Internationaler Frauentag: Migrantinnen oft schlechter gestellt

Internationaler Frauentag: Migrantinnen oft schlechter gestellt

Mrz 7, 2017

Factbox

  • Rund 940.000 Migrantinnen leben in Österreich
  • Frauenanteil an Asyl-Antragstellerinnen steigt seit 2014
  • AusländerInnen weisen geringere Erwerbstätigenquote auf – insbesondere Türkinnen
  • Überqualifikation: 27 % der Migrantinnen und 10 % der autochthonen Frauen 
  • 45,4 % der MigrantInnen besuchten höchstens Pflichtschule

 

Der Internationale Frauentag wird weltweit am 8. März gefeiert. Der Tag wurde erstmals 1911 begangen, um für das Wahlrecht der Frauen zu kämpfen. Auch wenn dieses Ziel inzwischen erreicht wurde, sind heute noch Frauen in einigen Bereichen benachteiligt. Dies trifft wiederum insbesondere auf Migrantinnen zu. 

 

In Österreich leben rund 940.000 Migrantinnen. Zahlen der Statistik Austria zeigen, dass Frauen mit einer nicht-österreichischen Staatsangehörigkeit eine geringere Erwerbstätigenquote aufweisen, insbesondere Türkinnen sind seltener erwerbstätig. Gleichzeitig geben 27 Prozent der beschäftigten Migrantinnen an, überqualifiziert für ihre Arbeit zu sein. Anlässlich des Frauentags wirft die Medien-Servicestelle (MSNÖ) einen Blick auf die Situation der Migrantinnen und Ausländerinnen in Österreich.

 

Knapp 940.000 Migrantinnen leben in Österreich

Zu Jahresbeginn 2017 lebten 615.065 Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in Österreich. Insgesamt leben über 1,2 Millionen AusländerInnen hierzulande. Das heißt der Frauenanteil an der ausländischen Gesamtbevölkerung liegt bei 48,5 Prozent und ist damit etwas geringer verglichen mit dem Frauenanteil der österreichischen Gesamtbevölkerung (50,9 Prozent). Etwas höher ist die Zahl der im Ausland geborenen Frauen mit 812.608 Personen.

 

Unterschieden nach Migrationshintergrund lebten im Jahresdurchschnitt 2015 laut Statistik Austria 939.987 Migrantinnen in Österreich, das heißt sie wurden entweder im Ausland geboren (erste Generation) oder beide Elternteile wurden im Ausland geboren (zweite Generation). 21,7 Prozent der weiblichen Gesamtbevölkerung haben somit Migrationshintergrund.

 

 

Gesamt

Männlich

Weiblich

Frauenanteil in %

Ausländische Staatsangehörigkeit

1.276.674

652.609

615.065

48,5 %

Geburtsland im Ausland

1.594.723

782.115

812.608

51,0 %

Migrationshintergrund

1.812.900

872.948

939.987

51,8 %

Bevölkerung nach Staatsangehörigkeit, Geburtsland am 1.1.2017 und nach Migrationshintergrund im Jahresdurchschnitt 2015, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

2015: Nettozuwanderung von 48.149 Ausländerinnen

In den vergangenen zehn Jahren migrierten immer mehr ausländische Staatsbürgerinnen nach Österreich: So wanderten 2006 39.050 Ausländerinnen nach Österreich, 2015 waren es 81.910. Die Wegzüge von Österreich in das Ausland stiegen ebenfalls an, allerdings auf einem deutlich niedrigeren Niveau von 23.165 (2006) auf 33.761 (2015).

 

Somit ergibt sich eine Steigerung der Nettozuwanderung (Wanderungssaldo) von 15.885 Personen (2006) auf 48.149 Personen (2015). Allein von 2014 auf 2015 stieg die Nettozuwanderung der ausländischen Zuwanderinnen um 74 Prozent an. Zum Vergleich: Die Nettozuwanderung aller AusländerInnen nach Österreich stieg von 2014 auf 2015 um 66 Prozent.

 

Wanderungssaldo mit dem Ausland von ausländischen Staatsbürgerinnen

Wanderungssaldo mit dem Ausland von ausländischen Staatsbürgerinnen, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

33 Prozent der Asyl-AntragsstellerInnen sind weiblich

Der starke Anstieg der Zuwanderung nach Österreich geht mit dem Anstieg der Fluchtbewegungen seit 2015 einher. Dabei steigt nicht nur die Zahl der Asylanträge gesamt – auch der Frauenanteil unter den Personen, die in Österreich um internationalen Schutz ansuchen, nimmt zu. So stammten im vergangenen Jahr 28.027 der Asylanträge von Männern und 13.866 von Frauen (prozentueller Anteil von 33,1 Prozent). Zuletzt war dieser Frauenanteil bei den Anträgen im Jahr 2008 mit 33,7 Prozent ähnlich hoch.

 

Frauenanteil der in Österreich gestellten Asylanträge

Frauenanteil der in Österreich gestellten Asylanträge, Quelle: BM.I, eigene Darstellung

 

Migrantinnen weisen geringere Erwerbstätigkeit auf

Personen mit Migrationshintergrund haben eine geringere Erwerbstätigenquote als autochthone ÖsterreicherInnen: So lag die Quote der 15- bis 64-jährigen Personen mit Migrationshintergrund im Jahr 2015 bei insgesamt 63 Prozent, bei Personen ohne Migrationshintergrund bei 75 Prozent. Betroffen sind dabei vor allem Frauen. Während männliche Migranten eine Erwerbstätigenquote von 70 Prozent aufweisen, liegt diese bei Migrantinnen bei 57 Prozent.

