Situation älterer MigrantInnen in Österreich

Situation älterer MigrantInnen in Österreich

Sep 29, 2014

Factbox

  • Rund sechs Prozent der ausländischen StaatsbürgerInnen im Pensionsalter
  • MigrantInnen gehen später in Pension 
  • Ältere MigrantInnen leiden häufiger unter gesundheitlichen Problemen 
  • Mehrheit der älteren MigrantInnen fühlt sich in Österreich heimisch
  • Nur 17 Prozent wollen wieder zurück ins Herkunftsland

 

Am 1. Oktober wird der „Internationale Tag der älteren Menschen“ begangen. Die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) hat sich aus diesem Anlass die Situation älterer MigrantInnen in Österreich angesehen.

 

Während knapp ein Fünftel der ÖsterreicherInnen älter als 65 Jahre sind, befinden sich nur sechs Prozent der AusländerInnen hierzulande im Pensionsalter. Wenn es um MigrantInnen geht, ist festzuhalten, dass sie später in Pension gehen und ihren Gesundheitszustand als schlechter einschätzen als Personen ohne Migrationshintergrund. Die Lebenszufriedenheit ist bei SeniorInnen mit Migrationshintergrund geringer als bei jenen ohne Migrationshintergrund. Die Mehrheit der älteren MigrantInnen fühlt sich in Österreich heimisch.

 

6,2 Prozent der AusländerInnen im Pensionsalter

Im Jahr 2013 haben mehr als 1,4 Millionen österreichische StaatsbürgerInnen im Alter von 65 oder mehr Jahren in Österreich gelebt. Knapp 20 Prozent der ÖsterreicherInnen befinden sich somit im Pensionsalter. Ausländische Staatsangehörige gab es zu diesem Zeitpunkt 1.004.268. Davon waren 62.654 bzw. 6,2 Prozent mehr als 65 Jahre alt.

 

Der Großteil der über 65-jährigen AusländerInnen kommt aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei: Insgesamt 21.637 der ausländischen SeniorInnen stammen aus dem ehemaligen Jugoslawien, 21.637 aus der Türkei.

  65-69 Jahre 70-74 Jahre 75 Jahre und älter
Österreichische StaatsbürgerInnen 390.122 421.195 668.079
Ausländische StaatsbürgerInnen 26.787 17.331 18.536
davon aus dem ehem. Jugoslawien 10.940 5.891 4.806
davon aus der Türkei (ab 1974) 3.324 1.789 1.620
davon aus anderen Staaten 12.523 9.651 12.110

Bevölkerung nach Altersgruppen und Staatsbürgerschaft am 1.1.2013, Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Heterogene Altersstruktur

Das Durchschnittsalter der österreichischen Gesamtbevölkerung lag am 1.1. 2014 bei 42,2 Jahren. Inländische StaatsbürgerInnen sind im Schnitt 43,2 Jahre, das Durchschnittsalter von ausländischen Staatsangehörigen war mit 35,2 Jahren deutlich niedriger.

 

Unter den ausländischen Staatsangehörigen ist die Altersstruktur relativ heterogen: Personen aus der Schweiz und EWR-Staaten, die nicht EU-Mitglieder sind, sind tendenziell älter als die österreichische Gesamtbevölkerung. Das Durchschnittsalter der hier lebenden SchweizerInnen lag bei 45,1 Jahren und bei Personen aus Liechtenstein bei 43,6 Jahren. Bei den meisten anderen Staaten liegt das Durchschnittsalter meistens deutlich unter jenem der österreichischen Gesamtbevölkerung.

Durchschnittsalter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Durchschnittsalter der Bevölkerung am 1.1.2014, Quelle: „migration & integration 2014“ der Statistik Austria

 

Was die Lebenserwartung betrifft, gibt es zwischen im Inland und im Ausland Geborenen keinen großen Unterschied: Bei in Österreich geborenen Menschen lag die erwartete Lebensdauer zum Zeitpunkt der Geburt im Jahr 2013 bei 78,5 Jahren für Männer und 83,6 Jahren für Frauen. Bei Männern, die im Ausland geboren wurden, lag die Lebenserwartung bei 78,4 Jahren, bei im Ausland geborenen Frauen bei 83,4 Jahren.

 

MigrantInnen gehen später in Pension

50 Prozent der Männer ohne Migrationshintergrund gehen vor ihrem 65. Geburtstag in Pension – bei männlichen Migranten der ersten Generation trifft dies auf nur knapp über 20 Prozent zu. Dies geht aus einer im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsum von der Johannes Kepler Universität (JKU) durchgeführten Studie hervor (SHARE – Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe, 50+ in Europe).

