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2016 starben bereits 2.780 Menschen auf der Flucht

2016 starben bereits 2.780 Menschen auf der Flucht

Jun 1, 2016

Factbox

  • Mittelmeer-Route gilt als gefährlichster Fluchtweg
  • 2016: Herkunft bei 77 Prozent der ertrunkenen Flüchtlinge unbekannt
  • 2016: Anstieg toter/vermisster Flüchtlinge im Mittelmeer um 35 %
  • Anzahl der Ankünfte in Italien steigt
  • UNHCR fordert Ausweitung sicherer Fluchtwege

 

Die vergangene Woche zeigte ein weiteres Mal die Gefährlichkeit der Fluchtroute über das Mittelmeer: 880 Flüchtlinge ertranken bei mehreren Schiffsunglücken im Mittelmeer. Laut UNHCR ist es das tödlichste Unglück seit April 2015. Damals starben mehr als 1.300 Personen. Insgesamt sind dem UNHCR für das laufende Jahr 2.510 Todesfälle bzw. vermisste Personen bekannt, die die Flucht über das Mittelmeer antraten.

 

2016: Weltweit 2.780 Todesfälle von Flüchtlingen bekannt

Laut Daten der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind seit 2000 mehr als 46.000 Menschen bei ihrer Flucht gestorben. Allein in den vergangenen drei Jahren wurden 13.229 Flüchtlinge als verunglückt oder vermisst gemeldet. 2015 waren es 5.427, im laufenden Jahr bereits 2.780. Der Weg nach Europa über das Mittelmeer gilt dabei als tödlichste Fluchtroute. Weitere gefährliche Routen verlaufen an der mexikanischen/US-amerikanischen Grenze, am Horn von Afrika sowie in Südost-Asien.

 

Tote und vermisste Flüchtlinge weltweit 2016

Tote und als vermisst gemeldete Flüchtlinge 2015 weltweit, Quelle: IOM

 

2016: 88,6 Prozent aller Todesfälle auf Mittelmeer-Route

Allein 2016 starben laut IOM 2.443 Flüchtlinge auf der Mittelmeer-Route. Dies entspricht einem Anteil aller weltweit verunglückten oder vermissten Flüchtlingen von 88,1 Prozent. Auch in den Jahren zuvor starb der Großteil der Flüchtlinge auf dem Seeweg nach Europa: 69,5 Prozent der bekannten Todesfälle oder als vermisst gemeldeten Flüchtlinge kamen 2015 über das Mittelmeer, 2014 waren es 65,3 Prozent.

 

Tote_Vermisste_Mittelmeer_Gesamt_2014_2016

Quelle: IOM, eigene Darstellung

 

Herkunft oft unbekannt

Bei 77 Prozent aller Flüchtlinge, die 2016 im Mittelmeer gestorben sind, ist die Herkunft unbekannt. 14 Prozent kommen laut den Zahlen von IOM aus dem Mittleren Osten und Südasien, ach Prozent aus dem westlichen, südlichen Afrika und aus Zentralafrika. 2015 war von 35,1 Prozent die Herkunft unbekannt, 32,3 Prozent stammten aus West-/Süd- und Zentralafrika.

 

Tote und vermisste Flüchtlinge nach Herkunft (Mittelmeer)

Herkunft der ertrunkenen Flüchtlinge im Mittelmeer 2016, Quelle: IOM

 

2016 starke Steigerung der Todesfälle im Mittelmeer

Laut den Zahlen des UNHCR sind seit 2010 12.401 Flüchtlinge auf der Mittelmeer-Route gestorben. Zwischen 2010 und 2013 lag die Zahl der verstorbenen und vermisst gemeldeten Flüchtlingen zwischen 20 (2010) und 1.500 (2011). Seit 2014 ist eine starke Steigerung zu erkennen. Das UNHCR, dessen Zahlen leicht von jenen der IOM abweichen, registrierte in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 2.510 Todesfälle auf der Mittelmeer-Route. Im Vergleichszeitraum 2015 waren es 1.855. In den ersten fünf Monaten 2014 waren es 57.

 

Tote und vermisste Flüchtlinge im MIttelmeer im Jahresvergleich (UNHCR)

* Stichtag 29. Mai; Verstorbene/vermisste Flüchtlinge auf der Mittelmeer-Route, Quelle: UNHCR, eigene Darstellung

 

Weg von Afrika nach Italien am gefährlichsten

Das UNHCR verweist darauf, dass vor allem der Weg von Afrika nach Italien gefährlich ist. So gab es auf dieser Route bereits 2.119 Todesfälle in diesem Jahr. Da in Italien im Jahr 2016 46.714 Flüchtlinge ankamen, liegt die Sterbe-Wahrscheinlichkeit auf dieser Route laut UNHCR bei eins zu 23.

 

Bis vor kurzem kamen noch weitaus mehr Flüchtlinge in Griechenland an. 2016 waren es 156.364 (Stichtag: 29. Mai). In den letzten Monaten stieg die Zahl der Ankünfte in Italien, während die Ankünfte in Griechenland sanken. Sowohl im April als auch im Mai kamen deutlich mehr Flüchtlinge in Italien als in Griechenland an.

 

Ankünfte im Mittelmeer bis Mai 2016

Stichtag 29. Mai 2016, Quelle: UNHCR, eigene Darstellung

 

Derzeit beobachtet das UNHCR kein Ausweichen von SyrerInnen, AfghanInnen oder IrakerInnen von der Griechenland-Türkei Route auf die zentrale Mittelmeer-Route. 15 Prozent der Ankünfte in Italien stammen aus Nigeria, zehn Prozent aus Gambia und neun Prozent aus Somalia.

 

UNHCR: Sichere Fluchtwege ausweiten

Das UNHCR fordert angesichts der 880 Menschen, die vergangene Woche am Weg nach Italien starben, ein weiteres Mal die Schaffung von sicheren Alternativen für Menschen, die internationalen Schutz in Europa suchen. Zudem müsse den Umständen, die zu solchen Tragödien führen, mehr Beachtung geschenkt werden, betont das UNHCR. So seien vor allem Boote, die von Libyen starten, überfüllter als jene, die auf der Route Türkei-Griechenland gesichtet werden. Oft befinden sich mehr als 600 Personen auf diesen Schiffen.

 

Zudem berichten Überlebende von „Schlepper-Zentren“ wie zum Beispiel im Niger. Von dort werden Menschen aus Westafrika nach Libyen gebracht, wo sie oft einige Monate warten müssen bis sie einen Platz auf einem der Boote erhalten. Frauen berichten von sexueller Gewalt und Menschenhandel.

 

Weitere Informationen und Kontakte:

 

Missing Migrants Project – IOM, media@iom.int

 

UNHCR-Daten zur Fluchtroute über das Mittelmeer

 

Ruth Schöffl; Sprecherin von UNHCR Österreich; schoeffl@unhcr.org; Tel: 01 26060 5307

 

MSNÖ-Artikel: Flucht – Über 111.500 Einreisen in Österreich seit Anfang 2016

 

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