Rund 855.000 Migrantinnen in Österreich

Rund 855.000 Migrantinnen in Österreich

Mrz 5, 2015

Factbox

  • 854.800 Frauen mit Migrationshintergrund leben in Österreich
  • Die meisten der Im Ausland geborenen Frauen stammen aus Deutschland
  • Mütter ausländischer Herkunft bringen mehr Kinder zur Welt 
  • Sie sind bei der Geburt des ersten Kindes jünger als Österreicherinnen
  • 58 Prozent der Migrantinnen sind erwerbstätig
  • 42.658 Ausländerinnen studieren an einer österreichischen Uni

 

Rund 854.800 Migrantinnen leben in Österreich, das sind 20 Prozent der weiblichen Gesamtbevölkerung. 737.798 Frauen hierzulande haben einen ausländischen Geburtsort und 529.287  eine ausländische Staatsbürgerschaft. Anlässlich des Tages der Frau am 8. März liefert die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) Zahlen und Fakten über Migrantinnen und Ausländerinnen in Österreich.

 

Rund 737.800 Frauen im Ausland geboren

Zu Jahresbeginn 2014 lebten in Österreich 1.414.624 Personen, die im Ausland geboren wurden. 737.798 von ihnen, also rund 52 Prozent, sind Frauen. Von der weiblichen Gesamtbevölkerung (ca. 4,3 Mio.) haben also rund 17 Prozent einen ausländischen Geburtsort, wie aus der Informationsbroschüre „migration & integration – Schwerpunkt: Frauen“ des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) hervorgeht.

 

Knapp 49 Prozent der im Ausland geborenen Frauen stammen aus EU-/EWRStaaten oder der Schweiz, rund 51 Prozent aus Drittländern. Die wichtigsten Herkunftsländer sind Deutschland, Bosnien-Herzegowina, Türkei, Serbien und Rumänien. Prozentual gesehen ist der Frauenanteil in der thailändischen Community mit rund 85 Prozent besonders hoch (siehe hierzu den MSNÖ-Artikel: „Thailändische Community – 85 Prozent Frauen„).

 

1

Deutschland

113.234

2

Bosnien und Herzegowina

77.509

3

Türkei

75.471

4

Serbien

69.649

5

Rumänien

44.117

Top 5-Herkunftsländer von Frauen ausländischem Geburtsort, Quelle: Statistik Austria (Stichtag: 1.1.2014), eigene Darstellung.

 

529.287 Frauen in Österreich, also 12,2 Prozent der weiblichen Gesamtbevölkerung, besitzen eine ausländische Staatsbürgerschaft. Rund 854.800 aller hier lebenden Frauen sind Migrantinnen (hier: Frauen, deren beide Elternteile im Ausland geboren wurden). 635.900 bzw. 74 Prozent der Frauen mit Migrationshintergrund gehören der Ersten Generation (sie sind im Ausland geboren und zugewandert) und 219.000 bzw. 26 Prozent der Zweiten Generation (Nachkommen von Eltern mit ausländischem Geburtsort) an.

 

Gesundheit: Weniger Vorsorgeuntersuchungen

Migrantinnen nutzen die Vorteile des Gesundheitssystem weniger als Frauen ohne Migrationshintergrund: 70 Prozent der Österreicherinnen im Alter von 40 und mehr Jahren haben sich in den letzten drei Jahren eine Mammographie unterzogen – unter den Migrantinnen waren es nur 52 Prozent. Während 56 Prozent der 15- und 60-jährigen Österreicherinnen einen Krebsabstrich  durchführen ließen, waren es bei den gleichaltrigen Frauen aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien nur 30 Prozent.

 

Unabhängig vom Migrationshintergrund stellen Rückenprobleme bei Frauen eine gesundheitliche Belastung dar: Jeweils beinahe ein Viertel der Frauen im erwerbstätigen Alter waren 2013 von Rückenproblemen betroffen. Hingegen wurden von Frauen mit Migrationshintergrund häufiger Probleme mit den Beinen (15,4% vs. 10,5%) oder  den Armen (12,5% vs. 8,9%) angegeben. Auch Herz-Kreislaufprobleme (13,4% vs. 9,6%) und Kopfschmerzen (12,6% vs. 7,8%) wurden von Migrantinnen häufiger angegeben als von Frauen ohne Migrationshintergrund.

 

Familie: Migrantinnen werden früher Mütter

Die Geburtenrate ist bei ausländischen Frauen höher als bei Österreicherinnen: Bei der ausländischen Bevölkerung liegt die Geburtenrate bei 13,4 Prozent, bei der österreichischen bei 8,8 Prozent. Ausländerinnen bekommen mehr Kinder als Österreicherinnen. Im Inland Geborene brachten 2013 im Schnitt 1,34 Kinder zur Welt, im Ausland Geborene 1,81 Kinder. Bei Frauen aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien ist die durchschnittliche Kinderzahl mit 2,18 bzw. 2,02 Kindern besonders hoch. 

