Rund 30 Prozent aller Ehen sind binational

Rund 30 Prozent aller Ehen sind binational

Okt 18, 2016

Factbox

  • Großteil binationaler Ehen zw. ÖsterreicherInnen und AusländerInnen
  • Nach ÖsterreicherInnen sind die meisten Vermählten Deutsche
  • Binationale Ehen seit Inkrafttreten des Fremdendrechtspakets 2006 rückläufig
  • 35 Prozent aller eingetragenen Partnerschaften sind binational
  • 2014 sind 226 „Aufenthaltsehen“ bekannt geworden

 

In Österreich sind im vergangenen Jahr 44.502 heterosexuelle Ehen geschlossen worden. Bei 30 Prozent der Ehen handelte es sich laut dem Verein „Ehe ohne Grenzen“ (EOG) um binationale Trauungen.* In absoluten Zahlen waren es 13.372 Ehen.**

 

Beim Großteil davon – etwas mehr als 10.000 Eheschließungen – besaß einer der Vermählten eine österreichische Staatsbürgerschaft. An etwas mehr als die Hälfte dieser Trauungen waren wiederum Personen aus dem EU-Ausland beteiligt. Die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) fasst den Bericht von EOG zusammen und wirft einen Blick auf aktuelle Zahlen zu binationalen Eheschließungen in Österreich.

 

5.555 Österreicher heirateten eine Ausländerin

Österreichische Männer heiraten öfters eine ausländische Frau als österreichische Frauen ausländische Männer: Im vergangenem Jahr gingen 5.555 Männer mit österreichischer Staatsbürgerschaft eine Ehe mit einer Frau ausländischer Staatsangehörigkeit ein (zwölf Prozent aller Eheschließungen). Gleichzeitig waren es 4.577 österreichische Frauen, die einen ausländischen Mann heirateten (zehn Prozent aller Eheschließungen). Auch in den Jahren zuvor trauten sich deutlich mehr Österreicher mit Nicht-Österreicherinnen.

 

Jahr

Staatsangehörigkeit Bräutigam: Österreich

Staatsangehörigkeit der Braut:

Ausland gesamt

EU-Ausland

Drittstaat

2010

33.131

4.409

2.293

2.116

2011

31.825

4.334

2.143

2.191

2012

34.011

4.350

2.237

2.113

2013

31.430

4.305

2.154

2.151

2014

32.374

4.131

1.987

2.144

2015

36.685

5.555

2.771

2.784

Eheschließungen nach ausgewählter Staatsangehörigkeit 2010 – 2015, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Jahr

Staatsangehörigkeit Braut: Österreich

Staatsangehörigkeit des Bräutigams:

Ausland gesamt

EU-Ausland

Drittstaat

2010

31.193

2.471

1.005

1.466

2011

30.029

2.538

1.056

1.482

2012

32.136

2.475

1.088

1.387

2013

29.541

2.416

1.041

1.375

2014

30.828

2.585

1.222

1.363

2015

35.707

4.577

1.927

2.650

Eheschließungen nach ausgewählter Staatsangehörigkeit 2010 – 2015, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Deutsche als beliebteste Brautleute

Ein Blick auf die detaillierte Staatsangehörigkeit der Brautleute zeigt, dass nach ÖsterreicherInnen die Mehrheit der Vermählten deutsche StaatsbürgerInnen stellen. Im Jahr 2015 waren insgesamt 3.151 der Brautleute deutsche StaatsbürgerInnen (1.550 männlich, 1.601 weiblich). Dahinter folgen die Türkei mit insgesamt 1.665 Brautleuten, Bosnien-Herzegowina (1.514) und Serbien (1.405).

 

Eheschließungen nach Staatsangehörigkeit der Brautleute 2015

Eheschließungen nach Staatsangehörigkeit der Brautleute 2015, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Rückgang binationaler Ehen nach Fremdenrechtspaket 2006

Wirft man einen Blick zurück zeigt sich, dass im Jahr 2006 der Anteil der binationalen Ehen an allen geschlossenen Ehen um ganze fünf Prozentpunkte im Vergleich zum Jahr zuvor sank (von 30 Prozent 2005 auf 25 Prozent ein Jahr später). Auch in den Folgejahren war die Zahl der binationalen Ehen in Österreich rückläufig.

