Studie: Hohe Toleranz in Österreich – außer bei Religion

Studie: Hohe Toleranz in Österreich – außer bei Religion

Apr 27, 2015

 Factbox

  • Hohe Toleranz gegenüber Menschen mit anderer ethnischer Herkunft und Hautfarbe
  • Aber stark intolerante Einstellungen gegenüber Religionen, v.a. Islam
  • ÖsterreicherInnen sehen sich selbst als sehr tolerant – bewerten anderen als intolerant
  • Toleranz gegenüber Homosexualität und Behinderung stark ausgeprägt 

 

Die österreichische Bevölkerung zeigt laut einer Studie ein recht hohes Maß an Toleranz gegenüber Menschen mit anderer ethnischer Herkunft und Hautfarbe. Ebenso wird in der Umfrage „Die Toleranzgrenze der Österreicherinnen und Österreicher – eine Bestandsaufnahme“ eine hohe Toleranz in den Bereichen Homosexualität, Geschlecht und Behinderung festgestellt. Einzig gegenüber Religionen, insbesondere dem Islam, kommen stark intolerante Einstellungen zutage.

 

„Österreich wird toleranter“, sagen Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitees Österreich, und Christina Matzka, Studienleiterin des  Meinungsforschungsinstitut meinungsraum.at. Einzig bei Religionen müsse das Engagement natürlich verstärkt werden, betonte Mernyi anlässlich der Präsentation der Studienergebnisse. Die österreichweite Umfrage ließ das Mauthausen Komitee Österreich anlässlich des Jubiläums der Befreiung vom nationalsozialistischen Regime erheben, das sich am 8. Mai 2015 zum 70. Mal jährt.* Meinungsraum.at hat dazu im April 2015 insgesamt 1.000 ÖsterreicherInnen befragt – gegliedert in die Bereiche Sexualität, ethnische Herkunft und Hautfarbe, Religion, Geschlecht und Behinderung.

 

Hohe Toleranz gegenüber anderen Ethnien 

Insgesamt zeichnet die Studie in den Bereichen Herkunft und Hautfarbe ein durchaus positives Bild: So hätten etwa 72 Prozent der Befragten kein Problem, wenn eine Frau aus der eigenen Familie einen Schwarzafrikaner heiraten würde. 82 Prozent würde es nicht stören, wenn der sie behandelnde Zahnarzt ein Schwarzafrikaner wäre. 79 Prozent haben kein Problem damit, wenn sie im Krankenhaus von einem Arzt türkischer Herkunft operiert würden.

 

Knapp drei Viertel der Befragten (73 Prozent) haben laut Studie nichts dagegen, von einer Araberin oder einem Araber einen Gebrauchtwagen zu kaufen. Etwas mehr als die Hälfte (58 Prozent) würde eine Verkäuferin mit einem Kopftuch nicht stören, 42 Prozent hätten allerdings ein Problem damit.

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Geringe Toleranz bei Religionen

Beim Thema Religion zeigt sich ein deutlich intoleranteres Österreich. Intolerante Einstellungen gibt es insbesondere gegenüber dem Islam. Zwei Drittel der ÖsterreicherInnen (65 Prozent) würden ein Problem damit haben, wenn jemand aus der Familie zum Islam übertreten will. Fast ebenso viele (64 Prozent) würde es stören, wenn in der Nachbarschaft eine Moschee gebaut werden würde.

 

Intoleranz zeigt sich nicht nur gegenüber dem Islam, sondern auch gegenüber anderen Religionen. So hätten 42 Prozent der befragten ÖsterreicherInnen ein Problem mit der Errichtung eines buddhistischen Zentrums in der Nachbarschaft.

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Homosexualität, Geschlecht und Behinderung fast keine Themen mehr

Eine hohe Toleranz zeigt sich laut Umfrag in den Bereichen Homosexualität, Geschlecht und Behinderung. So hätte nur jede/r fünfte/r ÖsterreicherIn (22 Prozent) ein Problem damit, wenn jemand aus der eigenen Familie sich zur Homosexualität bekennt. 77 Prozent hätten nichts dagegen, wenn eine Frau aus der eigenen Familie eine andere Frau heiratet. 71 Prozent hätten kein Problem damit, wenn ein Mann aus dem eigenen Familienkreis einen anderen Mann heiratet. Eine klare Mehrheit (59 Prozent) hat auch nichts gegen die Adoption von Kindern durch Homosexuelle.

 

94 Prozent stört es nicht, wenn ihre Kollegin oder ihr Kollege in der Schule oder in der Arbeit im Rollstuhl sitzen würde. 90 Prozent sowohl der Frauen als auch der Männer in Österreich haben kein Problem damit, eine Frau als Chefin zu haben.

 

Selbstbild vs. Fremdbild, Frauen toleranter

Eine große Kluft besteht zwischen Selbstbild und Fremdbild: Auf der einen Seite schätzen sich die ÖsterreicherInnen selbst als sehr tolerant ein (72 Prozent), bewerten die Mehrheit ihrer Landsleute aber als intolerant (60 Prozent).

 

Frauen sind laut der Studie bei allen abgefragten Themen signifikant toleranter als Männer. Besonders junge Menschen (14 bis 29 Jahre) zeichnen sich in vielen Feldern durch hohe Toleranz aus. Die Generation 60 plus hat einzig mit dem Thema Homosexualität größere Probleme, in anderen Bereichen sind sie laut Studie nicht intoleranter als der Durchschnitt.

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

*Zu diesem Anlass wird zum dritten Mal das „Fest der Freude“ veranstaltet. Nähere Informationen zu diesem Fest finden Sie hier: http://www.festderfreude.at

 

Die Pressebetreuung des Mauthausen Komitees Österreich erfolgt durch The Skills Group: Christiane Fuchs-Robetin, Tel.: 01-505 26 25-66, E-Mail: fuchs-robetin@skills.at

 

Die Studie „Die Toleranzgrenze der Österreicherinnen und Österreicher – eine Bestandsaufnahme“ wurde geleitet durch Christina Matzka, Tel:+43 (0)1 512 8900 15; christina.matzka@meinungsraum.at, www.meinungsraum.at

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