1. Quartal 2017: 6.480 Asylanträge – Rückgang um 55 %

1. Quartal 2017: 6.480 Asylanträge – Rückgang um 55 %

Apr 19, 2017

Factbox

  • Immer mehr Frauen suchen in Österreich um Asyl an
  • 9 % sind unbegleitet minderjährige Flüchtlinge – fast die Hälfte aus Afghanistan
  • Syrien ist vor Afghanistan und Nigeria antragsstärkstes Herkunftsland
  • 6.722 positive und 6.372 negative Entscheidungen
  • Ende März sind 71.138 Asylverfahren offen

 

Im ersten Quartal des Jahres 2017 haben 6.480 Personen um internationalen Schutz in Österreich angesucht. Gegenüber dem Vergleichszeitraum 2016 entspricht das einem Rückgang der Asylanträge um 55 Prozent.

 

Bei 38 Prozent der AntragsstellerInnen handelt es sich um Frauen, knapp neun Prozent sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Stammten 2015 und 2016 die meisten Asylsuchenden aus Afghanistan, sind die meisten Asylsuchenden 2017 SyrerInnen. Danach folgen Afghanistan und Nigeria. Die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) liefert einen Überlick für das erste Quartal.

 

6.480 Asylanträge

Während des ersten Quartals 2017 gingen in Österreich pro Monat etwas mehr als je 2.000 Asylanträge ein. Insgesamt wurden in den ersten drei Monaten 6.480 Anträge gestellt. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Rückgang von 55 Prozent. So erreichten Österreich im ersten Quartal 2016 14.400 Asylanträge.

 

Unabhängig davon, wann der Asylantrag gestellt wurde, wurden im ersten Quartal 5.783 Personen zum Asylverfahren zugelassen. Bei 4.136 der zugelassenen Verfahren erfolgte die Asylantragsstellung 2017, bei 1.647 Verfahren handelt es sich um Asylanträge aus dem Jahr 2016.

 

Kontinuierlicher Rückgang der Asylanträge

Nach dem Rekordjahr 2015, in dem 88.340 Asylanträge in Österreich eingingen, halbierte sich diese Zahl im Jahr darauf, als 42.073 Asylanträge registriert wurden. Ein Blick auf die monatliche Entwicklung seit 2016 zeigt, dass die Asylanträge nach wie vor rückläufig sind. So gingen im Jänner 2016 5.916 Asylanträge ein, ein halbes Jahr später suchten etwas mehr als 3.000 Flüchtlinge um internationalen Schutz in Österreich an. Seit September 2016 liegt die Zahl unter 3.000.

 

Monatliche Entwicklung der Asylanträge seit Jänner 2016

Monatliche Entwicklung der Asylanträge seit Jänner 2016, Quelle: BM.I, eigene Darstellung

 

38 Prozent der AntragsstellerInnen weiblich

Während die Zahl der Asylanträge gesamt rückläufig ist, steigt der Frauenanteil stetig an: Waren im Jahr 2015 27,7 Prozent der Asylsuchenden weiblich, waren es 2016 bereits 33,1 Prozent. Im ersten Quartal 2017 stammten 37,9 Prozent der Asylanträge von Frauen. Auch ein Blick auf die ersten drei Monate 2017 zeigt einen Anstieg – von 34,8 Prozent im Jänner auf 40,8 Prozent im März.

 

 

Asylanträge gesamt

Männlich

In %

Weiblich

In %

Jänner

2.220

1.447

65,18 %

773

34,82 %

Februar

2.082

1.288

61,86 %

794

38,14 %

März

2.178

1.289

59,18 %

889

40,82 %

Gesamt

6.480

4.024

62,10 %

2.456

37,90 %

Asylanträge im 1. Quartal 2017 nach Geschlecht, Quelle. BM.I, eigene Darstellung

 

Syrien antragsstärkste Nation

Syrien ist mit 1.908 Asylanträgen das antragsstärkste Herkunftsland, danach folgen mit 1.133 Anträgen Afghanistan und mit 445 Anträgen Nigeria.

 

Verglichen mit den beiden vergangenen Jahren hat sich die Reihenfolge der antragsstärksten Herkunftsländer deutlich verändert: So lag sowohl 2015 als auch 2016 Afghanistan an der Spitze (2015: 25.563 Anträge, 2016: 11.794 Anträge). Danach folgten Syrien (2015: 24.547 Anträge, 2016: 8.773 Anträge) und der Irak (2015: 13.633 Anträge, 2016: 2.862 Anträge). Nigeria lag 2016 mit 1.855 Anträgen auf dem fünften Platz.

