Rund 15.000 US-AmerikanerInnen in Österreich

Rund 15.000 US-AmerikanerInnen in Österreich

Nov 3, 2014

 Factbox

  • Kongresswahl 2014: Stimmabgabe für hier ansässige US-AmerikanerInnen möglich
  • Wenige Einbürgerungen, US-BürgerInnen stellen sich oft auf temporären Aufenthalt ein
  • Wanderungssaldo zuletzt positiv
  • Migration aus den USA nach Österreich nie großes Thema
  • Privatunis bei Studierenden beliebter als Fachhochschulen

 

Am 4. November finden in den USA Kongresswahlen statt. Hier ansässige US-AmerikanerInnen können an der Wahl per Wahlkarte teilnehmen.

 

Etwa 15.000 US-AmerikanerInnen leben nach Angaben des Konsulats in Österreich. 10.175 Menschen gaben laut Statistik Austria Anfang 2014 die Vereinigten Staaten von Amerika als Geburtsland an. Wien ist dabei ganz klar das Zentrum der US-Community, wie folgende Tabelle zeigt:

 

 

 Öst.

 Bgld.

 Ktn.

 NÖ

 OÖ

 Slbg.

 Stmk.

 Tirol

 Vlbg.

 Wien

Staatsbürgerschaft

7.344 

106 

250 

856 

520 

717 

526 

422 

203 

3.744 

Geburtsort

10.175 

214 

386 

1.276 

773 

916 

887 

693 

376 

4.654 

Bevölkerung mit US-amerikanischer Staatbürgerschaft und US-amerikanischem Geburtsort; Quelle: Statistik Austria (Stichtag:1.1.2014); eigene Darstellung

 

In den vergangenen zehn Jahren wurden immer weniger US-Staatsangehörige eingebürgert. 2005 erhielten in dieser Zeitspanne noch die meisten US-Bürgerinnen (67) einen österreichischen Pass, 2010 die wenigsten (25). Zuletzt wurden 2013 insgesamt 30 US-Staatsangehörige eingebürgert.

 

 2004

 2005

 2006

 2007

 2008

 2009

 2010

 2011

 2012

 2013

 58

 67  41  48  62  50  25  29  26  30

Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Kongresswahlen 2014: Stimmabgabe per Wahlkarte möglich

Am 4. November finden in den USA Kongresswahlen statt. US-BürgerInnen in Österreich können nicht direkt in der Botschaft oder im Konsulat wählen, jeoch per Wahlkarte. Man registriert sich per Post oder Internet und bekommt eine Wahlkarte zugeschickt, die die Wähler – wiederum per Post, E-Mail oder Fax – in die USA schicken. Dabei müssen je nach US-Bundesstaat Fristen beachtet werden. Die US-BürgerInnen im Ausland orientieren sich dabei an jenem US-Bundesstaat, in dem sie zuletzt gewohnt haben.

 

Da sich die WählerInnen nicht bei der US-Botschaft in Wien registrieren, liegen keine aktuellen Zahlen vor, wie viele wählen können. Auch zu vorherigen Wahlgängen kann die Botschaft keine Auskunft geben.

 

Demokraten in Österreich aktiver

Die Demokraten sind im Ausland traditionell meist stärker. Laut US-Botschaft in Wien gibt es die Vereinigung der Republikaner im Ausland, die „Republicans Abroad“, zwar noch, jedoch nicht mehr in Österreich. Die „Democrats Abroad“ sind hingegen aktiv. In Wien finden regelmäßig Treffen statt. Ehrenamtlich engagierte „Democrats Abroad“ informieren in Österreich lebende WählerInnen über die Wahlen und erinnern sie an die Fristen. Neben Wien ist in Salzburg eine Gruppe der Demokraten aktiv.

 

Migration zwischen Österreich und den USA

Blickt man zurück, dann fand Migration zwischen Österreich und den USA vor allem in Richtung Nordamerika statt: Laut Lonnie Johnson, der sich als Wissenschafter und Chef der Fulbright Comission Austria mit dem Thema auseinandergesetzt hat, emigrierten zwischen 1876 und 1910 etwa fünf Millionen Menschen aus Österreich, davon 70 Prozent nach Nordamerika. Zwischen 1901 und 1910 kam Johnson zufolge nahezu ein Viertel der Einwanderer in die USA aus verschiedenen Teilen der österreichisch-ungarischen Monarchie, viele aus dem damals wirtschaftlich schwachen Burgenland.

 

Aufgrund der Verfolgung durch den Nationalsozialismus mussten zigtausende österreichische Juden das Land verlassen, viele gingen in die USA: Johnson gibt an, dass rund 29.000 der vor 1945 geschätzten 130.00 geflohenen österreichischen Juden Einwanderungsgenehmigungen in den USA erhielten. Nur ein Bruchteil kehrte in der Nachkriegszeit wieder nach Österreich zurück.

 

In den vergangenen fünf Jahren wanderten meistens mehr US-AmerikanerInnen ein als aus. 2009 war das nicht der Fall, als 1.565 US-BürgerInnen zu- und 1.597 abwanderten – der Wanderungssaldo war dementsprechend negativ. 2013 lag der Wanderungssaldo bei 317.

