Österreich wächst durch Zuwanderung

Österreich wächst durch Zuwanderung

Jul 7, 2015

Factbox

  • Wanderungssaldo nimmt seit 2009, erreichte 2014 neuen Höhepunkt
  • Größte Netto-Zuwanderung in Wien, Oberösterreich und Niederösterreich
  • Großteil der ZuwanderInnen kommt aus einem EU-Mitgliedsstaat
  • Ohne Zuwanderung würde Österreichs Bevölkerungszahl schrumpfen
  • MigrantInnen werden als wichtige MitarbeiterInnen wahrgenommen
  • Ohne AusländerInnen gäbe es an Österreichs Privatunis 39 % weniger Studierende

 

Die Netto-Zuwanderung nach Österreich steigt seit 2009 kontinuierlich an. Im Jahr 2014 betrug diese mehr als 72.000, wie aktuelle Zahlen der Statistik Austria zeigen. Allein in Wien belief sich das Wanderungssaldo auf 25.669. Die meisten zugewanderten Personen kommen aus Rumänien. Die Medienservicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) warf einen Blick auf die aktuellen Zuwanderungszahlen sowie deren Auswirkungen auf das Bevölkerungswachstum, den Arbeitsmarkt und das Hochschulsystem.

 

Wanderungssaldo steigt seit 2009 kontinuierlich

Die Netto-Zuwanderung (Wanderungssaldo) in Österreich stieg laut Statistik Austria im Jahr 2014 auf 72.324 Personen. Dies ergibt sich aus insgesamt 170.115 Zuzügen und 97.791 Wegzügen. Damit hat das Wanderungssaldo im vergangenem Jahr erneut einen Höhepunkt erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Netto-Zuwanderung um 32 Prozent. Betrug das Saldo 1996 noch 3.880, stieg es bis zum Jahr 2004 auf 50.826 an. In den Jahren 2006 und 2011 bewegte sich das Wanderungssaldo wieder auf niedrigerem Niveau. Seit 2009 kommt es bei der Zuwanderung zu einer kontinuierlichen Steigerung, während bei den Wegzügen nur eine leichte Zunahme zu erkennen ist. Dies hat zur Folge, dass auch das Saldo stetig ansteigt.

 

Wanderungssaldo Österreich AuslandQuelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Großteil der ZuwanderInnen in Wien

Nach wie vor siedelt sich der Großteil der ZuwanderInnen in Wien an. Von den insgesamt 170.115 zugewanderten Personen kamen 66.374 nach Wien. Die Netto-Zuwanderung betrug durch die 40.705 Wegzüge immer noch 25.669. Die starke Zuwanderung nach Wien spiegelt sich auch in den Bevölkerungszahlen wider: Insgesamt lebten zu Beginn des Jahres 2015 460.163 ausländische Staatsangehörige in Wien. Dies entspricht einem Anteil von 25,6 Prozent der Wiener Gesamtbevölkerung, während der Anteil der ausländischen Staatsangehörigen österreichweit 13,3 Prozent beträgt.

 

Weit abgeschlagen – aber in Relation zu den weiteren Bundesländern immer noch beliebt – belegt Oberösterreich mit einer Netto-Zuwanderung von 12.314 den zweiten Platz und Niederösterreich mit 10.214 den dritten Platz. Gemessen an den EinwohnerInnenzahlen weisen Vorarlberg (15 Prozent) und Salzburg (14,5 Prozent) jedoch einen höheren Anteil von AusländerInnen auf. Schlusslicht bildet das Burgenland mit einem Wanderungssaldo von 1.818 und einem Anteil der ausländischen StaatsbürgerInnen von 7,3 Prozent.

 

Wanderungssaldo nach BundesländerQuelle: Statistik Austria

 

Größte Netto-Zuwanderung weist Rumänien auf

Mehr als die Hälfte aller nach Österreich zugewanderten Personen kommt aus einem der EU-Beitrittsländer. Die Spitze bei den Netto-Zuwanderungen führen dabei rumänische StaatsbürgerInnen an (12.710), gefolgt von Ungarn (7.798) und Deutschland (5.562). In der Gruppe der europäischen Drittstaaten weist Bosnien-Herzegowina den höchsten Wanderungssaldo auf (2.625), dicht gefolgt von Serbien (2.543).

