Wohnsituation von MigrantInnen und AusländerInnen

Wohnsituation von MigrantInnen und AusländerInnen

Okt 3, 2016

Factbox

  • MigrantInnen steht rund ein Drittel weniger Wohnfläche zur Verfügung
  • 37 % der im Ausland Geborenen geben mehr als ¼ ihres Einkommes für Wohnen aus
  • 25 Prozent der AusländerInnen sind von Überbelag im Wohnbereich betroffen…
  • … während nur 3 % der ÖsterreicherInnen in beengten Wohnverhältnissen leben
  • Kaum Unterschiede bei Belastungen durch Wohnumgebung

 

Die Herkunft ist ein wichtiger Faktor, wenn es um Wohnqualität in Österreich geht. MigrantInnen steht rund ein Drittel weniger Wohnfläche zur Verfügung als autochthonen ÖsterreicherInnen. Im Ausland geborene Personen sind von einer höheren Wohnkostenbelastung betroffen als in Österreich Geborene. Ausländische Staatsangehörige sind zudem häufiger von Problemen im Wohnbereich betroffen, insbesondere der Überbelag stellt ein großes Problem dar.

 

Anlässlich des Tages des Wohn- und Siedlungstages (Habitat-Tag), der weltweit am 3. Oktober begangen wird, wirft die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) einen Blick auf die Wohnsituation von MigrantInnen und ausländischen StaatsbürgerInnen. Der von den Vereinten Nationen 1985 ausgerufene Aktionstag soll unter anderem an das Recht einer angemessenen Unterkunft erinnern.

 

Durchschnittliche Wohnfläche von MigrantInnen deutlich unter Durchschnitt

Im vergangenem Jahr lag die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf bei 45 m². Im Vergleich zu Haushalten, deren Haushaltsreferenzperson* einen Migrationshintergrund aufweist, zeigen sich deutliche Unterschiede: Mit einer durchschnittlichen Wohnfläche von 31 m² stand MigrantInnen deutlich weniger Wohnfläche zur Verfügung.

 

Unterschieden nach der Herkunft zeigt sich, dass MigrantInnen aus den EU-Staaten, die vor 2004 beigetreten sind (inkl. EWR-Staaten und Schweiz), mit 46 m² etwa gleich viel Wohnfläche zur Verfügung steht wie autochthonen ÖsterreicherInnen (49 m²). Demgegenüber leben MigrantInnen aus dem ehemaligen Jugoslawien (26 m²) und der Türkei (23 m²) auf deutlich engerem Raum.

 

Der ersten Zuwanderungsgeneration stehen im Durchschnitt fünf m² weniger Wohnfläche pro Kopf zur Verfügung als der zweiten Zuwanderungsgeneration.

 

 

Insgesamt

Erste Generation

Zweite Generation

Insgesamt

45

Ohne Migrationshintergrund

49

Mit Migrationshintergrund

31

30

35

EU-Staaten vor 2004/EWR/Schweiz

46

46

49

EU-Beitrittsstaaten ab 2004

36

34

46

Ehemaliges Jugoslawien

(außerhalb der EU)

26

25

29

Türkei

23

22

24

Sonstige Staaten

27

27

35

Wohnfläche pro Kopf 2015 in m², Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Authochthone ÖsterreicherInnen besitzen häufiger Wohneigentum

Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Haushalte mit einer Haushaltsreferenzperson ohne Migrationshintergrund besitzt ein Wohneigentum (Stand 2015), während nur 25 Prozent der MigrantInnen über ihr eigenes Wohneigentum verfügen und 70 Prozent in einer Mietwohnung leben. Dabei zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen erster und zweiter Generation: 71 Prozent der ersten und 57 Prozent der zweiten Zuwanderungsgeneration lebten in einer Mietwohnung, 37 Prozent der zweiten Generation besitzen ein Wohneigentum.

 

Besonders gering ist der Anteil der Wohneigentums-BesitzerInnen unter türkischen MigrantInnen (17 Prozent) und ehemaligen JugoslawInnen (ohne EU) mit einem Anteil von 22 Prozent.

 

Rechtsverhältnis der Wohnung nach Migrationshintergrund 2015

Rechtsverhältnis der Wohnung 2015 nach Migrationshintergrund, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Höhere Wohnkostenbelastung für im Ausland Geborene

Der Anteil des Haushaltseinkommens, der für die Wohnkosten ausgegeben wird (= Wohnkostenbelastung), ist bei im Ausland geborenen Personen deutlich höher als bei hierzulande geborenen Personen. Etwa 20 Prozent der in Österreich lebenden Menschen müssen mehr als ein Viertel des Haushaltseinkommen für die Wohnkosten aufwenden. Bei Personen, die im Ausland geboren wurden, sind es 37 Prozent, während der Anteil bei in Österreich Geborenen bei 17 Prozent lag (Durchschnitt 2013 – 2015).

 

Ausländische Staatsangehörige fühlen sich stärker belastet durch Wohnkosten

In der EU-SILC-Erhebung (Statistics on Income and Living Conditions) wird nach der subjektiven Wohnkostenbelastung nach Staatsangehörigkeit gefragt. Insgesamt fühlen sich 29 Prozent der in Österreich lebenden Personen nicht belastet durch die Wohnkosten; 56 Prozent geben an, eine gewisse Belastung zu spüren und für 14 Prozent ist die Belastung durch die Wohnkosten stark.

