Schlepperei in Österreich und EU – Zahlen und Fakten

Schlepperei in Österreich und EU – Zahlen und Fakten

Dez 21, 2016

Factbox

  • 2015 über 1.100 Schlepper identifiziert, 2016 rund 230
  • 2016: Europaweit mehr als 12.000 verdächtigte Schlepper gemeldet
  • Schlepperei geht oft mit anderen Tatbeständen einher
  • 90 Prozent der Flüchtlinge kommen durch Schlepperei nach Europa
  • Syrien auf Platz 1 der geschleppten bzw. rechtswidrig eingereisten Personen

 

Schlepper treiben weiter ihr Unwesen. Immer wieder gibt es zwar Erfolgsmeldungen im Kampf gegen die Schlepperei, dennoch wartet auf die zuständigen Behörden noch viel Arbeit. Erst am Montag (19. Dezember 2016) teilte das Innenministerium mit, einen Schlepperring ausgehoben zu haben, der in zehn Jahren knapp 10.000 Menschen von der Türkei nach Europa schleuste. Der Schlepperring soll dabei etwa 15 Millionen Euro verdient haben. Ein weiterer Ermittlungserfolg wurde gegen eine Schlepperorganisation in Spanien vermeldet.

 

Die Zahl der identifierten Schlepper scheint jedenfalls deutlich gesunken zu sein. Voriges Jahr wurden über 1.100 Schlepper identifiziert, heuer bisher 230, sagte Gerald Tatzgern, Leiter der Zentralstelle im Bundeskriminalamt zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität und des Menschenhandels. Zahlen zu den heuer geschleppten Personen wird es erst im nächsten Jahr geben. 2015 wurden mehr als 70.000 geschleppte Personen in Österreich aufgegriffen – mehr als drei Mal so viel wie 2014. 90 Prozent der Flüchtlinge kommen durch Schlepperei nach Europa. Die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) fasst Zahlen und Fakten zur Schlepperei in Österreich und der EU zusammen.

 

2016 rund 230 Schlepper identifiziert

Der Schlepperbericht des Bundeskriminalamts hatte 2015 eine starke Steigerung festgestellt: Wurden 2014 511 Schlepper aufgegriffen, waren es 2015 mit 1.108 mehr als doppelt so viele. Heuer seien es 230, sagte Tatzgern. Zufrieden äußerte sich der Experte zu den Ermittlungserfolgen. Diese würden zeigen, „dass unsere Strategie zur nachhaltigen Bekämpfung von Schlepperei die richtige ist. Das Joint Operational Office ist eine Informationsdrehscheibe. Der enge nationale und internationale operative Austausch steht im Mittelpunkt. Ein Fixteam von rund 40 Ermittlern arbeitet gemeinsam mit inländischen und ausländischen Ermittlern Schulter an Schulter“.

 

Mehr als 12.000 verdächtige Schlepper in Europa

Laut den aktuellsten Daten von Europol wurden im Jahr 2016 bis August mehr als 12.000 der Schlepperei verdächtigte Personen gemeldet (Stichtag: 24. August 2016). Davon sind 95 Prozent männlich, das Durchschnittsalter beträgt 35 Jahre.

 

Ein Blick auf die Nationalität der Schlepper zeigt eine leichte Verschiebung: Lag 2015 noch Rumänien mit 350 Tatverdächtigen an der Spitze, führt 2016 die Türkei (423) die Liste der häufigsten Staatsangehörigkeiten von Schlepperei-Verdächtigen an, gefolgt von Syrien (364) und Rumänien (216).

