Mazedonien wählt: Stimmabgabe in Österreich möglich

Mazedonien wählt: Stimmabgabe in Österreich möglich

Apr 8, 2014

Factbox

  • 26.417 Personen mit mazedonischer Herkunft in Österreich
  • Botschaft rechnet mit bis zu 1.000 WählerInnen
  • Einbürgerungen: Mazedonien auf Rang neun
  • Community gründet nur wenig Vereine
  • 122 mazedonische Asylanträge im Jahr 2012, ein Antrag positiv entschieden

 

Am 13. April 2014 finden in Mazedonien Präsidentschaftswahlen statt. Aus diesem Anlass wirft die Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) einen genaueren Blick auf die mazedonische Community in Österreich.

 

Stimmabgabe in mazedonischer Botschaft in Wien möglich

Personen mit mazedonischer Staatsbürgerschaft, die in Österreich wohnen, können ihre Stimme für die Präsidentschaftswahl in der mazedonischen Botschaft in Wien abgeben. In Mazedonien findet die Wahl am 13. April, im Ausland einen Tag vorher. Die Registrierung für die Wahl endete am 7. März 2014.

 

Bei den Parlamentswahlen im Jahr 2011 konnten Auslands-MazedonierInnen erstmals ihre Stimme im Ausland abgeben. Damals haben ca. 150 MazedonierInnen in Österreich vom Wahlrecht Gebrauch gemacht. Für die heurige Wahl rechnet die mazedonische Botschaft in Wien mit bis zu 1.000 WählerInnen.

 

20.197 Personen mit mazedonischer Staatsbürgerschaft

Laut Statistik Austria leben derzeit 20.197 Menschen mit mazedonischer Staatsbürgerschaft in Österreich (Stichtag: 1.1.2014; die Anzahl kann sich um 100 Personen nach oben oder unten verschieben, da es sich erst um ein vorläufiges Ergebnis handelt). Zu Jahresbeginn 2013 hielten sich 19.377 MazedonierInnen in Österreich auf. Das bedeutet einen Zuwachs von 820 Personen mit mazedonischer Staatsbürgerschaft im vergangenen Jahr.

 

 

Österr.

Bgld.

Ktn.

Salzb.

Stmk.

Tirol

Vlb.

Wien

2013

19.377

151

248

4.135

3.519

1.012

917

189

266

8.940

2014

20.197

146

258

4.261

3.708

1.041

1.011

194

273

9.305

Differenz

820

-5

10

126

189

29

94

5

7

365

Personen mit mazedonischer Staatsbürgerschaft (die Zahlen von 2014 sind vorläufig), Quelle: Statistik Austria; eigene Darstellung.

 

Mit 20.197 Personen liegt Mazedonien an vierter Stelle der einwanderstärksten Nationen des ehemaligen Jugoslawiens. An erster Stelle ist Serbien: Zu Jahresbeginn 2014 hielten sich 112.613 Personen mit serbischer Staatsbürgerschaft in Österreich auf, gefolgt von Bosnien- Herzegowina (90.947) und Kroatien (61.935).

 

26.417 Personen mit mazedonischer Herkunft

Zu Jahresbeginn 2014 lebten laut Statistik Austria 26.417 Personen mit mazedonischer Herkunft in Österreich (Stichtag: 1.1.2014). Rund ein Drittel davon lebt in Wien (12.601 Personen), gefolgt von Niederösterreich, wo sich 5.210 Personen mit mazedonischer Herkunft niedergelassen haben.

 

Die mazedonsiche Botschaft in Wien geht davon aus, dass etwa 26.000 Personen mit mazedonischer Herkunft in Österreich leben. Die Schätzung deckt sich mit den offiziellen Zahlen.

 

Österr.

Bgld.

Ktn.

Salzb.

Stmk.

Tirol

Vlb.

Wien

26.417

204

396

5.210

4.727

1.368

1.304

249

358

12.601

Personen mit mazedonischer Herkunft am 1.1.2014 (vorläufige Zahlen), Quelle: Statisitk Austria; eigene Darstellung.

