Bulgarien wählt: 12 Wahllokale in Österreich eingerichtet

Bulgarien wählt: 12 Wahllokale in Österreich eingerichtet

Mrz 23, 2017

Factbox

  • Rund 30.000 Personen mit bulgarischen Wurzeln
  • Mehr als die Hälfte in Wien ansässig
  • Seit 2007 wurden 745 BulgarInnen eingebürgert
  • Zahl der bulgarischen Studierenden rückläufig
  • BulgarInnen in Österreich sind gut vernetzt

 

In Bulgarien finden am 26. März 2017 vorgezogene Parlamentswahlen statt. In Österreich lebende BulgarInnen haben die Möglichkeit, in Wien, Graz, Salzburg, Bregenz, Linz und Innsbruck ihre Stimme abzugeben. Zuletzt, bei den Präsidentschaftswahlen 2016, haben 2.914 BulgarInnen in Österreich gewählt.

 

In Österreich leben knapp 25.000 bulgarische StaatsbürgerInnen. Der bulgarische Botschafter Ivan Sirakov schätzte gegenüber der MSNÖ die Zahl der bulgarischen Community auf rund 30.000 Personen. Anlässlich der Parlamentswahlen wirft die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) einen Blick auf die bulgarische Community hierzulande.

 

Zwölf Wahllokale eingerichtet

In Österreich ansässige BulgarInnen haben die Möglichkeit, ihre Stimme in zwölf verschiedenen Wahllokalen abzugeben – und zwar in folgenden Städten: Wien, Graz, Salzburg, Bregenz, Linz und Innsbruck. Um ein Wahllokal einzurichten, war die Registrierung von mindestens 60 Personen notwendig. Die Wahllokale sind am 26. März von 07.00 bis 20.00 geöffnet.

 

Bei den Präsidentschaftswahlen im November 2016 haben 2.914 BulgarInnen in Österreich von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Der bulgarische Botschafter erwartet für die kommende Wahl zwar eine höhere Wahlbeteiligung, jedoch höchstens 3.500 WählerInnen.

 

Bulgarische Community wächst kontinuierlich

Die bulgarische Community in Österreich wuchs in den vergangenen 15 Jahren stetig an. So lebten zu Jahresbeginn 2003 5.335 bulgarische StaatsbürgerInnen hierzulande, bis 2017 verfünffachte sich diese Zahl beinahe auf 24.942 BulgarInnen.

 

Auch bei Personen, die – unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft – in Bulgarien geboren wurden, und nun in Österreich leben, gab es in diesem Zeitraum einen starken Anstieg: Von 8.464 Personen mit einem Geburtsort in Bulgarien im Jahr 2003 auf 25.709 Personen im Jahr 2017.

 

Bulgarische StaatsbürgerInnen und Geburtsland Bulgarien jeweils am 1.1.

Bulgarische StaatsbürgerInnen und Geburtsland Bulgarien jeweils am 1.1., * vorläufige Ergebnisse für den 1.1.2017, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Ivan Sirakov schätzt die Zahl der bulgarischen Community in Österreich etwas höher. Nach seinen Angaben leben rund 30.000 Personen mit bulgarischen Wurzeln in Österreich.

 

Mehrheit in Wien ansässig

Ein Blick auf die Bundesländer zeigt, dass die Mehrheit der bulgarischen Community in der Bundeshauptstadt lebt: 14.401 bulgarische StaatsbürgerInnen und 14.812 der in Bulgarien geborenen Personen leben in Wien (zu Jahresbeginn 2016). Somit entfallen 58 Prozent der in Österreich lebenden Community auf Wien.

 

Mit 2.277 (nach Geburtsland) bzw. 1.763 Personen (nach Staatsangehörigkeit) folgt Niederösterreich auf Platz zwei, dahinter liegt Oberösterreich (1.869 bzw. 1.745 Personen).

 

Bulgarische StaatsbürgerInnen und Geburtsland Bulgarien nach Bundesland am 1.1.2016

Bulgarische StaatsbürgerInnen und Geburtsland Bulgarien nach Bundesland am 1.1.2016, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Seit 2007 745 Einbürgerungen

In den vergangenen zehn Jahren erhielten insgesamt 745 BulgarInnen einen österreichischen Pass. Seit 2006 ist die Zahl der Einbürgerungen ehemaliger BulgarInnen – dem gesamt-österreichischen Trend entsprechend – stark rückläufig. Wurden damals 248 BulgarInnen in Österreich eingebürgert, waren es 2007 nur noch 93 Einbürgerungen. Seit 2011 (46 Einbürgerungen) steigt die Zahl wieder leicht an. Im vergangenen Jahr erhielten 104 ehemalige BulgarInnen eine österreichische Staatsbürgerschaft.