 

Erst 2015 gab es wieder einen signifikanten Anstieg von 25 Prozent auf 30 Prozent. Dabei wurden 2015 erstmals Ehen erfasst, die von Personen mit einem österreichischen Wohnsitz im Ausland geschlossen wurden. Laut EOG sei jedoch auch ohne diese Ehen ein starkes Plus gegenüber den Vorjahren zu verzeichnen.

 

Binationale Eheschließungen seit 1970

Binationale Ehen seit 1970 (inkl. Ehen die zwischen PartnerInnen der gleichen nicht-österreichischen Staatsangehörigkeit geschlossen wurden), Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Der Anteil der Eheschließungen zwischen ÖsterreicherInnen und EU/EWR-BürgerInnen blieb seit 2004 recht stabil zwischen neun und zehn Prozent. Stärkere Schwankungen waren bei Trauungen zwischen ÖsterreicherInnen und Drittstaatsangehörigen erkennbar: Betrug dieser Anteil 2004 noch 18 Prozent, lag er 2006 bei weniger als elf Prozent.

 

Verschlechterung der Rechtslage binationaler EhepartnerInnen seit 2006

2006 war das Jahr, in dem das Fremdenrechtspaket in Kraft trat. Damit seien die Rechte für binationale Paare eingeschränkt worden, betont der Verein EOG. Auch in den darauf folgenden Jahren hat sich laut EOG die Rechtslage für binationale Familien zunehmend verschlechtert. Zu den einschränkenden Veränderungen zählen demnach unter anderem:

 

  • Ehe führt nicht mehr automatisch zu einem Aufenthaltsrecht
  • Einführung von Mindesteinkommen für den Erhalt des Aufenthaltstitels von EhepartnerInnen von ÖsterreicherInnen. Diese werden seitdem jährlich erhöht (von 1.056 Euro netto 2006 bis aktuell 1.323,58 Euro)
  • Erweiterung der Quotenregelung, von der insbesondere der Familiennachzug betroffen ist
  • Integrationsvereinbarung, insbesondere bzgl. Deutschkenntnisse; mittlerweile müssen Familienangehörige ein Sprachniveau von A2 in zwei Jahren nachweisen; vor der Einreise nach Österreich sind Deutschkenntnisse auf A1-Niveau notwendig („Deutsch vor Zuzug“)

 

2016 kam es als Antwort auf die Zunahme der Asylanträge zu weiteren Verschärfungen im Bereich der Familienzusammenführung: Subsidiär Schutzberechtigte dürfen ihre Familienangehörige erst nach drei Jahren nachholen (bisher lag die Wartezeit bei einem Jahr). Außerdem müssen sowohl subsidiär Schutzberechtigte als auch Konventionsflüchtlinge bestimmte Voraussetzungen – wie eine geeignete Unterkunft sowie ein ausreichendes Einkommen – nachweisen.

 

35 Prozent der eingetragenen Partnerschaften binational

Bei den eingetragenen Partnerschaften ist der Anteil der binationalen Verpartnerungen noch deutlich höher als bei den heterosexuellen Eheschließungen: So gab es im Jahr 2015 insgesamt 423 Verpartnerungen, 147 bzw. 35 Prozent davon waren binationale Trauungen. Beim Großteil der binationalen Verpartnerungen war eine Person Österreicher oder Österreicherin.