 

  2009 2010 2011 2012 2013
Zuzüge 1.565 1.632 1.805 1.796 1.801
Wegzüge 1.597 1.514 1.597 1.556 1.484
Saldo -32 118 208 240 317

Zu- und Wegzüge US-amerikanischer Staatsangehöriger; Quelle: Statistik Austria /eigene Darstellung

 

Vereine

Es gibt einige Vereine und Organisationen der Community in Österreich: Die Österreich-Amerikanische Gesellschaft hat Landesorganisationen in sechs Bundesländern (Wien, Tirol, Oberösterreich, Kärnten, Steiermark, Salzburg). Daneben besteht eine American-Austrian Cultural Society, die sich auf Kunst und Wissenschaft fokussiert.

 

Die American Chamber of Commerce in Austria will den Business-Austausch fördern. Von rund 350 Mitgliedern haben 250 Unternehmen ihren Firmensitz in den USA. Die American Women Association wurde in der Zwischenkriegszeit von Frauen, die mit Diplomaten oder Armee-Mitglieder hierher kamen, gegründet und ist mittlerweile eine internationale Community von englisch-sprechenden Frauen.

 

„Expats“ fern der Heimat

Abseits der Vereine ist die Community der US-BürgerInnen in Österreich ähnlich aufgestellt wie jene der BritInnen und IrInnen (siehe MSNÖ-Artikel Britische Community feiert Queen-Jubiläum und IrInnen: Die kleine Community von der grünen Insel): Bei den DiplomatInnen und wirtschaftlichen Führungskräften rechnen viele nicht damit, dass sie auf längere Sicht in Österreich bleiben. Dementsprechend orientierten sich die „Expats“ (von engl. „expatriate“ für Auswanderer oder Person, die ständig im Ausland lebt) oft noch stark an der Kultur der USA.

 

Über die gemeinsame Sprache finden US-Expats zudem oft mit BritInnen oder IrInnen zusammen. So besuchen AmerikanerInnen gerne irische Pubs in Österreich. Die Vienna Review ist eine englisch-sprachige Monatszeitung über Wien, Österreich und den süd-/osteuropäischen Raum. Zwar wurde das Medium von Dardis McNamee, einer US-Amerikanerin, gegründet, aber sowohl Team als auch LeserInnen setzen sich aus ganz unterschiedlichen, vorwiegend englisch-sprachigen Menschen zusammen.

 

Hollywood und Superbowl

Mit der US-amerikanischen Kultur vermag die „Expat-Community“ nicht zuletzt über Mainstream-Medien aus der Heimat in Verbindung zu bleiben: Neben Serien, die auch in Österreich täglich im Fernsehen laufen, ist Hollywood dabei ein Faktor – mit dem Artis International und dem English Cinema Haydn gibt es in Wien zwei englischsprachige Kinos. Auch andere Lichtspieltheater, verteilt über ganz Österreich, liefern regelmäßig Filme in Originalfassungen.

 

Neben Public Viewing von Fußballspielen wurde in den vergangenen Jahren zudem die Übertragung der US-Sportarten Baseball, Basketball und American Football immer beliebter. Der Superbowl, das Finale der American Football-League NFL, ist weltweit ein Mega-Ereignis und wird auch hierzulande verfolgt.

 

Wenige Studierende aus den USA

Die Zahl der in Österreich inskribierten US-BürgerInnen nahm zwar in den vergangenen Jahren zu, bewegt sich aber immer noch auf einem niedrigen Niveau. Insgesamt 780 AmerikanerInnen studierten vergangenes Jahr an Österreichs Hochschulen. Davon waren 662 Studierende an den öffentlichen Universitäten inskribiert.

 

An den Fachhochschulen waren im Wintersemester 2013 44 US-BürgerInnen inskribiert. Mehr amerikanische Studierende als an den heimischen Fachhochschulen findet man an den privaten Universitäten (74) – wobei die Zahl verglichen zu 2012 (97) etwas zurückgegangen ist.

 

 

 2009

 2010

 2011

 2012

 2013

 Öfftl. Universitäten

 547

 602

 633

 656

 662

 Fachhochschulen

 21

 25

 37

 39

 44

 Privatuniversitäten

 53

 79

 86

 97

 74

US-amerikanische Studierende an Österreichs Hochschulen. Die Zahlen gelten jeweils für das Wintersemester; Quelle: BM.WFW; eigene Darstellung

 

Die US-Community hat ihrerseits Bildungsinstitutionen in Österreich, wie etwa die American International School Vienna oder die Salzburg International Preparatory School. Die Webster University hat einen Standort in Wien.

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Dieser Artikel wurde erstmals am 30. Oktober 2012 veröffentlicht und nun anlässlich der Kongresswahlen aktualisiert. 

 

Statistik Austria; Pressestelle, Tel.: +43 1 71128-7777 und -7767, presse@statistik.gv.at

 

US-Botschaft in Wien, Pressestelle E-Mail: aburton@usembassy.at oder vblum@usembassy.at, Tel: +43 1 31339-0

 

Website der Democrats Abroad Austria

 

Website der Republicans Abroad

 

Lonnie Johnson, Fulbright Commission Österreich, Tel.: 01/236 7878-0, ljohnson@fulbright.at

 

Dardis McNamee, Gründerin und Chief Editor der Vienna Review, mcnamee@viennareview.net

 

Website der Österreich-Amerikanische Gesellschaft

 

American-Austrian Cultural Society

 

American Chamber of Commerce in Austria

 

American Women Association

 

Liste der US-Botschaft zu englischsprachigen Schulen in Österreich

 

Website der universitären Inititiave American Corner Innsbruck

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