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Rund 600.000 MuslimInnen in Österreich

Rund 600.000 MuslimInnen in Österreich

Jun 6, 2016

Factbox

  • Rund sieben Prozent der österreichischen Bevölkerung sind MuslimInnen
  • Mehrheit der MuslimInnen hierzulande stammt aus der Türkei
  • Durch Fluchtbewegung steigt Zahl der MuslimInnen aus Syrien
  • 409 muslimische Vereine und Moscheen in Österreich
  • Ramadan wird vermehrt für Vernetzungsarbeit genutzt

 

Am 6. Juni 2016 beginnt der islamische Fastenmonat Ramadan. Dieser für den Islam zentrale Monat spielt für einen Teil der österreichischen Bevölkerung eine bedeutende Rolle. In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der MuslimInnen hierzulande kontinuierlich an. Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) schätzt die Zahl der in Österreich lebenden MuslimInnen derzeit auf 600.000. Die Medienservicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) fasst wesentliche Zahlen und Daten zu Menschen muslimischen Glaubens in Österreich zusammen.

 

Aktuelle Schätzungen gehen von 600.000 MuslimInnen hierzulande aus

Die letzten statistischen Erhebungen zu MuslimInnen in Österreich gehen auf die letzte Volkszählung 2001 zurück. Damals wurden 338.988 MuslimInnen hierzulande gezählt. Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) schätzt, dass mittlerweile etwa 600.000 Menschen islamischen Glaubens in Österreich leben. Dies würde einem Anteil von sieben Prozent an der österreichischen Gesamtbevölkerung entsprechen.

 

Eine Hochrechnung des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) aus dem Jahr 2009 ging damals von 515.914 MuslimInnen hierzulande aus. Mit 49 Prozent hatte fast die Hälfte davon eine österreichische Staatsangehörigkeit.

 

Eine statistische Hochrechnung des Instituts für Islamische Studien an der Universität Wien ging im Jahr 2012 von über 570.000 in Österreich lebenden MuslimInnen aus. Dies entspricht einem Anteil von 6,8 Prozent an der österreichischen Gesamtbevölkerung. Laut dem Institut für Islamische Studien liegt Österreich damit über dem EU-Durchschnitt von 3,5 Prozent.

 

Staats-angehörigkeit

Volkszählung 2001

Hochrechnung des

ÖIF 2009

Hochrechnung des Instituts für Islamische Studien 2012

 

MuslimInnen

In %

MuslimInnen

In %

MuslimInnen

In %

Insgesamt

338.988

4,2

515.914

6,2

573.876

6,8

Österreich

97.721

1,3

252.845

3,4

202.901

2,7

Ausland

248.185

34,9

263.069

30,2

370.975

39

Quelle: Statistik Austria (Volkszählung 2001), ÖIF (Hochrechnung 2009), Institut für Islamische Studien (Hochrechnung 2012); eigene Darstellung

 

Zahl der MuslimInnen stieg von 2001 auf 2012 um 69,3 Prozent

Vergleicht man die Zahlen von 2001 und 2012 zeigt sich, dass die Zahl der MuslimInnen in diesem Zeitraum um 69,3 Prozent stieg. In Wien lebten damals 216.345 Menschen muslimischen Glaubens, an zweiter Stelle lag Oberösterreich mit 97.555 MuslimInnen, gefolgt von Niederösterreich (75.695).

 

MuslimInnen Zuwachs nach Bundesland

Quelle: „Muslimische Alltagspraxis in Österreich“, Institut für Islamische Studien, Universität Wien

 

Großteil der MuslimInnen aus der Türkei

Laut der statistischen Hochrechnung des Instituts für Islamische Studien aus dem Jahr 2012 stammen die meisten in Österreich lebenden MuslimInnen aus der Türkei (114.119 muslimische TürkInnen). Die zweitgrößte Gruppe stellen BosniakInnen (50.995 muslimische BosnierInnen).

 

Mit der Okkupation Bosnien-Herzegowinas im Jahr 1878 gehörte erstmals eine große muslimische Bevölkerungsgruppe zu Österreich-Ungarn. Ab den 1960er Jahren kamen sowohl BosnierInnen als auch TürkInnen vermehrt durch die Arbeitsmigration im Rahmen der „Gastarbeiter-Bewegung“ nach Österreich. Während des Krieges in Ex-Jugoslawien (1991-1995) flüchteten etwa 90.000 BosnierInnen nach Österreich, wovon rund 60.000 hier eine neue Heimat fanden. Zahlen, wie viele davon BosniakInnen, SerbInnen oder KroatInnen sind, gibt es nicht.

 

MuslimInnen nach Herkunft

Quelle: „Muslimische Alltagspraxis in Österreich“, Institut für Islamische Studien, Universität Wien – Anmerkungen: Ex-Jugoslawien: Montenegro, Serbien, Kosovo; Naher Osten: Kuwait, Oman, Katar, Jemen, Jordanien, Syrien, Palästina, Ägypten, Sudan, Libyen, Marokko, Algerien, Tunesien, Saudi-Arabien, teilweise Libanon und Irak; Zentralasien: Afghanistan, Pakistan, Bangladesch Schiitische Länder: Iran, Aserbaidschan, Bahrain, teilweise Libanon und Irak; Russische Föderation: Tschetschenien.

