Österreichs Schulen von Vielfalt geprägt

Österreichs Schulen von Vielfalt geprägt

Sep 2, 2015

Factbox

  • 21 Prozent aller SchülerInnen sprechen eine andere Umgangssprache als Deutsch
  • Nach Deutsch sind zweithäufigst gesprochene Sprachen BKS und Türkisch
  • Elf Prozent aller SchülerInnen haben keinen österreichischen Pass
  • Bildungsbeteiligung von im Ausland geborenen Jugendlichen steigt
  • Knapp 34.000 SchülerInnen besuchten muttersprachlichen Unterricht

 

Österreichs Klassenzimmer sind von kultureller und sprachlicher Vielfalt geprägt. Im Schuljahr 2013/2014 gab es österreichweit 234.250 SchülerInnen mit nicht-deutscher Umgangssprache. Dies entspricht 21,1 Prozent aller SchülerInnen in Österreich. Die Anzahl der ausländischen SchülerInnen stieg von 120.000 im Schuljahr 2012/13 auf 122.000 (2013/14) an. Anlässlich des Schulstarts am 7. September in Wien, im Burgenland und in Niederösterreich sowie am 14. September in den sechs anderen Bundesländern  sah sich die Medienservicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) aktuelle Zahlen an.

 

Sprachliche Vielfalt vor allem in Wiener Schulen

Die Anzahl der SchülerInnen, die eine andere Sprache als Deutsch sprechen, stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich an. Während im Schuljahr 2012/13 etwa 20 Prozent aller SchülerInnen nicht Deutsch als Umgangssprache angaben, lag der Anteil im Folgejahr bei 21 Prozent (+7.704 SchülerInnen).

 

Dabei sind die SchülerInnen mit nicht-deutscher Umgangssprache regional unterschiedlich stark verteilt: Allein in Wiens Schulen sprachen über 102.000 SchülerInnen nicht Deutsch als Umgangssprache, im Burgenland waren es mit knapp 5.000 am wenigsten. In Relation zur EinwohnerInnenzahl sind vor allem in Kärnten, Nieder- und Oberösterreich nur wenige SchülerInnen mit nicht-deutscher Umgangssprache zu finden, wie folgende Grafik zeigt:

 

 SchülerInnen nach Umgangssprache und Bezirke

Quelle: Statistik Austria, Bildung in Zahlen 2013/14

 

BKS und Türkisch führende Sprachen

In Österreichs Schulen sind etwa 80 verschiedene Sprachen vertreten. Mit 875.704 SchülerInnen gaben die meisten Deutsch als ihre Umgangssprache an. Platz zwei belegt offiziell mit 59.385 Türkisch. Fasst man jedoch die drei Sprachen Bosnisch, Kroatisch und Serbisch (BKS) zusammen, liegt BKS auf Platz zwei (66.678).

 

Neben Deutsch, Türkisch und BKS ist Albanisch mit 15.910 SchülerInnen eine der am häufigsten gesprochenen Umgangssprachen. Zudem finden sich Rumänisch (11.441), Arabisch (8.419), Ungarisch (6.491), Polnisch (6.442), Tschetschenisch (4.257), Englisch (4.238) und Russisch (3.985) unter den Top 10.

 

SchülerInnen nach Umgangssprache und SchultypQuelle: Statistik Austria, Bildung in Zahlen 2013/14

 

Unterschiedlicher Bildungsverlauf

Wirft man einen Blick auf den Bildungsverlauf nach der achten Schulstufe zeigt sich, dass es einen signifikanten Unterschied zwischen Jugendlichen mit nicht-deutscher Umgangssprache und Jugendlichen mit deutscher Umgangssprache gibt: 11,4 Prozent der SchülerInnen mit nicht-deutscher Umgangssprache absolvierten nach dem Abschluss der Hauptschule im Schuljahr 2012/13 keine weitere schulische Ausbildung im Folgejahr. Bei deutschsprechenden SchülerInnen lag der Anteil nur bei 3,3 Prozent.

 

Schulabbrecher nach UmgangsspracheQuelle: Statistik Austria / ÖIF, Migration und Integration 2015

 

11 Prozent der SchülerInnen haben ausländische Staatsangehörigkeit

Im Schuljahr 2013/14 besaßen 11,2 Prozent aller SchülerInnen in Österreich eine ausländische Staatsangehörigkeit. In absoluten Zahlen sind das über 122.000 ausländische SchülerInnen. Der Großteil davon besitzt die türkische Staatsbürgerschaft (16.072). Dabei sinkt die Anzahl der türkischen SchülerInnen kontinuierlich. So waren es im Vorjahr um 359 weniger. Auf Platz zwei befinden sich 14.081 SchülerInnen mit serbischer und montenegrinischer Staatsangehörigkeit (leichtes Plus von 58), gefolgt von deutschen SchülerInnen (13.579). Wie auch in den Jahren zuvor verzeichneten die deutschen SchülerInnen den stärksten Zuwachs (plus 558).

