Trump wird vereidigt – Rund 15.000 Menschen haben US-amerikanische Herkunft

Trump wird vereidigt – Rund 15.000 Menschen haben US-amerikanische Herkunft

Jan 17, 2017

Factbox

  • US-Wahlen: Stimmabgabe per Wahlkarte möglich
  • Knapp 11.000 in den Vereinigten Staaten geborene Personen in Österreich
  • 47 Prozent leben in Wien
  • Wenige Einbürgerungen, US-BürgerInnen stellen sich oft auf temporären Aufenthalt ein
  • Privatunis bei Studierenden beliebter als Fachhochschulen
  • Community recht gut vernetzt

 

Donald Trump wird am 20. Jänner 2017 als neuer US-Präsident vereidigt. Trump hatte am 8. November vorigen Jahres die Präsidentschaftswahl in den USA für sich entschieden.

 

Laut Konsulat leben rund 15.000 Personen US-amerikanischer Herkunft in Österreich. Knapp 11.000 Menschen geben laut Statistik Austria die Vereinigten Staaten von Amerika als Geburtsland an. Anlässlich der Inauguration von Trump wirft die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) einen Blick auf die US-amerikanische Community in Österreich.

 

Stimmabgabe per Wahlkarte möglich

In Österreich lebende US-AmerikanerInnen konnten ihre Stimme nicht direkt an der Botschaft oder am Konsulat abgeben, sie konnten jedoch per Wahlkarte an der Wahl teilnehmen.

 

Dafür benötigte es eine Registrierung per Post oder Internet, die in vielen Bundesstaaten bis 10. Oktober lief. Danach wurde die Wahlkarte den WählerInnen in der Diaspora zugeschickt und musste von diesen per Post retourniert werden. Zudem gab es die Möglichkeit, die Wahlkarte am Konsulat in Wien abzugeben. Das Konsulat sendete die Wahlkarte kostenlos an die jeweilige Wahlbehörde. Je nach Bundesstaat galten verschiedene Fristen.

 

Da sich die WählerInnen nicht bei der US-Botschaft in Wien registrieren, liegen keine aktuellen Zahlen vor, wie viele US-BürgerInnen in Österreich wahlberechtigt sind. Auch zu vorherigen Wahlgängen konnte die Botschaft auf Anfrage der MSNÖ keine Auskunft geben.

 

15.000 Personen US-amerikanischer Herkunft

Nach offiziellen Angaben der Statistik Austria leben 7.842 US-amerikanische StaatsbürgerInnen in Österreich (Stichtag 1. Jänner 2016). Die Zahl der Personen, die – unabhängig von der Staatsangehörigkeit – in den Vereinigten Staaten geboren wurden, ist mit 10.912 deutlich höher. Laut US-Konsulat leben etwa 15.000 Personen US-amerikanischer Herkunft in Österreich.

 

In den vergangenen 15 Jahren nahm sowohl die Zahl der US-amerikanischen StaatsbürgerInnen als auch die Zahl der in den USA Geborenen kontinuierlich zu: So lebten 2002 6.224 US-BürgerInnen bzw. 7.439 in den USA geborene Personen in Österreich.

 

US-amerikanische StaatsbürgerInnen bzw. Personen, die in den USA geboren wurden – jeweils am 1.1. des Jahres

US-amerikanische StaatsbürgerInnen bzw. Personen, die in den USA geboren wurden – jeweils am 1.1. des Jahres, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Rund Hälfte der Community lebt in Wien

Wien ist ein Zentrum der hierzulande lebenden US-AmerikannerInnen: 4.099 US-Staatsangehörige leben in der Bundeshauptstadt. Das entspricht einem Anteil von 52,27 Prozent aller in Österreich ansässigen US-AmerikanerInnen. Unterschieden nach dem Geburtsland leben 5.112 in den Vereinigten Staaten geborene Personen in Wien (46,85 Prozent).

 

Auf Platz zwei folgt Niederösterreich mit 891 US-AmerikanerInnen (11,36 Prozent) bzw. 1.365 in den USA geborenen Personen (12,51 Prozent).

