Steiermark: Keine Partei wirbt um MigrantInnen

Steiermark: Keine Partei wirbt um MigrantInnen

Mai 27, 2015

 Factbox

  • 8,2 Prozent der Personen im wahlfähigen Alter sind nicht wahlberechtigt
  • Elf MigrantInnen sind auf Landeslisten vertreten
  • Alle Parteien außer der FPÖ haben Kontakt zu migrantischen Communities
  • 149.340 Personen ausländischer Herkunft leben in der Steiermark
  • 56 Prozent stammen aus einem EU-Land
  • Mit 14,5 Prozent kommen die meisten MigrantInnen aus Deutschland

 

Die SteirerInnen wählen am 31. Mai 2015 einen neuen Landtag mit insgesamt 48 Abgeordneten. Gibt es KandidatInnen mit Migrationshintergrund? Spielt das Thema Integration eine Rolle für die Parteien. Wie viele Menschen sind  wahlberechtigt? Die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) hat die Parteien gefragt und liefert wesentliche Daten und Zahlen zu MigrantInnen bzw. AusländerInnen in der Steiermark. 

 

Fast 86.000 Menschen nicht wahlberechtigt

In der Steiermark leben 149.340 Personen ausländischer Herkunft (Statistik Austria), 86.188 davon aus der Europäischen Union, dem Europäischen Wirtschaftsraum und der Schweiz sowie 63.125 aus Drittstaaten.

 

Wahlberechtigt sind alle österreichischen StaatsbürgerInnen, die spätestens am Tag der Wahl das 16. Lebensjahr vollendet haben, vom Wahlrecht nicht ausgeschlossen sind und in einer Gemeinde des Landes Steiermark ihren Hauptwohnsitz haben. EU-BürgerInnen mit Hauptwohnsitz in Österreich können an Gemeinderatswahlen teilnehmen, Drittstaatsangehörige sind in Österreich prinzipiell nicht wahlberechtigt.

 

Insgesamt sind 85.861 Personen mit Hauptwohnsitz in der Steiermark älter als 16 und nicht-österreichische StaatsbürgerInnen. Damit sind 8,2 Prozent der steirischen Bevölkerung im wahlfähigen Alter (1.048.103) für die Landtagswahlen nicht wahlberechtigt. EU-BürgerInnen können bei den Gemeinderatswahlen ihre Stimme abgeben. 

 

Geburtsland

Österreichische Staatsangehörige

(16 Jahre und älter)

Nicht-österreichische Staatsangehörige

(16 Jahre und älter)

Insgesamt (von über 186 Geburtsländern)

962.242

85.861

Österreich

920.028

4.016

Deutschland

6.964

11.208

Bosnien- Herzegowina

5.740

12.233

Slowenien

4.023

2.894

Rumänien

3.298

10.839

Türkei

2.603

4.849

Kroatien

2.401

4.632

Serbien

1.732

2.646

Kosovo

1.621

2.085

Tschechische Republik

1.296

565

Schweiz

1.108

559

Wahlberechtigte und nicht wahlberechtigte Bevölkerung mit österreichischem und nicht-österreichischem Geburtsland (Top-10 in der Steiermark); Quelle: Statistik Austria (vorläufige Ergebnisse zum Stichtag 1.1.2015), eigene Darstellung

 

Vier von acht Parteien haben MigrantInnen als KandidatInnen

Keine der acht Parteien spricht in diesem Wahlkampf gezielt MigrantInnen an, erfuhr die MSNÖ von den Parteien bei einem Rundruf. Insgesamt sind elf MigrantInnen auf den Wahllisten der Parteien verzeichnet. Diese treten entweder für die SPÖ, die Grünen, die KPÖ und die Neos an.

 

Bei der SPÖ nimmt Michaela Grubesa (kroatischer Migrationshintergrund) im Wahlkreis 4 Obersteiermark den fünften Platz ein, auf der Landesliste hat sie Platz 25 inne. Die aus Albanien stammende Reti Azemi ist auf der Landesliste auf Platz 71 gereiht, im Wahlkreis 1 Graz und Graz-Umgebung auf Platz 23. Selver Hodzic (bosnischer Migrationshintergrund) kandidiert auf der Landesliste auf Platz 66, im Wahlkreis 1 Graz und Graz-Umgebung auf Listenplatz 22. Mustafa Durmus (türkische Wurzeln) vertritt auf der Landesliste Platz 86, im Wahlkreis 1 Graz und Graz-Umgebung Platz 29.

 

Für die Grünen tritt die Grazer Gemeinderätin Bedrana Ribo an, die 1992 von Bosnien nach Österreich geflüchtet ist. Sie kandidiert auf Platz sieben der Landesliste, im Wahlkreis 1 Graz und Graz-Umgebung ist sie auf Platz 20 zu finden.

