Migration & Integration 2014 – Rückblick

Migration & Integration 2014 – Rückblick

Dez 29, 2014

Factbox

  • Asyl: Diskussionen um Unterbringung, mehr Anträge 2014
  • Österreichs Bevölkerung wächst ausschließlich dank Zuwanderung
  • Nach drei Jahren RWR-Karte wurde Ziel bisher klar verfehlt
  • Neues Islamgesetz vom Ministerrat verabschiedet
  • GastarbeiterInnen bedeutend für Wirtschaft

 

Wie in den Jahren zuvor hat sich 2014 im Bereich Integration & Migration viel bewegt. Die Unterbringung von AsylwerberInnen war gegen Jahresende ein großes Thema. Die Einführung der Rot-Weiß-Rot-Karte jährte sich zum dritten Mal, das Anwerbeabkommen mit der Türkei zum 50. Mal. Das neue Islamgesetz wurde vom Ministerrat verabschiedet.

 

Die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) lieferte 2014 wieder Daten, Zahlen und Fakten zu wichtigen gesellschaftlichen Bereichen und recherchierte zu Communities in Österreich. Mittlerweile sind auf der MSNÖ-Webseite Daten, Zahlen, Fakten & Hintergründe in 270 Artikeln verarbeitet. In Kooperation mit dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) erstellte die MSNÖ im Jahr 2014 zehn Factsheets (hier eine Übersicht: Factsheets). Das Integrationsglossar wurde aktualisiert und neu aufgelegt.  

 

Im Folgenden einige wichtige Ereignisse aus dem Bereich Integration & Migration in Österreich im Jahr 2014:

 

Asyl: Unterbringung am Ende gesichert

Das Thema Asyl sorgte 2014 wieder für viele Diskussionen. Die Unterbringung aller Flüchtlinge war lange nicht gesichert, hat jedoch über die Feiertage Ende des Jahres geklappt. Notmaßnahmen wie die Errichtung von Zeltstädten mussten nicht ergriffen werden. Die Bundesländer haben versprochen, bis Ende Jänner 2015 ihre Quote vollständig zu erfüllen und ausreichend Quartiere für Flüchtlinge zu schaffen.

 

Hilfsorganisationen forderten Ende des Jahres in einer gemeinsamen Stellungnahme einen Schulterschluss der politischen Entscheidungsträger. Die Aufnahme und Versorgung Schutzsuchender sei eine völker- und europarechtliche Verpflichtung und eine staatliche Aufgabe, betonten Caritas, Diakonie, Rotes Kreuz, SOS Kinderdorf und Volkshilfe. Notwendig sei eine vorausschauende, strategische Planung, um die Grundversorgung aller AsylwerberInnen über das Jahr 2015 hinaus sicherzustellen. Von der Regierung fordern die NGOs mehr Finanzmittel, da mit den bestehenden Tagsätzen eine adäquate und menschenwürdige Unterbringung und Betreuung für Flüchtlinge nicht möglich sei. Die kolportierte Erhöhung der Tagsätze um 1,50 Euro (auf 20,50 Euro) im Jahr 2016 gleiche nicht einmal die Inflation seit 2004 aus.

 

Mehr Asylanträge

In Österreich suchten 2014 mehr Menschen um Asyl an als in den Jahren zuvor. Wie aus der vorläufigen Asylstatistik des Innenministeriums hervorgeht, gab es bis November 22.881 Asylanträge. Die meisten Asylansuchen stammen von SyrerInnen, gefolgt von AfghanInnen. Auf den Plätzen folgen Russische Föderation, Kosovo und Somalia (mehr im MSNÖ-Artikel „2014 mehr Asylanträge in Österreich„). 2013 wurden in Österreich insgesamt 17.503 Asylanträge gestellt. Gemessen an den Asylsuchenden pro Kopf kamen zwei Asylsuchende pro 1.000 ÖsterreicherInnen (siehe MSNÖ-Artikel: “UNHCR. Zahl der Asylanträge gleich geblieben“).

 

GastarbeiterInnen bedeutend für Österreich

2014 jährte sich zum 50. Mal das Anwerbeabkommen mit der Türkei. Aufgrund der Wirtschaftssituation in Österreich wurden – aufbauend auf das Raab-Olah-Abkommen von 1961 – die Anwerbeabkommen mit der Türkei (1964) und Jugoslawien (1966) unterzeichnet, durch die wiederum hunderttausende GastarbeiterInnen in das Land kamen. Die soziale Lage der GastarbeiterInnen war schlecht. Sie waren meist in Niedriglohn-Branchen tätig, über zwei Drittel lebten noch Anfang der 1980er Jahre in Substandard-Wohnungen, Heimweh und Stress prägten ihre soziale Situation (Details im MSNÖ-Artikel: „Soziale Situation der GastarbeiterInnen – damals„).

 

GastarbeiterInnen haben jedenfalls in den 1960ern und 1970er Jahren wesentlich zum Wirtschaftsaufschwung in Österreich beigetragen. Auch heute sind Menschen türkischer und ex-jugoslawischer Herkunft ein wichtiger Faktor in der österreichischen Wirtschaft (siehe MSNÖ-Artikel „GastarbeiterInnen bedeutend für österreichische Wirtschaft„).

 

Integrationsagenden im Außenministerium

Im Dezember 2013 wurde der ehemalige Integrations-Staatsekretär Sebastian Kurz zum Außenminister ernannt. Das Integrations-Staatssekretariat wurde nach zweieinhalb Jahren im Innenministerium abgeschafft, die Agenden der Integration wanderten in das Außenministerium, wo wiederum eine neue Sektion für Integration geschaffen wurde. Sebastian Kurz ist offiziell neben Außen- und Europaminister auch Integrationsminister.