 

Nationalität der Schlepper 2015 Nationalität der Schlepper 2016  Veränderung (in Prozent)
Rumänien  350  Türkei 423 + 295,3 %
Ägypten 336 Syrien 364 + 39,5 %
Syrien 261 Rumänien 216 – 38,3 %
Polen 259 Bulgarien 168 + 1,2 %
Tunesien 180 Ägyten 167 – 50,3 %
Ungarn 178 Irak 152 + 12,6 %
Bulgarien 166 Ukraine 149 + 156,9 %
Irak 135 Polen 136 – 47,5 %
Türkei 107 Vereinigtes Königreich  136 + 32 %
Vereinigtes Königreich 103 Senegal 103 + 28,8 %

 Top 10 Nationalitäten der Verdächtigen 2015 und 2016, 2015 betrug die Anzahl der Verdächtigen mit bekannter Nationalität 4.081, 2016 3.992, Quelle: Europol, eigene Darstellung

 

Schlepperei oft mit anderen Tatbeständen verbunden

Laut dem Schlepperbericht von Europol und Interpol waren 2015 rund 220 der ermittelten Schlepper auch in andere Tatbestände verwickelt: 22 Prozent von ihnen konnten mit Drogenhandel in Verbindung gebracht werden, jeweils 20 Prozent mit Eigentumsdelikten und Menschenhandel und 18 Prozent mit Dokumentenfälschung. 2016 konnten 20 Prozent jener Schlepper, die in andere Tatbestände verwickelt waren, mit Menschenhandel in Verbindung gebracht werden. Weitere 23 Prozent mit Eigentumsdelikten und 15 Prozent mit Drogenhandel.

 

Zudem zeigt sich, dass im laufendem Jahr Arbeitsausbeutung als Art der Bezahlung an die Schlepper  im Vergleich zu 2015 stark zunahm. 2015 machte Arbeitsausbeutung einen Anteil von 0,2 Prozent aus, 2016 waren es bereits fünf Prozent. Die meisten Personen bezahlen die Schlepper bar oder durch alternative Finanzsysteme (z.B. Hawala).

 

Bezahlungsarten Schlepper

Arten der Bezahlung, unter Sonstiges fällt u.a. die Bezahlung durch in der EU wohnende Verwandte, Quelle: Europol, eigene Darstellung

 

2015 über 70.000 geschleppte Personen

Laut dem Schlepperbericht wurden im vergangenen Jahr 72.179 geschleppte Personen in Österreich aufgegriffen. 2014 waren es 20.768. Damit stieg die Zahl 2015 gegenüber 2014 um das Dreifache an. Der Schlepperbericht der beiden Polizeiämtern Europol und Interpol geht davon aus, dass 2015  rund 90 Prozent der Flüchtlinge mit Hilfe von Schleppern nach Europa kamen. 2016 wurden bereits 12.000 der Schlepperei Verdächtige gemeldet.

 

Rückgang der illegal eingereisten Personen nach EU-Osterweiterung

Zählt man die geschleppten Personen, die Schlepper und die rechtswidrig eingereisten/aufhältigen Personen zusammen, wurden im Jahr 2015 insgesamt 94.262 Personen aufgegriffen. Das entspricht einer Steigerung von 177 Prozent gegenüber dem Jahr zuvor.

 

Wirft man einen Blick auf die vergangenen Jahre zeigt sich, dass die Zahl der geschleppten Personen 2015 einen Rekordwert darstellt. Die Zahl der Schlepper lag im Jahr 2003 auf einem ähnlichen Niveau wie 2015, die Zahl der rechtswidrig eingereisten Personen war 2003 noch deutlich höher als 2015.

 

2007 stellte das BKA einen starken Rückgang der Fälle fest: So waren es 2006 insgesamt knapp 40.000 Fälle, die im Schlepperbericht aufgezeichnet wurden, 2007 waren es 15.000 – insbesondere die Zahl der rechtswidrig nach Österreich eingereisten Personen ging stark zurück. Mit ein Grund hierfür ist laut BKA die EU-Osterweiterung. Zuvor stammte der Großteil der rechtswidrig eingereisten bzw. aufhältigen Personen aus Rumänien. Durch den EU-Beitritt werden RumänInnen nur noch aufgrund eines bereits bestehenden Aufenthaltsverbotes beamtshandelt.

 

Aufgegriffene Personen laut Schlepperbericht 2013 bis 2015Quelle: BKA, eigene Darstellung

 

Syrische Personen am häufigsten aufgegriffen

Sowohl bei den in Österreich aufgegriffen Personen, die geschleppt wurden, als auch bei jenen, die rechtswidrig hierzulande aufhältig sind, führt Syrien die Liste der häufigsten Herkunftsländer an. Bei den geschleppten Personen folgen Afghanistan mit 20.391 und der Irak mit 12.732 Personen. Bei der Gruppe der rechtswidrig eingereisten bzw. aufhältigen Personen liegt Eritrea mit 3.169 Personen auf Platz zwei, Afghanistan mit 1.761 Personen auf Platz drei.