 

Verpartnerungen gesamt

423

100 %

Männliche Paare

220

52,01 %

Weibliche Paare

203

47,90 %

Beide österreichische StaatsbürgerInnen

276

65,25 %

Binationale Verpartnerungen gesamt

147

34,75 %

ein/e PartnerIn Österreich

114

26,95 %

Österreich und EU-Ausland

57

13,48 %

Österreich und Drittstaat

57

13,48 %

Beide Nicht-Österreich

33

7,80 %

Verpartnerungen nach ausgewählter Staatsangehörigkeit 2015, Quelle: Ehe ohne Grenzen, eigene Darstellung

 

Vergleicht man die Zahl mit den vergangenen Jahren, sank der Anteil der binationalen Verpartnerungen jedoch: So lag laut EOG der Anteil der binationalen Verpartnerungen an allen eingetragenen Partnerschaften 2013 und 2014 jeweils bei 40 Prozent.

 

2014: 226 „Aufenthaltsehen“ bekannt geworden

Durch das Fremdenrechtspaket 2006 wurde zudem der Begriff „Scheinehe“ mit dem Begriff „Aufenthaltsehe“ ersetzt. Damit wurde das Schließen einer „Aufenthaltsehe“ erstmals auch für ÖsterreicherInnen zum Straftatbestand. Zuvor galt nur die Anbahnung solch einer Ehe als Vergehen. Das Fremdenpolizeigesetz definiert eine Aufenthaltsehe als eine Ehe, die ohne die Absicht, ein gemeinsames Familienleben führen zu wollen und im Wissen, dass der ausländische Ehepartner durch die Ehe einen Aufenthaltstitel erlangen will, geschlossen wird (§117, Abs. 1 und 2).

 

Laut einer parlamentarischen Anfragebeantwortung durch die damalige Innenministerin Johanna Mikl-Leitner wurden im Jahr 2014 226 Fälle von Aufenthaltsehen bekannt. Gegenüber dem Jahr zuvor entspricht das einem leichten Plus von 14 Fällen. Nach dem Inkrafttreten des Fremdenrechtspaketes im Jahr 2006 wurden laut einer weiteren parlamentarischen Anfragebeantwortung der damaligen Innenministerin Maria Fekter österreichweit 568 Aufenthaltsverbote wegen einer „Aufenthaltsehe“ verhängt, ein Jahr später waren es 470 und 2008 275.

 

Laut EOG sind binationale Paare vonseiten der Behörden mit Vorverurteilungen und Kriminalisierungen konfrontiert, insbesondere wenn es sich um eine Eheschließung zwischen Drittstaatsangehörigen und österreichischen Frauen handelt. Mit Bezug auf die Politikwissenschafterin Irene Messinger heißt es im Bericht, dass „besonders Paarkonstellationen zwischen Österreicherinnen und Nigerianern bereits vor der Eheschließung mit ´Scheinehe´kontrollen konfrontiert und rassistischen Zuschreibungen ausgesetzt sind“.

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

* Bereits seit zehn Jahren besteht der Verein „Ehe ohne Grenzen“ (EOG), der sich mit den Rechten binationaler Paare auseinandersetzt. Entstanden ist der Verein als Reaktion auf das 2006 in Kraft getretene Fremdenrechtspaket, welches nach Einschätzung von EOG die Rechte für binationale Paare stark einschränkte.

 

** Laut dem EOG-Bericht umfasst diese Zahl auch Eheschließungen zwischen ausländischen EhepartnerInnen, die die gleiche Staatsbürgerschaft besitzen. Die verfügbaren Statistiken verunmöglichten eine Berechnung dieser Anzahl an Eheschließungen, heißt es im Bericht. Da die Beratungsarbeit von EOG zeigt, dass auch diese Paare von ähnlichen Herausforderungen und Problemen betroffen sind, blieb EOG bei der Betitelung „Binationale Ehen gesamt“.

 

Ehe ohne Grenzen, office@ehe-ohne-grenzen.at

 

Bundesministerium für Inneres, Sprecher Karl-Heinz Grundböck, Tel: 01 531262490, karl-heinz.grundboeck@bmi.gv.at

 

Irene Messinger: Schein oder Nicht Schein. Konstruktionen und Kriminalisierung von “Scheinehe” in Geschichte und Gegenwart. Wien 2012.

 

MSNÖ-Artikel: Familiennachzug – Rechtliche Entwicklungen und aktuelle Trends

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   

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