Integration in den Bundesländern: Deutschkurse und Arbeit im Mittelpunkt

Integration in den Bundesländern: Deutschkurse und Arbeit im Mittelpunkt

Mrz 30, 2016

Factbox

  • ÖIF fördert Deutschkurse für Asylberechtigte mit sechs Mio. Euro
  • Topf für Integration mit 75 Mio. Euro eingerichtet
  • AMS: 68 Millionen für Integrationsmaßnahmen
  • Im Großteil der Bundesländer sind Sprache und Arbeit Schwerpunkte
  • Sechs Bundesländer setzen auf „Integration von Anfang an“

 

Durch die Flüchtlingsbewegungen nach Europa und Österreich ist das Thema Integration verstärkt in den Fokus von Gesellschaft und Politik gerückt. Dabei bringen sich sowohl Bund, Länder, Gemeinden als auch Trägerinstitutionen und NGOs bei der Schaffung von Integrationsmaßnahmen und Deutschkursen ein. Welche Unterschiede zeigen sich in der Integrationspolitik der einzelnen Bundesländer? Welche Länder setzen auf „Integration von Anfang an“ und bieten Deutschkurse und weitere Maßnahmen bereits für AsylwerberInnen an? Die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) hat recherchiert.

 

Zusammenarbeit der Bundesländer mit AMS, ÖIF und Ministerien

Sowohl die Integration von Asylberechtigten als auch von AsylwerberInnen fällt zu einem großen Teil in die Zuständigkeit der einzelnen Bundesländer, die unter anderem mit den zuständigen Ministerien sowie dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) und dem Arbeitsmarktservice (AMS) zusammenarbeiten. Welche Maßnahmen angeboten werden, unterscheidet sich daher von Bundesland zu Bundesland.

 

Der ÖIF startete in allen Bundesländern mit verpflichtenden Orientierungs- und Wertekursen für Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte (siehe MSNÖ-Artikel: Sozialleistungen für Flüchtlinge: Ein Bundesländervergleich). Zudem vergibt der ÖIF österreichweit Förderungen für Deutschkurse – von der Alphabetisierung über Basiskurse (A1, A2) bis hin zu Fortgeschrittenen-Kurse (B1, B2) – in der Höhe von sechs Millionen Euro.

 

Das Finanzministerium richtete im September 2015 einen „Topf für Integration“ mit 75 Millionen Euro ein, mit dem für das Jahr 2016 Integrationsmaßnahmen und -projekte aller beteiligten Ressorts finanziert werden sollen. Die Schwerpunkte liegen dabei in den Bereichen Bildung und Spracherwerb (siehe MSNÖ-Artikel: Migration & Integration: Was kommt 2016?).

 

Auch das AMS setzt 2016 vermehrt auf die Integration von Asylberechtigten. Bis zu 68 Millionen Euro will das AMS für Maßnahmen zur Integration investieren. Damit sollen österreichweit unter anderem Deutschkurse für 22.400 TeilnehmerInnen angeboten werden (siehe MSNÖ-Artikel: Kompetenzcheck: Hohes Qualifikationsniveau von Asylberechtigten).

 

 

Geplante TeilnehmerInnen-Anzahl

Geplante Ausgaben (in Mio. €)

Deutschkurse

22.400

23,60

Kompetenzchecks

13.500

12,49

Beratungs- und Betreuungseinrichtungen

18.100

7,23

Aus- und Weiterbildung

5.700

15,82

Beschäftigung (bspw. Eingliederungsbeihilfen)

2.100

9,26

Förderfälle,Teilnahmen, Ausgaben gesamt

61.800

68,40

AMS-Maßnahmen zur Integration 2016, Quelle: AMS Österreich, eigene Darstellung

 

Großteil der Bundesländer setzt auf Deutschkurse und Arbeitsintegration

Die Bundesländer fokussieren zudem eigene Schwerpunkte im Integrationsbereich. Der Fokus liegt dabei in den Bereichen Sprache und Arbeitsmarkt. Wien, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol und Vorarlberg setzen auf „Integration von Anfang an“ und unterstützen bereits AsylwerberInnen während ihrem Verfahren beim Spracherwerb oder bei der Arbeitsmarktintegration.

