63.600 MigrantInnen arbeiten im Gesundheitswesen

63.600 MigrantInnen arbeiten im Gesundheitswesen

Mai 11, 2016

Factbox

  • 20 Prozent der Beschäftigen in Gesundheitsberufen haben Migrationshintergrund
  • Großteil davon in Betreuungsberufen und Krankenpflege/Geburtshilfe tätig
  • Diplomierte KrankenpflegerInnen auf Mangelberufsliste 2016
  • Große Mehrheit der ausländischen ÄrztInnen stammt aus Deutschland

 

63.600 MigrantInnen (20 Prozent) sind in Gesundheitsberufen tätig. Diese verteilen sich auf verschiedene Berufsgruppen: Ärzte und Ärztinnen, Krankenschwestern und Krankenpfleger, GeburtshelferInnen und andere medizinische Fachkräfte.  2011 waren mit 28.700 Personen noch weit weniger MigrantInnen im Gesundheitsbereich tätig. Somit ist seit 2011 ein Anstieg von 55 Prozent zu verzeichnen. Anlässlich des Internationalen Tages der Pflege (12. Mai) wirft die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) einen Blick auf Zahlen zu MigrantInnen in Gesundheitsberufen.

 

20 % MigrantInnen in Gesundheitsberufen

318.300 Personen waren im vergangenen Jahr laut Statistik Austria im Gesundheitswesen tätig. 63.600 (20 Prozent)  von ihnen weisen Migrationshintergrund auf. Der Großteil ist in der Gruppe der Betreuungsberufe beschäftigt. 2015 arbeiteten insgesamt 91.900 Personen in einem Betreuungsberuf im Gesundheitswesen, 25.400 davon waren MigrantInnen. An zweiter Stelle folgt die Gruppe des nicht-akademischen Pflege- und Geburtshilfepersonals.

 

 

 

GESAMT

Ohne Migrations-hintergrund

Mit Migrations-hintergrund

MigrantInnen-Anteil in %

Betreuungsberufe

91.900

66.500

25.400

27,6 %

Nicht-akademische Krankenpflege und Geburtshilfe-fachkräfte

91.800

73.700

18.100

19,7 %

Sonstige akademische Gesundheitsberufe

29.300

23.500

5.800

19,7 %

Ärzte/Ärztinnen

36.700

31.500

5.200

14 %

Sonstige Assistenzberufe im Gesundheitswesen

35.500

31.600

4.000

11,2 %

Medizinische und pharmazeutische Fachberufe

24.800

21.200

3.600

14,4 %

Erwerbstätige in ausgewählte Berufsuntergruppen im Gesundheitswesen, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

28 % in Dienstleistungs- und Hilfsarbeitsbereich

Unterscheidet man die in Gesundheitsberufen tätigen MigrantInnen nach der Berufshauptgruppe, zeigt sich, dass der Großteil in der Gruppe der TechnikerInnen und gleichrangiger Berufe tätig ist (16.200 Personen), gefolgt von Dienstleistungsberufen und VerkäuferInnen. Rund 10.000 sind in akademischen und vergleichbaren Berufen tätig.

 

In Relation zu den Erwerbstätigen der jeweiligen Gruppen ist der MigrantInnen-Anteil mit jeweils 27,8 Prozent bei den Hilfsarbeitskräften und den Dienstleistungsberufen am höchsten.

 

 

GESAMT

Ohne Migrations-hintergrund

Mit Migrations-hintergrund

Anteil der MigrantInnen in %

Techniker & gleichrangige nicht-technische Berufe

116.800

100.600

16.200

13,9 %

Dienstleistungsberufe & VerkäuferInnen

52.800

38.100

14.700

27,8 %

Akademische sowie vergleichbare Berufe

65.100

55.000

10.100

15,5 %

Hilfsarbeitskräfte

15.300

11.100

4.300

27,8 %

Erwerbstätige in ausgewählte Berufshauptgruppen im Gesundheitswesen, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

KrankenpflegerInnen auf Mangelberufsliste 2016

Gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium veröffentlicht das Arbeitsministerium jährlich eine Liste mit Mangelberufen, für die speziell Fachkräfte gesucht werden. Ausländische Fachkräfte können durch eine Ausbildung im jeweiligen Mangelberuf leichter eine Rot-Weiß-Rot-Karte beantragen. Neben technischen und handwerklichen Berufen fehlen 2016 auch diplomierte Krankenpfleger und Krankenschwestern. Bereits 2015 wurden diplomierte Krankenpfleger und Krankenschwestern auf die Liste der Mangelberufe gesetzt.

