WM 2014: Internationale Wurzeln der Fußballer

WM 2014: Internationale Wurzeln der Fußballer

Jun 6, 2014

Factbox

  • 83 Spieler haben einen ausländischen Geburtsort
  • Rund 81 Prozent davon stammen aus Europa
  • Mehr als 210 Fußballer besitzen eine Doppelstaatsbürgerschaft
  • Mindestens 65 Spieler der europäischen Teams haben Migrationshintergrund
  • Im derzeitigen österreichischen Kader haben zehn Spieler Migrationshintergrund

 

83 der insgesamt 736 an der Fußball-WM in Brasilien teilnehmenden Spieler sind nicht in dem Land geboren, für das sie bei der WM antreten. Über 210 Spieler besitzen eine Doppelstaatsbürgerschaft. Mindestens 66 Spieler (rund 22 Prozent) der 13 europäischen Teams haben Migrationshintergrund.

 

Das sind die zentralen Ergebnisse der Recherche, die die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) anlässlich der Fußball-WM in Brasilien (12. Juni bis 13. Juli 2014) durchgeführt hat. Untersucht wurden die internationalen Wurzeln der 23 Mann starken Kader aller 32 Nationalmannschaften (Geburtsland und Staatsbürgerschaft*). Zudem hat die MSNÖ den Migrationshintergrund der Spieler der europäischen Teams recherchiert (beim Migrationshintergrund wird der Geburtsort der Eltern ebenfalls berücksichtigt).

 

Viele in Frankreich und Deutschland geboren

83 Spieler wurden nicht in dem Land geboren, für das sie bei der WM antreten. Rund 80 Prozent davon kamen in Europa auf die Welt. Allein in Frankreich wurden 25 Fußballer geboren, die bei der WM für die Nationalmannschaft eines anderen Landes auflaufen. In Deutschland wurden zwölf Fußballer geboren, die für ein anderes Land antreten. 

 

Algerien: 15 Fußballer nicht im Land geboren

Algerien ist mit 15 Spielern, die nicht in dem Land geboren wurden, das Fußball-Team mit den meisten im Ausland geborenen Kickern (alle 15 kamen in Frankreich auf die Welt). Im kroatischen Kader gibt es sieben Fußballer, die nicht in Kroatien geboren wurden. Die Teams von Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Honduras, Russland und Südkorea stellen keinen einzigen im Ausland geborenen Spieler.

 

 

Teams mit den meisten im Ausland geborenen Spielern

1.

Algerien (15)

2.

Kroatien (7)

3.

Schweiz (6)

4.

Bosnien-Herzegowina (5)

Ghana (5)

Kamerun (5)

USA (5)

5.

Portugal (4)

Elfenbeinküste (4)

Quelle: Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen; Auflistung jener Nationalmannschaften, bei denen die meisten Spieler im Ausland geboren wurden.

 

Argentinien: 20 Kicker haben Doppelstaatsbürgerschaft

Argentinien stellt das Team mit den meisten Doppelstaatsbürgerschaften. Nach Recherchen der MSNÖ** sind gleich 20 der 23 Kaderspieler im Besitz einer Doppelstaatsbürgerschaft: 13 Spieler besitzen neben der argentinischen die italienische Staatsbürgerschaft, fünf die spanische, jeweils ein Fußballer hat die mexikanische bzw. französische Staatsbürgerschaft. Im algerischen Team haben 16 Fußballer die französische Doppelstaatsbürgerschaft, für Bosnien-Herzegowina treten 15 Spieler mit einer Doppelstaatsbürgerschaft an.

 

In Ecuador, Japan und Südkorea ist kein Spieler im Besitz einer zweiten Staatsbürgerschaft.

 

 

Teams mit den meisten (Doppelstaatsbürgerschaften)

1.

Argentinien (20)

2.

Algerien (16)

3.

Bosnien-Herzegowina (15)

4.

USA (14)

Schweiz (14)

5.

Kamerun (12)

Quelle: Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen; Liste  jener Nationalmannschaften, deren Spieler am häufigsten eine Doppelstaatsbürgerschaft besitzen.