 

Hier ein Überblick der wichtigsten Schwerpunkte in puncto Integrationsmaßnahmen und im Bereich Deutschkurse der einzelnen Bundesländer:

 

 

Schwerpunkte bei Integrationsmaßnahmen

Regelungen und Plätze für Deutschkurse

Burgenland

Deutsch- und Wertekurse, Bestellung einer Integrationsbeauftragten

AMS organisiert Plätze für Asylberechtigte (derzeit ausreichend für alle Asylberechtigten)

Kärnten

Erstellt derzeit Integrationsleitbild, um konkrete Maßnahmen zu entwickeln

Quartiere müssen eine Stunde pro Woche anbieten

Niederösterreich

Sprache, Vermittlung von Wohnraum, Integration in den Arbeitsmarkt

Keine Deutschkurse für AsylwerberInnen (außer für UMF) vorgesehen

Oberösterreich

Arbeitsmarkt, Wohnen, Gemeinde, Sprache

900.000 Euro und rund 4.7000 Plätze für Deutschkurse für AsylwerberInnen

Salzburg

Sprache und Grundlagen der österreichischen Gesellschaft, Ausbildung und Arbeit, Wohnen, Zusammenleben und Respekt

300.000 Euro für Deutschkurse für AsylwerberInnen

Steiermark

Sprache, Informations- und Orientierungsangebote

1 Million Euro für Deutschkurse für AsylwerberInnen, Min. zusätzliche 5.000 Plätze für Asylberechtigte

Tirol

Sprache, Bildung und Arbeit, Wohnen, Gesundheit und Soziales, Begegnung und Zusammenleben

Rund 5.000 AsylwerberInnen haben Zugang zu Deutschkursen in Quartieren

Vorarlberg

Sprache, Arbeit

Deutschkurse für AsylwerberInnen werden von Freiwilligen und der Caritas angeboten

Wien

Sprache, Schulbildung

Eröffnete im Herbst alle Deutschkurse für AsylwerberInnen

 

 

Angebote in den einzelnen Bundesländern

Im Burgenland stehen Integrationsmaßnahmen in den Bereichen Deutsch- und Wertekurse im Vordergrund. Im Bereich der Wertekurse sei es wichtig „dass unsere neuen MitbürgerInnen unsere Werte wie Demokratie, Rollenbild der Frau, etc. vermittelt bekommen“, heißt es aus dem Büro des Landesrates für Soziales und Gesundheit, Norbert Darabos. Zudem soll in den kommenden Monaten eine Integrationsbeauftragte vorgestellt werden.

 

Bei den Deutschkursen gäbe es derzeit genügend Angebote für alle Asylberechtigten. Die Schaffung von Plätzen fällt jedoch in den Aufgabenbereich des AMS, das Land Burgenland finanziert die Kurse mit.

 

Bereits im März 2013 beschloss das Land Kärnten im Rahmen der Koalitionsvereinbarungen die Erstellung eines Integrationsleitbildes. Gemeinsam mit WissenschafterInnen, der Kärntner Bevölkerung sowie Institutionen, die sich mit dem Thema Integration beschäftigen, will die Politik konkrete Integrationsmaßnahmen erarbeiten. Derzeit gibt es Arbeitskreissitzungen und Regionalveranstaltungen, in denen der Bedarf von Angeboten und Maßnahmen erhoben wird. Darauf aufbauend sollen konkrete Vorschläge entwickelt werden.

 

Angebote für Deutschkurse sind für AsylwerberInnen vertraglich mit den QuartiergeberInnen vereinbart. Diese müssen mindestens eine Stunde in der Woche anbieten, über das Ausmaß darüber hinaus können die Quartiere selbst entscheiden.

 

Niederösterreich setzt 2016 auf die Schwerpunkte Sprachqualifizierung, schnelle Integration in den Arbeitsmarkt sowie Vermittlung von Wohnraum. Deutschkurse für AsylwerberInnen sind laut Niederösterreichischem Grundversorgungsgesetz mit Ausnahme von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF) keine vorgesehen. Die Abteilung Staatsbürgerschaft und Wahlen der niederösterreichischen Landesregierung betont jedoch, dass über Freizeitangebote im Jahr 2015 über 100 Deutschkurse organisiert wurden. Weitere Deutschkurse veranstalten ehrenamtlichen Plattformen.