 

Eingebürgerte Personen seit 2006 mit bisheriger bulgarischer Staatsangehörigkeit

Eingebürgerte Personen seit 2006 mit bisheriger bulgarischer Staatsangehörigkeit, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Wanderungssaldo 2014 auf dem Höhepunkt

Das Wanderungssaldo bulgarischer StaatsbürgerInnen war in den vergangenen Jahren durchgehend positiv. Lag es zwischen 2007 und 2013 zwischen 930 Personen (2009) und 1.615 (2013), stieg es im darauffolgenden Jahr deutlich an – nämlich auf 3.405 Personen. Dieser Anstieg geht einher mit zunehmenden Zuwanderungszahlen: So migrierten 2013 3.909 BulgarInnen nach Österreich, 2014 waren es 5.824. Gleichzeitig blieb die Zahl der BulgarInnen, die aus Österreich abwanderten, auf einem ähnlichen Niveau (2013: 2.294, 2014: 2.419).

 

2015 nahm das Saldo wieder ab: So migrierten 5.232 BulgarInnen nach Österreich, 2.690 zogen weg. Das entspricht einem Wanderungssaldo von 2.542 Personen.

 

Wanderungssaldo bulgarischer StaatsbürgerInnen 2006 bis 2015,

Wanderungssaldo bulgarischer StaatsbürgerInnen 2006 bis 2015, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Mehr Frauen als Männer an Unis

Seit dem Wintersemester 2013/14 ist die Zahl der bulgarischen Studierenden an heimischen Hochschulen rückläufig. Dabei geht die Zahl insbesondere an den öffentlichen Universitäten zurück: Studierten 2013/14 2.015 BulgarInnen an einer öffentlichen Universität, waren es im Wintersemester 2016/17 1.871.

 

Zudem ist der Großteil weiblich: 2016/17 waren 1.188 der bulgarischen Studierenden Frauen (63,5 Prozent) und 683 Männer (36,5 Prozent).  

 

Jahr

Öffentliche Universitäten

Fachhochschulen

Privatuniversitäten

Gesamt

2007

1.179

28

29

1.236

2008

1.238

30

38

1.306

2009

1.497

40

40

1.577

2010

1.675

44

39

1.758

2011

1.837

52

53

1.942

2012

1.979

73

55

2.107

2013

2.050

91

60

2.201

2014

2.023

90

58

2.171

2015

1.922

122

59

2.103

2016

1.871

*

*

1.871

* Daten für Fachhochschulen und Privatuniversitäten stehen für das Wintersemester 2016/17 nicht zur Verfügung, Quelle: BM.WFW, eigene Darstellung

 

14.342 BulgarInnen beschäftigt

Laut Angaben des Sozialministeriums waren im Jahresdurchschnitt 2016 insgesamt 14.342 bulgarische StaatsbürgerInnen in Österreich beschäftigt. 9.688 von ihnen arbeiteten im Rahmen eines unselbstständigen Beschäftigungsverhältnisses, weitere 2.024 waren geringfügig und 2.523 selbstständig beschäftigt. 127 BulgarInnen arbeiteten auf Basis eines freien Dienstvertrages.

 

 

Beschäftigte 2016

Unselbstständige Beschäftigte

9.668

Geringfügig Beschäftigte

2.024

Freie Dienstverträge

127

Selbstständig Beschäftigte

2.523

Gesamt

14.342

Bulgarische Beschäftigte im Jahresdurchschnitt 2016, Quelle: BMASK, eigene Darstellung

 

1.850 der unselbstständig beschäftigten BulgarInnen waren in der Branche Beherbergung und Gastronomie angestellt. Die Topf fünf Branchen bei bulgarischen StaatsbürgerInnen gliedern sich wie folgt auf:

 

Beherbergung und Gastronomie

1.850

Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen

1.589

Handel (inkl. Instandhaltung und Reparatur von KFZ)

1.418

Verkehr und Lagerei

777

Bau

695

Unselbstständige Beschäftigte BulgarInnen im Jahresdurchschnitt 2016 nach Branchen, Quelle: BMASK, eigene Darstellung

 

Gleichzeitig sind bulgarische StaatsbürgerInnen überdurchschnittlich stark von Arbeitslosigkeit betroffen: Im Jahresdurchschnitt 2016 lag die Arbeitslosenquote bei bulgarischen StaatsbürgerInnen bei 17 Prozent. Zum Vergleich: Bei österreichischen StaatsbürgerInnen lag die Arbeitslosenquote bei acht Prozent, bei AusländerInnen bei 13,5 Prozent.