 

40 Prozent der Männer aus Osteuropa, Russland, Ex-Jugoslawien und der Türkei sind mit über 50 Jahren noch erwerbstätig. Für die im Inland geborene Bevölkerung (laut Stichprobe der Studie) trifft dies nur auf 23 Prozent der Männer und 20 Prozent der Frauen zu. Von den Migrantinnen aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien sind noch 30 Prozent berufstätig (mehr dazu im MSNÖ-Artikel „Situation älterer MigrantInnen: später in Pension„).

Graphik2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Berufliche Situation nach Migrationshintergrund und Geschlecht (50- bis 64-Jährige), Quelle: Quelle: SHARE, JKU/bmask 2013.

 

Geringere Lebenszufriedenheit

Die Studie zeigt außerdem, dass die Lebenszufriedenheit älterer MigrantInnen (50+) im Vergleich zu derjenigen einheimischer SeniorInnen deutlich geringer ist, was unter anderem auf die schwierigere wirtschaftliche Situation zurückgeführt werden kann. Auch die persönlichen Zukunftsaussichten werden von älteren Menschen mit Migrationshintergrund negativer eingeschätzt als von autochthonen ÖsterreicherInnen dieses AlterssegmentsBesonders schlecht sind die Zufriedenheitswerte bei Personen aus Ex-Jugoslawien sowie sonstigen Regionen wie z.B. Asien und Afrika.

 

Schlechtere gesundheitliche Situation

Sowohl in der Selbsteinschätzung als auch nach empirischen Analysen ist der Gesundheitszustand von MigrantInnen in Österreich schlechter als von Personen ohne Migrationshintergrund. Ältere MigrantInnen aus Osteuropa und Russland, der Türkei sowie dem ehemaligen Jugoslawien fallen durch eine besonders negative Selbsteinschätzung der Gesundheit auf.

 

Objektiv-empirisch lässt sich feststellen, dass bei älteren Personen mit Migrationshintergrund die Wahrscheinlichkeit mehr als doppelt so groß ist, gewisse Krankheitsdiagnosen (wie Bluthochdruck, hoher Cholesterinspiegel, Diabetes, Lungenkrankheiten und Krebs) zu erhalten. Die Häufigkeit psychischer Beschwerden (insbesondere depressive Symptome) ist unter Personen mit Migrationshintergrund ebenfalls deutlich erhöht. Häufige Probleme im Bewegungsapparat werden darauf zurückgeführt, dass viele MigrantInnen Berufen mit schweren körperlichen Tätigkeiten nachgehen (siehe auch MSNÖ-Artikel “MigrantInnen: Schlechtere gesundheitliche Situation“)

 

Nur 17 Prozent wollen wieder ins Herkunftsland

Laut einer Studie des Instituts für qualitative Marktforschung (IFQM) aus dem Jahr 2011 wollen die meisten Menschen mit Migrationshintergrund für immer in Österreich bleiben. Nur 17 Prozent wollen zurück in ihr Herkunftsland. Die Mehrheit der älteren MigrantInnen fühlt sich mittlerweile in Österreich heimisch: 35 Prozent antworteten auf die Frage, ob sie für immer in Österreich bleiben wollen mit “trifft sehr zu”, 24 Prozent mit “trifft eher zu” (Details dazu siehe MSNÖ-Artikel Ältere MigrantInnen: Mehrheit bleibt in Österreich).

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

MSNÖ-Artikel „Situation älterer MigrantInnen: Später in Pension

 

MSNÖ-Artikel „Zahlen und Fakten zu migrantischen PensionistInnen

 

MSNÖ-Artikel „Ältere MigrantInnen: Mehrheit bleibt in Österreich

 

Statistik Austria, Tel.: +43 (1)71128-7070, E-Mail: info@statistik.gv.at

 

migration & integration. Zahlen. Daten. Indikatoren 2014“ der Statistik Austria

 

SHARE-Studie der JKU Linz im Auftrag des BMASK (März 2013): „Gekommen um zu bleiben. Konturen von alternden Migrantinnen und Migranten in Österreich

 

Manuela Angerer (2011): “Altern in der Fremde – Die Lebenssituation und Lebensplanung älterer Arbeitsmigrant/innen in Oberösterreich“, Dossier Nr. 19 des Österreichischen Integrationsfonds.

  

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