Armenische Community in Österreich

Armenische Community in Österreich

Apr 22, 2015

Factbox

  • Rund 3.000 armenische StaatsbürgerInnen leben in Österreich
  • Großteil der armenischen Community in Wien angesiedelt
  • Einbürgerungen und Wanderungssaldo steigen
  • Zahl der armenischen Studierenden in Österreich nimmt zu
  • Sehr aktive Community mit mehreren Vereinen und Organisationen

 

Am 24. April jährt sich zum 100. Mal der Beginn der Massaker an den AmenierInnen im Osmanischen Reich. Nach Schätzungen wurden bis zu 1,5 Millionen ArmenierInnen getötet. Während der Gedenktag in Armenien ein Nationalfeiertag ist, löst er in vielen anderen Staaten Diskussionen um die Anerkennung als Völkermord aus.

 

Weltweit haben bisher über 20 Staaten die Massaker an ArmenierInnen als Völkermord anerkannt. Österreich tat dies am 21. April 2015: In einer gemeinsamen Erklärung aller sechs Parlamentsparteien werden die vor 100 Jahren begangenen Verbrechen an ArmenierInnen als Genozid verurteilt.

 

Offiziell leben über 3.000 Personen mit armenischer Staatsangehörigkeit in Österreich. Die Zahl der Menschen mit armenischem Migrationshintergrund wird auf über 7.000 geschätzt. Während die Einbürgerungen und das Wanderungssaldo von ArmenierInnen in den vergangenen Jahren stetig gewachsen sind, nahmen die Asylanträge ab.

 

Über 7.000 Personen mit armenischen Wurzeln

Laut Statistik Austria lebten zu Beginn des Jahres 2014 (Stichtag 01. Jänner 2014) 3.076 Menschen mit armenischer Staatsangehörigkeit in Österreich. Der Großteil davon lebt in Wien (852), gefolgt von Niederösterreich (558) und der Steiermark (472). Die wenigsten ArmenierInnen leben im Burgenland (79). Unterschieden nach dem Geburtsland leben hierzulande 2.826 Personen, die in Armenien geboren wurden.

 

 

Österreich

Bgld

Ktn

Slbg

Stmk

Tirol

Vlbg

Wien

Armenische Staatsangehörige

3.076

79

157

558

415

166

472

286

135

808

Geburtsland Armenien

2.826

62

130

516

348

139

378

268

133

852

 Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Die Zahl der Menschen mit armenischem Migrationshintergrund in Österreich ist weit höher. Zuletzt ging die Armenisch-Apostolische Kirchengemeinde im Jahr 2012 von 7.000 armenischen MigrantInnen aus. Aktuellere Zahlen können derzeit nicht genannt werden, betonte die Armenisch-Apostolische Kirchengemeinde gegenüber der MSNÖ. Der Grund dafür sei der starke Zuwachs von Flüchtlingen in den vergangenen Jahren, der noch nicht analysiert worden sei.

 

Einbürgerungen und Wanderungssaldo nahmen zu

Im Jahr 2014 wurden 52 ArmenierInnen eingebürgert. Während sich das Niveau der Einbürgerungen in den Jahren 2004 bis 2010 zwischen zehn und 21 Einbürgerungen bewegte, kam es ab 2011 zu einem leichten Anstieg. 2013 gab es mit 82 einen deutlichen Zuwachs von 66 Prozent im Vergleich zum Jahr zuvor. Obwohl die Zahl der Einbürgerungen 2014 wieder sank, liegt sie noch über den Durchschnitt der Jahre 2004 bis 2012.

Einbuergerungen Armenien

Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Das Wanderungssaldo ist in den Jahren 2007 bis 2010 gegenüber den vorhergehenden Jahren deutlich gesunken. 2010 (-69) und 2011 (-40) war das Wanderungssaldo sogar negativ. Im Jahr 2012 stieg es wieder auf +170. 2013 wanderten 284 Personen aus Armenien nach Österreich zu, während gleichzeitig 130 Personen aus Österreich nach Armenien abwanderten. Damit belief sich das Wanderungssaldo 2013 auf 154. 

Wanderungssaldo Armenien

 Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Asylanträge gesunken

Armenien zählte nach Angaben des Innenministeriums von 2002 (2.038 Anträge) bis 2009 (440 Anträge) fast durchgehend zu den zehn antragsstärksten Nationen in Österreich. Ausnahmejahre waren 2004 und 2005. Seit dem Jahr 2010 nimmt die Zahl der Asylanträge stetig ab und Armenien ist seitdem nicht mehr unter den zehn antragsstärksten Nationen. 2013 wurden 300 Asylanträge von ArmenierInnen gestellt.

 

 

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

Anträge

414

516

350

405

360

440

278

224

346

300

positiv

29

26

100

135

105

44

22

30

19

12

negativ

70

43

125

196

353

617

741

636

245

296

sonstige

154

44

91

52

61

35

50

26

13

17

Quelle: Bundesministerium für Inneres; Anmerkung: „sonstige“ Erledigungen fassen die Kategorien „Einstellung“, „Gegenstandslos“, „Zurückweisung“ und „Zurückziehung“ zusammen.