 

Staatsangehörigkeit

Rechtswidrig eingereiste/ aufhältige Personen 2015

Syrien

4.100

Eritrea

3.169

Afghanistan

1.761

Irak

1.556

Nigeria

1.151

Pakistan

939

Somalia

784

Marokko

687

Indien

583

Serbien

493

Staatsangehörigkeit

Geschleppte Personen 2015

Syrien

21.473

Afghanistan

20.391

Irak

12.732

Iran

2.656

Pakistan

2.633

Kosovo

1.772

Somalia

1.538

Staatenlos

1.165

Nigeria

1.084

Algerien

807

Quelle: BKA, eigene Darstellung

 

Meisten Fälle in Niederösterreich registriert

Laut Schlepperbericht erfolgten die meisten Grenzübertritte im vergangenem Jahr über Ungarn (46,7 Prozent) und Slowenien (15,9 Prozent). Die meisten geschleppten Personen wurden in Niederösterreich (27.661), gefolgt von Wien (13.945) registriert. Die meisten rechtswidrig eingereisten bzw. aufhältigen Personen wurden in Tirol (7.914) und Wien (3.625) aufgegriffen.

 

 

 

Geschleppte Personen

Rechtswidrig eingereiste oder aufhältige Personen

Schlepper

Fälle gesamt

Burgenland

10.894

1.163

239

12.296

Kärnten

1.272

1.359

32

2.663

Niederösterreich

27.611

3.419

254

31.284

Oberösterreich

6.310

1.171

174

7.655

Salzburg

4.672

1.045

55

5.772

Steiermark

3.931

1.030

24

4.985

Tirol

2.314

7.914

46

10.274

Vorarlberg

1.230

249

14

1.493

Wien

13.945

3.625

270

17.840

Quelle: BKA, eigene Darstellung

 

90 Prozent der Flüchtlinge kommen mit Schleppern in EU

Das Europäische Polizeiamt (Europol) und INTERPOL schätzen, dass 2015 rund 90 Prozent der Flüchtlinge, die nach Europa kamen, geschleppt wurden. Insgesamt wurden 2015 in der EU mehr als eine Million illegale Grenzübertritte registriert. Insbesondere bei den Ankünften illegaler MigrantInnen in Griechenland und Italien kam es zu starken Zunahmen gegenüber 2014. Allein über Griechenland und Bulgarien wurden 885.386 illegale Grenzübertritte verzeichnet, über Italien 153.946.

 

Route

Anzahl der illegalen Grenzübertritte 2015

Westliche Mittelmeerroute (über Spanien und Portugal)

7.164

Zentrale Mittelmeerroute (über Italien)

153.946

Süd-östliche Route (über Griechenland und Bulgarien)

885.386

Östliche Route (über Weißrussland, Moldawien, Ukraine, Russland)

1.920

Nördliche Route (über Norwegen und Finnland)

2.000

Quelle: Europol / INTERPOL, eigene Darstellung

 

 

Weitere Informationen und Kontakte:

Im Zusatzprotokoll des UN-Übereinkommens zur Schlepperei wird unter der „Schlepperei von Migranten“ die „Herbeiführung der illegalen Einreise einer Person in einem Vertragsstaat, dessen Staatsangehörige sie nicht ist oder in dem sie keinen ständigen Aufenthalt hat, mit dem Ziel, sich unmittelbar oder mittelbar einen finanziellen oder sonstigen materiellen Vorteil zu verschaffen“, bezeichnet.

 

Schlepperbericht des BKA

 

Pressesprecher des BKA, Vincenz Kriegs-Au, Tel.: 01 24836-985146, vincenz.kriegs-au@bmi.gv.at

 

Schlepperbericht von Europol und INTERPOL

 

Pressesprecher der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich, Falk Kunadt, Tel.: 01 516 18 324, falk.kunadt@ec.europa.eu

 

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