Mehrheit der EuropäerInnen befürwortet Einreisestopp für MuslimInnen

Mehrheit der EuropäerInnen befürwortet Einreisestopp für MuslimInnen

Feb 14, 2017

Factbox

  • 55 Prozent der europäischen Bevölkerung für Einreisestopp
  • Österreich liegt nach Polen an der Spitze der Einreisestopp-Befürworter
  • Integrationsbarometer: Zusammenleben mit MuslimInnen eher negativ wahrgenommen
  • Rassismus gegen MuslimInnen seit 2014 zunehmen

 

Das von US-Präsident Donald Trump Ende Jänner verhängte Dekret, das ein Einreiseverbot für BürgerInnen aus sieben mehrheitlich muslimischen Länder in die USA vorsieht, sorgte und sorgt für viele Diskussionen. Das Einreiseverbot konnte nach einem Richterspruch vorläufig außer Kraft gesetzt werden. Trumps Dekret rief auch in Europa vielfach Empörung aus. Eine aktuelle Umfrage zeigt jedoch, dass es in der Bevölkerung Europas große Bedenken bzw. eine mehrheitliche Ablehnung gibt, wenn es um die Zuwanderung von MuslimInnen geht.

 

Das britische Royal Institute of International Affairs Chatham House befragte – bereits vor dem von Trump erlassenen Dekret – 10.000 Personen aus zehn europäischen Staaten zu diesem Thema. Das Ergebnis: 55 Prozent sind der Meinung, dass Migration aus mehrheitlich muslimischen Staaten gestoppt werden sollte. Österreich liegt mit 65 Prozent Zustimmung klar über dem Gesamt-Durchschnitt. Nur in Polen ist die Zustimmung noch höher. Auch der Integrationsbarometer des Österreichischen Integrationsfonds zeigt, dass das Zusammenleben von MuslimInnen und Nicht-MuslimInnen eher negativ bewertet wird. Die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) fasst zusammen.

 

Mehr als Hälfte der EuropäerInnen für Einreisestopp

Unmittelbar vor Trumps Dekret (von 12. Dezember 2016 bis 11. Jänner 2017) wurde mehr als 10.000 Menschen aus zehn europäischen Ländern (Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Österreich, Polen, Spanien, Ungarn) die Frage gestellt, ob jegliche Einwanderung aus mehrheitlich muslimischen Ländern gestoppt werden sollte.

 

Das Ergebnis: In allen Ländern war die Zustimmung zum Einreisestopp deutlich höher als die Ablehnung. Durchschnittlich befürworten 55 Prozent einen Einreisestopp, nur 20 Prozent sind dagegen.

 

65 Prozent der ÖsterreicherInnen für Einreisestopp

Aufgeschlüsselt nach den einzelnen Ländern zeigt sich, dass die Zustimmung zum Einreisestopp in Österreich besonders hoch ist: So halten 65 Prozent der ÖsterreicherInnen einen Einreisestopp für sinnvoll, nur 18 Prozent sind dagegen. Höher ist die Zustimmung nur in Polen mit einem Wert von 71 Prozent. Nach Polen und Österreich folgen Belgien und Ungarn (jeweils 64 Prozent) sowie Frankreich (61 Prozent).

 

Nur in zwei Ländern gab es keine absolute Mehrheit jener Personen, die einen Einreisestopp befürworten: In Spanien mit 41 Prozent und dem Vereinigten Königreich mit 47 Prozent.

 

 

Aus der Umfrage geht zudem hervor, dass Männer mit einem Zustimmungswert von 57 Prozent etwas häufiger den Einreisestopp befürworten als Frauen (52 Prozent). Ähnlich gering ist der Unterschied nach Wohnort: 52 Prozent der GroßstädterInnen und 58 Prozent der Landbevölkerung stimmten dem Einreisestopp zu.

 

Größere Unterschiede zeigen sich beim Alter: So sind 44 Prozent der 18–29-Jährigen für einen Einreisestopp, dieser Wert nimmt mit dem Alter der Befragten zu. Der höchste Wert zeigt sich bei der Generation 60+ mit 63 Prozent. Auch das Bildungsniveau ist eine wichtige Variable: Personen mit sekundärem Schulabschluss und darunter (59 Prozent) stimmen dem Einreisestopp häufiger zu als Studierende und AkademikerInnen (48 Prozent).

 

 

Zusammenleben mit MuslimInnen eher negativer bewertet

In einer von SORA im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) durchgeführten Studie zeigt sich ebenfalls ein eher negatives Stimmungsbild gegenüber MuslimInnen. Für die Studie wurden im November 2015 sowie im März/April 2016 jeweils 1.000 österreichische StaatsbürgerInnen befragt.

 

Das Ergebnis: Während 52 Prozent der Befragten das Zusammenleben zwischen ÖsterreicherInnen und ZuwanderInnen als sehr oder eher gut bewerten, wird das Zusammenleben von MuslimInnen und Nicht-MuslimInnen negativer wahrgenommen: 35 Prozent bewerteten dieses als sehr oder eher gut, mit 51 Prozent gab mehr als die Hälfte an, das Zusammenleben als eher schlecht oder sehr schlecht wahrzunehmen.

 

Öif Integrationsbarometer Zusammenleben zwischen MuslimInnen und Nicht-MuslimInnen

 

Quelle: ÖIF, eigene Darstellung

 

In der Studie wird Religion als eines der Probleme in Zusammenhang mit Flüchtlingen wahrgenommen. So gaben 77 Prozent an, dass „geringer Respekt und Gewaltbereitschaft einiger muslimischer Flüchtlinge gegenüber Frauen“ ein eher großes oder sehr großes Problem sei. Für 71 Prozent der Befragten ist „religiöser Fanatismus und die Gefahr von Terroranschlägen“ ein Problem.

 

Weitere Informationen und Kontakte:

 

Eine Zusammenfassung der Chatham-House-Umfrage finden Sie hier.

 

Chatham House, Pressesprecher Simon Renwick, srenwick@chathamhouse.org, pressoffice@chathamhouse.org

 

ÖIF-Integrationsbarometer, Franziska Troger. Tel.: 01 710 12 03 133, franziska.troger@integrationsfonds.at

 

Dokumentationsstelle der Muslime in Österreich, Tel.: 0676 4040005, dokustelle@derislam.at

 

Siehe auch folgende MSNÖ-Artikel:

 

US-Einreiseverbot: Mehr als 65.000 Betroffene in Österreich

 

Antimuslimischer Rassismus steigt

 

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