 

US-amerikanische StaatsbürgerInnen bzw. Personen, die in den Vereinigten Staaten geboren wurden am 1.1.2016 nach Staatsangehörigkeit

US-amerikanische StaatsbürgerInnen bzw. Personen, die in den Vereinigten Staaten geboren wurden am 1.1.2016 nach Staatsangehörigkeit, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Wanderungssaldo positiv

In den vergangenen zehn Jahren wanderten meist mehr US-AmerikanerInnen ein als aus. Eine Ausnahme stellt 2009 dar, als 1.565 US-BürgerInnen nach Österreich zu- und 1.597 abwanderten. Das Wanderungssaldo war entsprechend negativ (-32).

 

2015 wanderten 1.977 Personen von den USA nach Österreich zu, gleichzeitig migrierten 1.607 Personen von den USA nach Österreich. Damit lag das Wanderungssaldo bei 370 und stieg im Vergleich zum Jahr zuvor.

 

Wanderungssaldo mit den Vereinigten Staaten

Wanderungssaldo mit den Vereinigten Staaten von Amerika, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Einbürgerungen: 397 in letzten zehn Jahren

In den vergangenen zehn Jahren (2006-2015) erhielten 397 ehemalige US-BürgerInnen die österreichische Staatsangehörigkeit. 2008 erhielten in dieser Zeitspanne noch die meisten US-BürgerInnen (62) einen österreichischen Pass, 2010 die wenigsten (25). Zuletzt wurden 2015 37 US-Staatsangehörige eingebürgert.

 

Einbürgerungen ehemaliger US-AmerikanerInnen

Einbürgerungen ehemaliger US-AmerikanerInnen, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

2.715 US-amerikanische Erwerbstätige

Im Jahresdurchschnitt 2015 waren laut Sozialministerium insgesamt 2.715 US-BürgerInnen erwerbstätig. Die überwiegende Mehrheit davon, nämlich 2.013 Personen, war in einem unselbstständigen Beschäftigungsverhältnis tätig. Weitere 253 waren geringfügig beschäftigt, 403 US-BürgerInnen waren selbstständig und 46 arbeiteten im Rahmen eines freien Dienstvertrages.

 

Verglichen mit der Gesamt-Arbeitslosenquote (9,1 Prozent) in Österreich, war die Arbeitslosenquote bei US-amerikanischen StaatsbürgerInnen 2015 mit 7,6 Prozent relativ gering.

 

 

Beschäftigte 2015

Unselbstständige Beschäftigte

2.013

Geringfügig Beschäftigte

253

Freie Dienstverträge

46

Selbstständig Beschäftigte

403

Gesamt

2.715

US-Amerikanische Beschäftigte im Jahresdurchschnitt 2015, Quelle: BMASK, eigene Darstellung

 

Der Großteil der US-amerikanischen unselbstständig Beschäftigten war im Bereich Erziehung und Unterricht (523) tätig. Folgende Tabelle zeigt die Top 5-Branchen im Jahresdurchschnitt 2015:

 

Erziehung und Unterricht

523

Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung

243

Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und techn., Dienstleistungen

214

Herstellung von Waren

181

Handel (inkl. Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen)

170

Quelle: BMASK, eigene Darstellung

 

Nur wenige Studierende aus den USA

Obwohl die Zahl der in Österreich inskribierten US-BürgerInnen in den vergangenen Jahren zunahm, bewegt sie sich nach wie vor auf einem niedrigen Niveau. Insgesamt 890 US-AmerikanerInnen studierten im Wintersemester 2015/16 an einer heimischen Hochschule. Davon waren 741 Studierende an öffentlichen Universitäten inskribiert.

 

An den Fachhochschulen waren im Wintersemester 2015/16 52 US-BürgerInnen inskribiert. Mehr US-amerikanische Studierende als an den hiesigen Fachhochschulen findet man an den Privatuniversitäten (97).

 

 

Öffentliche Universitäten

Fach- hochschulen

Privatuniversitäten

Gesamt

2015/16

741

52

97

890

2014/15

670

43

91

804

2013/14

662

44

74

780

2012/13

656

39

97

792

2011/12

633

37

86

756

2010/11

602

25

79

706

2009/10

547

21

53

621

2008/09

510

12

49

571

2007/08

457

7

59

523

2006/07

437

6

66

509

US-Amerikanische Studierende an Österreichs Hochschulen, Quelle: BMWFW, eigene Darstellung

 

Die US-Community hat ihrerseits Bildungsinstitutionen in Österreich, wie etwa die American International School Vienna oder die Salzburg International Preparatory School. Die Webster University hat einen Standort in Wien, wo im vergangenem Wintersemester 65 US-AmerikanerInnen studierten.

