Internationaler Mädchentag: Situation junger Migrantinnen in Österreich

Internationaler Mädchentag: Situation junger Migrantinnen in Österreich

Okt 11, 2016

Factbox

  • Knapp 155.000 junge Frauen und Mädchen ausländischer Herkunft in Österreich
  • 10,9 Prozent aller SchülerInnen sind Mädchen mit nicht-deutscher Erstsprache
  • Migrantische Mädchen brechen seltener Schule ab als männliche Migranten
  • Zahl der arbeitssuchenden Migrantinnen unter 25 stieg in den vergangenen Jahren
  • 821 Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit auf Lehrstellensuche

 

Knapp 155.000 Mädchen und junge Frauen mit ausländischer Herkunft leben in Österreich. Über sie wird vergleichsweise wenig berichtet. Wie sieht es mit ihrer Bildung aus, wie sind sie am österreichischen Arbeitsmarkt positioniert? Die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen liefert anlässlich des Internationalen Mädchentags am 11. Oktober Antworten auf diese und weitere Fragen.

 

11 Prozent aller AusländerInnen sind Mädchen und junge Frauen

In Österreich leben 1.267.674 Personen mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft bzw. 1.594.723 Personen, die im Ausland geboren wurden (Stichtag 1. Jänner 2016). 10,6 Prozent aller AusländerInnen sind Mädchen bzw. junge weibliche Erwachsene zwischen sechs und 24 Jahren (134.688 Personen). Davon sind 53.945 zwischen sechs und 14 und 80.743 zwischen 15 und 24.

 

Wirft man einen Blick auf die Personen, die im Ausland geboren wurden und nun in Österreich leben, ist der Anteil der sechs bis 24-Jährigen Mädchen und Frauen geringer. So wurden insgesamt 112.559 6-24-Jährige nicht in Österreich geboren. Das entspricht einem Anteil von 7,1 Prozent. Davon sind 33.731 zwischen sechs und 14 Jahre alt, 78.828 zwischen 15 und 24 Jahre alt.

 

Unter den hier ansässigen Personen mit ausländischer Herkunft liegt der Anteil der 6-14-Jährigen MigrantInnen bei 8,7 Prozent (154.792 Personen).

 

 

Ausländische Staatsangehörigkeit

Im Ausland geboren

Ausländische Herkunft

6 – 14

53.945

33.731

59.893

15 – 24

80.743

78.828

94.899

Gesamt (6-24)

134.688

112.559

154.792

Weibliche Kinder und junge Erwachsene am 1.1.2016, Quelle Statistik Austria, eigene Darstellung

 

10,9 Prozent der SchülerInnen sind Mädchen mit nicht-deutscher Erstsprache

Die zunehmende Vielfalt innerhalb der Bevölkerung spiegelt sich in der Schule wider: Laut Daten des Bildungsministeriums gaben im Schuljahr 2014/15 245.644 SchülerInnen (von insgesamt rund 1,1 Millionen)  an, eine andere Erstsprache als Deutsch zu sprechen. Das entspricht einem Anteil von 22,4 Prozent. Mit 119.257 Mädchen war nicht ganz die Hälfte weiblich. Insgesamt beträgt der Anteil der Mädchen, die eine andere Erstsprache als Deutsch sprechen, 10,9 Prozent.

 

SchülerInnen im Schuljahr 2014/15 nach Geschlecht und Erstsprache

SchülerInnen im Schuljahr 2014/15 nach Geschlecht und Erstsprache (Regelschulwesen soweit in BMB-Zuständigkeit), Quelle: BMB, eigene Darstellung

 

Eine Sonderauswertung der Schulstatistik (Statistik Austria) ergab zudem, dass es sowohl nach der Umgangssprache als auch nach dem Geschlecht große Unterschiede bei den Jugendlichen ohne Pflichtschulabschluss gibt: So hatten 2,5 Prozent der im Schuljahr 2011/12 14-jährigen Jugendlichen mit deutscher Umgangssprache im Schuljahr 2013/14 keinen Pflichtschulabschluss. Bei den SchülerInnen mit nicht-deutscher Umgangssprache lag dieser Anteil bei 7,8 Prozent.

 

Bei den männlichen Jugendlichen mit nicht-deutscher Umgangssprache lag die Abbruchquote bei 9,8 Prozent, während diese bei den weiblichen Klassenkameradinnen bei 5,7 Prozent lag. Auch bei den deutschsprachigen SchülerInnen zeigten sich Unterschiede nach dem Geschlecht, allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau: Drei Prozent der männlichen und zwei Prozent der weiblichen SchülerInnen mit deutscher Umgangssprache verließen die Schule vor dem Pflichtabschluss.

 

Anteil der im Schuljahr 2011/12 14-jährigen SchülerInnen, die im Schuljahr 2013/14 die Sekundarstufe nicht abgeschlossen hatten nach Geschlecht und UmgangsspracheAnteil der im Schuljahr 2011/12 14-jährigen SchülerInnen, die im Schuljahr 2013/14 die Sekundarstufe nicht abgeschlossen hatten nach Geschlecht und Umgangssprache, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

17.701 Migrantinnen unter 25 beim AMS vorgemerkt

Von Jänner bis August 2016 waren laut Angaben des Arbeitsmarktservices (AMS) insgesamt 54.792 Personen unter 25 Jahren als arbeitslos bzw. in Schulungen beim AMS vorgemerkt. Den Großteil davon stellen männliche Arbeitssuchende (43.024), 29.487 sind Frauen.