 

Bei der Antragstellung für eine Rot-Weiß-Rot-Karte prüft das Arbeitsmarktservice, ob alle erforderlichen Punkte für die Entsprechung eines Mangelberufes vorliegen. Dazu zählen unter anderem Berufsausbildung, Studiennachweis, Berufserfahrung sowie Deutsch-Kenntnisse (Siehe MSNÖ-Artikel: OECD: Handlungsbedarf bei RWR-Karte).

 

Unterstützung beim Einstieg in Pflegeberufe

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG) betrachtet den Ausbau des Pflege- und Betreuungsbereichs als notwendig, um dem steigenden Bedarf an entsprechenden Leistungen in unserer älter werdenden Bevölkerung zu begegnen. Betreuung und Pflege sind laut BAG ein wachsendes Wirtschaftssegment und die Anzahl der Pflegegeld-BezieherInnen hat sich seit 1993 beinahe verdoppelt. Der Bereich Betreuung/Pflege wird zudem als gute Möglichkeit gesehen, MigrantInnen in die Gesellschaft einzubinden und die interkulturelle Kompetenz in diesem Segment zu stärken.

 

Das Projekt „migrants care“ hat zum Ziel, Menschen mit nicht deutscher Muttersprache bei der Ausbildung in Pflege- und Betreuungsberufen zu unterstützen. Ein spezieller Fokus liegt auf der Heimhilfeausbildung. Die Organisation bietet fachspezifische Beratung, Deutsch-Kurse und Vermittlung von Ausbildungsstellen.

 

Mehrheit der ausländischen ÄrztInnen aus Deutschland

Aktuell sind laut Österreichischer Ärztekammer (ÖÄK) 1.823 Ärzte und Ärztinnen aus Deutschland in Österreich tätig (Stand: April 2016). 366 ÄrztInnen stammen aus Ungarn, 345 aus Italien (Anm.: in der Tabelle der ÖAK werden Italien und Südtirol gesondert ausgewiesen) und 229 aus der Slowakei. Weiters gibt es zahlreiche ÄrztInnen aus den Balkan-Staaten, aus der Slowakei, Rumänien, Slowenien, Tschechien und Polen.

 

Herkunft

Anzahl der Ärzte

Deutschland

1.823

Ungarn

366

Italien

345

Slowakei

229

Rumänien

127

Tschechien

116

Südtirol

91

Kroatien

80

Polen

69

Slowenien

59

Bosnien-Herzegowina

50

Griechenland

48

Bulgarien

46

In Österreich tätige Ärzte mit Migrationshintergrund (Stand: April 2016), Quelle: Österreichische Ärztekammer

 

Medizinische Ausbildungen aus dem EU-/EWR-Raum werden laut Österreichischer Ärztekammer ohne Verfahren anerkannt. Für eine Anerkennung einer ausländischen Berufsqualifikation außerhalb des EU-/EWR-Raums müssen zugewanderte MedizinerInnen ein Prozedere durchlaufen: Entspricht eine Ausbildung nicht den österreichischen Standards, muss eine Ergänzungsausbildung absolviert werden, welche sowohl theoretisch als auch praktische Teile umfasst. Zudem müssen alle Diplome übersetzt und beglaubigt abgegeben werden. Ebenso wichtig sind Deutsch-Kenntnisse, ein Strafregisterauszug sowie gesundheitliche Eignung.

 

Weitere Informationen und Kontakte:

 

Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz: Mangelberufsliste 2016

 

Ausländische Ärzte: Voraussetzungen für Tätigkeit in Österreich

 

Pressestelle Österreichische Ärztekammer: In Österreich tätige Ärzte mit Migrationshintergrund, Stand April 2016; Andrea Riedel Tel.: 01/51406-3345 Email: a.riedel@ärztekammer.at

 

migrants care – Gewinnung und Vorqualifizierung von MigrantInnen für die Pflege und Betreuung; Caritas Wien Email: migrants.care@caritas-wien.at; Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt

 

Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG): Beschäftigungspaket „Betreuung und Pflege“

 

MSNÖ-Artikel: Gesundheit: Über 53.000 Beschäftigte mit Migrationshintergrund

 

MSNÖ-Artikel: Pflege: Bedarf an ausländischen Schlüsselkräften

 

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