 

Bevölkerung wächst dank Zuwanderung

Die Bevölkerung Österreichs wächst – sogar etwas stärker als zuletzt angenommen. Grund dafür ist die Zuwanderung. Das geht aus einer Prognose der Statistik Austria hervor. Die Bevölkerungszahl Österreichs ist im Laufe des Jahres 2013 durch Wanderungsgewinne um 56.000 gestiegen, und zwar auf 8,51 Millionen zum 1. Jänner 2014. Sollte die Entwicklung anhalten, dürfte Österreich 2025 mehr als neun Millionen Einwohner zählen, 2060 schließlich 9,62 Millionen.

 

Ohne Zuwanderung würde die Bevölkerung schrumpfen und altern. Die Folgen für das Land wären fatal. Eine Bevölkerung ohne Zuwanderung würde sich auf den österreichischen Sozialstaat äußerst negativ auswirken, viele Probleme gäbe es auf dem Arbeitsmarkt, die Wirtschaft wäre von einem großen Fachkräftemangel betroffen, es würde noch weniger (hoch)qualifizierte Arbeitskräfte geben als es ohnehin bereits mit Zuwanderung der Fall ist. Zu viele PensionistInnen kämen auf zu wenige Erwerbstätige und große Lücken gäbe es im Sport, in der Kunst und Kultur usw. (weitere Details dazu siehe MSNÖ-Artikel „Österreich ohne Zuwanderung: Daten und Fakten).

 

Hälfte der Wiener Bevölkerung hat Migrationshintergrund

Insbesondere Wien ist und bleibt eine Zuwanderungsstadt. Mittlerweile hat jede/r zweite in Wien lebende Person Migrationshintergrund. Wien wächst – insbesondere aufgrund der Zuwanderung – jährlich um etwa 20.000 Menschen. Ende des nächsten Jahrzehnts wird die Bundeshauptstadt eine Zwei-Millionen-Metropole sein.

 

Probleme gibt es laut dem dritten Integrations- und Diversitätsmonitor der Stadt Wien u.a. auf der Ebene der politischen Partizipation: Rund ein Viertel der Wiener Bevölkerung ist vom Wahlrecht ausgeschlossen. Neben Fortschritten im Bereich Bildung scheinen im Ausland absolvierte Abschlüsse noch immer weniger “wert” zu sein – Stichwort Dequalifikation (Details im MSNÖ-Artikel „Wien: Hälfte der Bevölkerung hat Migrationshintergrund„)

 

Drei Jahre RWR-Karte: Ziel verfehlt

Mit der Einführung der Rot-Weiß-Rot-Karte (RWR-Karte) im Jahr 2011 wurde das Ziel angepeilt, die Zulassung von ArbeitsmigrantInnen in hochqualifizierten Berufen zu erleichtern. Das Ziel wurde jedoch nicht annähernd erreicht: 2013 wurden weniger als 1.300 RWR-Karten bewilligt, 2014 (bis November) 1.500 – geplant waren jährlich 8.000 RWR-Karten.

 

Weitere Ergebnis: Nur jede/r dritte/r AntragstellerIn bekommt die RWR-Karte. Im OECD-Bericht „Recruiting immigrant workers. Austria 2014″ wird festgehalten, dass trotz Verbesserungen weitere Anstrengungen notwendig sind, um die gesteckten Ziele zu erreichen (Detail siehe MSNÖ-Artikel „OECD: Handlungsbedarf bei RWR-Karten“).

 

Neues Islamgesetz

Der Ministerrat verabschiedete am 10. Dezember das neue Islamgesetz, das erstmals 1912 beschlossen wurde. Anfang 2015 soll das neue Islamgesetz vom Nationalrat beschlossen werden und in Kraft treten. Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) lehnt das neue Islamgesetz ab. Vor allem das Verbot der Auslandsfinanzierung wird von der IGGiÖ kritisiert.

 

Internationale Akteure bei der Fußball-WM

736 Spieler nahmen an der Fußball-WM in Brasilien (12. Juni bis 13. Juli) teil, 83 davon wurden nicht in dem Land geboren, für das sie bei der WM antraten. Wie weitere Recherchen der MSNÖ ergaben, hatten über 210 Spieler eine Doppelstaatsbürgerschaft, in den europäischen Teams waren über 20 Prozent der Spieler Migranten. Im Kader Frankreichs und der Schweiz waren sogar mehr Migranten als Autochthone (siehe MSNÖ-Artike: „WM 2014: „Internationale Wurzeln der Fußballer„).

 

Die Hälfte aller Nationalteams wurde von einem Trainer gecoacht, der in einem anderen Land geboren wurde (MSNÖ-Artikel: „WM 2014: Internationale Wurzeln der Trainer„).

 

26 Prozent Studierende aus dem Ausland

An den Hochschulen Österreichs studierten im Wintersemester 2013/14 rund 26 Prozent ausländische Studierende. Insgesamt waren 350.206 Studierende inskribiert, 90.063 waren ausländische Staatsangehörige. Deutsche Studierende sind sowohl an privaten und öffentlichen Unis als auch an Fachhochschulen zahlenmäßig am stärksten vertreten (Details siehe MSNÖ-Artikel „Jeder vierte Studierende hat ausländischen Pass„).

 

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

Für Rückfragen oder weitere Informationen wenden Sie sich bitte an die MSNÖ: Zarko Radulovic, 06991 509 70 80, zarko.radulovic@medienservicestelle.at

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