dass ArbeitgeberInnen sich auf anderweitige Gründe berufen, um muslimische BewerberInnen nicht einzustellen. Im Bildungsbereich entschieden sich manche Betroffene gegen eine (anonyme) Veröffentlichung durch die Dokustelle.

 

Antimuslimischer Rassimus nach Orten 2016

Antimuslimischer Rassismus nach Orten 2016 , Quelle: Dokustelle, eigene Darstellung

 

Verbale Attacken und Hassreden

Die meisten islamophoben Fälle fallen in die Kategorien „verbale Angriffe“ (31 Prozent) und „Hassrede“ (30 Prozent). Danach folgt mit zwölf Prozent die Kategorie „Beschmierungen“ und mit elf Prozent Diskriminierungen.

 

 "aufgeheizte Stimmung in der Gesellschaft"Antimuslimischer Rassismus nach Art 2016, Quelle: Dokustelle, eigene Darstellung

 

Weitere Informationen und Kontakte:

 

Antirassismus-Bericht 2016 in der iBib

 

Claudia Schäfer, Leiterin der ZARA-Öffentlichkeitsarbeit, presse@zara.or.at, Tel.: 01 / 929 13 99 18

 

Antisemitismus Bericht 2016 in der iBib

 

Forum gegen Antisemitismus, info@fga-wien.at, Tel.: 01 531 04 255

 

Rachel Udler, Administrative Leitung des Rabbinats der IKG Wien, r.udler-langnas@ikg-wien.at, Tel.: 01 531 04 111

 

Antimuslimischer Rassismus Report 2016 in der iBib

 

Dokustelle Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus, office@dokustelle.at, Tel.: 0676 40 40 00 5

 

 

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