OECD: Handlungsbedarf bei RWR-Karten

OECD: Handlungsbedarf bei RWR-Karten

Dez 18, 2014

Factbox

  • 76 Prozent der dauerhaften ArbeitsmigrantInnen kommen aus EU
  • 2013 weniger als 1.300 RWR-Karten bewilligt – geplant waren 8.000
  • Zulassungsverfahren für dauerhafte Arbeitsmigration zu komplex
  • Datenbank soll bessere Informationen liefern
  • Empfehlung: Zugang für StudienabsolventInnen soll vereinfacht werden

 

Die Rahmenbedingungen für Arbeitsmigration nach Österreich sind durch Reformen zwar verbessert worden, es seien aber weitere Anstrengungen notwendig, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Dies geht aus dem OECD-Bericht „Recruiting immigrant workers. Austria 2014″ hervor, der sich vor allem mit der Zuwanderung von Schlüssel- und Fachkräften im Rahmen des Rot-Weiß-Rot-Kartensystems beschäftigt.

 

Starke Zuwanderung aus EU, schwache aus Drittstaaten

Die meisten ausländischen Arbeitskräfte wandern aus der EU zu: 76 Prozent der dauerhaften ArbeitsmigrantInnen kommen aus EU-Ländern. Im Jahr 2012 entschieden sich rund fünf Prozent aller MigrantInnen aus dem EU-/EFTA-Raum, nach Österreich zu kommen. Gleichzeitig hat Österreich im Verhältnis zu seiner Bevölkerung eine der geringsten Zuwanderungen an dauerhaften ArbeitsmigrantInnen aus Drittstaaten, heißt es im Bericht.

 

Weit hinter Erwartungen

Mit der Einführung der Rot-Weiß-Rot-Karte (RWR-Karte) im Jahr 2011 wurde das Ziel angepeilt, die Zulassung von ArbeitsmigrantInnen in hochqualifizierten Berufen zu erleichtern. Sieht man sich die Zahlen an, wurde das Ziel jedoch nicht annähernd erreicht: Im vorigen Jahr wurden weniger als 1.300 RWR-Karten bewilligt, heuer bisher 1.500 – geplant waren jährlich 8.000 RWR-Karten. Weitere Ergebnis: Nur jede/r dritte/r AntragstellerIn bekommt die RWR-Karte.

 

Mängel und Herausforderungen

Das Zulassungsverfahren für dauerhafte Arbeitsmigration sei zu komplex, einige Regelungen bei der Antragseinreichung seien zu kompliziert. Kritisiert wird die mangelhafte Datenlage, ein wirksames Monitoring sei somit nicht möglich. Deutschkenntnisse seien auf dem österreichischen Arbeitsmarkt wichtig, hätten jedoch im derzeitigen Punktesystem nicht die entsprechend Gewichtung.

 

Österreich weist einen der höchsten Anteile an ausländischen Studierenden innerhalb der OECD auf. Auch der Anteil an Studierenden aus Drittländern hat sich seit 2007 mehr als verdoppelt. Allerdings nutzen nach Studienabschluss nur rund fünf Prozent die Zugangsschiene für ausländische Studienabsolventlnnen. Dies könnte auf die relativ strengen Zulassungskriterien zurückzuführen sein: DoktoratsabsolventInnen und Bachelor’s sind von der Zulassung ausgeschlossen, AbsolventInnen eines Masterstudiengangs müssen innerhalb einer vergleichsweise kurzen Zeit nach Ablauf ihrer Aufenthaltsbewilligung eine Beschäftigung in ihrem akademischen Fachbereich finden, wird im Bericht kritisiert.

 

Zudem bleibt der Arbeitskräftemangel im hochqualifizierten Bereich in der Mangelberufsliste unberücksichtigt, weil das Arbeitsmarktservice (AMS) darüber keine umfassenden Informationen habe.

 

Empfehlungen: Datenbank und mehr Punkte für Deutsch

Empfohlen wird die Einführung einer Datenbank, aus der wichtige Informationen abgerufen werden können. Der Beginn des Zulassungsprozesses solle beim AMS angesiedelt werden, um die notwendigen Schritte im Antragsverfahren zu reduzieren. Potenziellen BewerberInnen sowie Unternehmen sollten vor der Antragstellung noch stärker über die Voraussetzungen informiert werden, heißt es im Bericht.

 

Um die Bedeutung der Deutschkenntnisse zu stärken, müsste das Punktesystem neu strukturiert werden. Für fortgeschrittenes Deutsch sollten zusätzliche Punkte vergeben werden. Die Voraussetzungen für ein Arbeitsuche-Visum könnte bei hochqualifizierten Arbeitskräften mit guten Deutschkenntnissen gelockert werden. In Mangelberufen sollten Arbeitskräfte mit guten Deutschkenntnissen nicht faktisch ausgeschlossen werden, wenn sie über 40 Jahre alt sind.

 

Zudem wird im Bericht empfohlen, die derzeit sechsmonatige Frist für die Arbeitssuche ausländischer StudienabsolventInnen zu verlängern. Bachelors und DoktoratsabsolventInnen sollten dieselben Bedingungen haben wie AbsolventInnen von Masterstudien. Zur besseren Nutzung des Potenzials ausländischer Absolventen sollte es AntragstellerInnen gestattet sein, jede ihrem Ausbildungsniveau entsprechende Beschäftigung unabhängig vom akademischen Fach ihres Abschlusses aufzunehmen.

 

Weitere Empfehlungen: Österreich sollte verstärkt als Zielland für Arbeitsmigration positioniert werden und es sollte ein serviceorientierter Umgang mit AntragsstellerInnen eingeführt werden, etwa durch spezialisierte Stellen beim AMS und den Aufenthaltsbehörden.

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Hier finden Sie die OECD-Studie: Link

 

MSNÖ-Artikel „Drei Jahre Rot-Weiß-Rot-Karte: Ziel klar verfehlt“

 

MSNÖ-Artikel “Österreich bekommt neues Zuwanderungssystem“

 

 

 

 

 

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