Arbeitsmigration in der EU – Österreich profitiert

Arbeitsmigration in der EU – Österreich profitiert

Feb 10, 2015

Factbox

  • Mobilitätsquote in der EU immer noch unter Niveau von vor der Krise 2008
  • Migration wichtig, um Qualifikationsengpässe und Arbeitskräftemangel zu decken
  • Mobilität wirkt sich positiv auf Wirtschaftswachstum aus
  • Insbesondere profitierten Österreich, Deutschland und Schweden
  • Arbeitsmarktsituation von EU-MigrantInnen hat sich verschlechtert

 

Die Arbeitsmigration in der EU hat sich seit der Wirtschaftskrise 2008 verändert. Der Anteil an ArbeitsmigrantInnen aus Drittstaaten geht zurück, der Anteil an EU-MigrantInnen steigt. In den vergangenen Jahren hat sich die Arbeitsmarktsituation für EU-MigrantInnen verschlechtert. Für Österreich bleibt die Mobilität ein wichtiger volkswirtschaftlicher Faktor. Innerhalb der EU sind Ost-West- und Süd-Nord-Wanderungen von Arbeitssuchenden vorherrschend. Die Studie „Labour mobility in the EU: Recent trends and policies“ des Eurofound (2014) fasst die EU-weiten Mobilitäts-Trends der vergangenen Jahre zusammen.

 

Arbeitsmigration aus Drittstaaten sinkt, EU-interne Mobilität steigt

Die Wirtschaftskrise von 2008 bis 2010 hat die Mobilitätsquote innerhalb der EU deutlich gebremst. Seit 2011 wird Europa aber langsam wieder in Gang gesetzt. Dennoch befindet sich die Mobilitätsquote nicht auf demselben Niveau wie vor der Krise.

 

EU-interne Wanderungen sorgen laut der Studie für die stärkste Bewegung von ArbeitsmigrantInnen. In den vergangenen Jahren sind die Zahlen der ArbeitsmigrantInnen aus Drittstaaten gesunken, während die der WanderarbeitnehmerInnen aus der EU stiegen. Von  2008 bis 2012 ist die Zahl der ArbeitsmigrantInnen aus der EU um mehr als 800.000 auf rund 6,6 Millionen gestiegen.

 

Hürden: Sprachbarrieren und Nicht-Anerkennung von Qualifikationen

Im internationalen Vergleich – insbesondere mit den Vereinigten Staaten – ist die Mobilität innerhalb der EU gering. Grund dafür sind laut der EU-Studie in erster Linie sprachliche und kulturelle Barrieren. Doch auch andere Faktoren können ausschlaggebend sein – wie etwa die (Nicht-)Anerkennung von im Ausland erworbene Qualifikationen. Dabei ist einer der Vorteile von Arbeitsmigration, dass Qualifikationsengpässe im Land besser überbrückt werden können. Ein weiterer Vorteil der Mobilität in der EU ist, dass dem Arbeitskräftemangel in einigen Staaten entgegengewirkt wird.

 

Interregionale Mobilität sehr wichtig für Österreich

Länder mit einem höheren Bruttoinlandsprodukt pro Kopf weisen eine höhere interregionale Mobilität auf – das heißt, eine vermehrte Mobilität innerhalb der eigenen Grenzen. Die Quoten für die interregionale Mobilität sind in osteuropäischen EU-Staaten niedriger. In Österreich, Deutschland, den nordischen Ländern sowie im Vereinigten Königreich sind die Menschen innerhalb der jeweiligen Grenzen sehr mobil.

 

Nach der Krise ist die interregionale Mobilität besonders in Österreich, Deutschland und Schweden deutlich gestiegen. Diese drei Mitgliedstaaten haben sich auf der Arbeitsmarkt- sowie auf der volkswirtschaftlichen Ebene nach der Krise am schnellsten erholt. Laut Eurofound-Studie zeigt das nur noch mehr den positiven Zusammenhang zwischen Mobilität und Wachstum. Von der interregionalen Mobilität haben die Hauptstädte und Metropolen am meisten profitiert.

 

Vergleichsweise viele Drittstaatsangehörige in Österreich

In den meisten EU-Mitgliedsstaaten gibt es mehr ArbeitsmigrantInnen aus Drittstaaten als aus anderen EU-Ländern. Lediglich Luxemburg sticht mit einer klaren Mehrheit an EU15*-ArbeitsmigrantInnen heraus. Außerdem weisen Belgien, Zypern und Irland einen ebenso überdurchschnittlich hohen Anteil an EU-ArbeitsmigratInnen auf (jeweils mehr als 40 Prozent aller ArbeitsmigrantInnen).

 

In Österreich überwiegen Drittstaatsangehörige noch anteilmäßig. EU-weit wird der Abstand zwischen ArbeitsmigrantInnen aus der EU und aus Drittenstaaten immer geringer. Österreich gehört neben Deutschland und Großbritannien zu den Staaten, die zwischen 2008 und 2012 einen steigenden Trend hinsichtlich EU-ArbeitsmigrantInnen aufweisen.

 

Anteil an EU15, EU12 und nicht-EU MigrantInnen an der Gesamtbeschäftigung in EU-Mitgliedsstaaten (2011):

AM_1

Quelle: EU-LFS, 2011; Anmerkungen: Daten zu Deutschland und Luxemburg fehlen. In Luxemburg ist der Anteil an EU15-ArbeitsmigrantInnen jedoch höher (rund 41 Prozent) als jener aus den EU12-Staaten (2,4 Prozent) und Drittstaaten (7,8 Prozent). In den baltischen Staaten handelt es sich beim Großteil der offiziellen ArbeitsmigrantInnen um ethnische RussInnen.

