Wien: Hälfte der Bevölkerung hat Migrationshintergrund

Wien: Hälfte der Bevölkerung hat Migrationshintergrund

Nov 13, 2014

Factbox

  • 24 Prozent der Wiener Bevölkerung von Wahlen ausgeschlossen
  • Einkommensunterschiede werden immer größer
  • 34 Prozent der Beschäftigten mit höherer Bildung aus Drittstaaten in Hilfstätigkeiten
  • 40 Prozent der jungen Zuwanderer machen weiteren Bildungsabschluss in Österreich
  • Leistbares Wohnen wird immer schwieriger

 

In Wien hat jede/r Zweite Migrationshintergrund. Das geht aus dem  mittlerweile dritten Integrations- und Diversitätsmonitor der Stadt Wien hervor, der Entwicklungen und Herausforderungen für die Bundeshauptstadt aufzeigt. Probleme gibt es demnach auf der Ebene der politischen Partizipation: Rund ein Viertel der Wiener Bevölkerung ist vom Wahlrecht ausgeschlossen. Neben Fortschritten im Bereich Bildung scheinen im Ausland absolvierte Abschlüsse noch immer weniger „wert“ zu sein (Stichwort Dequalifikation).

 

Jede/r Zweite hat Migrationshintergrund

49 Prozent der in Wien lebenden Menschen haben Migrationshintergrund (sie selbst oder mindestens ein Elternteil wurden im Ausland geboren). 31 Prozent der WienerInnen mit Migrationsbezug gehören der Ersten Generation an (im Ausland geboren), 18 Prozent sind MigrantInnen der Zweiten Generation. 23 Prozent der WienerInnen haben einen fremden Pass.

 

Zuwanderung

In den vergangenen zehn Jahren ist Wien um knapp 160.000 EinwohnerInnen gewachsen. Mehr als ein Drittel aller NeuzuwanderInnen, die jährlich nach Österreich kommen, ziehen nach Wien. Heute wächst Wien – insbesondere aufgrund der Zuwanderung – jährlich um etwa 20.000 Menschen. Ende des nächsten Jahrzehnts wird die Bundeshauptstadt eine Zwei-Millionen-Metropole sein.

 

 

 

 

Ein Viertel vom Wahlrecht ausgeschlossen

Immer mehr BürgerInnen in der Bundeshauptstadt sind vom Wahlrecht ausgeschlossen: 24 Prozent der WienerInnen dürfen aufgrund ihrer ausländischen Staatsangehörigkeit nicht an Wahlen teilnehmen. Zuletzt wurden nicht einmal sieben von 1.000 in Wien lebenden ausländischen StaatsbürgerInnen eingebürgert. Rund 18 Prozent der Drittstaatsangehörigen wären aufgrund der Einkommenshürden derzeit von der Einbürgerung ausgeschlossen, heißt es im Integrationsmonitor.

 

Bildung: Abschlüsse aus Ausland weniger „wert“

Im Bereich Höhere Bildung gibt es zwischen der Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund so gut wie keine Unterschiede. Über 50 Prozent der seit Mitte der 1990er Jahre Zugewanderten haben einen Maturaabschluss aus dem Ausland mitgebracht. Bei den Jugendlichen (15 bis 18 Jahre), die nach Österreich kommen, machen 40 Prozent einen (weiteren) Bildungsabschluss.

 

Aber Bildungsabschlüsse aus dem Ausland, vor allem aus Drittstaaten, scheinen weiterhin weniger „wert“ zu sein als österreichische. Sie führen häufig zu einer Beschäftigung und/oder Entlohnung, die unter jener von Menschen mit österreichischen Bildungsabschlüssen liegt. 34 Prozent der Beschäftigten mit höherer Bildung und Abschlüssen aus Drittstaaten arbeiten derzeit in Hilfs- und Anlerntätigkeiten. Am stärksten betroffen sind hier Frauen.

 

Einkommensunterschiede vergrößert

Die Einkommensunterschiede werden immer größer, besonders betroffen davon sind Menschen mit Migrationshintergrund. Nicht nur sind sie einem größeren Risiko ausgesetzt, trotz mittlerer und höherer Ausbildung in gering entlohnten Tätigkeiten beschäftigt zu sein, sondern selbst bei ausbildungsadäquater Beschäftigung ist die Entlohnung von MigrantInnen niedriger als bei Menschen ohne Migrationshintergrund, heißt es im Integrationsmonitor.

 

Das jährliche Haushaltseinkommen in Haushalten aus Drittstaaten ist in den vergangenen zehn Jahren nicht gestiegen und beläuft sich im Durchschnitt auf 15.000 Euro (netto). Haushalte aus den neuen EU-Staaten kommen auf 18.000 Euro, während Haushalte ohne Migrationsbezug mit 23.000 Euro und Haushalte aus den EU15-Staaten mit 24.000 Euro im Schnitt wesentlich mehr zur Verfügung haben.

 

Weniger Wohnraum für Zugewanderte

WienerInnen aus Drittstaaten, die schon lange in Wien leben, sowie ihre Nachkommen finden zwar vermehrt Zugang zu Gemeindewohnungen, gleichzeitig sind jedoch vor allem neue ZuwanderInnen auf den privaten Wohnungsmarkt angewiesen – und leistbares Wohnen wird zunehmend zu einer Herausforderung.

 

Nach Wien zugewanderte Menschen haben durchschnittlich die höchsten Wohnkosten und sind auch von den größten Kostensteigerungen betroffen. Sie scheinen diese höheren Wohnkosten durch kleinere Wohnungen mit weniger Wohnräumen zu kompensieren. Durchschnittlich steht Neuzugewanderten mit 26 m² nur halb so viel Wohnraum pro Kopf zur Verfügung wie WienerInnen ohne Migrationshintergrund, für den sie zudem um ein Drittel mehr pro m² bezahlen (€ 7,80/m²).

 

Ein Viertel der Mitarbeiter hat Migrationshintergrund

Erstmals wurde im Rahmen des Diversitätsmonitorings die Herkunft der MitarbeiterInnen der Stadt Wien erhoben: Rund 25 Prozent haben eine ausländische Herkunft (d.h. wie wurden im Ausland geboren und/oder verfügen über eine ausländische Staatsangehörigkeit). 28,6 Prozent aller Frauen und 16,7 Prozent aller Männer haben eine ausländische Herkunft. In der Altersgruppe 15-19 Jahre haben 6,0 Prozent der MitarbeiterInnen eine ausländische Herkunft haben, bei den MitarbeiterInnen über 55 Jahre sind es 35 Prozent.

 

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

Der Integrations- und Diversitätsmonitor mit Detailergebnissen steht online zur Verfügung unter: https://www.wien.gv.at/menschen/integration/grundlagen/monitoring oder in der iBibliothek

Büro Stadträtin Sandra Frauenberger; Geschäftsgruppe für Integration, Frauenfragen, KonsumentInnenschutz und Personal; Tel.: +43 1 4000 81295, Internet: www.sandra-frauenberger.at

 

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