 

Die KPÖ stellt die meisten MigrantInnen. Auf Platz 24 der Landesliste, und auf Platz acht im Wahlkreis 1 Graz und Graz-Umgebung tritt Sener Edepali (türkischer Migrationshintergrund) an. Der aus Bulgarien stammende Lubomir Surnev ist auf Platz 77 gereiht, im Wahlkreis 1 Graz und Graz-Umgebung auf Platz 26. Nuran Yavuz (türkischer Migrationshintergrund) kandidiert auf der Landesliste auf Platz 47, im Wahlkreis 4 Obersteiermark auf Platz 15. Nadža Kulo (bosnischer Mirationshintergrund) tritt auf Platz neun an, im Wahlkreis 4 Obersteiermark auf Platz 17. Agron Collaku (kosovarische Wurzeln) ist auf Platz 56 gereiht, im Wahlkreis 4 Obersteiermark auf Platz 18.

 

Die Neos treten mit einem Kandidaten mit Migrationshintergrund an: Lukas Lerchner hat griechische Wurzeln. Er tritt für die Neos auf Listenplatz zwei der Landesliste an und ist in allen Wahlkreisen ebenfalls auf dem zweiten Platz gereiht.

 

Sieben Parteien – alle bis auf die FPÖ – geben gegenüber der MSNÖ an, in Kontakt mit migrantischen Vereinen zu stehen.

 

 

Parteibezeichnung

Werden MigrantInnen direkt angesprochen?

Wie viele MigrantInnen als KandidatInnen?

Kontakte zu migrantischen Communities?

SPÖ

Nein

4

Ja

ÖVP

Nein

0

Ja

FPÖ

Nein

0

Nein

Grüne

Nein

1

Ja

KPÖ

Nein

5

Ja

Neos

Nein

1

Ja

Team Stronach

Nein

0

Ja

Piratenpartei Steiermark

Nein

0

Ja

Quelle: MSNÖ

 

7. Platz bei Bevölkerung ausländischer Herkunft 

Vergleicht man die Bundesländer nach der Anzahl der Menschen mit ausländischer Herkunft liegt die Steiermark (149.340) an vierter Stelle. Nur in Wien (658.853), Oberösterreich (220.383) und Niederösterreich (206.209) leben mehr Menschen mit ausländischer Herkunft. Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung liegt die Steiermark mit 12,0 Prozent hingegen an siebenter Stelle. Einzig im Burgenland (11,5) und in Kärnten (10,9) haben noch weniger Prozent der Bevölkerung ausländische Herkunft.

 

 

Österreich

Bgld.

Ktn.

Szbg.

Stmk.

Tirol

Vbg.

Wien

Absolut

1.652.610

31.316

68.375

206.209

220.383

105.023

149.340

131.739

81.372

658.853

% von Bevölkerung im Bundesland

20,4

11,5

10,9

13,4

15,8

21,1

12,0

17,5

24,5

40,7

Bevölkerung ausländischer Herkunft nach Bundesländern (vorläufige Zahlen, Stichtag 1.  Jänner 2015) und im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung (Jahresdurchschnitt 2014), Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

56 % aus EU – Mehrheit aus Deutschland, Rumänien, Bosnien

84.071 der Personen mit ausländischer Herkunft, die in der Steiermark leben, stammen aus einem EU-Land (56 Prozent). 42.434 Personen bzw. 28 Prozent kommen aus einem europäischen Drittland und 10.900 bzw. sieben Prozent aus Asien.

 

Insgesamt

149.340

EU-Staaten vor 2004 (14)

29.485

EU-Beitrittsstaaten seit 2004 (13)

54.586

Sonstige EWR-Staaten, Schweiz

2.117

Europäische Drittländer (inkl. Türkei)

42.434

Afrika

5.556

Nordamerika

1.231

Lateinamerika

1.925

Asien (ohne Türkei, Zypern)

10.900

Australien und Ozeanien

308

Unbekannt

798

Bevölkerung ausländischer Herkunft  nach zusammengefassten Herkunftsländern, vorläufige Zahlen (Stichtag 1. Jänner 2015), Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung.

           

Betrachtet man die Herkunftsländer genauer zeigt sich, dass die meisten aus Deutschland stammen: 21.658 Personen – das sind rund 14,5 Prozent aller Menschen ausländischer Herkunft – kommen aus diesem Land. An zweiter Stelle der Top-Herkunftsländer liegt Rumänien mit 17.127 Personen, gefolgt von Bosnien-Herzegowina mit 16.263 Personen.

