Migration nach Österreich – Studie: Mehrheit dafür

Migration nach Österreich – Studie: Mehrheit dafür

Dez 15, 2015

Factbox

  • IOM-Studie: 61 der ÖsterreicherInnen sind für Migration
  • 20,4 Prozent der österreichischen Gesamtbevölkerung sind MigrantInnen
  • 41 Prozent der MigrantInnen leben in Wien
  • 1961: Mit Raab-Olah-Abkommen wurden ArbeitsmigrantInnen angeworben
  • Zuwanderung verlangsamt Bevölkerungsalterung

 

Vor rund 25 Jahren, am 18. Dezember 1990, haben die UNO die Internationale Konvention zum Schutz der Rechte aller Migranten und ihrer Familienangehörigen angenommen. Zehn Jahre später rief die UNO den 18. Dezember zum „Internationalen Tag der Migranten“ aus.

 

Eine Mehrheit der österreichischen Bevölkerung ist laut einer Studie positiv gegenüber Migrationsbewegungen eingestellt: 61 Prozent der ÖsterreicherInnen sprechen sich dafür aus, das Niveau der Migration beizubehalten oder sogar zu steigern. Dies zeigt eine Gallup-Studie im Auftrag der „Internationalen Organisation für Migration“ (IOM), die von 2012 bis 2014 – also noch vor den heurigen Flüchtlingsbewwegungen – durchgeführt wurde. Anlässlich des Internationalen Tags der MigrantInnen wirft die Medienservicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) einen Blick auf diese Studie und fasst wichtige Zahlen bezüglich MigrantInnen in Österreich zusammen.

 

36 Prozent der ÖsterreicherInnen wollen weniger Migration

Die IOM publizierte im Oktober 2015 erstmals eine Studie, die sich mit der Haltung der Weltbevölkerung gegenüber Migration beschäftigt. Das Ergebnis: Weltweit sind 22 Prozent der Befragten dafür, das gegenwärtige Niveau der Migration aufrecht zu erhalten, weitere 21 Prozent sind für eine Steigerung, 34 Prozent für eine Abnahme.

 

Europa ist laut Studie der am negativsten eingestellte Kontinent: 52 Prozent befürworten eine Abnahme der Migration. In Österreich sind es 36 Prozent, die sich für weniger Migration aussprechen. Immerhin 61 Prozent der ÖsterreicherInnen sind dafür, das gegenwärtige Niveau beizubehalten oder sogar zu steigern.

 

Studie: How the world views migrationQuelle: IOM, eigene Darstellung

 

ÖsterreicherInnen haben keine „Job-Angst“

27 Prozent der Befragten weltweit sind der Meinung, dass MigrantInnen zu einem großen Teil Arbeit übernehmen, welche die autochthone Bevölkerung nicht machen will. Fast ebenso viele (29 Prozent) glauben, dass MigrantInnen hauptsächlich in Berufen tätig sind, die auch die autochthone Bevölkerung machen würde.

 

Ein Blick auf die Top zehn der Hauptzielländer zeigt ein anderes Bild: So glauben 68 Prozent der US-AmerikanerInnen, 66 Prozent der BritInnen, 62 Prozent der KanadierInnen und 61 Prozent der deutschen Bevöllkerung, dass MigrantInnen Tätigkeiten ausführen, die die einheimische Bevölkerung nicht selbst machen will:

 

How the world views migration Frage 2Quelle: IOM

 

In Österreich sind 65 Prozent der Meinung, dass MigrantInnen jene Arbeit übernehmen, welche autochthone ÖsterreicherInnen nicht machen wollen. 13 Prozent glauben, dass MigrantInnen Jobs annehmen, die auch die autochthone Bevölkerung ausüben würden.

 

20,4 Prozent MigrantInnen in Österreich

In Österreich leben laut Statistik Austria 1.714.600 MigrantInnen (Jahresdurchschnitt 2014). Dies entspricht einem Anteil von 20,4 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Der Großteil davon, rund 1.254.400 Personen, gehört der ersten ZuwanderInnengeneration an (selbst im Ausland geboren). 460.200 zählen zur zweiten ZuwanderInnengeneration (Eltern im Ausland geboren).

 

Von den 1,7 Millionen MigrantInnen sind 38,8 Prozent aus einem anderen EU-Land (664.600 Personen), 28,9 Prozent aus dem ehemaligen Jugoslawien (495.100 Personen – ohne Slowenien und Kroatien) und weitere 15, 3 Prozent aus der Türkei (262.800 Personen).

 

Bevölkerung nach MigrationshintergrundPersonen in Tausend, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

41 Prozent aller MigrantInnen leben in Wien

Der Großteil der MigrantInnen hat sich in Wien angesiedelt. Knapp 41 Prozent aller MigrantInnen leben in Wien. Den zweiten Platz belegt Vorarlberg mit 24,5 Prozent, gefolgt von Salzburg mit 21,1 Prozent. Die Schlusslichter bilden Kärnten und das Burgenland.