 

Migration zwischen Österreich und den USA

Blickt man zurück, dann fand Migration zwischen Österreich und den USA vor allem in Richtung Nordamerika statt: Laut Lonnie Johnson, der sich als Wissenschafter und Chef der Fulbright Comission Austria mit dem Thema auseinandergesetzt hat, emigrierten zwischen 1876 und 1910 etwa fünf Millionen Menschen aus Österreich, davon 70 Prozent nach Nordamerika.

 

Zwischen 1901 und 1910 kam Johnson zufolge nahezu ein Viertel der Einwanderer in die USA aus verschiedenen Teilen der österreichisch-ungarischen Monarchie, viele aus dem damals wirtschaftlich schwachen Burgenland.

 

Aufgrund der Verfolgung durch den Nationalsozialismus mussten zigtausende österreichische Juden das Land verlassen, viele gingen in die USA: Johnson gibt an, dass rund 29.000 der vor 1945 geschätzten 130.000 geflohenen österreichischen Juden Einwanderungsgenehmigungen in den USA erhielten. Nur ein Bruchteil kehrte in der Nachkriegszeit nach Österreich zurück.

 

Community gut vernetzt

Es gibt einige Vereine und Organisationen der Community in Österreich: Die Österreich-Amerikanische Gesellschaft hat Landesorganisationen in sechs Bundesländern (Wien, Tirol, Oberösterreich, Kärnten, Steiermark, Salzburg) und zielt auf die Förderung des kulturellen und wissenschaftlichen Austausches zwischen Österreich und den Vereinigten Staaten. Daneben besteht eine American-Austrian Cultural Society, die sich ebenfalls auf Kunst und Wissenschaft fokussiert.

 

Die American Chamber of Commerce in Austria will den Business-Austausch fördern. Die American Women Association wurde in der Zwischenkriegszeit von Frauen, die mit Diplomaten oder Armee-Mitglieder hierher kamen, gegründet und ist mittlerweile eine internationale Community von englisch-sprechenden Frauen.

 

„Expats“ fern der Heimat

Abseits der Vereine wird die Community der US-BürgerInnen durch „Expats“ geprägt: Bei den DiplomatInnen und wirtschaftlichen Führungskräften rechnen viele nicht damit, dass sie auf längere Sicht in Österreich bleiben. Dementsprechend orientierten sich sogenannte Expats (von engl. „expatriate“ für Auswanderer oder Person, die ständig im Ausland lebt) oft stark an der Kultur der USA. Über die gemeinsame Sprache finden US-Expats zudem oft mit BritInnen oder IrInnen zusammen. So besuchen AmerikanerInnen gerne irische Pubs in Österreich.

 

Hollywood und Superbowl

Mit der US-amerikanischen Kultur vermag die „Expat-Community“ nicht zuletzt über Mainstream-Medien aus der Heimat in Verbindung zu bleiben: Neben Serien, die auch in Österreich täglich im Fernsehen laufen, ist Hollywood dabei ein Faktor – mit dem Artis International und dem English Cinema Haydn gibt es in Wien zwei englischsprachige Kinos. Auch andere Lichtspieltheater, verteilt über ganz Österreich, liefern regelmäßig Filme in Originalfassungen.

 

Neben Public Viewing von Fußballspielen wurde in den vergangenen Jahren die Übertragung der US-Sportarten Baseball, Basketball und American Football immer beliebter. Der Superbowl, das Finale der American Football-League NFL, ist weltweit ein Mega-Ereignis und wird auch hierzulande mit immer größerem Interesse verfolgt.

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Dieser Artikel wurde zuletzt am 2. November 2016 veröffentlicht und nun anlässlich der Inauguration von Trump aktualisiert.

 

US-Botschaft in Wien, Pressestelle Tel.: , 01 31339-2067, E-Mail: ViennaPress@state.gov

 

Lonnie Johnson, Fulbright Commission Österreich, Tel.: 01 236 7878-0, ljohnson@fulbright.at

 

Österreich-Amerikanische Gesellschaft, Tel.: 01-5123982, auamsoc@aon.at

 

American-Austrian Cultural Society, American_Austrian_Society@yahoo.com

 

American Chamber of Commerce in Austria, Tel.: 01 319 57 51, office@amcham.at

 

American Women Association, Tel.: 01 9662925, awa@awavienna.com

 

Website der universitären Inititiave American Corner Innsbruck

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