 

Laut der IGGiÖ stellen derzeit nach wie vor TürkInnen und BosniakInnen die größten muslimischen Communities hierzulande. Bei den MuslimInnen arabischer Herkunft stieg durch die Fluchtbewegungen 2015 und 2016 der Anteil in Österreich lebender MuslimInnen aus Syrien. Zuvor stammte der Großteil der Gruppe arabischer MuslimInnen hierzulande aus Ägypten.

 

1912: Anerkennung des Islams als Religionsgemeinschaft

Durch die Okkupation Bosnien-Herzegowinas durch Österreich-Ungarn wurde – etwas verspätet – der Islam als Religionsgemeinschaft anerkannt: Am 15. Juli 1912 trat das „Gesetz betreffend die Anerkennung der Anhänger des Islam nach hanefitischem Ritus als Religionsgesellschaft“ in Kraft. 1987 fiel die Beschränkung auf die hanefitische Schule.

 

Eine besondere Stellung haben die AlevitInnen in Österreich. Laut dem Buch „Muslime in Österreich“ wurzelt die alevitische Strömung im Islam, löste sich jedoch seit dem Mittelalter von den islamischen Hauptrichtungen. Die AutorInnen schätzten die Zahl der in Österreich lebenden AlevitInnen auf 60.000. Die AnhängerInnen der „Islamischen Alevitischen Glaubensgemeinschaft“ wurden am 22. Mai 2013 als eigenständige Religionsgemeinschaft anerkannt.

 

Durch den Erwerb der Rechtspersönlichkeit 2013 wurde auch ein Teil der SchiitInnen mit der „Islamisch-schiitische Bekenntnisgemeinschaft“ nach jahrelangen Bemühungen anerkannt.

 

Vielzahl muslimischer Dachverbände und Vereine

1962 wurde auf Initiative des österreichischen Islamwissenschafters Smail Balić der „Moslemische Sozialdienst“ gegründet. Dieser gilt als Basis für die Entwicklung der Vertretung: 1979 konstituierte sich die IGGiÖ, die sich als Bindeglied zwischen staatlichen Institutionen und zivilen Einrichtungen versteht. Zu den Hauptfunktionen der Vertretung zählen die Organisation des Islam-Unterrichts an heimischen Schulen sowie des Studiengangs für das Lehramt islamische Religion in Wien. Zudem fungiert die IGGiÖ als Servicestelle für administrative Angelegenheiten für MuslimInnen wie Eheschließungen, Beerdigungen oder die Ausstellung von Bescheinigungen.

 

Die „Türkisch-Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit“ (ATIB) ist der wichtigste Dachverband für MuslimInnen in Österreich und stellt auch die meisten Delegierten in der IGGiÖ. Der zweitgrößte Dachverband ist die Islamische Föderation (IF), die mit der Milli-Görus Bewegung verbunden ist. Der größte nicht türkische Verband für MuslimInnen ist der „Verband bosniakisch-islamischer Vereine in Österreich“ (IZBA).

 

Zudem gibt es eine vielfältige muslimische Vereinslandschaft. Die Islam-Landkarte verzeichnet derzeit österreichweit 409 islamische Vereine und Moscheen in Österreich. Allein 158 davon sind in Wien angesiedelt.

 

Bundesland

Anzahl Vereine

Burgenland

1

Kärnten

16

Niederösterreich

52

Oberösterreich

51

Salzburg

21

Steiermark

23

Tirol

47

Vorarlberg

39

Wien

158

Gesamt

409

Islamische Vereine in Österreich nach Bundesländern; Quelle: Islam Landkarte; eigene Darstellung

 

Ramadan wird für Vernetzungsarbeit genutzt

Laut der IGGiÖ wird der Ramadan von vielen MuslimInnen hochgehalten, das heißt die Fastenvorschriften auch berücksichtigt. Statistische Erhebungen gehen laut IGGiÖ davon aus, dass sich 80 Prozent der in Österreich lebenden MuslimInnen an das Fasten halten. Das Fastenbrechen am Abend wird dabei von vielen im privaten Kreise gemeinsam mit Familie und FreundInnen gefeiert, da Ramadan auch einen starken sozialen Charakter hat.

 

Zudem bieten viele Moscheevereine Veranstaltungen während des Fastenmonats an, die sowohl auf innermuslimische Vernetzungsarbeit als auch auf Vernetzungsarbeit mit der Mehrheitsgesellschaft abzielt. So wird in den vergangenen Jahren vermehrt der Dialog mit BezirksvorsteherInnen oder Schulen in der Region gesucht.

 

Weitere Informationen und Kontakte:

 

Der Artikel wurde zuletzt am 11. Juni 2015  veröffentlicht und nun aktualisiert und ergänzt.

 

Forschungsprojekt „Muslimische Milieus in Österreich“ des Instituts für Islamische Studien, Kontakt: Jonas Kolb, E-Mail: jonas.kolb@univie.ac.at Tel.: 01 4277 467 63

 

Zwischenbericht „Muslimische Alltagspraxis in Österreich. Ein Kompass zur religiösen Diversität“

 

Das Buch „Imame und Integration“ ist 2015 im Springer Verlag erschienen – Kurzzusammenfassung der Ergebnisse

 

Die Publikation “Der Islam in Österreich” in der iBibliothek

 

Die interaktive Islam Landkarte

 

Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), Medienreferentin  ist Carla Amina Baghajati; , Tel.: 01/523 364 523; baghajati@derislam.at

 

ATIB UNION; Tel.: +43 1 334 62 80; office@atib.at

 

Islamische Föderation in Wien; info@ifwien.at

 

MSNÖ-Artikel: Antimuslimischer Rassismus steigt

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   

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