Situation von MigrantInnen am Arbeitsmarkt

Situation von MigrantInnen am Arbeitsmarkt

Jul 16, 2015

Factbox

  • Beschäftigungsquote von MigrantInnen steigt und liegt über dem EU-Durchschnitt
  • Arbeitlosenquote unter MigrantInnen sank seit 2007 um 3,2 Prozent
  • Jugendliche mit Migrationshintergrund sind am Arbeitsmarkt schlecht integriert
  • Drittstaatsangehörige: niedrige Beschäftigungsquote und hohe Arbeitslosigkeit

 

 

Für den österreichischen Arbeitsmarkt spielt Zuwanderung eine zentrale Rolle. Gleichzeitig ist der Zugang zum Arbeitsmarkt für MigrantInnen ein wichtiger Faktor für Integration. Seit 2007 ist eine kontinuierliche Verbesserung der Beschäftigungssituation von MigrantInnen zu erkennen: Die Beschäftigungsquoten steigen, während die Arbeitslosenquoten sinken.

 

Jugendliche der 1. und 2. Zuwanderungsgeneration sowie Drittstaatsangehörige haben es jedoch nach wie vor schwierig bei der Integration am Arbeitsmarkt, wie der aktuelle OECD-Bericht „Integration von Zuwanderern: Indikatoren 2015“ zeigt, den sich die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) genauer angesehen hat.

 

Beschäftigungsquote von MigrantInnen steigt

Seit dem Jahr 2007 ist die Beschäftigungsquote von MigrantInnen in Österreich um 9,9 Prozent gestiegen (die OECD-Analyse basiert auf Zahlen von 2012 und 2013). Damit lag das Wachstum in Österreich weit über dem EU- und OECD-Durchschnitt: Unter den 34 OECD-Mitgliedsländern hatte Österreich das fünfhöchste Wachstum. Verglichen mit den EU-Mitgliedsstaaten lag Österreich nach Deutschland (+13,4 Prozent) und Frankreich (+10 Prozent) auf Platz drei.

 

Beschäftigungsquote 2007 bis 2012Quelle: OECD

 

Die Beschäftigungsquote von im Ausland geborenen Menschen lag hierzulande in den Jahren 2012 und 2013 bei 66,6 Prozent und war damit noch deutlich geringer als die Quote der autochthonen ÖsterreicherInnen (73,7 Prozent). Insgesamt zeigt sich jedoch, dass die Beschäftigungsquote leicht über dem OECD-Durchschnitt und über dem EU-Durschnitt lag:

 

Beschäftigunsquote im EU- und OECD-VergleichQuelle: OECD, eigene Darstellung

 

Bei Frauen war die Differenz der Beschäftigungsquote zwischen ZuwanderInnen und autochthonen ÖsterreicherInnen noch deutlicher: So betrug die Beschäftigungsquote von im Ausland geborenen Frauen 59,3 Prozent, bei in Österreich geborenen Frauen 69,4 Prozent. Zum Vergleich: Im Ausland geborenen Männer wiesen eine Beschäftigungsquote von 74,8 Prozent auf, bei in Österreich geborenen Männer lag diese bei 78 Prozent.

 

Arbeitslosigkeit um 3,2 Prozentpunkte gesunken

Auch bezüglich der Arbeitslosigkeit zeigt sich ein Trend in Österreich: Die Arbeitslosenquote von ZuwanderInnen, die in den Jahren zwischen 2003 und 2007 nach Österreich gekommen sind, ist um 3,2 Prozentpunkte gesunken. Damit wies Österreich nach Deutschland die stärkste Senkung der Arbeitslosenquote unter MigrantInnen auf.

 

Arbeitslosenquote 2007 bis 2012Quelle: OECD

 

Aber auch hier gibt es noch Aufholbedarf, schaut man sich die Unterschiede zwischen autochthonen ÖsterreicherInnen und ZuwanderInnen an: Die Arbeitslosenquote von im Ausland geborenen Menschen lag hierzulande bei 8,8 Prozent, während die Quote derer, die in Österreich geboren sind, bei 3,8 Prozent lag. Verglichen mit dem OECD-Durchschnitt ist der Gap in Österreich deutlich höher (OECD-Durchschnitt: 2,9 Prozentpunkte, Österreich 5 Prozentpunkte).