 

Deutliche Unterschiede ergeben sich zudem je nach Herkunft: Bei Frauen, die aus EU-Beitrittsstaaten vor 2004 bzw. aus EWR-Staaten oder der Schweiz stammen, ist die Erwerbstätigenquote mit 73 Prozent sogar höher als bei autochthonen Österreicherinnen (70 Prozent). Am unteren Ende finden sich türkische Migrantinnen mit einer Erwerbstätigenquote von 42 Prozent.

 Erwerbstätigenquote 2015 nach Migrationshintergrund und Geschlecht

* Ehemaliges Jugoslawien außerhalb der EU, Erwerbstätigenquote 2015 nach Migrationshintergrund und Geschlecht – 20- bis 64-jährige Personen, Quelle: Statistik Austria (Publikation: Migration & Integration 2016), eigene Darstellung

 

Migrantinnen öfters überqualifiziert beschäftigt

22 Prozent der erwerbstätigen MigrantInnen gaben 2014 an, überqualifiziert beschäftigt zu sein. Zum Vergleich: Nur neun Prozent der autochthonen Bevölkerung fühlen sich überqualifiziert. Deutliche Unterschiede zeigen sich dabei auch nach Geschlecht. Während zehn Prozent der Frauen ohne Migrationshintergrund angeben, sich überqualifiziert zu fühlen, sind es bei Migrantinnen 27 Prozent – wobei vor allem die erste Zuwanderinnen-Generation mit 28 Prozent von Überqualifikation betroffen ist. Bei der zweiten Generation geben 20 Prozent der Frauen an, in ihrer Erwerbstätigkeit überqualifiziert zu sein.

Überqualifizierte Beschäftigte 2014 nach Migrationshintergrund und Geschlecht

Überqualifizierte Beschäftigte 2014 nach Migrationshintergrund und Geschlecht, Quelle: Statistik Austria (Publikation: Migration & Integration 2016), eigene Darstellung

 

45,4 Prozent der Migrantinnen besuchten höchstens Pflichtschule

Ein Blick auf den Bildungsstand der Bevölkerung zeigt, dass insbesondere weibliche Ausländerinnen ein niedriges Bildungsniveau im Vergleich zu Österreicherinnen bzw. zu männlichen Ausländern aufweisen. 2014 verfügten 45,4 Prozent der ausländischen Frauen zwischen 25 und 64 Jahren höchstens über einen Pflichtschulabschluss. Bei den österreichischen Frauen liegt dieser Wert bei 18,6 Prozent, bei den männlichen Ausländern bei 40,4 Prozent.

 

Verglichen mit den vorangegangenen Jahrzenten ist jedoch das Bildungsniveau sowohl bei österreichischen als auch bei ausländischen Frauen gestiegen: So lag 1971 der Anteil der Ausländerinnen, die höchsten eine Pflichtschule besuchten bei 72,7 Prozent (Österreicherinnen: 70,3 Prozent) und 1991 bei 63,1 Prozent (Österreicherinnen: 41,8 Prozent).

 

Zudem ist der Anteil der Frauen, die einen nicht-österreichischen Pass besitzen und eine Hochschule oder Akademie (16 Prozent) besuchten, nur etwas niedriger als bei österreichischen Frauen (17,5 Prozent).

 

 

Bildungsstand der 25 – 64-jährigen weiblichen Bevölkerung nach Staatsangehörigkeit, AusländerInnen

Bildungsstand der 25 – 64-jährigen weiblichen Bevölkerung nach Staatsangehörigkeit, Österreicherinnen

Bildungsstand der 25 – 64-jährigen weiblichen Bevölkerung nach Staatsangehörigkeit, Quelle: Statistik Austria (Publikation: Migration & Integration 2016), eigene Darstellung

 

Weitere Informationen und Kontakte:

Einen Einblick über Zahlen und Fakten zu migrantischen Frauen in Österreich gibt auch die Publikation des Österreichischen Integrationsfonds „Frauen. Statistiken zu Migration und Integration“. Dabei werden die Bereiche Zuwanderung, Sprache und Bildung, Arbeit und Beruf sowie Gesundheit und Familie behandelt. Die Publikation ist in der iBib sowie über die Seite des ÖIF downloadbar.

 

Franziska Troger. Tel.: 01 710 12 03 133, franziska.troger@integrationsfonds.at

 

In Österreich finden zahlreiche Veranstaltungen rund um den Internationalen Frauentag statt. Einige dieser Veranstaltungen beschäftigen sich auch mit migrantischen Frauen. So veranstaltet zum Beispiel die Iranische Bibliothek ein Event am 8. März mit Musik- und Filmprogramm in Farsi, Deutsch, Azeri und Kurdisch (FB-Event). Eine Sammlung aller Veranstaltungen in Wien finden Sie hier.

 

Bundeministerium für Inneres

 

Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Bundesministeriums für Inneres, Tel: 01 53126 2490, Mobil: 0664 183 62 83, karl-heinz.grundboeck@bmi.gv.at

 

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