 

Frankreich und Schweiz mit meisten Migranten

Insgesamt zählte die MSNÖ bei den europäischen Teams mindestens 66 Spieler mit Migrationshintergrund. Damit hat im Schnitt zumindest jeder fünfte Fußballer der insgesamt 13 europäischen WM-Teams Migrationshintergrund. Mit jeweils 13 Spielern schicken Frankreich und die Schweiz die meisten Migranten ins Rennen um den WM-Titel. Dahinter folgt die belgische Mannschaft, die zwölf Spieler mit Migrationshintergrund im Kader hat. Schlusslicht bilden Russland und Spanien mit jeweils einem Spieler mit Migrationsgeschichte.  

 

Belgien – zwölf Kicker mit Migrationshintergrund

22 der 23 Kicker wurden in Belgien geboren. Einzig Anthony Vanden Borre kam in der Demokratischen Republik Kongo als Sohn eines gebürtigen Kongolesen und einer belgischen Mutter zur Welt. Neben Anthony Vanden Borre haben elf weitere Spieler Migrationshintergrund: Nacer Chadli (Eltern aus Marokko), Kevin de Bruyne (Mutter in England geboren), Moussa Dembele (Vater aus Mali), Marouane Fellaini (Eltern aus Marokko), Adnan Januzaj (Eltern aus Kosovo), Vincent Kompany und Romelu Lukaku (jeweils Vater aus DR Kongo), Kevin Mirallas (Vater ist Spanier), Divock Origi (Eltern aus Kenia), Daniel Van Buyten (Mutter aus Deutschland) und Axel Witsel (Vater aus Martinique).

 

Bosnien-Herzegowina – 19 in Ex-Jugoslawien geboren

19 der 23 Fußballer wurden noch im damaligen Vielvölkerstaat Jugoslawien geboren (17 davon in der Republik Bosnien-Herzegowina, zwei in Kroatien). Muhamed Besic, Sead Kolasinac und Zvjezdan Misimovic wurden in Deutschland als Kinder von aus Bosnien-Herzegowina stammenden Eltern geboren, Izet Hajrovic kam in der Schweiz zur Welt.

 

Deutschland – sechs Migranten

Die deutschen Nationalspieler Lukas Podolski und Miroslav Klose wurden in Polen geboren. Sie sind die einzigen Spieler im Team, die im Ausland geboren wurden. Mesut Özil hat türkische Wurzeln. Sami Khedira ist der einzige Kicker, der mit der tunesischen Pass im Besitz einer Doppelstaatsbürgerschaft ist. Khediras Vater stammt aus Tunesien. Der Vater von Jerome Agyenim Boateng ist gebürtiger Ghanaer. Shkodran Mustafi ist der Sohn von albanischen Eltern. 

 

England – viele Großeltern sind Migranten

Raheem Sterling hat jamaikanischen Migrationshintergrund. Er kam als Kind mit seiner Familie von Jamaika nach England. Danny Welbecks Eltern stammen aus Ghana. Der englische Fußballverband gab keine Auskunft zur Herkunft der Spieler. Darum konnte nicht gänzlich geklärt werden, ob Daniel Sturridge Migrationshintergrund hat (Großeltern stammen jedenfalls aus Jamaika). Viele Spieler im englischen Kader haben Großeltern, die nicht aus England stammen. Sie sind damit sogenannte Migranten der dritten Generation, die jedoch offiziell keinen Migrationshintergrund haben.

 

Frankreich – eine Geburt auf Hoher See

Insgesamt 13 Kicker des französischen Nationalteams haben Migrationshintergrund. Zwei davon wurden selbst im Ausland geboren, einer auf Hoher See: Steve Mandanda (Eltern aus DR Kongo) kam im ehemaligen Zaire bzw. der heutigen Demokratischen Republik Kongo zur Welt, Patrice Evra (senegalesischer Vater mit Wurzeln in Guinea und Mutter aus Kap Verde) wurde in Senegal geboren und Rio Mavuba (Mutter aus Angola, Vater aus DR Kongo) kam weit vor der Küste Angolas auf einem Boot und somit auf internationalen Gewässern zur Welt.

 

Zehn weitere französische Kicker haben dank ihrer Eltern Migrationshintergrund: Karim Benzema (Vater in Algerien geboren), Eliaquim Mangala (Eltern aus DR Kongo), Blaise Matuidi (Eltern aus Angola), Paul Pogba (Eltern aus Guinea), Loic Remy (zumindest ein Elternteil aus Martinique), Bacary Sagna (Eltern aus Senegal), Mamadou Sakho (Eltern aus Senegal), Moussa Sissoko (Eltern aus Mali), Mathieu Valbuena (Vater in Spanien geboren) und Raphael Varane (Vater aus Martinique).

