Weltflüchtlingstag: 51,2 Millionen Vertriebene

Weltflüchtlingstag: 51,2 Millionen Vertriebene

Jun 20, 2014

Factbox

  • Vertriebene weltweit: höchster Stand seit dem Zweiten Weltkrieg
  • Syrienkrise ist Hauptgrund für massiven Anstieg
  • Ende 2013: 78.947 Asylsuchende, Flüchtlinge und Staatenlose in Österreich
  • Österreich im Ranking der Top-Aufnahmeländer auf Platz 37
  • Auf 1.000 ÖsterreicherInnen fallen 2 Asylsuchende

 

Seit dem Jahr 2001 wird am 20. Juni der von den Vereinten Nationen ausgerufene Weltflüchtlingstag begangen. Der internationale Gedenktag ist Flüchtlingen, Asylsuchenden, Binnenvertriebenen, Staatenlosen und RückkehrerInnen gewidmet.

 

Dem aktuellen Report des UN-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) zufolge sind weltweit 51,2 Millionen Menschen auf der Flucht – davon 16,7 Millionen Flüchtlinge, knapp 1,2 Millionen Asylsuchende und 33,3 Millionen Binnenvertriebene. Das ist die höchste Zahl seit dem Zweiten Weltkrieg. Hauptursache für den massiven Anstieg ist der Bürgerkrieg in Syrien.

 

Mit 55.598 Flüchtlingen liegt Österreich auf Platz 37 der Länder mit der größten Flüchtlingsbevölkerung. Ein Jahr zuvor belegte Österreich mit 51.730 Flüchtlingen Platz 40.

 

Syrienkrieg bringt rasanten Anstieg

Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es auf der Welt über 50 Millionen Flüchtlinge, Asylsuchende und Binnenvertriebene. Ende des Jahres 2013 waren über 51,2 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht – sechs Millionen mehr als ein Jahr zuvor. Hauptursache für den massiven Anstieg ist der Bürgerkrieg in Syrien. 2,5 Millionen Menschen wurden durch ihn zu Flüchtlingen, 6,5 Millionen zu Binnenvertriebenen. Vor fünf Jahren war Syrien jenes Land, das weltweit am zweitmeisten Flüchtlinge aufgenommen hat – im Jahr 2013 war Syrien das Land, aus dem weltweit die  zweitmeisten Flüchtlinge stammten. 

 

Rund 2,5 Millionen Flüchtlinge aus Afghanistan

Afghanistan, Syrien und Somalia sind jene drei Länder, aus denen 2013 die meisten Menschen flohen. Zusammengerechnet kamen 53 Prozent aller Flüchtlinge weltweit aus diesen drei Ländern. Während Afghanistan und Somalia bereits seit Jahren in den Top 3 aufgelistet sind, kam Syrien aufgrund des Bürgerkriegs 2013 hinzu. Grundsätzlich hat sich das Ranking im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert: Die zehn Staaten, aus denen die meisten Flüchtlinge stammen, sind von 2012 auf 2013 gleich geblieben, die Reihenfolge hat sich in einzelnen Fällen aber geändert (siehe hierzu MSNÖ-Artikel „Weltflüchtlingstag: 45,2 Millionen Vertriebene„).

 

  Land Flüchtlinge
1. Afghanistan 2.556.600
2. Syrien 2.468.400 
3. Somalia 1.121.700
4. Sudan 649.300
5. DR Kongo  499.500
6. Myanmar 479.600
7. Irak 401.400
8. Kolumbien 396.600 
9. Vietnam 314.100
10. Eritrea  308.000

Top 10 Länder, aus denen 2013 die meisten Menschen flohen. Quelle: UNHCR, eigene Darstellung 

 

Flüchtlingsbevölkerung: Österreich auf Platz 37

Von den 2.468.400 syrischen Flüchtlingen floh der Großteil in die Nachbarstaaten Jordanien, Türkei und den Libanon sowie in zentralafrikanische Länder. Diese Flüchtlingsbewegung spiegelt sich im Ranking der Top 10-Aufnahmeländer wider: Der Libanon, Jordanien und die Türkei befinden sich auf den Plätzen drei bis fünf der aufnahmestärksten Nationen. Deutschland, das 2012 noch auf Platz drei lag, ist nun nicht mehr unter den Top 10-Aufnahmeländern vertreten. An erster Stelle liegt Pakistan mit rund 1,6 Millionen aufgenommen Flüchtlingen (von denen der Großteil aus Afghanistan stammt), gefolgt vom Iran mit knapp 860.000 Flüchtlingen. Österreich hat 2013 rund 55.600 Flüchtlinge aufgenommen und liegt damit auf dem 37. Platz.

 

  Aufnahmeland Flüchtlinge
1. Pakistan 1.616.500
2. Iran  857.400
3. Libanon  856.500
4. Jordanien 641.900
5. Türkei  609.900
6. Kenia  534.900 
7. Tschad  434.500
8. Äthiopien 433.900
9. China  301.000
10. USA 263.600
   
37. Österreich 55.600

Top 10-Länder, die 2013 am meisten Flüchtlinge aufgenommen haben. Quelle: UNHCR, eigene Darstellung

 

Ein anderes Bild zeigt sich, wenn man die Anzahl der Flüchtlinge mit der Bevölkerung des Ziellandes vergleicht. Hier führt der Libanon: Auf 1.000 EinwohnerInnen kamen 2012 durchschnittlich 178 Flüchtlinge. Danach folgen Jordanien (88 Flüchtlinge pro 1.000 EinwohnerInnen), Tschad (34), Mauretanien (24), Malta (23), Dschibuti (23), Südsudan (20), Montenegro (14), Liberia (12) und Kenia (12) auf Platz zehn. 