 

Unterschieden nach Schultyp besuchen ausländischen Kinder und Jugendliche eher seltener maturaführende Schulen, hingegen häufiger Polytechnische Schulen (25,8 Prozent), Sonderschulen (18,2 Prozent) und Hauptschulen (14,5 Prozent).

 

Ausländische SchülerInnen nach Staatsangehörigkeit und SchultypQuelle: ÖIF, Migration und Integration 2015 (1) Ohne Lehrerbildende mittlere Schulen sowie Schulen und Akademien des Gesundheitswesens.

 

Bildungsbeteiligung von im Ausland Geborenen nimmt zu

Während die Bildungsbeteiligung von in Österreich geborenen 15- bis 19-Jährigen zwischen den Jahren 2009 und 2012 bei 79 Prozent stagnierte, stieg dieser Wert bei im Ausland geborenen Jugendlichen um knapp zwei Prozent – allerdings von einem deutlich niedrigerem Niveau: So lag die Bildungsbeteiligung von im Ausland geborenen Jugendlichen 2009 bei 58 Prozent, drei Jahre später bei 59,6 Prozent. Die höchste Steigerung der Bildungsbeteiligung weisen mit einem Plus von 12,5 Prozentpunkten in der Türkei geborene Jugendliche auf.

 

Bildungsbeteiligung nach Staatsangehörigkeit

Bildungsbeteiligung 15 – 19 Jähriger zwischen 2009 und 2012 nach Geburtsland, Quelle: Statistik Austria / ÖIF, Migration und Integration 2015

 

33.920 SchülerInnen besuchten muttersprachlichen Unterricht

Um die Sprachenvielfalt in Österreichs Schulen zu fördern, muss auch die jeweilige Muttersprache (neben Deutsch) gefestigt werden. Daher gibt es an allgemein bildenden Schulen die Möglichkeit, muttersprachlichen Unterricht zu besuchen. Im Schuljahr 2013/14 besuchten 33.920 SchülerInnen muttersprachlichen Unterricht. Im Vergleich zum Vorjahr sind das um 3,6 Prozent mehr Kinder und Jugendliche, die diese Möglichkeit wahrgenommen haben.

 

Auch die Anzahl der LehrerInnen und der Unterrichtsstunden hat von 2012/13 auf 2013/14 zugenommen: 422 LehrerInnen (+1,7 Prozent) unterrichteten die SchülerInnen in 7.227,5 Unterrichtsstunden (+0,3 Prozent). Der Großteil des muttersprachlichen Unterrichts fand in Wien statt.

 

 

LehrerInnen

Unterrichtsstunden

SchülerInnen

Burgenland

5

36,0

211

Kärnten

8

173,0

660

Niederösterreich

28

367,5

2.328

Oberösterreich

44

766,0

4.090

Salzburg

17

246,0

1.590

Steiermark

37

505,0

2.683

Tirol

19

275,0

1.574

Vorarlberg

22

331,0

2.306

Wien

242

4.528,0

18.478

Österreich

422

7.227,5

33.920

Quelle: Bundesministerium für Bildung und Frauen

 

Insgesamt wurden 25 Sprachen im Rahmen des muttersprachlichen Unterrichts angeboten. Gemäß der Anzahl der SchülerInnen mit nicht-deutscher Umgangssprache, sind auch hier Türkisch und BKS deutlich an der Spitze der angebotenen Sprachen. So besuchten 15.338 SchülerInnen türkischen Unterricht und 10.907 Kinder und Jugendliche BKS-Unterricht. Insgesamt sprachen 77,4 Prozent aller SchülerInnen, die einen muttersprachlichen Unterricht besuchten, Türkisch oder BKS.

 

 

LehrerInnen

Unterrichtsstunden

SchülerInnen

Albanisch

23

417,0

2.438

Arabisch

13

193,0

1.120

BKS

140

2.761,0

10.907

Bulgarisch

3

33,0

206

Chinesisch

3

18,0

87

Dari

1

14,0

76

Französisch

2

7,0

38

Italienisch

1

2,0

10

Kurdisch/Kurmanci

4

18,5

52

Kurdisch/Zazaki

2

6,0

30

Pashto

1

13,0

77

Persisch

4

62,0

382

Polnisch

9

121,0

797

Portugiesisch

3

16,0

85

Romanes

3

61,0

203

Rumänisch

3

56,0

302

Russisch

9

70,0

413

Slowakisch

9

64,5

305

Slowenisch

2

4,0

19

Somali

1

9,0

36

Spanisch

7

29,0

176

Tschechisch

3

16,0

63

TschetAschenisch

6

93,0

531

Türkisch

161

3.102,5

15.338

Ungarisch

9

41,0

229

Quelle: Bundesministerium für Bildung und Frauen

 

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