 

Oberösterreich setzt auf das Prinzip „Integration von Anfang an“ und bietet konkrete Integrationsmaßnahmen bereits während des Asylverfahrens an. Die AsylwerberInnen werden dabei basierend auf dem Leitfaden „Orientierung in Oberösterreich“ begleitet und unterstützt. Zudem stellt das Land Oberösterreich 900.000 Euro für Deutschkurse für AsylwerberInnen zur Verfügung. Derzeit gibt es etwa 4.700 Plätze für Basisdeutschkurse.

 

Die Schwerpunkte bei Asylberechtigten und subsidiär Schutzberechtigten liegen ebenfalls im Spracherwerb sowie in den Bereichen Wohnen, Gemeinde und Arbeitsmarkt. Für den letzten Punkt startete die Integrationsstelle der oberösterreichischen Landesregierung den NIA-Prozess (Netzwerk Integration und Asyl). Gemeinsam mit AMS, der Wirtschaftskammer, dem BFI und weiteren Trägerorganisationen werden Strategien und Maßnahmen für die Integration in den Arbeitsmarkt erarbeitet.

 

Dem Land Salzburg stehen heuer insgesamt 755.200 Euro für Integrationsangebote zur Verfügung. Dabei setzt Salzburg auf „Integration von Anfang an“ und bietet bereits Asylsuchenden Sprachkurse und Beschäftigungsangebote an. Weitere Schwerpunkte liegen in der Vermittlung von Grundlagen der österreichischen Gesellschaft, in der Ausbildung junger Flüchtlinge sowie im Bereich Wohnen und Zusammenleben. Zudem sollen Freizeit- und Sportangebote geschaffen werden, insbesondere für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Gleichzeitig soll die Freiwilligenarbeit professionalisiert werden.

 

Rund 300.000 Euro investiert Salzburg für Deutschkurse für Asylsuchende, die gemeinsam mit der Volkshochschule Salzburg und dem Freiwilligennetzwerk der Diakonie organisiert werden. Deutschkurse für Asylberechtigte werden über den ÖIF abgewickelt.

 

Die Steiermark will künftig die Strukturen der ehrenamtlichen Arbeit sowie der Gemeinden vermehrt unterstützen. Zudem sollen verstärkt Informations- und Orientierungsangebote sowie Vorbereitungen für die Arbeitsmarktintegration zur Verfügung gestellt werden.

 

Im Mittelpunkt steht aber auch in der Steiermark die Schaffung von ausreichenden Plätzen für Deutschkurse: 3.000 zertifizierte Deutschkurs-Plätze wurden geschaffen. Diese sollen in Zusammenarbeit mit der Stadt Graz und dem ÖIF durch das Pilotprojekt „Startpunkt Deutsch“ ausgebaut und statistisch erfasst werden. Asylberechtigte können sich über die Plattform einstufen und beraten lassen. Landesrätin Doris Kampus will mindestens 5.000 weitere Kurs-Plätze schaffen. Eine zusätzliche Million Euro soll für Deutschkurse für AsylwerberInnen investiert werden, „da Integration und Asyl von Anfang an gemeinsam gedacht werden müssen“, heißt es von Seiten des steirischen Integrationsressorts.

 

Tirol will Integration mit den Schwerpunkten Deutsch, Bildung und Arbeit, Wohnen, Gesundheit und Soziales sowie Begegnung und Zusammenleben fördern. Wurden in einem ersten Schritt bereits bestehende Maßnahmen und Angebote analysiert, erarbeitete das Land Tirol darauf aufbauend weitere wichtige Maßnahmen: So wurden neben den oben genannten Schwerpunkten Bergleitungsangebote für Jugendliche in und während der Lehre geschaffen, Stützkräfte für Flüchtlingskinder organisiert, ein Buddy-System für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge entwickelt und die psychosoziale Versorgung von traumatisierten Schutzsuchenden ausgebaut.

 

Deutschkurse stehen in Tirol bereits AsylwerberInnen zur Verfügung. Zu Jahresbeginn wurde das Angebot professionalisiert, neue Unterrichtsmaterialien wurden erarbeitet, welche unter anderem Wertevermittlung beinhalten. Etwa 5.000 AsylwerberInnen wohnen in Tiroler Unterkünften, in denen Deutschkurse abgehalten werden. In kleineren Unterkünften sollen Asylsuchenden mobile Deutschkurse angeboten werden.

