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Frauen und Flucht: Zahlen und Fakten

Frauen und Flucht: Zahlen und Fakten

Mrz 7, 2016

Factbox

  • 2015: 28 Prozent der AsylwerberInnen in Österreich sind weiblich
  • UNHCR: Erstmals mehr Frauen und Kinder auf der Flucht als Männer
  • Syrische Flüchtlinge weisen höchsten Frauenanteil auf
  • UNHCR errichtet 20 Stellen für Frauen und Kinder auf der Flucht

 

Aktuelle Zahlen des Innenministeriums und des UNHCR zeigen, dass sich immer mehr Frauen auf der Flucht befinden. So stieg der Frauenanteil jener, die in Österreich um Asyl ansuchen, von 17 Prozent im Mai 2015 auf 34 Prozent im Dezember. Zudem kamen erstmals mehr Frauen und Kinder über den Seeweg in Griechenland an als Männer. Auf Grund dieser steigenden Zahlen errichtet das UNHCR entlang der Westbalkan-Route in den nächsten drei Monaten 20 Anlaufstellen für Frauen und Kinder auf der Flucht.

 

Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März wirft die Medien-Servicestelle Neue Östereicher/innen (MSNÖ) einen Blick auf wichtige Zahlen und Fakten zum Thema Frauen und Flucht.

 

Anträge weiblicher Asylbewerberinnen stieg 2015 auf 28 Prozent

Laut den Asylstatistiken des Innenministeriums ist der Frauenanteil bei den AsylwerberInnen in Österreich in den vergangenen zehn Jahren gesunken. So stammten 2006 4.569 aller Asylanträge von Frauen. Dies entspricht einem Anteil von 34,2 Prozent.

 

Dieser Anteil sank bis 2014 um zehn Prozentpunkte. So stiegen 2014 durch den gesamten Anstieg der Asylanträge auf 28.027 (+ 60 Prozent gegenüber dem Jahr zuvor) auch die Anträge von Frauen auf 6.783 Antragsstellerinnen. Prozentuell machten weibliche AsylwerberInnen jedoch nur 24,2 Prozent aus. 2015 kam es wieder zu einem Anstieg des Frauenanteils: Von den 88.151 in Österreich eingegangenen Asylanträgen stammten 24.387 von Frauen (27,7 Prozent).

 

 

Asylanträge gesamt

Asylanträge von Frauen

Asylanträge von Frauen in Prozent

2015

88.151

24.387

27,7 %

2014

28.027

6.783

24,2 %

2013

17.503

4.975

28,4 %

2012

17.413

4.567

26,2 %

2011

14.416

3.755

26,0 %

2010

11.012

3.244

29,5 %

2009

15.821

4.866

30,8 %

2008

12.841

4.321

33,7 %

2007

11.921

4.035

33,8 %

2006

13.349

4.569

34,2 %

Quelle: BM.I, eigene Darstellung

 

Wirft man einen Blick auf die monatliche Entwicklung 2015 ist eine kontinuierliche Steigerung des Frauenanteils erkennbar. Sank der Anteil der Frauen, die einen Asylantrag in Österreich stellten, zu Beginn des Jahres, steigt dieser seit dem niedrigsten Wert im Mai (17 Prozent) wieder an. Den höchsten Frauenanteil gab es im Dezember 2015 mit 35,4 Prozent. Von den 7.282 im Dezember eingegangenen Asylanträgen stammten 2.574 von Frauen.

 

Frauenanteil Asylanträge 2015

Anteil der weiblichen Antragsstellerinnen 2015, Quelle: BM.I, eigene Darstellung

 

Erstmals mehr Kinder und Frauen als Männer auf der Flucht

Auch das UNHCR nimmt eine Steigerung flüchtender Frauen sowie Kinder wahr. Waren im Juni 2015 rund 73 Prozent aller Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Griechenland kamen, Männer, sank der Männeranteil auf 43 Prozent im Jänner 2016. 36 Prozent der im Dezember in Griechenland ankommenden Flüchtlinge waren Kinder und 21 Prozent Frauen. Der Frauenanteil stieg somit von Juni 2015 bis Jänner 2016 um zehn Prozentpunkte.

 

Frauenanteil Flüchtlinge Griechenland 2015Quelle: BM.I, eigene Darstellung

 

Mit 24 Prozent war der Frauenanteil unter syrischen Flüchtlingen, die im Jänner 2016 in Griechenland ankamen, am höchsten. Auf Platz zwei liegen irakischen Flüchtlinge mit 22 Prozent, gefolgt von afghanischen Flüchtlingen mit einem Frauenanteil von 18 Prozent. Bei iranischen und pakistanischen Flüchtlingen sind es nach wie vor zu einem überwiegenden Teil Männer, die ihr Heimatland verlassen.

 

Frauenanteil nach Herkunftsländer 2016

Ankünfte in Griechenland über das Mittelmeer Jänner 2016, Quelle: UNHCR, eigene Darstellung

 

„Blue Dots“ als Schutzraum für Frauen und Kinder

Laut UNHCR sind Frauen auf der Flucht immer wieder von sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen. Mit der zunehmenden Anzahl von Frauen und Kindern auf der Flucht brauche es Zugang zu medizinischer und psychologischer Behandlung. Mit dem neuen Konzept der „Blue Dots“ will das UNHCR daher in den kommenden drei Monaten 20 Stellen errichten, die als Schutzraum für Frauen und Kinder fungieren sollen.

 

Unter anderem bieten die „Blue Dots“ künftig psychologische Ersthilfe, geschützte Schlafräume für Frauen und Kinder, juristische Beratungsstellen und Zugang zu Sozialarbeitern. Zudem sollen die „Blue Dots“ unbegleitete minderjährige Flüchtlinge identifizieren und diese bei der Suche nach ihrer Familie unterstützen. Die Anlaufstellen werden entlang der Westbalkan-Route in Griechenland, Mazedonien, Serbien, Kroatien und Slowenien errichtet.

 

UNHCR Blue Dots

„Blue Dots“ entlang der Westbalkan-Route, Quelle: UNHCR

 

 

Weitere Informationen und Kontakte:

 

Asylstatistiken des BM.I

 

Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Bundesministeriums für Inneres; karl-heinz.grundboeck@bmi.gv.at; Tel: 01 53126 – 2490

 

UNHCR-Daten zur Fluchtroute über das Mittelmeer

 

Ruth Schöffl; Sprecherin von UNHCR Österreich; schoeffl@unhcr.org; Tel: 01 26060 5307

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