 

Ähnlich ist dieses Verhältnis bei österreichischen StaatsbürgerInnen: 31 Prozent fühlen gar keine, zwölf Prozent eine starke Belastung. Rechnet man die eingebürgerten Personen raus, spüren 21 Prozent eine starke Belastung durch die Wohnkosten; ebenso viele geben an, keine Belastung zu spüren. Nochmal größer ist der Anteil jener, die sich stark belastet fühlen, bei ausländischen Staatsangehörigen mit 27 Prozent.

 

 Subjektive Wohnkostenbelastung nach Staatsangehörigkeit (Personen) 2015

Subjektive Wohnkostenbelastung nach Staatsangehörigkeit (Personen) 2015, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Ausländische StaatsbürgerInnen leiden häufiger unter Problemen im Wohnbereich

2015 gaben zwölf Prozent der österreichischen Gesamtbevölkerung an, unter Feuchtigkeit bzw. Schimmel im Wohnbereich zu leiden, sechs Prozent leben in zu dunklen Räumen. Ausländische StaatsbürgerInnen geben um einiges öfters an, dass diese Probleme in ihrem Wohnbereich auftauchen: Feuchtigkeit/Schimmel 19 Prozent, dunkle Räume elf Prozent. Besonders hoch ist der Anteil jener, die unter Feuchtigkeit/Schimmel leiden bei Drittstaatsangehörigen (23 Prozent). Zum Vergleich: Elf Prozent der österreichischen StaatsbürgerInnen geben an, unter Feuchtigkeit/Schimmel zu leiden, fünf Prozent leben in dunklen Räumen.

 

Noch deutlicher ist der Unterschied in puncto Überbelag: So wurden auf Basis von EU-SILC-Daten im Jahr 2015 insgesamt sechs Prozent der Wohnungen als überbelegt eingestuft. Während drei Prozent der österreichischen StaatsbürgerInnen in beengten Wohnverhältnissen leben, waren es bei den ausländischen Staatsangehörigen 25 Prozent.

 

 

Feuchtigkeit, Schimmel

Dunkle Räume

Überbelag

Insgesamt

12 %

6 %

6 %

Österreichische StaatsbürgerInnen

11 %

5 %

3 %

Darunter eingebürgert (Nicht-EU/EFTA)

18 %

9 %

19 %

Ausländische StaatsbürgerInnen

19 %

11 %

25 %

EU/EFTA

13 %

10 %

16 %

Sonstiges Ausland

23 %

11 %

33 %

Wohnprobleme nach Staatsangehörigkeit 2015 (Personen), Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Geringer sind die Unterschiede zwischen österreichischen und ausländischen StaatsbürgerInnen bei Problemen in der Wohnumgebung, wie Lärm, Verschmutzungen oder Kriminalität. So leiden insgesamt neun Prozent der österreichischen Wohnbevölkerung unter Belastungen durch die Wohnumgebung, bei ausländischen StaatsbürgerInnen waren es zehn Prozent. Unter Kriminalität und/oder Vandalismus leiden laut EU-SILC-Auswertung österreiche Staatsangehörige (13 Prozent)  öfter als ausländische Staatsangehörige (zehn Prozent).

 

 

Lärm

Luft-, Umwelt-verschmutzung

Kriminalität, Vandalismus

Belastung durch Wohnumgebung gesamt

Insgesamt

17%

11 %

13 %

9 %

Österreichische StaatsbürgerInnen

17 %

10 %

13 %

9 %

Darunter eingebürgert (Nicht-EU/EFTA)

26 %

11 %

16 %

11 %

Ausländische StaatsbürgerInnen

20 %

14 %

10 %

10 %

EU/EFTA

23 %

14%

11 %

13 %

Sonstiges Ausland

18 %

12 %

10 %

7 %

Belastung durch Wohnumgebung nach Staatsangehörigkeit 2015 (Personen), Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

* Bei der Mikrozensus-Wohnungserhebung werden Haushaltsreferenzpersonen, also ein Haushaltsmitglied, das den Haushalt repräsentiert, ausgewählt. So können Haushalte nach Variablen wie Migrationshintergrund dargestellt werden. Die Haushaltsreferenzperson wird nach Faktoren wie Außmaß der Erwerbstätigkeit, Position am Arbeitsmarkt, Alter, Bildung etc. ausgewählt.

 

Statistik Austria: Daten zur Wohnsituation

 

Pressekontakt Statistik Austria: 01 71128-7777 oder presse@statistik.gv.at

 

Die Wohndrehscheibe Wien der Volkshilfe Wien bietet mehrsprachige Unterstützung bei der Wohnungssuche; Tel.: 01/360 64-4343, wds@volkshilfe-wien.at

 

Zudem bietet der Diakonie Flüchtlingsdienst Wohnberatungen im Burgenland, in Niederösterreich, Wien und Tirol an. Kontakte finden Sie hier

 

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