Mehrsprachigkeit in Bildungseinrichtungen nimmt zu

Mehrsprachigkeit in Bildungseinrichtungen nimmt zu

Feb 21, 2017

Factbox

  • 23,8 Prozent der SchülerInnen sprechen andere Umgangssprache als Deutsch
  • In Wien liegt der Anteil bei 49,7 Prozent
  • BKS und Türkisch sind nach wie vor führende Sprachen
  • SchülerInnen mit arabischer Umgangssprache verzeichneten höchsten Zuwachs
  • Muttersprachlicher Unterricht erstmals seit 2005 rückläufig
  • Sag’s Multi: 568 SchülerInnen traten in 50 verschiedenen Sprachen an

 

Am 21. Februar wird jährlich der im Jahr 2000 von der UNESCO ausgerufene Tag der Muttersprache begangen. Der Tag soll Mehrsprachigkeit sowie die sprachliche und kulturelle Vielfalt fördern – insbesondere vor dem Hintergrund, dass von rund 6.000 weltweit gesprochenen Sprachen fast die Hälfte vom Aussterben bedroht ist. Gleichzeitig soll dieses Jahr der Zugang zu multilingualer Bildung im Fokus stehen, um eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft zu fördern.

 

In Österreich zeigt sich die Bedeutung von Mehrsprachigkeit eindrücklich an den Schulen: 23,8 Prozent der SchülerInnen gaben im Schuljahr 2015/16  an, eine andere Umgangssprache als Deutsch zu sprechen. Noch vor zehn Jahren lag dieser Anteil bei 15,6 Prozent. Die führenden Sprachen sind Türkisch und Bosnisch/Kroatisch/Serbisch. SchülerInnen mit arabischer Umgangssprache verzeichneten den höchsten Zuwachs. Gefördert wird die Mehrsprachigkeit auch beim jährlichen Redewettbewerb „Sag’s Multi“, bei dem Kinder und Jugendliche eindrucksvoll aufzeigen, dass Mehrsprachigkeit nur ein Gewinn sein kann. Anlässlich des Internationalen Tages der Muttersprache wirft die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) einen Blick auf die sprachliche Vielfalt in Österreichs Bildungseinrichtungen.

 

Kinderbetreuungseinrichtungen: 30,6 Prozent mehrsprachige Kinder

Die sprachliche Vielfalt in Österreich zeigt sich bereits bei einem Blick auf die gesprochenen Sprachen der Kinder in den Kinderbetreuungseinrichtungen: So haben insgesamt 30,6 Prozent der Kinder in den heimischen Tagesheimen eine andere Muttersprache als Deutsch (2015/16). Gegenüber dem Jahr zuvor entspricht das einer Steigerung von einem Prozentpunkt bzw. fast 7.000 Kindern.

 

Dabei zeigen sich klare Unterschiede je nach Bundesland: Während in Wiener Kindertagesheimen mehr als die Hälfte (58,9 Prozent) aller Kinder eine andere Muttersprache als Deutsch sprechen, sind es in Kärnten 12,4 Prozent.

 

 

Kinder gesamt

Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache (absolut)

Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache (in %)

Österreich

354.022

108.216

30,6 %

Burgenland

10.682

1.858

17,4 %

Kärnten

20.128

2.498

12,4 %

Niederösterreich

66.298

12.019

18,1 %

Oberösterreich

58.950

14.622

24,8 %

Salzburg

19.951

3.944

19,8 %

Steiermark

35.083

6.445

18,4 %

Tirol

28.179

5.291

18,8 %

Vorarlberg

20.060

5.809

29,0%

Wien

94.691

55.730

58,9%

Kinder in Kindertagesheime 2015/16 nach Muttersprache, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Vielfalt an Schulen steigt kontinuierlich an

An den Schulen liegt der Anteil jener Kinder und Jugendlicher, die im Schuljahr 2015/16 eine andere Umgangssprache als Deutsch angaben, bei 23,8 Prozent; insgesamt sind das 262.777 SchülerInnen. Damit steigt die sprachliche Vielfalt an den heimischen Schulen kontinuierlich an. Vor zehn Jahren lag der Anteil bei 15,6 Prozent. Die stärkste Steigerung wurde vom Schuljahr 2014/15 auf 2015/16 verzeichnet. 2014/15 besuchten 245.846 Kinder und Jugendliche (22,2 Prozent) mit nicht-deutscher Umgangssprache Österreichs Schulen. Das entspricht einem Plus von 1,6 Prozentpunkten.

 

Anteil der SchülerInnen nach Umgangssprache seit 2005Anteil der SchülerInnen mit nicht-deutscher Umgangssprache seit 2006/07, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Die Verteilung nach Bundesländern ist in den Schulen ähnlich wie in den Kindertagesheimen. Prozentuell finden sich die meisten SchülerInnen mit nicht-deutscher Umgangssprache in Wien (49,7 Prozent), in Kärnten sind es 13,3 Prozent.

