Schulstart für Flüchtlingskinder

Schulstart für Flüchtlingskinder

Aug 27, 2015

Factbox

  • Im ersten Halbjahr 2015 stellten 3.500 unbegleitete Minderjährige einen Asylantrag
  • Großteil der unbegleiteten minderjährigen AntragstellerInnen aus Afghanistan
  • Etwa 5.000 Flüchtlingskinder sollen mit Schulstart eingeschult werden
  • Bildungsministerium informiert Schulen zum Umgang mit Flüchtlingskindern
  • Schulen brauchen zusätzliche muttersprachliche Lehrkräfte
  • Unterstützung durch finanzielle Hilfestellungen und Ausbau der Schulpsychologie

 

Die ersten SchülerInnen in Österreich starten am 7. September ins neue Schuljahr. Es werden diesmal Kinder dabei sein, die aus Kriegs- und Krisengebieten wie Syrien, Afghanistan oder dem Irak nach Österreich geflüchtet sind. Auf Basis der Zahlen des Innenministeriums geht das Bildungsministerium derzeit von etwa 5.000 sechs- bis 14-jährigen Flüchtlingskindern aus, die mit Start des Schuljahrs gemäß ihrem Alter eingestuft werden sollen. Um die Schulen bei der Eingliederung der Flüchtlingskinder zu unterstützen, veröffentlichte das Bildungsministerium eine Broschüre mit Hilfestellungen.

 

Über 28.000 Asylanträge im ersten Halbjahr 2015

Österreichweit sind im ersten Halbjahr 2015 28.311 Asylanträge eingegangen. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2014 steigerte sich die Zahl der Asylanträge um 213 Prozent (9.047 Anträge). Dabei nimmt die Zahl jeden Monat weiter zu. Im März waren es noch knapp 3.000, im Juni wurden 7.538 Asylanträge gestellt. Der Großteil der Anträge wurde mit 7.692 im ersten Halbjahr von SyrerInnen gestellt, gefolgt von AfghanInnen (5.749) und IrakerInnen (3.806).

 

3.500 unbegleitete Minderjährige stellten Asylantrag

Unter den geflüchteten Personen sind viele Kinder und Jugendliche zu finden: 3.523 unter 18-Jährige kamen im ersten Halbjahr 2015 ohne ihre Familien nach Österreich. 192 davon waren unter 14, knapp 95 Prozent waren Jugendliche zwischen 14 bis 18 Jahre. Auch bei den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF) ist im Monatsvergleich eine Zunahme der Antragszahlen zu erkennen. Waren es im April noch 546 Anträge, verdoppelte sich diese Zahl im Mai auf 1.069 Anträge.

 

Halbjahresstatistik 2015 Unbegleitete Minderjährige FlüchtlingeQuelle: BM.I

 

UMF stellten 2015 um 562 Prozent öfters Asylanträge als im Vorjahr

Bei den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen kam es im Vergleich zum Vorjahr zu einer starken Steigerung. So stellten im ersten Halbjahr 2014 532 Kinder und Jugendliche, die ohne Familien nach Österreich flüchteten, einen Antrag. 30 waren unter 14, 413 waren zwischen 14 bis 18, bei weiteren 89 wurde nachträglich die Volljährigkeit festgestellt. Zum Vergleichszeitraum des laufenden Jahres entspricht dies einer Steigerung von 562 Prozent.

 

 

Unter 14

14 – 18

Gesamt

1. Halbjahr 2015

192

3.331

3.523

1. Halbjahr 2014

30

413

532

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Quelle: BM.I, eigene Darstellung

 

Meisten unbegleitete Minderjährige aus Afghanistan

Während insgesamt Syrien auf Platz eins der antragsstärksten Nationen steht, kommen die meisten unbegleitet Minderjährigen aus Afghanistan. In Summe stellten 2.309 unbegleitete minderjährige AfghanInnen einen Asylantrag. Von SyrerInnen wurden 391 Anträgen gestellt. Am dritten Platz liegt Irak (177 Anträge), gefolgt von Somalia (151) und Pakistan (115).

 

 

Unter 14

14 – 18

Gesamt

Afghanistan

102

2.207

2.309

Syrien

31

360

391

Irak

23

154

177

Somalia

1

150

151

Pakistan

115

115

Algerien

68

68

Nigeria

58

58

Kosovo

4

37

41

Iran

1

19

20

Gambia

18

18

Top 10 der Asylanträge von unbegleiteten Minderjährigen, Quelle: BM.I, eigene Darstellung

 

Broschüre: Hilfestellungen zur Einschulung

In Österreich sind alle Kinder zwischen sechs und 15 Jahren schulpflichtig. Dies gilt demnach auch für Flüchtlingskinder. Unabhängig von deren aufenthaltsrechtlichen Status muss der jeweilige Schulsprengel die Kinder ihrem Alter entsprechend einstufen. Derzeit geht das Bildungsministerium von etwa 5.000 geflüchteten Kindern und Jugendlichen aus, die mit Schulstart eingeschult werden. Um die Schulen bei dieser Aufgabe zu unterstützen, veröffentlichte das Bildungsministerium eine Broschüre mit Hinweisen zu den Punkten Aufnahme in die Schule, Sprachförderkurse, Alphabetisierung, muttersprachlicher Unterricht, Sozialleistungen sowie zu weiteren unterstützenden Maßnahmen für Flüchtlingskinder.