 

Bevölkerung mit Migrationshinterngrund nach BundesländerQuelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Neuere Migrationsgeschichte Österreichs

In den vergangenen Jahren kam es nur zu einer leichten Zunahme der MigrantInnen in Österreich. 2008 waren es um 288.200 weniger als 2014. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung betrug 2008 17,4 Prozent – stieg also um drei Prozentpunkte bis 2014.

 

Bevölkerung nach Migrationshintergrund seit 2008Personen in Tausend, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Im Dezember 1961 wurde mit dem „Raab-Olah-Abkommen“ die Basis für Österreich als Einwanderungsland gelegt. Mit diesem Abkommen wurden ArbeitsmigrantInnen bzw. die sogenannten GastarbeiterInnen angeworben. Weitere größere Migrationsbewegungen verzeichnete Österreich in den Jahren 1968, 1981 und ab den 1990ern auf Grund der kriegerischen Konflikte im ehemaligen Jugoslawien:

 

(Siehe auch MSNÖ-Artikel „Neuere österreichische Migrationsgeschichte“)

 

Zuwanderung führt zu Bevölkerungswachstum

Laut aktuellen Prognosen und EinwohnerInnenzahlen der Statistik Austria wächst Österreich derzeit jährlich um etwa 70.000 Personen. Ein wesentlicher Grund dafür ist die Zuwanderung, insbesondere die Flüchtlingsbewegung.

 

2014 migrierten insgesamt 107.115 Personen nach Österreich, 97.791 Personen wanderten ab. Die Bilanz aus Geburten und Sterbefällen ergab 2014 einen Geburtenüberschuss von etwa 3.500. Nach dem Älterwerden der Baby-Boom-Jahrgänge wird die Zahl der Sterbefälle jene der Geburten jedoch übersteigen. Ohne Zuwanderung würde daher die EinwohnerInnenzahl vorerst stagnieren, langfristig sogar schrumpfen. Die Prognosen gehen davon aus, dass Österreich dank der Zuwanderung im Jahr 2022 die 9-Millionen-Marke überschreiten wird. 2030 soll Österreich bereits 9,31 Mio. EinwohnerInnen haben.

 

Vor allem in Wien wird es in den nächsten Jahren durch die Zuwanderung zu einem starken Bevölkerungswachstum kommen. Bis zum Jahr 2060 sollen 2,22 Millionen Personen in Wien leben. Dies entspricht einer Zunahme um 24 Prozent. Niederösterreichs Bevölkerung wird laut Prognosen bis 2060 um 18 Prozent zunehmen. Den Bundesländern Tirol und Vorarlberg wird ein Bevölkerungswachstum von jeweils 16 Prozent prognostiziert. Einzig in Kärnten wird von einer Abnahme der EinwohnerInnenzahl ausgegangen (minus 6 Prozent).

 

Zuwanderung steuert Bevölkerungsalterung entgegen

Dabei steuert die Zuwanderung nach Österreich nicht nur dem negativen Bevölkerungswachstum entgegen, sondern auch der Bevölkerungsalterung. Während 19,8 Prozent der Personen ohne Migrationshintergrund über 65 Jahre alt und somit nicht mehr im erwerbsfähigem Alter ist, sind es bei Personen mit Migrationshintergrund nur 10,3 Prozent. Die meisten MigrantInnen (35,3 Prozent) sind zwischen 20 und 39 Jahre alt.

 

Bevölkerung nach Migrationshintergrund und AlterQuelle: Statistik Austria

 

2014 waren 5,29 Millionen Personen im Erwerbsalter zwischen 20 und 65 Jahren. Bis 2020 wird sich diese Zahl auf rund 5,50 Millionen Personen erhöhen, danach kommt es zu einem stetigem Rückgang, da deutlich mehr Personen ins Pensionsalter übertreten. Ohne Zuwanderung würde dieser Effekt bereits vor 2020 eintreten.

 

Langfristig betrachtet gehen die Prognosen der Statistik Austria davon aus, dass 2060 5,10 Millionen Personen im Erwerbsalter sein werden – ohne Zuwanderung wären es nur 3,41 Millionen.

 

Bevölkerungsprognose mit und ohne Zuwanderung seit 2014Quelle: Statistik Austria

 

Weitere Informationen und Kontakte:

 

Studie „How the World Views Migration“, IOM, pubsales@iom.int

 

Bevölkerungsprognose der Statistik Austria

 

Detaillierte Zahlen zu Wanderungen mit dem Ausland (Statistik Austria)

 

Aktuelle Daten und Zahlen zu Migration in Österreich: „Migration und Integration 2015“

 

MSNÖ-Artikel: Österreich wächst durch Zuwanderung

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1 Kommentar

  1. Liebe Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Medienservicestelle,
    ich bin nun im 6. Semester der PH-Salzburg und verfasse gerade meine Bachelorarbeit. Da diese Zahlen und Fakten sehr interessant sind, und diese gut in meine Arbeit reinpassen,
    wollte ich fragen, wer der Autor bzw. die Autorin dieser Seite ist, da ich die Seite ohne Autor/in nicht richtig zitieren kann. Vielen Dank bereits im Voraus für eine Antwort.

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