 

Ost-West-Mobilität ausgeprägter als Süd-Nord-Mobilität

Was die Mobilität in der gesamten EU angeht, so ist ein Trend klar erkennbar: Es wird mehr von Ost nach West gewandert als umgekehrt oder vom Süden in den Norden. Deutschland und das Vereinigte Königreich sind die wichtigsten Zielländer für ArbeitsmigrantInnen aus angeschlagenen Volkswirtschaften in Südeuropa und Irland. Aus Griechenland und Spanien kamen zwischen 2007 und 2011 beispielsweise mehr als doppelt so viele MigrantInnen. Dennoch sind diese Zahlen verglichen zu den Wanderungszahlen osteuropäischer ArbeitsmigrantInnen im Westen Europas gering.

 

Schlechtere Arbeitsmarktsituation für EU-Angehörige

Für WanderarbeitsnehmerInnen aus der EU hat sich gegenüber einheimischen Arbeitenden die Arbeitsmarktsituation in Zeiten der Krise verschlechtert. Zwischen 2008 und 2012 ist die Arbeitslosenquote von EU-ArbeitsmigrantInnen um rund 5,5 Prozent gestiegen, während jene der Nicht-MigrantInnen um 3,3 Prozent hinaufging. Parallel dazu ist die Beschäftigungsquote von WanderarbeitnehmerInnen aus EU-Ländern stark zurückgegangen. Trotzdem haben EU-MigrantInnen 2012 eine höhere Beschäftigungsquote (66 Prozent) aufgewiesen als die einheimische Bevölkerung (64,5 Prozent).

 

In Österreich ist von 2008 auf 2012 die Arbeitslosenquote der EU-MigrantInnen um 0,7 Prozent, jene der Nicht-MigrantInnen um 0,4 Prozent gestiegen. Der Trend hierzulande ist dem EU-weiten ähnlich – wenn auch in einem deutlich geringeren Ausmaß. Bei der Erwerbstätigenrate liegt jene der nicht-migrantischen Bevölkerung (73,8 Prozent) über der Quote der EU-ArbeitnehmerInnen (72 Prozent).

 

Erwerbstätigkeits- und Arbeitslosenraten während der Krise – Vergleich zwischen im Inland und im Ausland bzw. in der EU Geborenen (Angaben in Prozent):

 

Unemployment rate 2008

Unemployment rate 2012

Employment rate 2008

Employment rate 2012

EU27

migrants

Native-born workers

EU27

migrants

Native-born workers

EU27

migrants

Native-born workers

EU27

migrants

Native-born workers

EU

7.9

6.6

13.4

9.9

68.8

66.0

66.0

64.5

Austria

5.5

3.2

6.2

3.6

69.0

73.6

72.0

73.8

Belgium

8.1

5.9

9.8

5.9

60.8

63.8

61.5

63.8

Bulgaria

n.a.

5.7

n.a.

12.4

n.a.

64.0

n.a.

58.8

Croatia

7.7

8.5

17.2

15.9

59.3

58.1

48.2

51.1

Cyprus

5.8

3.4

14.8

11.4

71.7

70.4

68.0

63.2

Czech Republic

8.0

4.4

10.9

7.0

63.7

66.6

63.0

66.5

Denmark

4.4

3.1

11.3

6.8

78.7

79.0

72.0

74.2

Estonia

n.a.

5.6

n.a.

10.0

76.4

69.1

58.9

67.2

Finland

9.4

6.2

8.5

7.5

75.8

71.3

75.7

69.6

France

6.2

6.8

9.0

9.1

64.3

65.5

65.7

64.9

Germany

n.a.

6.7

n.a.

5.0

n.a.

71.7

n.a.

73.9

Greece

8.5

7.8

25.6

23.4

62.9

61.3

53.8

51.4

Hungary

6.9

7.9

10.4

11.0

64.6

56.5

66.5

57.0

Ireland

7.4

5.8

17.6

14.4

72.4

66.9

61.2

58.9

Italy

8.3

6.6

13.2

10.4

64.4

58.1

62.0

56.3

Latvia

n.a.

7.6

n.a.

14.8

62.3

68.2

53.1

63.3

Lithuania

n.a.

5.9

n.a.

13.4

n.a.

64.1

n.a.

62.1

Luxembourg

4.5

3.7

5.3

3.8

72.1

59.4

73.6

60.7

Malta

n.a.

6.1

n.a.

6.3

54.5

55.0

55.9

58.9

Netherlands

4.1

2.3

6.6

4.6

74.8

78.7

73.9

76.9

Poland

n.a.

7.2

n.a.

10.2

40.3

59.3

63.1

59.7

Portugal

8.8

7.9

14.8

16.1

73.8

67.7

72.0

61.3

Romania

n.a.

6.1

n.a.

7.3

n.a.

59.0

n.a.

59.5

Slovakia

n.a.

9.6

n.a.

14.0

70.3

62.2

64.2

59.7

Slovenia

n.a.

4.4

8.8

8.8

70.2

68.6

74.7

64.1

Spain

15.3

10.2

29.9

23.0

66.7

64.0

55.3

56.2

Sweden

6.2

5.3

7.8

6.5

72.5

76.3

74.1

76.2

United Kingdom

4.7

5.5

7.7

7.8

76.9

72.1

74.8

70.8

Quelle: Eurostat; Anmerkung: Zahlen betreffen die erwerbsfähige Bevölkerung im Alter von 15 bis 64 Jahren

 

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

* Als EU15 Staaten werden jene Mitgliedsstaaten verstanden, die vor der EU-Osterweiterung (EU12) Teil der EU waren.

 

Die Studie „Labour mobility in the EU: Recent trends and policies“ in der iBib abrufbar

 

Website des Eurofound

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   

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