 

Verstärkte Zuwanderung durch Jugoslawien-Kriege

In den Jahren zwischen 1991 und 2001 verzeichnete die Statistik Austria eine starke Zuwanderung von Staatsangehörigen aus Ex-Jugoslawien nach Österreich. Diese Migrationsbewegung hängt mit dem Krieg in Ex-Jugoslawien zusammen (1991-1995).

 

Die Zahl der AusländerInnen in Österreich ist von 1991 bis 2001 um 193.200 bzw. 37,3 Prozent gestiegen. Davon waren 124.400 Angehörige von Nachfolgestaaten des früheren Jugoslawien, zwei Drittel des Zuwachses. Von den 710.926 AusländerInnen, die 2001 in Österreich lebten, hatten 13.696 Personen eine mazedonische Staatsbürgerschaft.

 

Einbürgerungen: Mazedonien an neunter Stelle

Im Jahr 2013 wurden laut Statistik Austria 7.418 Menschen aus insgesamt 123 Ländern in Österreich eingebürgert. Was die Zahl der Einbürgerungen nach bisheriger Staatsangehörigkeit betrifft, liegt Mazedonien auf dem neunten Platz: 2013 wurden 183 MazedonierInnen in Österreich eingebürgert. Damit liegt Mazedonien hinter Afghanistan (208 Einbürgerungen) und vor dem Iran (180 Einbürgerungen). Die meisten Eingebürgerten 2013 stammen aus der Türkei (1.108 Einbürgerungen).

 

Im Verlauf der vergangenen zehn Jahren sank die Zahl der eingebürgerten MazedonierInnen stark, und zwar von 788 (2003) auf 183 Personen (2013). Die meisten mazedonischen Einbürgerungen gab es 2005. Damals wurden 997 mazedonische Staatsangehörige eingebürgert. Die Gesamtzahl der Einbürgerungen in Österreich sank in den vergangenen zehn Jahren von 45.112 (2003) auf 7.418 Einbürgerungen (2013).

 

 

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

Einbürgerungen gesamt

45.112

42.174

35.417

26.259

14.041

10.268

7.990

6.190

6.754

7.107

7.418

Eingebürgerte MazedonierInnen

788

803

997

716

415

377

281

150

182

163

183

Einbürgerte Personen seit 2003 mit bisheriger mazedonischer Staatsbürgerschaft, Quelle: Statistik Austria; eigene Darstellung

 

Community gründet nur wenig Vereine

Der Großteil der mazedonischen Vereine in Österreich wurde nicht von MazedonierInnen, sondern von ÖsterreicherInnen gegründet. Sie dienen weniger zur Vernetzung der MazedonierInnen, als vielmehr dazu, das Verständnis für das Land und die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und Mazedonien zu stärken. Die “Österreichisch-Mazedonische Gesellschaft” wurde 2003 gegründet und soll die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen ÖsterreicherInnen und MazedonierInnen intensivieren. Dadurch soll das Image Mazedoniens, das laut Vereinspräsident Cornelius Granig noch immer vom jugoslawischen Bürgerkrieg geprägt sei, verändert werden.

 

Die “Mazedonisch-Österreichische Kooperation” widmet sich der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Mazedonien und Österreich. Der 2012 gegründete Verein soll die politische, humanitäre, kulturelle und sportlicher Zusammenarbeit fördern und die Tourismusbeziehungen zwischen den beiden Ländern ausbauen.

 

Zur Vernetzung der MazedonierInnen dient unter anderem der “Mazedonische Kulturverein St. Naum Ohridski”. Er soll den kulturellen Austausch zwischen Österreich und Mazedonien intensivieren und als Vernetzungsplattform für MazedonierInnen in Wien dienen. Der Mazedonisch-Islamische Kultur- und Sozialverein “Al Nur” verfolgt ähnliche Ziele, stellt aber das religiöse Miteinander in den Mittelpunkt. Die Facebook-Gruppe “Österreichische – Mazedonische Freundschaft” soll ÖsterreicherInnen und MazedonierInnen zusammenbringen und dem Informationsaustausch dienen.