 

Griechenland – vier mit Migrationshintergrund

Im griechischen Nationalteam haben mindestens vier Spieler Migrationshintergrund. Selbst im Ausland geboren wurden Panagiotis Kone (Albanien), Loukas Vyntra (in Tschechien, jedoch nur Vater Tscheche) und Jose Holebas (in Deutschland als Sohn einer Deutsch-Uruguayerin). Giorgos Samaras Vater ist gebürtiger Australier. Kostas Mitroglou hat neben der griechischen die deutsche Staatsbürgerschaft.

 

Italien – vier Migranten

Drei Spieler der 23-köpfigen Mannschaft haben Migrationshintergrund. Mario Balotelli wurde als Sohn ghanaischer Immigranten in Italien geboren. Seit seinem 18. Lebensjahr ist er neben der ghanaischen im Besitz der italienischen Staatsbürgerschaft. Thiago Motta Santon Olivares ist in Brasilien geboren worden, seine Eltern sind mit ihm nach Italien ausgewandert. Gabriel Paletta ist in Argentinien auf die Welt gekommen. Matteo Darmian hat armenische Eltern.

 

Kroatien – sieben im Ausland geboren

Im kroatischen Team gibt es mit Sammir und Eduardo Alves da Silva zwei Spieler, die in Brasilien geboren und neben der kroatischen die Staatsbürgerschaft ihres Geburtslandes besitzen. Weitere fünf Spieler wurden nicht in Kroatien geboren, sind jedoch kroatischer Nationalität: Dejan Lovren, Vedran Corluka und Nikica Jelavic wurden in Bosnien-Herzgowina (damals Republik Jugoslawiens) geboren, Ivan Rakitic kam in der Schweiz, Mateo Kovacic in Österreich zur Welt. Insgesamt 15 Spieler erblickten noch im damaligen Jugoslawien das Licht der Welt. Mindestens zwei Spieler (Danijel Subasic und Ognjen Vukojevic) haben serbische Wurzeln.

 

Niederlande – Guzman mit vielfältigsten Wurzeln

Der Spieler mit den vielfältigsten Wurzeln in den Niederlanden ist Jonathan Alexander de Guzman. Er wurde in Kanada geboren und ist im Besitz der kanadischen Staatsbürgerschaft. Seine Mutter stammt aus Jamaika, sein Vater ist gebürtiger Philippiner. Bruno Martins Indis Eltern sind gebürtige Portugiesen. Da Leroy Fers Eltern stammen aus den niederländischen Antillen (heute: Curacao). Nigel de Jongs Vater stammt aus Suriname.

 

Zwei weitere Fußballer haben zusätzlich zur niederländischen die surinamische Staatsbürgerschaft, obwohl sie in den Niederlanden geboren wurden. Der niederländische Fußball-Verband gab keine Auskunft über die Herkunft der Spieler, deshalb konnte bei Michel Vorm und Jeremain Lens der Migrationshintergrund nicht gänzlich geklärt werden.

 

Schweiz – Mehrheit Migranten

Etwa die Hälfte der Schweizer Kicker mit Migrationshintergrund wurde selbst im Ausland geboren: Valon Behrami (Kosovo), Johan Djourou (Elfenbeinküste), Blerim Dzemaili (Mazedonien), Gelson Fernandes (Kap Verde), Admir Mehmedi (Mazedonien) sowie Xherdan Shaqiri (Kosovo).

 

Zudem haben folgende Spieler Migrationshintergrund: Josip Drmic und Mario Gavranovic (jeweils Eltern aus Kroatien), Gökhan Inler (Eltern aus Türkei), Ricardo Rodriguez (Vater aus Spanien, Mutter aus Chile), Haris Seferovic (Eltern aus Bosnien), Philippe Senderos (Vater aus Spanien, Mutter aus Serbien) und Granit Xhaka (Eltern aus Kosovo).

 

Spanien –  Costa als Alleinunterhalter

Mit dem Wegfall des Mittelfeldspielers Thiago (Vater ist Brasilianer) bleibt dem spanischen Nationalteam nur noch ein Spieler mit Migrationshintergrund: Diego Costa ist gebürtiger Brasilianer, der auch im Besitz der spanischen Staatsbürgerschaft ist. David Silvas Mutter hat zwar japanische Wurzeln, wurde jedoch selbst nicht in Japan geboren.