 

 

Kinder gesamt

Kinder mit nicht-deutscher Umgangssprache (absolut)*

Kinder mit nicht-deutscher Umgangssprache (in %)*

Österreich

1.124.633

262.777

23,8 %

Burgenland

34.747

5.270

15,3 %

Kärnten

72.525

9.502

13,3 %

Niederösterreich

204.329

30.758

15,3 %

Oberösterreich

199.380

37.973

19,4 %

Salzburg

77.790

15.637

20,5 %

Steiermark

150.341

21.689

14,8 %

Tirol

100.264

15.722

16,2 %

Vorarlberg

54.679

13.411

24,7 %

Wien

230.578

112.815

49,7 %

SchülerInnen nach Umgangssprache im Schuljahr 2015/16, *Ohne Schulen und Akademien im Gesundheitswesen, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Große Unterschiede nach Schultyp

Deutliche Unterschiede beim Anteil der SchülerInnen, die eine andere Umgangssprache als Deutsch sprechen, gibt es nicht nur nach Bundesland, sondern auch nach den verschiedenen Schultypen. So ist der prozentuelle Anteil insbesondere an Sonderschulen (hierzu zählen auch SchülerInnen, die an anderen Schulen mit dem Sonderschul-Lehrplan unterrichtet werden) mit 33,2 Prozent, an Polytechnischen Schulen (32,3 Prozent), an den Neuen Mittelschulen (29,7 Prozent) sowie an Volksschulen überdurchschnittlich hoch (28,7 Prozent).

 

SchülerInnen nach Umgangssprache und Schultypen

SchülerInnen nach Umgangssprache und Schultypen, Anm.: Neue Mittelschule: Ohne Modellversuch „Neue Mittelschule“ an AHS, Sonderschulen: inkl. SchülerInnen, die nach dem Lehrplan der Sonderschule in anderen Schulen unterrichtet werden, AHS: inkl. Modellversuch „Neue Mittelschule an AHS, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Zuwachs bei SchülerInnen mit arabischer Umgangssprache

Mit 841.312 SchülerInnen gaben die meisten Kinder und Jugendliche Deutsch als ihre Umgangssprache an. Gegenüber dem Jahr zuvor entspricht das einem Rückgang von mehr als 10.000 SchülerInnen. Arabisch verzeichnete den höchsten Zuwachs mit einem Plus von 2.397 Kinder und Jugendlichen.

 

Türkisch und Bosnisch/Kroatisch/Serbisch (BKS) bleiben weiterhin an der Spitze der nicht-deutschen Umgangssprachen, die an Österreichs Schulen vertreten sind. Offiziell liegt Türkisch auf Platz eins der am häufigsten gesprochenen Umgangssprachen (61.255), fasst man jedoch die Sprachen Bosnisch, Kroatisch, Serbisch zusammen, liegt BKS mit 72.005 SprecherInnen deutlich auf dem ersten Platz.

 

 

2015/16

2014/15

Veränderung

Deutsch

841.312

851.781

-10.469

Türkisch

61.255

60.714

+541

Serbisch

26.776

25.623

+1.153

Albanisch

16.901

16.481

+420

Bosnisch

15.814

14.532

+1.282

Rumänisch

14.433

12.778

+1.655

Kroatisch

13.483

12.914

+569

Bosnisch/Kroatisch/Serbisch

11.343

12.282

-939

Arabisch

11.195

8.798

+2.397

Ungarisch

8.555

7.314

+1.241

Sonstige Sprachen

7.874

7.905

-31

Polnisch

7.336

6.741

+595

Russisch

5.812

4.341

+1.471

Englisch

4.858

3.720

+1.138

Serbokroatisch

4.589

4.063

+526

Tschetschenisch

4.588

4.582

+6

Slowakisch

3.875

3.336

+539

Persisch (Farsi)

3.476

2.974

+502

Kurdisch

3.087

2.601

+486

SchülerInnen nach einzelnen Sprachen in den Schuljahre 2015/16 und 2014/15, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Muttersprachlicher Unterricht erstmals rückläufig

In Österreich gibt es für SchülerInnen, die zwei- oder mehrsprachig aufwachsen, die Möglichkeit, an der unverbindlichen Übung „Muttersprachlicher Unterricht“ teilzunehmen. Obwohl die Zahl der SchülerInnen, die eine andere Umgangssprache als Deutsch sprechen, in den vergangenen Jahren kontinuierlich zunimmt, sank sowohl die Anzahl der LehrerInnen, die muttersprachlichen Unterricht anbieten, als auch die Zahl der teilnehmenden Schüler/innen im Schuljahr 2014/15 erstmals seit dem Jahr 2005/06.