 

Größter Zuwachs in Zentral- und Nordafrika

Fasst man die Aufnahmeländer in Gebiete zusammen, ist Asien (mit Ozeanien) noch immer die Region mit den meisten Flüchtlingen. Das UNHCR kümmert sich um 11,7 Millionen der  insgesamt 16,7 Millionen Flüchtlinge. Von den 11,7 Millionen flohen mehr als 3,5 Millionen nach Asien und Ozeanien (30 Prozent). Eine wesentliche Veränderung zeigt sich in der Region Naher Osten und Nordafrika: Hier wurden rund 2,6 Millionen Flüchtlinge (22 Prozent) aufgenommen, was einen Zuwachs von über 64 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn 2013 bedeutet. Mehr als zwei Drittel aller Flüchtlinge in dieser Region stammen aus Syrien.

 

Region Zahl Flüchtlinge Veränderung in %
Asien/Ozeanien

3.547.000

+ 0,6 %
Naher Osten/Nordafrika

2.630.700

+ 64,7 %
Ostafrika/Horn von Afrika

2.038.900

+ 7,7 %
Europa

1.786.500

– 0,8 %
Nord-/Süd-/Mittel-Amerika

806.000

– 0,1 %
Zentralafrika/Region der Großen Seen

516.000

+ 7,7 %
Westafrika

242.300

– 9,5 %
Südliches Afrika

135.500

+ 0,6 %

Flüchtlinge nach Regionen zum Jahresende 2013 sowie Veränderung von Jahresbeginn 2013 im Vergleich zu Jahresende 2013. Quelle: UNHCR, eigene Darstellung

 

Zwei Asylsuchende pro 1.000 ÖsterreicherInnen

2013 wurden nach Angaben des UNHCR weltweit mindestens 1.067.500 Asylanträge gestellt. Die meisten neuen Asylsuchenden kamen aus Syrien (64.300 Anträge), DR Kongo (60.400) und Myanmar (57.400). Der aktuelle UNHCR-Bericht über Asyltrends zeigt, dass in Österreich voriges Jahr 17.503 Asylanträge gestellt wurden. Das sind zwei Asylsuchende pro 1.000 ÖsterreicherInnen. Auf der Liste der wichtigsten 15 Aufnahmeländer rangiert Österreich auf Platz elf. Die antragsstärksten Nationen in Österreich sind die Russische Föderation (2.841), Afghanistan (2.589) und Syrien (1.991). (Siehe hierzu auch MSNÖ-Artikel „UNHCR: Zahl der Asylanträge gleich geblieben„).

  

33,3 Millionen Binnenvertriebene

Die Zahl der Menschen, die in ihrem eigenen Land auf der Flucht sind, war 2013 mit geschätzten 33,3 Millionen so hoch wie noch nie. Im vergangenen Jahr wurden rund 7,6 Millionen neue Binnenvertriebene verzeichnet, von denen die Mehrheit aus Syrien, DR Kongo und der Zentralafrikanischen Republik stammte. Insgesamt waren in Syrien 2013 rund 6,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Auf Platz zwei und drei liegen Kolumbien und DR Kongo mit jeweils 5,3 Millionen bzw. 2,9 Millionen Binnenvertriebenen.

 

Krieg weiterhin Hauptursache für Flucht

Konflikte und kriegerische Auseinandersetzungen sind der Hauptgrund für Flucht. Dies wird deutlich, wenn man die Flüchtlingsbewegungen der letzten 25 Jahre betrachtet: 1994 ließ der Völkermord in Ruanda die weltweiten Flüchtlingszahlen in die Höhe schnellen (rund 47,4 Millionen Vertriebene). Weitere Höhepunkte verzeichnete das UNHCR 1999 im Zuge des Kosovo-Konflikts und 2003 im Zuge des Irak-Kriegs. Im Jahr 2013 erreichten die weltweiten Flüchtlingszahlen aufgrund des Bürgerkriegs in Syrien mit 51,2 Millionen Vertriebenen einen erneuten Höchststand.

Krieg ist Hauptursache für Flucht

25 Jahre Flucht und Vertreibung, Quelle: UNHCR

 

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Ruth Schöffl ist Sprecherin von UNHCR Österreich, Tel. +43 1 26060 5307; schoeffl@unhcr.org

 

UNHCR-Bericht: Global Trends 2013 abrufbar in der iBibliothek

 

UNHCR-Bericht: Asylum Trends 2013 abrufbar in der iBibliothek

 

UNHCR-Bericht: Global Trends 2012 abrufbar in der iBibliothek

 

Eurobarometer-Studie in der iBibliothek

 

MSNÖ-Artikel: UNHCR: Zahl der Asylanträge gleich geblieben

 

MSNÖ-Artikel: Asylanträge: Österreich auf Rang neun

 

MSNÖ-Artikel: Österreich in den globalen Asyl-Trends

 

MSNÖ-Artikel: Asyl-Trends von 2001-2011

 

Bundesministerium für Inneres, Asylstatistiken

 

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