 

„Oberstes Ziel ist, eine möglichst rasche Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt auf Basis guter Deutschkenntnisse sowie der Akzeptanz unserer Rechts- und Werteordnung zu erreichen“, so Peter Marte, Leiter der Landespressestelle Vorarlbergs. Mit Hilfe eines Vier-Säulen-Modells verfolgt Vorarlberg das Ziel, dass möglichst alle anerkannten Flüchtlinge das Niveau A2 erreichen. Die vier Säulen sind jeweils für vier verschiedene Zielgruppen konzipiert: „Deutsch Lernen“ (für AsylwerberInnen und Konventionsflüchltinge), „Deutsch Unterstützen und Begleiten“ (für Freiwillige), „Deutsch Lehren“ (für Kursleitende), „Den Weg weisen“ (für Betreuungs-, Beratungs- und Förderstellen). Der Großteil der Deutschkurse für AsylwerberInnen wird jedoch von Freiwilligen in den Unterkünften organisiert oder durch Alphabetisierungs- und Basiskurse der Caritas.

 

In Wien liegen die Schwerpunkte in den Bereichen Schulbildung und Deutschkurse. Wien forciert dabei ebenfalls das Konzept „Integration von Anfang an“. Daher sind seit Herbst 2015 alle in Wien angebotenen Deutschkurse auch für AsylwerberInnen geöffnet. Im Jahr 2015 wurden im Rahmen der Integrationsbegleitung „Start Wien“ 450 Deutsch- und Basisbildungskurse von Seiten der Stadt Wien angeboten. Das entspricht 4.745 Kursplätzen. Diese Kursplätze sollen weiter ausgebaut werden.

 

Zudem ist ein „Jugend College“ für 1.000 nicht mehr schulpflichtige Jugendliche geplant, welche 15- bis 21-Jährige für den Umstieg in das reguläre Ausbildungssystem vorbereiten. Finanziert wird das Projekt mit EU-Mitteln. Für schulpflichtige Kinder gibt es das Projekt „Neu in Wien“. Außerdem bietet die MA 17 Sommersprachkurse an, die 2016 von 1.000 auf 1.5000 Kinder aufgestockt werden.

 

Weitere Informationen und Kontakte:

 

Büro Landesrat Norbert Darabos, Nicole Pauer, Tel.: 057 / 600 2067, nicole.pauer@bgld.gv.at

 

Leiter des Landespressedienst Kärnten, Gerd Kurath, Tel.: 050 / 536 10201, gerd.kurath@ktn.gv.at

 

Abteilung Staatsbürgerschaft und Wahlen der NÖ Landesregierung, Peter Anerinhof, Tel.: 02742 / 9005 12608, Peter.Anerinhof@noel.gv.at

 

Büro Landesrat Rudi Anschober, Romana Pichler, Tel.: 0732 / 7720 12084, romana.pichler@ooe.gv.at

 

Burö Landesrätin Martina Berthold, Philipp Penetzdorfer, Tel.: 0662 / 8042 4888, philipp.penetzdorfer@salzburg.gv.at

 

Büro Landesrätin Doris Kampus, Mag. Philipp Geiger, philipp.geiger@stmk.gv.at Tel.: 0316 / 877 2219.

 

Starpunkt Deutsch Steiermark

 

Büro Landesrätin Christine Baur, Elena Mauracher, Tel.: 0512 / 508 2073, elena.mauracher@tirol.gv.at

 

Leiter der Landespressestelle Vorarlberg, Peter Marte, Tel.: 05574 / 511 20130, peter.marte@vorarlberg.at

 

Büro Stadträtin Sandra Frauenberger, Stefanie Grubich, Tel.: 01 / 4000 81853. stefanie.grubich@wien.gv.at

 

Start Wien

 

Budgetbericht 2016 des Finanzministeriums

 

Michaela Sandra Berger, Sprecherin des Finanzministeriums, michaela.berger@bmf.gv.at, Tel.: 01 51433-500005

 

Österreichischer Integrationsfonds, Franziska Troger. Tel.: 01 710 12 03 133, franziska.troger@integrationsfonds.at

 

AMS Österreich; Pressesprecherin Beate Sprenger, Tel.: 0664 / 441 51 48, beate.sprenger@ams.at

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