 

Wanderungssaldo nach StaatsangehörigkeitQuelle: Statistik Austria

 

Österreich würde ohne Zuwanderung schrumpfen

Im Jahresdurchschnitt 2014 lebten laut Statistik Austria 1.714.600 Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich. Dies entspricht etwa 20 Prozent der Gesamtbevölkerung Österreichs. Würde es keine MigrantInnen gäben, hätte Österreich nur 6.700.500 EinwohnerInnen.

 

Da die Bevölkerungszahl hierzulande durch Zuwanderung immer weiter wächst, würde die Bevölkerungszahl langfristig schrumpfen, so die Prognosen der Statistik Austria. Derzeit ist die Bilanz aus Geburten und Sterbefällen in etwa ausgeglichen. Nach dem Älterwerden der Baby-Boom-Jahrgänge, wird die Zahl der Sterbefälle jene der Geburten übersteigen. Ohne Zuwanderung würde daher die Einwohnerzahl vorerst stagnieren, im langfristigen Trend jedoch schrumpfen. 2030 würde die Bevölkerungszahl noch bei etwa 8.400.000 liegen, 2060 bei 7.170.000.

 

 

Insgesamt

Variante ohne Wanderungen

2013

8,48

8,48

2015

8,59

8,51

2020

8,83

8,51

2025

9,03

8,47

2030

9,19

8,40

2035

9,32

8,28

2040

9,41

8,12

2045

9,48

7,93

2050

9,54

7,71

2055

9,58

7,45

2060

9,62

7,17

Absolute Zahlen in Millionen. Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Zuwanderung wirkt Arbeitskräftemangel in vielen Bereichen entgegen

Im vergangenen Jahr besaßen 522.200 Erwerbstätige eine ausländische Staatsangehörigkeit. Dies entsprach einem Anteil von 12,7 Prozent aller Erwerbstätigen in Österreich. Der Anteil ausländischer Erwerbstätiger steigt dabei zunehmend. So belief sich dieser Wert vor zehn Jahren noch auf 9,3 Prozent. Unterschieden nach dem Geburtsland wurden 17,7 Prozent aller Erwerbstätigen außerhalb Österreichs geboren.

 

 

Erwerbstätige (absolut)

Anteil an der Gesamt-Erwerbstätigenzahl

Ausländische Staatsangehörige

522.200

12,7 %

Im Ausland geboren

728.500

17,7 %

Mit Migrationshintergrund

808.200

19,6 %

Gesamt

4.112.800

100 %

Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Vor allem in den Branchen Herstellung von Waren, Beherbergung und Gastronomie sowie dem Handel würde sich eine fehlende Zuwanderung auswirken:

 

 

Anteil der ÖsterreicherInnen an der Gesamtbranche

Anteil der AusländerInnen an der Gesamtbranche

Herstellung von Waren

17 %

16 %

Beherbergung und Gastronomie

4 %

15 %

Handel

15 %

14 %

Quelle: Sozialministerium (AMS / HSV), eigene Darstellung

 

MigrantInnen sind für heimische Unternehmen wichtig

Zudem zeigt eine WKO-Studie aus dem Jahr 2012, dass Fachkräfte mit Migrationshintergrund für die heimischen Unternehmen unentbehrlich sind. In fast jedem dritten österreichischen Unternehmen sind Personen mit Migrationshintergrund beschäftigt. Drei Viertel der befragten Firmen nehmen MitarbeiterInnen mit Migrationshintergrund als wichtig wahr, insbesondere in den Bereichen Verkehr, Transport und Tourismus:

 

WKO Studie MigrationQuelle: market/ WKO 2012

 

Studium: Privatuniversitäten besonders betroffen

Gäbe es keine ausländischen Studierenden an den österreichischen Hochschulen, hätte es im Wintersemester 2014/15 etwa 26 Prozent weniger Studierende gegeben. Vor allem betroffen wären die heimischen Privatuniversitäten (Zahlen der Privatuniversitäten sind nur aus dem WS 2013/14 verfügbar). Dort hätten rund 39 Prozent weniger studiert (3.140), an den öffentlichen Universitäten 27 Prozent (83.621). Dies zeigen die Zahlen des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft. Nicht mit einberechnet ist dabei wie viel weniger Studierende es hierzulande gäbe, wenn Menschen mit Migrationshintergrund ebenfalls nicht mehr in Österreich studieren würden.

 

 

Ausländische Studierende

Anteil an der Gesamtstudierendenzahl

Öffentliche Universitäten

83.621

27,5 %

Fachhochschulen

7.335

16,1 %

Privatuniversitäten (2013/2014)

3.140

38,8 %

Quelle: BM.WFW, eigene Darstellung

 

 

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