AusländerInnen in Österreich: Entwicklungen und aktuelle Trends

AusländerInnen in Österreich: Entwicklungen und aktuelle Trends

Jul 11, 2016

Factbox

  • GastarbeiterInnen und Jugoslawien-Kriege prägten AusländerInnen-Anteil hierzulande
  • Einbürgerungszahlen seit 2004 stark rückläufig
  • 2016: Etwa gleich viel EU-AusländerInnen wie Drittstaatsangehörige
  • Knapp 14 Prozent aller AusländerInnen aus Deutschland
  • 2015: Stärkster Zuwachs aus Syrien, Afghanistan und Irak

 

Am 11. Juni wird seit 1999 jährlich der Weltbevölkerungstag begangen. Zu diesem Anlass wirft die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) einen Blick auf Entwicklungen im Bereich Zuwanderung und der aktuellen Zusammensetzung der Bevölkerung Österreichs – eine Bevölkerung, die in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend vielfältiger wurde.

 

Lebten im Jahr 1961 rund 102.000 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in Österreich, waren es 2015 knapp 1,2 Millionen. Der AusländerInnen-Anteil an der Gesamtbevölkerung stieg damit von 1,44 Prozent im Jahr 1961 auf 13,85 Prozent im Jahr 2015. Heute kommen die meisten AusländerInnen mit einem Anteil von 14 Prozent aus Deutschland. Im vergangenen Jahr stieg insbesondere die Zahl der syrischen, afghanischen und irakischen StaatsbürgerInnen.

 

Entwicklung des AusländerInnen-Anteils seit 1961

Im Jahr 1961 lebten rund 102.000 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in Österreich. Bei einer Gesamtbevölkerung von 7.086.299 EinwohnerInnen entsprach das einem AusländerInnen-Anteil von 1,4 Prozent. Durch die Anwerbung von „GastarbeiterInnen“ stieg die Anzahl der AusländerInnen in den 1960er und 1970er kontinuierlich an. 1974 wurde ein vorläufiger Höhepunkt des AusländerInnen-Anteils in Österreich erreicht: So lebten damals 311.689 Personen mit nicht-österreichische Staatsangehörigkeit hierzulande (4,10 Prozent).

 

Erst durch den Jugoslawien-Krieg Anfang der 1990er Jahre kam es wieder zu einem stärkeren Anstieg des AusländerInnen-Anteils auf mehr als acht Prozent. Nach einer kurzen Stagnation in der zweiten Hälfte der 1990er ist seit der Jahrtausendwende wieder eine Zunahme des AusländerInnen-Anteils erkennbar. 2008 wurde erstmals die 10-Prozent-Marke erreicht.

 

Entwicklung des AusländerInnen-Anteils von 1961 bis 2015Entwicklung des AusländerInnen-Anteils in Österreich (in Prozent), Jahresdurchschnitte, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Entwicklung der Netto-Zuwanderung seit 1961

2015 wanderten 214.410 Personen aus dem Ausland nach Österreich und 101.343 Personen migrierten von Österreich in das Ausland. Damit ist das Wanderungssaldo mit 113.067 so hoch wie nie zuvor. Bereits seit 2009 (Wanderungssaldo: 17.053) ist die Netto-Zuwanderung in Österreich stark steigend. Allein von 2014 auf 2015 kam es zu einem Anstieg des Saldos um 72.324 Personen oder 56 Prozent (Zuzüge: 170.115, Wegzüge: 97.791).

 

Wirft man einen Blick weiter zurück, sieht man beim Wanderungssaldo die Auswirkungen der GastarbeiterInnen-Anwerbungen und der Jugoslawien-Kriege : So stieg die Netto-Zuwanderung ab den frühen 1960er Jahren kontinuierlich an und erreichte 1972 mit einem Saldo von 35.826 ihren vorläufigen Höhepunkt. Ausnahmen bildeten die Jahre 1968 (-6.970) und 1969 (5.512). Ab Mitte der 1970er ging das Saldo erneut zurück, um ab 1989 wieder zu steigen. Insbesondere 1991 (76.816) und 1992 (71.480) verzeichnete Österreich ein hohes Wanderungssaldo mit dem Ausland.