 

Sowohl bei den weiblichen als auch bei den männlichen Arbeitssuchenden unter 25 Jahren ging die Zahl der beim AMS vorgemerkten Personen von 2015 auf 2016 zurück. Gleiches gilt auch, wenn die autochthonen ÖsterreicherInnen gesondert betrachtet werden, wobei hier der Rückgang bei den Männern etwas stärker war.

 

Einzig die Zahl der Arbeitssuchenden mit Migrationshintergrund stieg von 2015 auf 2016 an (jeweils Jänner bis August). Während 2016 um 8,5 Prozent mehr Männer mit Migrationshintergrund beim AMS vorgemerkt waren, als noch im Jahr zuvor, waren es bei den Frauen mit Migrationshintergrund um 2,7 Prozent mehr: So waren 2015 11.461 unter 25-jährige Frauen mit Migrationshintergrund als arbeitslos oder in Schulungen vorgemerkt, 2016 waren es 11.768.

 

 

Jan – Aug 2016

Jan – Aug 2015

Veränderung in %

Frauen unter 25 J.

29.487

30.351

– 2,9 %

Männer unter 25 J.

43.024

43.206

– 0,4 %

Frauen ohne Migrationshintergrund unter 25 J.

17.710

18.889

– 6,2 %

Männer ohne Migrationshintergrund unter 25 J.

23.091

24.827

– 7,0 %

Frauen mit Migrationshintergrund unter 25 J.

11.768

11.461

+ 2,7 %

Männer mit Migrationshintergrund unter 25 J.

19.933

18.379

+ 8,5 %

Als Arbeitslos vorgemerkte Personen und SchulungsteilnehmerInnen, Quelle: AMS, eigene Darstellung

 

Zahl der jungen arbeitssuchenden Migrantinnen steigt

Auch im Mehrjahresvergleich zeigt sich, dass die Zahl der unter 25-jährigen Arbeitssuchenden mit Migrationshintergrund kontinuierlich steigt. So waren im Jahresdurchschnitt 2011 noch 8.812 unter 25-jährige Frauen mit Migrationshintergrund beim AMS vorgemerkt, 2015 waren es 11.730. Zum Vergleich: Die Zahl der autochthonen Österreicherinnen unter 25 Jahren sank leicht von 19.742 im Jahr 2011 auf 18.956 im Jahr 2015.

 

Als Arbeitslos vorgemerkte Personen und Schulungsteilnehmerinnen 2011 - 2015Als Arbeitslos vorgemerkte Personen und Schulungsteilnehmerinnen 2011 – 2015, Quelle: AMS, eigene Darstellung

 

Hälfte beim AMS Wien vorgemerkt

5.967 der unter 25-jährigen Frauen mit Migrationshintergrund sind in Wien als arbeitslos oder als Schulungsteilnehmerinnen vorgemerkt (Jänner bis August 2016). Das entspricht einem Anteil von 50,7 Prozent. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Oberösterreich (14,2 Prozent) und Niederösterreich (10,8 Prozent).

 

Als Arbeitslos vorgemerkte Personen und SchulungsteilnehmerInnen nach Bundesland

Als Arbeitslos vorgemerkte Personen und SchulungsteilnehmerInnen nach Bundesland, Quelle: AMS, eigene Darstellung

 

821 AusländerInnen unter 25 auf Lehrstellensuche

Zudem zeigen Daten des Sozialministeriums, dass im September 2016 7.286 unter 25-jährige Personen auf Lehrstellensuche waren. 11,3 Prozent bzw. 821 Personen davon betreffen Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit, 20,9 Prozent ausländische Männer (1.524).

 

 

September 2016

Anteil in %

Österreichische Frauen unter 25

2.139

29,4 %

Ausländische Frauen unter 25

821

11,3 %

Österreichische Männer unter 25

2.802

38,5 %

Ausländische Männer unter 25

1.524

20,9 %

Lehrstellensuchende nach Staatsangehörigkeit und Geschlecht (unter 25), Quelle: BMASK, eigene Darstellung

 

Zahl der erwerbstätigen Ausländerinnen unter 25 steigend

Laut Daten des Sozialministeriums arbeiteten im August 2016 486.442 Personen unter 25 Jahren in einem unselbstständigen Beschäftigungsverhältnis. Davon waren 35.111 ausländische Staatsbürgerinnen. Gegenüber dem Vergleichszeitraum 2015 stieg diese Zahl um 3,4 Prozent. Bei den österreichischen Frauen gab es hingegen einen Rückgang der unselbstständigen Beschäftigten um 2,5 Prozent.

 

 

August 2016

August 2015

Veränderung in %

Österreichische Frauen unter 25

181.261

185.979

– 2,5 %

Ausländische Frauen unter 25

35.111

33.945

+ 3,4 %

Österreichische Männer unter 25

220.199

224.239

– 1,8 %

Ausländische Männer unter 25

49.871

46.611

+ 7,0 %

Unselbstständig Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit und Geschlecht, Quelle: BMASK, eigene Darstellung

 

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Die Publikation „Migration und Integration 2016“ liefert unterschiedliche Daten zur Lebenssituation von MigrantInnen in Österreich, u.a. in den Bereichen Bildung und Arbeitsmarkt.

 

Statistik Austria, presse@statistik.gv.at, Tel: 01/711 28/7777 

 

AMS Österreich; Pressesprecherin Beate Sprenger, Tel.: 0664 441 51 48, beate.sprenger@ams.at

 

Claudia Felix, Arbeitsmarktbeobachtung & Forschung, TEl.: 01 87 871 50513

 

Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, Tel.: 01-71100-862199, bkommunikation@sozialministerium.at

 

Bundesministerium für Bildung, Kathrin Liener, Tel.: 01 531 20-5026, kathrin.liener@bmb.gv.at

 

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