Antimuslimischer Rassismus steigt

Antimuslimischer Rassismus steigt

Jun 6, 2016

Factbox

  • 156 antimuslimische Vorfälle dokumentiert
  • 95 Prozent richteten sich gegen muslimische Frauen
  • 40 Prozent der Fälle waren verbale Angriffe
  • Mehr als die Hälfte der Fälle im (halb)öffentlichen Raum
  • Zusammenleben mit MuslimInnen eher als negativ wahrgenommen

 

Am 6. Juni 2016 beginnt der islamische Fastenmonat Ramadan. In Österreich leben rund 600.000 MuslimInnen (siehe MSNÖ-Artikel: Rund 600.000 MuslimInnen in Österreich).

 

Laut der Antirassismus-Stelle ZARA ist bereits seit August 2014 ein steigender antimuslimischer Rassismus bemerkbar. Erstmals dokumentiert die „Dokumentationsstelle für Muslime in Österreich“ in einem Bericht Vorfälle von Rassismus, die sich konkret gegen MuslimInnen richten. 95 Prozent der 156 dokumentierten Fälle richteten sich dabei gegen muslimische Frauen.

 

Gleichzeitig zeigt der aktuelle Integrationsbarometer des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF), dass das Zusammenleben zwischen MuslimInnen und Nicht-MuslimInnen von der österreichischen Bevölkerung als eher negativ bewertet wird.

 

Antimuslimischer Rassismus seit 2014 zunehmend

Bereits im Antirassismusbericht von ZARA aus dem Berichtsjahr 2014 beobachtet die Antirassismus-Stelle, dass gruppenspezifischer Rassismus immer stärker zunimmt. Insbesondere werden MuslimInnen seit August 2014 sowohl in Medien als auch in sozialen Netzwerken unter Generalverdacht gestellt. Dieser erste bemerkbare Anstieg fiel in die Zeit, als die Terrororganisation „Islamischer Staat“ seine Gräueltaten auch medial verstärkt verbreitete.

 

Im Berichtsjahr 2015 ist laut ZARA die mediale Hetzte gegen Geflüchtete dominant, auch hier wird auf bereits bestehende Rassismen wie auf den Antiziganismus oder den antimuslimischen Rassismus zurückgegriffen.

 

Zudem gibt ZARA zu bedenken, dass diese Formen des Rassismus immer stärker in der Mitte der Gesellschaft ankommen: „Angesichts der gegenwärtigen Asylpolitik und der Forderungen der Regierungsparteien sowie der täglich in den Medien präsenten Aussagen wird klar, dass Xeno-Rassismus und der damit hergestellte Antagonismus zwischen ‚uns‘ und ‚ihnen‘, genauso wie der antimuslimische Rassismus (insbesondere in Bezug auf die Konstruktion des ‚fremden Mannes‘), keineswegs Phänomene an den Rändern der Gesellschaft sind, sondern in der sogenannten politischen Mitte wurzeln“, heißt es im Bericht.

 

Antimuslimischer Rassismus-Report dokumentiert 156 Fälle

Im April 2016 präsentierte die „Dokumentationsstelle für Muslime in Österreich“ erstmals den antimuslimischen Rassismus-Report. Dort wurden insgesamt 156 Fälle dokumentiert, die in der Dokumentationsstelle für Muslime von 10. Dezember 2014 bis 21. Dezember 2015 eingegangen sind.

 

In 95 Prozent der dokumentierten Fälle waren weibliche Muslima die Opfer. Zielscheibe islamfeindlicher Angriffe sind somit vor allem durch ihre Kopfbedeckung erkennbare Muslima.

 

40 Prozent der Fälle waren verbale Angriffe

Die verbreitetste Art des antimuslimischen Rassismus stellten im vergangenem Jahr verbale Angriffe auf muslimische Personen dar. Die Aussagen bewegten sich dabei von „Scheiß Muslime“ bis hin zur Androhung der Gaskammer. Nach der getätigten Aussage wurden MuslimInnen in einigen Fällen bespuckt. Vor allem erkennbare Muslima berichteten davon, angespuckt zu werden – oft ohne weitere Äußerungen. Diese Fälle wurden von der „Dokumentationsstelle für Muslime in Österreich“ nicht in die Statistik aufgenommen, da das islamfeindliche Motiv ohne verbale Äußerung nicht beweisbar sei.

 

15 Prozent der dokumentierten Fälle stellten „hate crime“ an muslimische Einrichtungen (insbesondere rassistische Beschmierungen) dar, gefolgt von „hate speech“.

