2016: Asylanträge halbierten sich, Außerlandesbringungen steigen

2016: Asylanträge halbierten sich, Außerlandesbringungen steigen

Jan 20, 2017

Factbox

  • Insgesamt traf das BFA 57.439 erstinstanzliche Entscheidungen
  • 42.073 Asylanträge wurden gestellt
  • 48 Prozent positive Entscheidungen
  • 10.677 Außerlandesbringungen im Jahr 2016, 54 Prozent davon freiwillig
  • Personen aus dem Irak am häufigsten in die Heimat zurückgekehrt
  • 2.582 Dublin-Überstellungen, 2.298 Abschiebungen

 

Mit 42.073 registrierten Asylanträgen im Jahr 2016 hat sich im Verlgeich zum Jahr zuvor die Zahl jener Personen halbiert, die in Österreich um internationalen Schutz angesucht haben. Das ist ein zentrales Ergebnis der Jahresbilanz des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl (BFA). Insgesamt traf das BFA im vergangenen Jahr 57.439 erstinstanzliche Entscheidungen.

 

Trotz des Rückgangs bei den Anträgen betont BFA-Direktor Wolfgang Taucher, dass das Amt nach wie vor vor großen Herausforderungen stehe, da 42.000 Anträge in einem Jahr nicht die Norm darstellen. Daher werde 2017 die Förderung der Ausreisen, insbesondere der freiwilligen Ausreisen, einen wichtigen Bereich darstellen. Bereits 2015 erfolgten um 40 Prozent mehr Außerlandesbringungen als im Jahr zuvor, 2016 wurden die Außerlandesbringungen nochmal um 30 Prozent gesteigert. Insgesamt gab es 2016 10.677 Ausreisen. 54 Prozent davon passierten freiwillig. Die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) fasst die wichtigsten Ergebnisse der BFA-Bilanz im Jahr 2016 zusammen.

 

2016: 42.000 Asylanträge gestellt

In Österreich gingen 2016 42.073 Asylanträge ein. Die Anzahl der Anträge ging damit um 52,4 gegenüber dem Jahr zuvor zurück. Vergleicht man die Zahl der Anträge mit den Statistiken seit 1999 zeigt sich, dass die Zahl jener, die um internationalen Schutz in Österreich ansuchen, nach wie vor auf einem hohen Niveau ist:

 

Asylanträge in Österreich seit 1999

Asylanträge in Österreich seit 1999, Quelle: BFA, eigene Darstellung

 

36.030 Anträge wurden 2016 zum inhaltlichen Verfahren zugelassen. Damit wurde die von der Regierung festgelegte Obergrenze von 37.500 fast erreicht. Von den 2016 eingereichten Asylanträgen wurden 64,8 Prozent (27,254 Anträge) zum Verfahren zugelassen.

 

55,7 Prozent der Anträge aus drei Herkunftsländern

Wie bereits 2015 stammten die meisten Asylanträge aus Afghanistan, Syrien und dem Irak. Insgesamt stellten diese drei Herkunftsländer 55,67 Prozent aller in Österreich eingelangten Asylanträge. 2015 stammten sogar 72,16 Prozent aller Anträge aus Afghanistan, Syrien und dem Irak.

 

Im vergangenen Jahr stammten 11.724 Asylanträge aus Afghanistan (27,91 Prozent) und 8.845 aus Syrien (21,02 Prozent). 2015 waren 25.563 AntragsstellerInnen (28,94 Prozent) aus Afghanistan und 24.547 aus Syrien (27,79 Prozent).

 

Asylanträge nach Herkunftsland 2015 und 2016

Asylanträge nach Herkunftsland 2015 und 2016, Quelle: BFA, eigene Darstellung

 

35 Prozent aller Asylentscheidungen negativ

Insgesamt traf das BFA im Jahr 2016 57.439 erstinstanzliche Entscheidungen nach dem Asylgesetz. Davon waren 20.213 bzw. 35 Prozent negative Entscheidungen (dazu zählen Zurückweisungen, Abweisungen und Duldungen), in 27.767 Fällen wurde Schutz gewährt. Davon wiederum erhielten 7.785 Personen den temporären Aufenthaltstitel als subsidiäre Schutzberechtigte. Die restlichen 9.459 Entscheidungen sind sonstige Entscheidungen wie zum Beispiel Einstellung oder Aussetzung eines Asylverfahrens.