 

Migrantinnen sind bei der Geburt ihres ersten Kindes durchschnittlich fast zwei Jahre jünger als Österreicherinnen. Letztere bekommen ihr erstes Kind im Schnitt mit 29,1 Jahren. Frauen aus der Türkei werden am frühesten Mutter, nämlich mit durchschnittlich 25 Jahren. Österreichische Mütter sind öfter unverheiratet als Mütter aus dem Ausland. Etwa die Hälfte aller Kinder von in Österreich geborenen Müttern kam 2013 unehelich zur Welt. Der Anteil an unehelichen Kindern bei ausländischen Frauen lag bei 21 Prozent. 

 

Beruf: seltener erwerbstätig

Ausländische Mütter sind seltener berufstätig als österreichische Mütter. Rund zwei Drittel der Österreicherinnen mit Kindern in Betreuungseinrichtungen sind berufstätig, bei im Ausland geborenen Müttern sind es knapp über die Hälfte. Mit 42 Prozent ist der Anteil der berufstätigen Mütter bei Türkinnen besonders niedrig.

 

Insgesamt lag die Erwerbstätigkeit von Migrantinnen 2013 bei 58 Prozent (hier werden nicht nur Mütter, sondern alle Frauen dazugezählt). Es zeigen sich deutliche Unterschiede bezüglich der Herkunftsländer: Die Erwerbsbeteiligung von Frauen aus EU-/EWRStaaten und der Schweiz lag bei 67 Prozent, bei Frauen aus dem ehemaligen Jugoslawien bei 60 und bei Türkinnen bei 40 Prozent. Hingegen nahmen 70 Prozent der Frauen ohne Migrationshintergrund am Erwerbsleben teil. 

 

Unbenannt

Erwerbstätigenquote 2013 nach Geschlecht und Migrationshintergrund, Quelle: Statistik Austria.

 

Migrantinnen sind besonders häufig in der Unternehmensdienstleistung, der Beherbergung und Gastronomie sowie als Haushaltspersonal tätig. Auch in den Branchen Kunst und Unterhaltung und der Sachgütererzeugung sind viele Migrantinnen anzutreffen (27 bzw. 23 Prozent). Migrantinnen sind häufig überqualifiziert: 32 Prozent der erwerbstätigen Frauen mit Migrationshintergrund geben an, überqualifiziert zu sein. Auch das Einkommen von Migrantinnen liegt deutlich unter dem Durchschnitt (siehe hierzu MSNÖ-Artikel: „Frauen aufgrund ihrer Herkunft mehrfach belastet„). 

  

Bildung: Niveau steigt

Hier lebende Frauen mit ausländischer Staatsbürgerschaft sind sowohl in den höchsten als auch den niedrigsten Bildungsschichten überproportional vertreten. Österreichische Frauen verfügen hingegen häufig ausschließlich über einen Abschluss auf der mittleren Bildungsebene. Ein Vergleich mit Zahlen von 1971 zeigt, dass das Bildungsniveau sowohl bei Österreicherinnen als auch bei ausländischen Staatsbürgerinnen gestiegen ist: Verfügten 1971 noch 70 Prozent der Österreicherinnen und 73 Prozent der Ausländerinnen nur über einen Pflichtschulabschluss, hatten 2012 nur noch knapp 18 Prozent der österreichischen und 31 Prozent der ausländischen Frauen ausschließlich einen Pflichtschulabschluss.

 

Der Anstieg des Bildungsniveaus zeigt sich auch im universitären Bereich: Unter Österreicherinnen stieg der Anteil an Frauen mit Universitätsabschluss von 1,3 Prozent (1971) auf rund 15 Prozent (2012) an, bei ausländischen Frauen von 3,4 auf rund 22 Prozent. Im Wintersemester 2013 studierten 80.235 Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft an Österreichs Universitäten. 42.658 von ihnen, also 53,2 Prozent, waren Frauen.

 

Die meisten ausländischen Studentinnen kommen aus Deutschland (14.941) und Italien (4.259), wobei etwa 78 Prozent der italienischen Studentinnen aus Südtirol stammen. 1.623 Studentinnen, die im Wintersemester 2013 an Österreichs Universitäten studierten, stammten aus der Türkei. Die beliebtesten Studienrichtungen von Frauen mit ausländischer Staatsbürgerschaft sind Geisteswissenschaften mit 1.845 Abschlüssen und Naturwissenschaften mit 1.048 Abschlüssen.

 

 

Weiterführende Informationen und Kontakte: 

 

MSNÖ-Artikel: „800.000 Migrantinnen leben in Österreich

 

MSNÖ-Artikel: „Frauen aufgrund ihrer Herkunft mehrfach belastet

 

ÖIF Factsheet: „Migrantinnen in Österreich

 

ÖIF: „Migration und Integration – Schwerpunkt Frauen

 

Statistik Austria: „Migration und Integration 2014“ 

 

 

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