 

Asyl: 122 Anträge von MazedonierInnen

2012 wurden laut Asylstatistik des Bundesministeriums für Inneres 17.413 Asylanträge gestellt. Davon stammten 122 Asylanträge von Personen mit mazedonischer Staatsbürgerschaft. Nur ein Antrag wurde 2012 positiv rechtskräftig entschieden. 144 Asylanträge von mazedonischen StaatsbürgerInnen wurden rechtskräftig negativ entschieden. Bei 24 Anträgen erfolgte eine sonstige rechtskräftige Erledigung.

 

Asylanträge gesamt

122

positiv rechtskräftig

1

negativ rechtskräftig

144

sonstige rechtskräftige Erledigung

24

Asylanträge von mazedonischen StaatsbürgerInnen 2012, Quelle: BM.I; eigene Darstellung

 

465 mazedonische Studierende

Im Wintersemester 2012 studierten 465 MazedonierInnen an Österreichs Hochschulen. 427 davon waren an Universitäten inskribiert, wobei hier mehr mazedonische Männer (235) als Frauen (192) studierten. An den Fachhochschulen waren im Wintersemester 2012 18 MazedonierInnen eingeschrieben und an privaten Universitäten studierten 20 MazedonierInnen.

 

 

Gesamt

Frauen

Männer

Universitäten

427

192

235

Fachhochschulen

18

8

10

Privatuniversitäten

20

11

9

Studierende mit mazedonischer Staatsbürgerschaft im Wintersemester 2012, Quelle: bmwf; eigene Darstellung

 

Rund 2.000 AlbanerInnen aus Mazedonien

In Österreich lebende AlbanerInnen stammen vor allem aus dem Kosovo und Albanien, aber auch aus Mazedonien. Nach Angaben des Mazedonisch-Islamischen Kultur- und Sozialvereins “El Nur” leben ungefähr 2.000 AlbanerInnen mit mazedonischer Herkunft in Österreich. Genaue Zahlen zu AlbanerInnen mit mazedonischer Herkunft werden von keiner Organisation geführt (siehe hierzu auch MSNÖ-Artikel „Albanische Community in Österreich„).

 

Wirtschaft: Bekleidung ist wichtigstes Importprodukt

Die wirtschaftliche Beziehung zwischen Mazedonien und Österreich basiert hauptsächlich auf Handel und Investitionen. Österreich liegt auf dem zweiten Platz der wichtigsten Auslandsinvestoren in Mazedonien (nach Deutschland). Die wichtigsten Exportprodukte nach Mazedonien sind Rindfleisch und Maschinen. Aus Mazedonien werden vor allem Bekleidung, Eisen und Stahl sowie Konfektionswaren nach Österreich importiert.

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

Statistik Austria, E-Mail: presse@statistik.gv.at, Tel: 01/711 28/7777

 

Mazedonische Botschaft in Wien, E-Mail: botschaft@makedonien.co.at, Tel.: +43 / 1 524 87 56

 

Auskunft zur Wahl für Auslands-MazedonierInnen, Hilda Kolevska, E-Mail: Hilda.Kolevska@mfa.gov.mk

 

Bundesministerium für Inneres (BM.I), Asylstatistiken, E-Mail: post@bmi.gv.at, Tel.: +43-(0)1- 531 26-0

 

Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, Studierendenzahlen, E-Mail: service@bmwfw.gv.at,Tel.: +43 1 711 00

 

Österreichisch-Mazedonische Gesellschaft, E-Mail: cornelius.granig@aon.at, Tel.: +43 664 336 9013

 

Mazedonisch-Österreichische Kooperation, E-Mail: macooperation@gmail.com, Tel.: +43 (0) 676 4 33 93 81

 

Mazedonischer Kulturverein “St. Naum Ohridski”, Tel.: +43 1 2900719

 

Mazedonisch-Islamischer Kultur- und Sozialverein “Al Nur”, Goldschlagstraße 36, 1150 Wien

 

Facebook-Gruppe “Österreichische-Mazedonische Freundschaft”

 

Informationen zum Streit um den Namen Mazedonien

 

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   

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