 

Herkunftsland

Anzahl absolut

Anzahl in Prozent

Insgesamt

149.340

100 %

Deutschland

21.658

14,5%

Rumänien

17.127

11,5%

Bosnien-Herzegowina

16.263

10,9%

Kroatien

13.880

9,3%

Türkei

9.507

6,4%

Slowenien

7.747

5,2%

Ungarn

7.363

4,9%

Serbien

4.814

3,2%

Kosovo

4.792

3,2%

Russische Föderation

3.855

2,6%

Top 10-Herkunftsländer der Menschen ausländischer Herkunft in der Steiermark (Stichtag: 1. Jänner 2015), Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung.

 

Einbürgerungen stark gesunken

Im Jahr 2014 wurden insgesamt 666 Personen eingebürgert. Die meisten Einbürgerungen in den vergangenen zehn Jahre gab es im Jahr 2005 (3.816). Die Einbürgerungen sanken danach kontinuierlich, erreichten 2011 ihren Tiefststand und sind in den vergangenen drei Jahren wieder etwas angestiegen.

 

StaatsbürgerInnen aus Bosnien-Herzegowina wurden im der Steiermark in den vergangenen fünf Jahren am häufigsten eingebürgert. 2014 waren es 126, gefolgt von Personen aus der Türkei (56) und dem Kosovo (51).

 

Einbürgerungen 2005-2014 in der Steiermark:

’05

’06

’07

’08

’09

’10

’11

’12

’13

’14

3.816

2.220

1.092

805

557

430

399

421

555

666

Einbürgerungsstatistik 2005-2014 in Personen; Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

15.162 Zuzüge                                                                                   

Im Jahr 2013 gab es 15.162 Zuzüge vom Ausland in die Steiermark. 9.997 Personen verließen die Steiermark ins Ausland, was einen Saldo von 5.165 ergibt. Die meisten Zuzüge gab es in Wien. In dieses Bundesland konnten im Jahr 2013 61.714 Zuzüge erfasst werden. In ganz Österreich wurden insgesamt 151.280 Zu- und 96.552 Wegzüge verzeichnet.

 

 

Steiermark

Österreich

Zuzüge

 

15.162

151.280

Wegzüge

 

9.997

 

96.552

Wanderungssaldo

 

5.165

54.728

Wanderungen mit dem Ausland und in das Ausland im Jahr 2013, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung.

 

 

Unterdurchschnittlicher AusländerInnen-Anteil bei Studierenden

Verglichen mit den bundesweiten Zahlen liegt die Steiermark im Wintersemester 2014 mit rund 16,8 Prozent an ausländischen Studierenden unter dem österreichischen Durchschnitt (26 Prozent). 

 

Studierende nach öffentlichen Universitäten und Fachhochschulen

Wintersemester 2014

Österreich

Steiermark

Gesamt

 349.820

57.111

Ausland

 90.956

9.586

EU

61.917

5.933

Drittstaaten

29.039

3.653

Quelle: BMWFW (Hochschulstatistik), eigene Darstellung

 

2.564 Studierende haben die deutsche Staatsbürgerschaft, damit kommen die meisten ausländischen Studierenden in der Steiermark aus Deutschland (26,7 Prozent). Auf den Plätzen zwei und drei folgen Bosnien-Herzegowina (1.164 Studierende) und Kroatien (779 Studierende).

 

Wintersemester 2014

Gesamt

Öffentliche Universitäten

Fachhochschulen

 Deutschland

2.564

2.390

174

 Bosnien- Herzegowina

1.164

1.141

23

 Kroatien

 779

744

35

 Italien

678

643

35

 Slowenien

488

467

21

Die Top 5 der in der Steiermark vertretenen Herkunftsländer ausländischer Studierender; Quelle: BMWFW (Hochschulstatistik), eigene Darstellung

 

Meisten ausländischen TouristInnen kommen aus Deutschland

Von insgesamt 4,4 Millionen Übernachtungen im vorigen Jahr entfielen 2,3 Millionen auf deutsche UrlauberInnen. An zweiter Stelle (österreichische TouristInnen nicht mitgezählt) landen TouristInnen aus Ungarn (420.875), an dritter jene aus Tschechien (239.182). Unter den Top Ten Nationen bleiben TouristInnen aus den Niederlanden und Dänemark am längsten (4,5 Nächte), gefolgt von Gästen aus Belgien (4,4 Nächte).

 

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Wahlinformation der Landesregierung Steiermark

 

Landesstatistik Steiermark, Leitung: Dipl.-Ing. Martin Mayer, Tel: +43(316) 877-2904

 

Steirische Statistiken, Steiermark Arbeitsmarkt 2014, Heft 2/2015, Abteilung 7 Landes- und Gemeindeentwicklung, Referat Statistik und Geoinformation

 

 

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