Fußball: Viele Migranten im österreichischen Nachwuchs

Fußball: Viele Migranten im österreichischen Nachwuchs

Jul 23, 2014

Factbox

  • Drei Spieler aus dem Kader der U19-EM haben Migrationshintergrund
  • Fast 700 der über 2.000 Bundesliga-Nachwuchsfußballer sind Migranten
  • Damit hat jeder dritte Nachwuchsspieler der Bundesliga-Vereine Migrationshintergrund
  • Bei Austria und Rapid ist jeder zweite Nachwuchskicker Migrant

 

Das österreichische U19-Nationalteam steht nach zwei Siegen bei der U19-Europameisterschaft in Ungarn im Semifinale. Zudem hat sich das Team bereits vorzeitig für die U20-WM im nächsten Jahr in Neuseeland qualifiziert. Im 18-Mann-Kader haben drei Spieler Migrationshintergrund: Sinan Bytyqi wurde im Kosovo, Tormann Ivan Lucic und Kapitän Franceso Lovric haben kroatische Wurzeln. Valentino Lazaro, Sohn einer Österreicherin mit griechischen Wurzeln und eines Angolaners, wäre Stammspieler und Stütze des Teams, erhielt jedoch von seinem Verein Salzburg keine Freigabe für die U19-EM.

 

Noch viel mehr junge Kicker mit Migrationshintergrund spielen bei den Nachwuchsmannschaften der Bundesliga-Vereine, wie eine Umfrage der Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) zeigt.

 

34 Prozent mit Migrationshintergrund

Eine Umfrage bei den Vereinen der österreichischen Bundesliga hat ergeben, dass etwa jeder dritte Kicker in den Nachwuchsmannschaften und Akademien (U6 bis U18) Migrant ist. Dabei liegen die Zahlen der Spieler mit Migrationshintergrund in den zehn Vereinen teilweise weit auseinander. Am höchsten ist der Anteil der Migranten bei den beiden Wiener Mannschaften Rapid und Austria – mit jeweils 48 Prozent. Die wenigsten Migranten gibt es beim WAC aus Wolfsburg (rund acht Prozent).

 

Insgesamt gibt es in den zehn Clubs derzeit etwa 2.015 Spieler in den Nachwuchsmannschaften und Akademien. Davon haben mindestens 682 Kicker Migrationshintergrund, das entspricht einem Anteil von rund 34 Prozent. Bei einer Umfrage der MSNÖ im Jahr 2012 lag der Anteil bei knapp 30 Prozent (siehe MSNÖ-Artikel „Jeder dritte Bundesliga-Nachwuchskicker ist Migrant„).

 

Grafik (1) Quelle: MSNÖ (auf Grafik klicken für große Ansicht)

 

Austria und Rapid: Jeder zweite Kicker hat Migrationshintergrund

In der Nachwuchsakademie (U6 bis U13) von Rapid Wien haben 56 der insgesamt 118 Spieler Migrationshintergrund, in der Akademie (U14 bis U18) sind es 42 von 88 Spieler. Zusammen ergibt das einen Anteil von 48 Prozent. Damit hat so gut wie jeder zweite Nachwuchskicker von Rapid Wien Migrationshintergrund.

 

Bei Austria Wien liegt der Anteil von Migranten im Nachwuchs ebenso bei 48 Prozent. In der Junior Football Academy (U7 bis U14) von Austria haben 42 der 110 Spieler Migrationshintergrund, in der Premium Football Academy (U15 bis U18) sind es 41 von 64 Nachwuchsspielern. Insgesamt kommen die Spieler und Trainer von Austria Wien aus 17 verschiedenen Ländern. Die meisten sind aus der Türkei oder dem ehemaligen Jugoslawien.

 

41 Prozent Migranten beim Meister Salzburg

Beim aktuellen Meister Salzburg haben 70 der 172 Spieler Migrationshintergrund (rund 41 Prozent). Gerald Schmalzer vom SV Gröding berichtet, dass in der Nachwuchsabteilung des Vereins (U7 bis U18) derzeit 181 Spieler trainieren. 68 davon sind Migranten (ca. 38 Prozent).

 

Aufsteiger SCR Altach hat mit 256 Kickern die meisten Nachwuchsspieler. 97 davon haben Migrationshintergrund (37 Prozent). Beim SV Ried sind von insgesamt 220 Nachwuchsspielern 82 (37 Prozent) Migranten.

 

Ebenfalls 220 Nachwuchsspieler gibt es beim SC Wiener Neustadt. 77 davon sind Migranten (35 Prozent). Die Nachwuchsmannschaften bis zur U18 bei Admira Wacker Mödling umfassen insgesamt 171 Spieler. Davon sind laut Akademie-Leiter Harald Suchard derzeit 46 Kicker Migranten (27 Prozent).

 

Geringster Anteil bei Wolfsburg

Laut Alexander Fasching vom SK  Sturm Graz liegt die Anzahl der Nachwuchsspieler derzeit zwischen 190 und 200. In der Jugend (U7 bis U14) gibt es 29 Spieler mit Migrationshintergrund, in der Akademie (U15 bis U18) sind es 17 Spieler. Das ergibt insgesamt einen Anteil von etwa 24 Prozent.

 

Bernhard Goriupp vom WAC schätzt, dass von 220 Nachwuchsspielern etwa 15-20 Migrationshintergrund haben. Mit etwa acht Prozent hat der Wolfsburger Verein damit den geringsten Anteil an Migranten aller Bundesliga-Nachwuchsmannschaften.

 

Internationaler Trend

Fußball wird auch auf höchstem Niveau immer „internationaler“. Wie eine Recherche der MSNÖ ergeben hat, wurden 83 der insgesamt 736 Spieler, die an der Fußball-WM in Brasilien teilgenommen haben, nicht in dem Land geboren, für das sie bei der WM antraten. Über 210 Spieler hatten eine Doppelstaatsbürgerschaft. Mindestens 66 Spieler (rund 22 Prozent) der 13 europäischen Teams hatten Migrationshintergrund. Österreich liegt hier im internationalen Vergleich im oberen Bereich: Insgesamt zehn Spieler des aktuellen Kaders haben Migrationshintergrund. Mehr dazu siehe MSNÖ-Artikel: „WM 2014: Internationale Wurzeln der Fußballer„.

 

 

Weitere Informationen und Kontakte:

 

ÖFB-Pressestelle: Iris Stöckelmayr, Media Officer Frauen- & Nachwuchsteams, iris.stoeckelmayr@oefb.at

 

Salzburg: Lisa Aichinger, Assistant to Academy and Youth Director, Tel.: +436624333324426

 

Rapid Wien: Mag. Peter Grechtshammer, Sportlicher Leiter Akademie, akademie@skrapid.com

 

Grödig: Gerald Schmalzer, Tel.: +43 (0676) 886765900, presse@sv-groedig.at

 

Austria Wien: Julia Heiduk, Assistentin Akademie & NW, Tel: +43 1 6880150-318, Julia.Heiduk@fk-austria.at

 

Sturm Graz: Alexander Fasching, Medien & Kommunikation, Tel.: +43 316 771771 26

 

Ried: Christian Huber, PR/Medien, christian.huber@svried.at

 

WAC: Bernhard Goriupp, bernhard.goriupp@wac-nachwuchs.at

 

Wiener Neustadt: Wolfgang Csank, Sportl. Leiter NW/Amateure, wolfgang.csank@scwn.at

 

Admira Wacker Mödling: Harald Suchard, Sportlicher Leiter Akademie, harald.suchard@admirawacker.at 

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