 

Das Bildungsministerium betont dabei, dass im Zuge der Einschulung nicht davon ausgegangen werden kann, dass die Flüchtlingskinder die offizielle(n) Landessprache(n) sprechen sowie der vorherrschenden Religionsbekenntnis ihres Herkunftslandes angehören. Viele der Flüchtlinge werden auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu sprachlichen oder religiösen Minderheiten verfolgt. Dies gilt es bei der Zuteilung zum Religions- sowie zum muttersprachlichen Unterricht zu beachten.

 

Aufnahme als außerordentliche SchülerInnen mit Sprachförderung

Zudem weist das Bildungsministerium darauf hin, dass viele der Flüchtlingskinder kein Deutsch sprechen und sie daher als außerordentliche SchülerInnen aufgenommen werden. Während dieser Zeit haben die Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit, einen Sprachförderkurs zu besuchen. Weiters wurden für nicht-alphabetisierte Kinder im schulpflichtigem Alter verschiedene Konzepte in den einzelnen Bundesländern ausgearbeitet. So bietet Wien Alphabetisierungskurse an, die Stadt Salzburg richtete eine eigene Willkommensklassse ein.

 

Unter dem Titel „Flüchtlingskinder – Eine Schule für alle“ bereiten die Pädagogischen Hochschulen bereits jetzt zusätzliche Angebote vor, vor allem im Bereich der sprachlichen Weiterbildung. Im Schuljahr 2014/15 wurden bereits über 12.000 PädagogInnen im Rahmen von Kursen zur sprachlichen Bildung eingeschult. Gemäß der wichtigsten Herkunftsländer der Flüchtlingskinder sollen laut Angaben des Ministeriums noch Lehrkräfte für die Sprachen Arabisch, Fasi-Dari und Paschtu (Afghanistan), Tschetschenisch sowie Kurdisch (Syrien/Irak) aufgestockt werden.

 

Finanzielle Hilfestellungen, Schulpsychologie

Finanzielle Unterstützung erhalten die neu eingeschulten Flüchtlingskinder für die Teilnahme an verschiedenen Schulveranstaltungen und durch die Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien und zweisprachigen Wörterbüchern. Zudem übernimmt die Firma ORS Service GmbH im Auftrag des Innenministeriums die Abwicklung der Schülerfreifahrt für Kinder in der Grundversorgung. Das Innenministerium übernimmt die gesamten Kosten dafür.

 

Ein weitere Schwerpunkt liegt im Aufbau von schulpsychologischen Anlaufstellen in den einzelnen Bundesländern. Unter Einbeziehung von NGOs sowie der Schulberatungsstellen für MigrantInnen soll insbesondere in Regionen rund um größeren Flüchtlingsquartieren eine Struktur von psychosozialen Unterstützungssystemen zur Verfügung gestellt werden. Weiters wurde in einem ersten Schritt die Informationsplattform www.schulpsychologie.at/asylsuchende eingerichtet.

 

Weitere Informationen und Kontakte:

 

Flüchtlingskinder und -jugendliche an Österreichs Schulen, Beilage zum Rundschreiben 21/2015 vom Bundesministierium für Bildung und Frauen

 

Pressesprecherin des Bundesministerium für Bildung und Frauen: Veronika Maria, Tel.: +43 1 53120 5011 , E-Mail: Veronika.Maria@bmbf.gv.at

 

Plattform „Schule Mehrsprachig“ vom Referat für Migration und Schule

 

Elfie Fleck, Referat für Migration und Schule, Email: Elfie.Fleck@bmbf.gv.at, Tel: 01/ 53120/ 2552

 

Asylstatistiken des BM.I

 

Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Bundesministeriums für Inneres; karl-heinz.grundboeck@bmi.gv.at; Tel: 01 53126 – 2490

 

Informationsplattform „Schulpsychologie für Asylsuchende„, Kontakt: MR Dr. Gerhard Krötzl, gerhard.kroetzl@bmbf.gv.at

 

Kontakt für die Willkommensklassen der Stadt Salzburg: LSI Mag. Dr. Birgit Heinrich, birgit.heinrich@lsr­sbg.gv.at

 

Kontaktinformationen und Standorte der Schulberatungsstellen für MigrantInnen

 

MSNÖ-Artikel: Über 28.000 Asylanträge im 1. Halbjahr 2015

 

 

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