 

Arbeitslosenquote im OECD und EU-VergleichQuelle: OECD, eigene Darstellung

 

Fehlende Integration am Arbeitsmarkt machte der OECD-Bericht vor allem unter jüngeren MigrantInnen (15 bis 34 Jahre) aus. 2013 war jeder vierte Jugendliche (24,2 Prozent), dessen Eltern im Ausland geboren sind, weder in einem Beschäftigungsverhältnis noch in einer Ausbildung (NEET). Bei Jugendlichen, die selber im Ausland geboren wurden, waren nur 9,3 Prozent weder beschäftigt noch in Ausbildung. Die Beschäftigungsquote lag mit 67,6 Prozent bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, deren Eltern im Ausland geboren sind, unter dem OECD-Durchschnitt (70,9 Prozent), während die Arbeitslosenquote mit 18 Prozent weit darüber lag.

 

 

15 bis 34 Jährige, deren Eltern im Ausland geboren sind

15 bis 34 Jährige, die selber im Ausland geboren sind

NEET-Quote

Österreich

24,2 %

9,3 %

OECD-Durchschnitt

16,6 %

16,7 %

EU-Durchschnitt

19,1 %

14,9 %

Beschäftigungsquote

Österreich

67,6 %

88,4 %

OECD-Durchschnitt

70,9 %

74,9 %

EU-Durchschnitt

65,1 %

76,6 %

Arbeitslosenquote

Österreich

18 %

5,3 %

OECD-Durchschnitt

13,5 %

11,6 %

EU-Durchschnitt

20,1 %

13,5 %

Quelle: OECD, eigene Darstellung

 

Niedrige Beschäftigungsquoten bei Drittstaatsangehörigen

Besonders stark betroffen von Arbeitslosigkeit und niedrigen Beschäftigungsquoten sind auch Drittstaatsangehörige, die in Österreich leben. Während die Beschäftigungsquote unter den EU-BürgerInnen hierzulande bei 72,4 Prozent lag, waren Drittstaatsangehörige mit einer Quote von 57,4 Prozent weitaus weniger oft in einem Beschäftigungsverhältnis. Österreich lag mit diesen Werten EU-weit im Mittelfeld.

 

Bei der Arbeitslosenquote unter Drittstaatsangehörigen lag Österreich mit einer Quote von 11,9 Prozent im EU-Vergleich auf Platz sechs der niedrigsten Quoten. Geringere Quoten hatten nur Großbritannien (11,4 Prozent), Ungarn (10,2 Prozent), Zypern (8,8 Prozent), Malta (8,5 Prozent) und die Tschechische Republik (5,9 Prozent). In allen EU-Mitgliedsstaaten zusammen lag die Arbeitslosenquote der Drittstaatsangehörigen bei 22 Prozent, während nur 12,4 Prozent der EU-BürgerInnen von Arbeitslosigkeit betroffen waren.

 

 

Drittstaatsangehörige

EU-BürgerInnen

ÖsterreicherInnen

Beschäftigungsquote

Österreich

57,4 %

72,4 %

73,6 %

EU (gesamt)

53,7 %

68,4 %

65,0 %

Arbeitslosenquote

Österreich

11,9 %

6,8 %

4,0 %

EU (gesamt)

22,0 %

12,4 %

10,2 %

Quelle: OECD, eigene Darstellung

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Der gesamte OECD-Bericht „Integration von Zuwanderern: Indikatoren 2015“ ist in der iBibliothek abrufbar

 

Pressesprecherin des OECD für Deutschland, Österreich und der Schweiz: Antonie Kerwien, Tel.: +49 (0)30 28 88 35 41, antonie.kerwien@oecd.org

 

MSNÖ-Artikel: Dequalifizierung von MigrantInnen am Arbeitsmarkt

 

MSNÖ-Artikel: OECD: Defizite bei Integration am Arbeitsmarkt

 

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