 

Ein Blick auf die Herkunftsländer zeigt, dass fast die Hälfte (49 Prozent) der AfghanInnen erstinstanzlich eine negative Entscheidung erhielten, während 89 Prozent der SyrerInnen Schutz gewährt wurde. Die Situation in Afghanistan sei deutlich komplexer und schwieriger zu beurteilen als im Falle Syriens, betont Taucher. Daher werde Afghanistan 2017 – wie auch schon im vergangenem Jahr – einen Schwerpunkt in der Arbeit des BFA darstellen. Mitte des Jahres ist eine „Fact-Finding-Reise“ nach Afghanistan geplant – mit dem Ziel, bessere Informationen über die Situation zu bekommen.

 

Asylentscheidungen der zehn antragsstärksten Nationen

Asylentscheidungen der zehn antragsstärksten Nationen, Quelle: BFA

 

Von den rund 130.000 Asylanträgen sind laut Taucher rund 60.000 noch offen. Diese sollen 2017 abgearbeitet werden. So plant das BFA 70.000 Asylentscheidungen im laufendem Jahr zu treffen.

 

Zudem soll die durchschnittliche Dauer der Asylverfahren verkürzt werden. Derzeit dauert ein Asylverfahren durchschnittlich neun Monate und liegt damit unter der gesetzlich festgelegten Sollfrist von höchstens 15 Monaten. 2017 soll sich die Dauer auf acht Monate und Mitte 2018 auf drei Monate reduzieren.

 

Zahl der Außerlandesbringungen stieg um 30 Prozent

Der Bereich der Rückkehr war 2016 einer der BFA-Schwerpunkte. Stiegen die Außerlandesbringungen bereits von 2014 um 2015 um 40 Prozent, kam es 2016 erneut zu einem Anstieg von 30 Prozent. Insgesamt gab es 10.677 Ausreisen. 54 Prozent (5.797) davon erfolgten auf freiwilliger Basis. 2017 sollen diese laut Taucher steigen, insbesondere der Bereich der freiwilligen Rückkehr werde weiterhin einen Schwerpunkt des BFA darstellen.

 

Zahl der Außerlandesbringungen 2007 bis 2016

Zahl der Außerlandesbringungen 2007 bis 2016, Quelle: BFA, eigene Darstellung

 

Meisten nach Irak und Afghanistan zurückgekehrt

Die Außerlandesbringungen gliedern sich wie folgt: Die meisten RückkehrerInnen wurden bei Asylsuchenden aus dem Irak registriert (1.565), gefolgt von Afghanistan (1.094) und dem Iran (687). Dahinter folgen SerbInnen (682) und NigerianerInnen (610).

 

Außerlandesbringungen 2016 nach Herkunftsländer

Quelle: BFA

 

Von den 4.880 zwangsweisen Außerlandesbringungen waren 2.582 Dublin-Überstellungen (2015: 1.900) und 2.298 Abschiebungen (2015: 1.378). Die Top 3-Zielländer der Dublin-Überstellungen waren Italien (817), Kroatien (451) und Deutschland (387). Zudem wurden 549 Dublin-Überstellungen nach Österreich durchgeführt – 132 davon aus der Schweiz, gefolgt von Deutschland (122) und Schweden (46).

 

Weitere Informationen und Kontakte:

 

Asylstatistiken des BM.I

 

Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Bundesministeriums für Inneres;  Tel: 01 53126 – 2490, karl-heinz.grundboeck@bmi.gv.at;

 

Statistiken des BFA

 

Sonja Jell-Nemati, Stabstelle der Direktion des BFA, Tel.: 01-53126 5020, sonja.jell-nemati@bmi.gv.at

 

MSNÖ-Artikel: AsylwerberInnen – Freiwillige Ausreisen gestiegen

 

MSNÖ-Artikel: 2015: 13.800 positive Asylentscheidungen

 

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