 

Portugal – sieben Migranten

Insgesamt sieben der 23 portugiesischen Spieler haben Migrationshintergrund. Vier davon wurden im Ausland geboren: Nani (Kap Verde), William Carvalho (Angola),  Eder (Guinea-Bissau) und  Pepe (Brasilien). Silvestre Varela ist im Besitz der kap-verdischen Staatsbürgerschaft, kam jedoch in Portugal auf die Welt. Torwart Beto und Bruno Alves haben die brasilianische Staatsbürgerschaft. Da der portugiesische Fußball-Verband keine Auskünfte über die Herkunft seine Spieler gibt, kann der Migrationshintergrund dieser Fußballer nicht hundertprozentig geklärt werden.

 

Russland – nur einer

Im russischen Nationalteam hat lediglich ein Spieler Wurzeln im Ausland: Yuri Lodigin besitzt neben der russischen die griechische Staatsbürgerschaft, da seine Mutter aus Griechenland stammt.

 

Österreich – mit zehn Migranten im oberen Bereich

Österreich liegt im Vergleich zu den europäischen Mannschaften, die an der WM teilnehmen, eher im oberen Bereich. Insgesamt zehn Spieler des aktuellen Kaders haben Migrationshintergrund. Drei davon wurden selbst im Ausland geboren: György Garics (Ungarn), Zlatko Junuzovic (in Serbien geboren, bosnische Wurzeln) sowie Martin Harnik (Deutschland). Zudem haben folgende Kicker Migrationshintergrund: Ramazan Özcan (Eltern in Türkei geboren), David Alaba (Mutter aus Philippinen, Vater aus Nigeria), Veli Kavlak (Eltern aus Türkei), Christoph Leitgeb (Vater aus Kroatien) und Marko Arnautovic (Vater aus Serbien), Aleksandar Dragovic (Eltern aus Serbien) und Valentino Lazaro (angolanisch-griechische Wurzeln).

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

* Die komplette Liste aller Spieler der 32 Fußballmannschaften, die an der WM teilnehmen, liegt der MSNÖ vor. Die Liste enthält Daten zu Geburtsland, Doppelstaatsbürgerschaften und Migrationshintergrund der 736 Spieler und 32 Trainer. Dieselben Daten sind ebenfalls von den österreichischen Kickern und ihrem Trainer vorhanden.

 

** Die MSNÖ kann bei den Doppelstaatsbürgerschaften keine Vollständigkeit garantieren, da die kontaktierten Verbände teilweise keine Informationen hatten oder diese der Öffentlichkeit kaum zugänglich sind. Dennoch sind anhand der Recherche klare Trends ersichtlich und seriöse Schätzungen möglich.

 

Siehe MSNÖ-Artikel „WM 2014: Internationale Wurzeln der Trainer“ 

 

Österreichischer Fußball-Bund (ÖFB), office@oefb.at, Tel: 01/727 18-0

 

Belgischer Fußballverband (KBFV), urbsfa.kbvb@footbel.com, Tel: +32 2 477 1211

 

Bosnischer Fußballverband (NSBIH), info@nsbih.ba, Tel: +387 33 276 660

 

Deutscher Fußball-Bund (DFB), info@dfb.de, Tel: +49 (0) 69 6788-0

 

Englischer Fußballverband (FA), info@thefa.com, Tel: +44  (0) 20 77 4545 45

 

Französischer Fußballverband (FFF), cil.fff@fff.fr. Tel: +33 (0) 1 4431 7300

 

Griechischer Fußballverband (EPO), epo@epo.gr, Tel: +30 (0) 210 930 6000

 

Italienischer Fußballverband (FIGC), figc.segreteria@figc.it, Tel: +39 (0) 6 84 911

 

Kroatischer Fußballverband (HNS), info@hns-cff.hr, Tel: +385 (0)1 2361 555

 

Niederländischer Fußballverband (KNVB), publieksinfo@knvb.nl, Tel: +31 (0) 343 4992 11

 

Portugiesischer Fußballverband (FPF), info@fpf.pt, Tel: +351 (0) 21 3252 700

 

Russischer Fußballverband (RFS), info@rfs.ru, Tel: +7 (0) 495 926 1300

 

Schweizer Fußballverband (SFV), sfv.asf@football.ch, Tel: +41 31 950 82 50

 

Spanischer Fußballverband (RFEF), secretaria@rfef.es, Tel: +34 (0) 9 1495 9800

 

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