 

Das Ministerkomitee des Europarates definiert „hate speech“ folgendermaßen: „Jegliche Ausdrucksformen, welche Rassenhass, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus oder andere Formen von Hass, die auf Intoleranz gründen, propagieren, dazu anstiften, sie fördern oder rechtfertigen, einschließlich der Intoleranz, die sich in Form eines aggressiven Nationalismus und Ethnozentrismus, einer Diskriminierung und Feindseligkeit gegenüber Minderheiten, Einwanderern und der Einwanderung entstammenden Personen ausdrückt“.

 

Antimuslimischer Rassismus nach Art des Angriffes

Quelle: Antimuslimischer Rassismus-Report, Dokumentationsstelle Muslime in Österreich

 

Mehr als die Hälfte der Fälle im (halb)öffentlichen Raum

Laut dem antimuslimischen Rassismus-Report besteht trotz Anwesenheit anderer Personen keine Hemmschwelle bei den TäterInnen, islamfeindlich zu agieren. So ereignete sich mit 52 Prozent mehr als die Hälfte der dokumentierten Fälle im öffentlichen oder halböffentlichen Raum. 19 Prozent der Fälle hatten muslimische Einrichtungen als Zielscheibe. Weitere Orte an denen antimuslimischer Rassismus dokumentiert wurde, sind unter anderem der Arbeitsplatz, Bildungsstätten oder das Internet.

 

Antimuslimischer Rassismus nach Ort

Quelle: Antimuslimischer Rassismus-Report, Dokumentationsstelle Muslime in Österreich

 

Fehlende Zivilcourage bei antimuslimischen Fällen

Bei 23 Fällen, die dokumentiert wurden, äußerten sich die Betroffenen zur Zivilcourage. 65 Prozent davon berichteten, dass keine Zivilcourage geleistet wurde. Für die Dokustelle ist die fehlende Zivilcourage ein wichtiger Punkt, um das Zusammenleben positiv zu gestalten. Daher ist eine wesentliche Aufgabe der Dokustelle, ein Bewusstsein für mehr Zivilcourage zu schaffen.

 

Integrationsbarometer: Zusammenleben mit MuslimInnen wird eher negativ bewertet

SORA befragte im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) ÖsterreicherInnen nach ihrer Einschätzung zum Zusammenleben von ZuwanderInnen und ÖsterreicherInnen. 52 Prozent der Befragten bewerten dieses Zusammenleben als sehr oder eher gut, 43 Prozent nehmen es als eher oder sehr schlecht wahr.

 

Weniger positiv wird das Zusammenleben von MuslimInnen und Nicht-MuslimInnen in Österreich bewertet: Nur 35 Prozent der Befragten gaben an, dieses als sehr oder eher gut wahrzunehmen. Mit 51 Prozent nimmt mehr als die Hälfte das Zusammenleben von MuslimInnen und Nicht-MuslimInnen als eher oder sehr schlecht wahr.

 

Öif Integrationsbarometer Zusammenleben zwischen MuslimInnen und Nicht-MuslimInnenQuelle: ÖIF, eigene Darstellung

 

Wirft man einen Blick auf die Entwicklung seit Herbst 2014, zeigt sich, dass das Zusammenleben zwischen MuslimInnen und Nicht-MuslimInnen in Österreich durchgehend als negativ bewertet wird. Der negativste Wert wurde in einer GfK-Umfrage im Juni 2015 erhoben. Damals gaben 62 Prozent der Befragten an, dass das Zusammenleben schlecht funktioniere. 28 Prozent nahmen das Zusammenleben als positiv wahr.

 

Öif Integrationsbarometer Zeitlicher Vergleich

Quelle: ÖIF

 

Die Religion wird auch als eines der Probleme in Zusammenhang mit Flüchtlingen wahrgenommen: So gaben 77 Prozent an, dass „geringer Respekt und Gewaltbereitschaft einiger muslimischer Flüchtlinge gegenüber Frauen“ ein eher großes oder sehr großes Problem sei. 71 Prozent nehmen „religiösen Fanatismus und die Gefahr vor Terroranschlägen“ als Problem wahr.

 

Weitere Informationen und Kontakte:

 

Der „Antimuslimische Rassismus-Report“ ist in der IBibliothek abrufbar.

 

Dokumentationsstelle der Muslime in Österreich, Tel.: 0676 4040005, dokustelle@derislam.at

 

ÖIF-Integrationsbarometer, Franziska Troger. Tel.: 01 710 12 03 133, franziska.troger@integrationsfonds.at

 

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   

1 Kommentar

  1. carla rötters /

    ein wunderbares Kinderbuch zu dem thema Toleranz zwischen den Religionen bringt es – auf einfache Art und Weise – denk ich -auf den punkt: „Mein Gott, dein Gott, Unser Gott“ liebe grüsse

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.