 

So wurden laut den aktuellsten Erhebungen des Referats für Migration und Schule im Schuljahr 2014/15 insgesamt 33.016 SchülerInnen von 400 LehrerInnen im Rahmen des muttersprachlichen Unterrichts unterrichtet. Dies entspricht einem prozentuellen Rückgang von 5,2 Prozent bei den LehrerInnen und 2,7 Prozent bei den SchülerInnen.

 

 

LehrerInnen

SchülerInnen

 

2014/15

Veränderung zu 2013/14

2014/15

Veränderung zu 2013/14

Burgenland

5

0

236

+25

Kärnten

8

0

632

-28

Niederösterreich

26

-2

2.471

+143

Oberösterreich

43

-1

3.986

-104

Salzburg

18

+1

1.648

+58

Steiermark

34

-3

2.748

+65

Tirol

20

+1

1.516

-58

Vorarlberg

21

-1

2.328

+22

Wien

225

-17

17.451

-1.027

Österreich

400

-22

33.016

-904

Muttersprachlicher Unterricht im Schuljahr 2014/15, Quelle: BMB / Referat für Migration und Schule, eigene Darstellung

 

Muttersprachlicher Unterricht: 27 Sprachen      

Im Schuljahr 2014/15 wurde in folgenden 27 Sprachen muttersprachlicher Unterricht angeboten: Albanisch, Arabisch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch (BKS), Bulgarisch, Chinesisch, Dari, Französisch, Griechisch, Italienisch, Kurdisch/Kurmanci, Kurdisch/Zazaki, Nepali, Pashto, Persisch, Polnisch, Portugiesisch, Romanes, Rumänisch, Russisch, Slowakisch, Slowenisch, Somali, Spanisch, Tschechisch, Tschetschenisch, Türkisch und Ungarisch. Im Vergleich zu 2013/14 kamen die zwei Sprachen Griechisch und Nepali hinzu.

 

Entsprechend der Verteilung der einzelnen Umgangssprachen an Österreichs Schulen ist es wenig überraschend, dass Türkisch und BKS deutlich vor den anderen Sprachen liegen: Rechnet man die beiden Sprachen zusammen, besuchten 77,4 Prozent der SchülerInnen, die einen muttersprachlichen Unterricht wahrnahmen, BKS oder türkischen Muttersprachen-Unterricht.

 

 

LehrerInnen

SchülerInnen

 

2014/15

Veränderung zu 2013/14

2014/15

Veränderung zu 2013/14

Türkisch

156

-5

14.966

-372

BKS

134

-6

10.574

-333

Albanisch

20

-3

2.143

-295

Arabisch

13

0

1.118

-2

Polnisch

9

0

822

+25

Muttersprachlicher Unterricht im Schuljahr 2014/15, Quelle: BMB / Referat für Migration und Schule, eigene Darstellung

 

Sag’s Multi: „Think out loud!“

Gefördert wird die Mehrsprachigkeit auch beim jährlichen Redewettbewerb „Sag’s Multi“. Dabei treten SchülerInnen mit und ohne Migrationshintergrund an, um die Jury mit zweisprachigen Reden zu überzeugen. Im aktuellen Schuljahr 2016/17 präsentierten 568 SchülerInnen aus 140 Schulen ihre Gedanken zum diesjährigen Motto „Think out loud!“.

 

Bereits zum achten Mal führt der Verein „Wirtschaft für Integration“ diesen Redewettbewerb in Österreich durch. Nicht nur die TeilnehmerInnenzahl stieg dabei kontinuierlich an, sondern auch die vertretenen Sprachen: Im vergangenen Jahr wurden die Reden in 41 verschiedenen Sprachen gehalten, heuer sind es 50 Sprachen.

 

Ab 22. Februar finden die Finalrunden mit 104 FinalistInnen statt. Am 14. März werden die Preise im Festsaal des Rathauses an die GewinnerInnen verliehen.

 

Weitere Informationen und Kontakte:

 

Statistische Auswertung zum muttersprachlichen Unterricht des Schuljahres 2014/15

 

Elfie Fleck, Referat für Migration und Schule, Tel: 01/53120/2552, elfie.fleck@bmbf.gv.at

 

“Sag´s Multi!”

 

Peter Wesely, “Verein Wirtschaft für Integration”, Tel.: 01/94 44 846, E-Mail: p.wesely@vwfi.at

 

MSNÖ-Artikel: Schulstart – Vielfalt an Österreichs Schulen nimmt weiter zu

 

MSNÖ-Artikel: Mehr als 14.000 Flüchtlingskinder seit 2015 eingeschult

 

 

 

 

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