 

Mehrheit der Studierenden Frauen

Die Zahl der Studierenden an den öffentlichen Universitäten steigt. Während es im Jahr 2000 nur 22 Studierende mit armenischer Staatsangehörigkeit an öffentlichen Universitäten gab, studierten im Wintersemester 2014/15 fast fünf Mal so viele ArmenierInnen (97) in Österreich. Ein deutlicher Unterschied zeigt sich dabei zwischen den Geschlechtern: So ist die Zahl der weiblichen Studierenden deutlich höher als die der männlichen. 2014 waren 67 Prozent der armenischen Studierenden Frauen, 33 Prozent Männer.

Armenische Studierende

Studierende mit armenischer Staatsangehörigkeit an öffentlichen Universitäten im WS 2014/15, Quelle: Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft

 

An Privatuniversitäten und Fachhochschulen ist die Anzahl der armenischen Studierenden weiterhin sehr gering mit nur kleinen Schwankungen. An Privatuniversitäten studiereten 2014 gar keine, an den Fachhochschulen fünf ArmenierInnen. In den vergangenen zehn Jahren bewegte sich diese Zahl zwischen null und acht Studierenden mit armenischer Staatsangehörigkeit.

 

Armenisch-Apostolische Kirche seit 1972 anerkannt

Die Mehrheit der ArmenierInnen gehört der Armenisch-Apostolischen Kirche an. Gemeinsam mit der Äthiopischen, der Syrischen sowie der Koptischen Kirche gehört sie zu den altorientalischen Kirchengemeinden. In Österreich wurde die Armenisch-Apostolische Kirche als staatliche Religionsgemeinschaft im Jahr 1972 anerkannt. Heute ist die Armenisch-Apostolische Kirche in mehr als 70 Staaten vertreten. Die größten Diözesen befinden sich in den USA und in Russland, gefolgt von Frankreich und Georgien. Armenien war das erste Land, in dem das Christentum (im Jahr 301) als Staatsreligion anerkannt wurde.

 

Erste ArmenierInnen hierzulande vor allem Kaufleute

Die ersten ArmenierInnen kamen im 16. Jahrhundert hauptsächlich als Kaufleute im Dienst der Habsburger nach Österreich. Während des Zweiten Weltkrieges verringerte sich die Zahl der ArmenierInnen in Wien. Nach dem Krieg stieg die Anzahl langsam wieder an.

 

Ein wichtiger Grund für die Einwanderung der ArmenierInnen nach Wien machen der Österreichisch-Armenischen Kulturgesellschaft zufolge die 1811 nach Wien geflohenen Mechitaristen Patres (armenisch-katholische Mönche) aus. Laut einem historischen Reisedokument lebten im Jahr 1876 etwa 80  bis 85 armenische Familien in Wien und Umgebung. Davon sollen 20 bis 25 Familien aus Ungarn, 15 aus Polen, 30 aus Moldawien und der Türkei, 15 aus Russland gekommen sein.

 

Österreichisch-Armenische Vereine

Die „Apostolische, Orthodoxe, Heilige Kirche der Armenier“ (auch „Armenisch-Apostolische Kirchengemeinde“ oder „Armenisch-Orthodoxe Kirche“ genannt) befindet sich im 3. Wiener Gemeindebezirk. Dabei ist die Hovhannes Schiraz Samstags-Schule, die den in Wien lebenden Kindern armenischer Herkunft u.a. Sprachunterricht in den zwei Sprachen Ost- und West-Armenisch anbietet, nur eine der vielen österreichisch-armenischen Vereine. Folgende Vereine gehören noch zur Armenisch-Apostolischen Kirchengemeinde:

  • Elternverein der Hovhannes Shiraz Schule (Samstagsschule)

  • Damenkomitee

  • Österreichisch-Armenische Kulturgesellschaft

  • Allgemeiner Armenischer Wohltätigkeitsverein

  • Österreichisch-Armenische Studiengesellschaft

  • Armenischer Sportverein Ararat

  • Armenische Studenten-Vereinigung

  • Armenischer Allgemeiner Sport-Pfadfinderverein

  • Nor Serunt/ Neue Generation

  • Armenien Fond Österreich-Komitee

  • Verein zur Unterstützung des österreichischen Kinderspitals in Gjumry/Armenien

Eine weitere bedeutende armenische Gemeinschaft macht die Wiener Mechitaristen-Kongregation aus, deren Kloster im 7. Wiener Gemeindebezirk steht. Der Österreichisch-Armenischen Kulturgemeinschaft zufolge ist diese Kongregation eine der bedeutendsten Säulen des armenischen Volkes. Die Mechitaristen in Wien leiten u.a. die umfangreichste Bibliothek an armenischer Literatur und führen ein Museum. 

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Armenisch-Apostolische Kirchengemeinde Österreich, Tel.: +43 (1) 718 09 65 , E-Mail: office@aakg.at

 

Österreichisch-Armenische Kulturgesellschaft, Tel.: +43 (1) 505 41 47, E-Mail: oeak@chello.at

 

Armenische Botschaft in Österreich, Tel.: +43 (1) 522 74 79, E-Mail: armaustriaembassy@mfa.am

 

Armenischer Sportverein ARARAT, E-Mail: office@ararat.at

 

Bundesministerium für Inneres, Asylstatistiken

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