 

Entwicklung des Wanderungssaldos 1961 bis 2015

Entwicklung des Wanderungssaldos in Österreich, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Entwicklungen der Einbürgerungen seit 1961

Der Anstieg der ausländischen Bevölkerung in Österreich führte auch zu einer Zunahme der Einbürgerungszahlen hierzulande, insbesondere ab den 1990er Jahren. Lag die Zahl der Einbürgerungen zwischen 1961 und 1990 bei rund 4.000 bis 11.000 Einbürgerungen, stieg diese bis 1999 auf den vorläufigen Höhepunkt von 25.032. Nach einem kurzen Rückgang der Einbürgerungen wurden 2003 die bis jetzt meisten Einbürgerungen vorgenommen (45.112). Seit 2004 sind die Zahlen stark rückläufig, erst seit 2011 (6.754) ist wieder ein leichter Aufwärtstrend bemerkbar. 2015 ließen sich 8.265 Personen hierzulande einbürgern.

 

Entwicklung der Einbürgerungszahlen 1961 bis 2015

Entwicklung der Einbürgerungen in Österreich, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Etwa gleich viele EU-AusländerInnen und Drittstaatsangehörige

Mit 1. Jänner 2016 lebten laut Statistik Austria insgesamt 1,267 Millionen Personen mit einem ausländischen Pass in Österreich. Der AusländerInnen-Anteil beträgt damit 14,6 Prozent.

 

In den vergangenen Jahren stammte die Mehrheit der ausländischen Bevölkerung hierzulande aus einem Drittstaat. Da der Anteil der Drittstaatsangehörigen nur einen leichten Anstieg verzeichnete und die Migration aus EU/EWR-Staaten und der Schweiz immer mehr zunahm, waren zu Jahresbeginn 2015 erstmals mehr EU/EWR- sowie Schweizer BürgerInnen (579.163) hierzulande ansässig als Drittstaatsangehörige (566.915). Zu Beginn des Jahres 2016 kehrte sich das Verhältnis wieder um: So lebten 642.186 Drittstaatsangehörige in Österreich, während die Zahl der EU/EWR- und Schweizer Staatsangehörige bei 625.488 lag.

 

Entwicklung ausländischer Staatsangehörige nach zusammengefasster Herkunft

Ausländische Staatsangehörige jeweils am 1.1., Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Knapp 14 Prozent aller AusländerInnen aus Deutschland

Mehr als 176.000 deutsche Staatsangehörige leben in Österreich. Damit führt Deutschland die Liste der Top 10 Herkunftsländer mit einem Anteil von 14 Prozent aller hier ansässigen AusländerInnen an. Auf Platz zwei folgt Serbien mit 116.626 in Österreich lebenden StaatsbürgerInnen (9,2 Prozent), gefolgt von der Türkei mit 116.026 Staatsangehörigen (9,15 Prozent).

 

Auslandische_Staatsangehoerige_nach_HerkunftslandTop 10 Herkunftsländer am 1.1.2016, Quelle Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Stärkster Zuwachs aus Syrien, Afghanistan und Irak

Mit ein Grund, wieso erneut mehr Drittstaatsangehörige in Österreich leben als EU-AusländerInnen ist die Flüchtlingsbewegung des letzten Jahres. So zeigen die Daten der Statistik Austria, dass von 2015 auf 2016 insbesondere die Zahl der syrischen (+ 22.058), afghanischen (+ 18.839) und irakischen (10.011) StaatsbürgerInnen hierzulande stieg. Erst ab Platz vier folgen BürgerInnen aus dem EU-Ausland – beginnend mit Rumänien (+ 9.575) und gefolgt von Ungarn (+ 8.611) und Deutschland (+ 5.988).

 

 

Bevölkerungsstand

 

Bevölkerungs-veränderung

 

1.1.2015

1.1.2016

Syrien

11.255

33.313

+ 22.058

Afghanistan

16.779

35.618

+ 18.839

Irak

3.873

13.884

+ 10.011

Rumänien

73.374

82.949

+ 9.575

Ungarn

54.939

63.550

+ 8.611

Deutschland

170.475

176.463

+ 5.988

Kroatien

66.475

70.248

+ 3.773

Polen

54.262

57.589

+ 3.327

Slowakei

32.052

35.326

+ 3.274

Iran

8.459

11.637

+ 3.178

Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

 

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