 

Top 10 der antragsstärksten Nationen im 1. Quartal 2017

Top 10 der antragsstärksten Nationen im 1. Quartal 2017, Quelle: BM.I, eigene Darstellung

 

Top 10 der antragsstärksten Nationen 2015 und 2016

Top 10 der antragsstärksten Nationen 2015 und 2016, Quelle: BM.I, eigene Darstellung

 

575 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Im ersten Quartal 2017 stellten 575 minderjährige Flüchtlinge, die ohne ihre Familie in Österreich ankamen, einen Asylantrag. 52 von ihnen waren unter 14 Jahre alt, 523 zwischen 14 und 18 Jahre. Insgesamt sind damit 8,9 Prozent aller Asylsuchenden unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF).

 

Im Vergleich zu den vergangenen zwei Jahren ging der Anteil der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen an allen Asylsuchenden leicht zurück: 2015 betrug der Anteil 9,4 Prozent (8.277 UMF), 2016 9,2 Prozent (3.900 UMF).

 

 

2015

2016

1. Quartal 2017

Unter 14 Jahre

743

372

52

14 – 18 Jahre

7.534

3.528

523

UMF gesamt

8.277

3.900

575

Anteil der UMF

9,37 %

9,22 %

8,87 %

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge 2015, 2016, 1. Quartal 2017, Quelle: BM.I, eigene Darstellung

 

Fast die Hälfte (48,2 Prozent bzw. 277 Personen) der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge stammt aus Afghanistan – bereits seit 2007 hat Afghanistan hier die höchsten Antragszahlen. Auf den Plätzen folgen Nigeria (16,9 Prozent bzw. 97 Personen) und Pakistan (11,3 Prozent bzw. 65 Personen).

UMF nach Herkunftsland 1. Quartal 2017

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge 1. Quartal 2017 nach Herkunftsland, Quelle: BM.I, eigene Darstellung

 

6.722 Asylanträge wurden positiv entschieden

Im ersten Quartal 2017 wurde 4.882 Personen Asyl im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention gewährt. Demgegenüber stehen 3.474 negative Entscheidungen. Weitere 1.615 Personen erhielten subsidiären Schutz und 225 einen humanitären Aufenthaltstitel. Insgesamt wurden damit 6.722 rechtskräftig positive Entscheidungen getroffen, während 6.372 Entscheidungen negativ ausfielen.

 

 

positiv

negativ

Asylentscheidungen

4.882

3.474

Subsidiärer Schutz

1.615

1.039

Humanitärer Aufenthaltstitel

225

1.859

Gesamt

6.722

6.372

Rechtskräftige Entscheidungen im 1. Quartal 2017, Quelle: BM.I, eigene Darstellung

 

Ein Blick auf die fünf antragsstärksten Herkunftsländer zeigt, dass der Großteil der Asylgewährungen auf Syrien entfällt: So erhielten 3.129 syrische AntragsstellerInnen eine Asylgewährung, 365 eine negative Entscheidung und 118 Personen subsidiären Schutz. Bei afghanischen AsylwerberInnen überwiegten subsidiäre Schutzgewährungen (774 Personen), 618 erhielten eine Asylgewährung und 688 einen negativen Bescheid. Kaum Asylgewährungen erhielten nigerianische (sechs Personen) und pakistanische (zwei Personen) Asylsuchende.

 

Entscheidungen der fünf antragsstärksten Herkunftsländer 1. Quartal 2017

Asylentscheidungen der fünf antragsstärksten Herkunftsländer, Quelle: BM.I, eigene Darstellung

 

71.136 Verfahren sind offen

Ende des Jahres 2016 waren 76.409 Asylverfahren noch nicht entschieden. Bei diesen offenen Verfahren warteten 63.912 Personen auf eine erstinstanzliche und 12.497 auf eine zweitinstanzliche Entscheidung. Bis Ende März 2017 ging die Zahl etwas zurück: 71.138 Verfahren sind noch offen (1. Instanz: 56.090, 2. Instanz 15.048). Insbesondere afghanische AsylwerberInnen warten noch auf die Entscheidung ihres Asylverfahrens (28.575).

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Asylstatistiken des BM.I

 

Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Bundesministeriums für Inneres;  Tel: 01 53126 – 2490, karl-heinz.grundboeck@bmi.gv.at;

 

Statistiken des BFA

 

Sonja Jell-Nemati, Stabstelle der Direktion des BFA, Tel.: 01-53126 5020, sonja.jell-nemati@bmi.gv.at

 

MSNÖ-Artikel: 2016 – Asylanträge halbierten sich, Außerlandesbringungen steigen

 

MSNÖ-Artikel: Relocation-Programm – Österreich hat noch keine Flüchtlinge aufgenommen

 

MSNÖ-Artikel: Integrationsgesetz beschlossen – WIFO sieht viele Herausforderungen

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