 

Kultureller Austausch für bulgarische Community zentral

BulgarInnen in Österreich sind gut vernetzt. Die Tradition des kulturellen Austausches zwischen Österreich und Bulgarien reicht weit zurück. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg und in der Zwischenkriegszeit sind viele bulgarische StudentInnen nach Österreich gekommen.

 

Laut dem bulgarischen Botschafter ist die Community in Österreich in mehr als 20 Vereinen organisiert. Die meisten davon sind Vereine mit Schwerpunkten in den Bereichen Ausbildung und kulturelle Zusammenarbeit.  

 

Ein wichtiger Verein ist die Österreichisch-Bulgarische Gesellschaft, gegründet im Jahr 1955. Laut Marjan Pavušek, Generalsekretär der Gesellschaft, steht der kulturelle Austausch zwischen den beiden Ländern im Zentrum der Arbeit. Daneben werden bulgarische Studierende und die Bulgarische Orthodoxe Kirche hierzulande unterstützt. Der Verein engagiert sich zudem in Bulgarien, wo er beispielsweise Kindergärten oder Altersheime unterstützt.

 

Schulen, darunter die 1992 gegründete Bulgarische Schule in Wien, sind ein weiterer wichtiger Punkt des kulturellen Austausches. Die Bulgarische Schule in Wien ist seit ihrer Gründung sehr aktiv und setzt sich nicht nur für die Bildung von Kindern ein, sondern bietet u.a. Deutschkurse für Erwachsene und Studierende an sowie einen Bulgarisch-Sprachunterricht für Nicht-Bulgarienstämmige. Zudem gibt es bulgarische Schulen in Linz und Salzburg.

 

Mediale Repräsentanz

Mit den beiden Zeitungen „Vienna Dnes“ (Wien Heute) und „A4“ werden zwei Zeitungen von der bulgarischen Community in Österreich herausgegeben.

 

Auf dem TV-Sender Okto bemüht sich zudem eine Gruppe von Personen bulgarischer Herkunft, die hauptsächlich aus bulgarischen Studierenden besteht, um die Produktion der alle zwei Monate erscheinenden Sendung „Brigada“. Diese Sendung wird als Kulturplattform für die bulgarische Community genutzt, auf der Bildende KünstlerInnen, MusikerInnen, FilmemacherInnen oder DesignerInnen vorgestellt werden. Die Sendung wird hauptsächlich auf Bulgarisch präsentiert und teilweise mit deutschen Untertiteln versehen. 2016 feierte „Brigada“ sein zehnjähriges Bestehen.

 

Mit „Radio Bulgaria“ läuft eine Radiosendung auf dem freien Sender „Radio FRO“ in Linz.

 

Weitere Informationen und Kontakte:

 

Botschaft der Republik Bulgarien, E-Mail: amboffice@embassybulgaria.at, Tel: 01/ 505 31 13 

 

Facebook: Bulgarisches Kulturinstitut Haus Wittgenstein, E-Mail:  office@haus-wittgenstein.at, Tel: 01/ 713 31 64

 

Zeitung: „A4“, E-Mail: verein@bulgaren.org; Facebook: „Die Bulgaren in Österreich“

 

Zeitung: „Vienna Dnes“, E-Mail: info@viennadnes.com

 

Brigada“ auf Okto

 

Bulgarische Schule Wien, E-Mail: office@bulgarische-schule.at

 

Bulgarische Schule in Graz, E-Mail: bgschule@email.com

 

Bulgarische Schule Linz, E-Mail: info@bulgarischeschule-linz.at

 

Bulgarische Orthodoxe Kirche Zum Heiligen Iwan Rilski, Kühnplatz 7, 1040 Wien 

 

Bulgarische Rhythmen, E-Mail: kitka@chello.at

 

 

 

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