Serbische Community zählt rund 300.000 Personen

Serbische Community zählt rund 300.000 Personen

Mrz 11, 2014

 Factbox

  • SerbInnen zweitstärkste Community nach den Deutschen
  • Erste Ansiedlungen bereits im 17. Jahrhudert
  • Ab den späten 1960er Jahren kamen zehntausende ArbeitsmigrantInnen
  • Serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde besteht über 150 Jahre
  • Sehr reges Kultur- und Vereinsleben

 

In Serbien finden am 16. März 2014 Parlamentswahlen statt. Die in Österreich lebenden serbischen StaatsbürgerInnen können ihre Stimme in der Konsularabteilung der serbischen Botschaft in Wien in der Zeit von 7:00 bis 20:00 Uhr abgeben. Voraussetzung war eine Registrierung bis 22. Februar dieses Jahres. Jene WählerInnen, die sich in Salzburg und Bratislava registrieren haben lassen, können ebenso ihre Stimme in Wien abgeben.

 

Rund 300.000 Menschen mit serbischen Wurzeln

Die SerbInnen stellen neben den Deutschen die zahlenmäßig stärkste Migrantengruppe in Österreich. Nach Schätzungen leben hierzulande etwa 300.000 Menschen mit serbischen Wurzeln. Einzig was die ausländische Herkunft (Geburtsland und/oder Staatsangehörigkeit) betrifft, sind die Deutschen laut Statistik Austria vor den SerbInnen.

 

Derzeit leben laut Statistik Austria (Stichtag 1. Jänner 2014*) 155.160 Personen serbischer Herkunft in Österreich. Davon sind 112.613 Personen serbische StaatsbürgerInnen. Mit 95.686 Personen hat Wien im Bundesländer-Vergleich den höchsten Anteil an Personen serbischer Herkunft.

 

Stichtag: 01.01.2014*

Österreich

Bgld

Ktn

ÖÖ

Slb

Stmk

Tirol

Vlb

Wien

Serbische Herkunft

155.160

1.408

2.474

15.321

15.014

9.087

4.908

6.499

4.763

95.686

Serbische

StaatsbürgerInnen

112.613

819

1.654

10.127

9.682

7.303

3.113

5.231

3.805

70.879

Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Vereine und Organisationen der serbischen Diaspora schätzen, dass etwa 300.000 Personen in Österreich der serbischen Community angehören. In diesen Berechnungen sind nicht nur aus Serbien stammende Menschen der Ersten und Zweiten Generation inkludiert, sondern auch jene, die ihre Wurzeln in anderen Staaten Ex-Jugoslawiens haben, aber der serbischen Bevölkerungsgruppe angehören und sich als SerbInnen deklarieren.

 

Der Dachverband für serbische Vereine in Wien schätzt, dass allein in Wien und Umgebung bis zu 180.000 Menschen mit serbischen Wurzeln leben. Die Schätzungen der serbisch-orthodoxen Kirche belaufen sich ebenso auf rund 300.000 Personen serbischer Herkunft in Österreich.

 

Große Denker und viele ArbeiterInnen 

Bereits Ende des 17. Jahrhunderts siedelten sich die ersten SerbInnen in Wien an. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde Wien für die serbische Intelligenzija ein wichtiges geistiges Zentrum. Einer der bedeutendsten serbischen Köpfe, der Wissenschafter und Dichter Vuk Stefanovic Karadzic, lebte hier mehr als 50 Jahre und brachte sein berühmtes „Serbisches Wörterbuch“ im Mechitaristen-Kloster in Wien-Neubau heraus. Der Philosoph und Schriftsteller Dositej Obradovic studierte und lebte sechs Jahre in Wien. 

 

Ab den späteren 1960er Jahren kamen zehntausende SerbInnen als Arbeitskräfte nach Österreich. Nachdem Österreich aufgrund der fehlenden Arbeitskräfte und als Folge des Raab-Olah-Abkommens im Jahr 1966 ein Anwerbeabkommen mit dem damaligen Jugoslawien unterzeichnete, kamen viele ArbeiterInnen vor allem nach Wien und arbeiteten überwiegend in Fabriken. 1971 gab es 93.337 jugoslawische StaatsbürgerInnen in Österreich, 1973 waren 78,5 Prozent der rund 230.000 in Österreich beschäftigten GastarbeiterInnen jugoslawische StaatsbürgerInnen. Genaue Angaben über den Anteil der SerbInnen sind nicht möglich, da Serbien eine Teilrepublik Jugoslawiens war und Statistiken nicht nach Teilrepubliken aufgeschlüsselt sind.

 

Bei der Volkszählung 1981 lebten laut Statistik Austria 125.890 Personen aus Jugoslawien in Österreich, 1991 stieg die Zahl auf 197.886 Personen. Während der kriegerischen 1990er Jahre kam es zu einem weiteren Zuzug von SerbInnen aus ganz Ex-Jugoslawien nach Österreich. Bei der Volkszählung 2001 wurden aufgrund des Zerfalls Jugoslawiens erstmals die sechs ehemaligen Teilrepubliken (Serbien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Slowenien) getrennt erfasst.

 

Serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde seit über 150 Jahren 

In Wien existiert seit 1860 eine serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde, die 1967 als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt wurde. 1893 erfolgte die Einweihung der Kirche Sveti Sava (Heiliger Sava) im 3. Wiener Gemeindebezirk. Es folgten Kirchen im 17. und im 2. Wiener Bezirk. Zudem wurde die Kirche Neulerchenfeld im 16. Bezirk an die serbisch-orthodoxe Gemeinde übergeben.

 

Die serbisch-orthodoxe Kirche in Österreich gehört zur Diözese Österreich-Schweiz und hat neben den vier Kirchen in Wien Pfarren in allen österreichischen Landeshauptstädten. Zudem gibt es Pfarren in Wiener Neustadt, Tulln, Gmunden, Enns, Saalfelden und Kufstein.

 

Zahlreiche Vereine – Sport und Kultur im Mittelpunkt

Bereits Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre kam es zur Gründung mehrerer jugoslawischer „Gastarbeiter-Vereine“. Der älteste serbische Verein, „Jedinstvo“ (Einheit), feierte im November 2011 sein 41-jähriges Jubiläum. Heute gibt es dutzende serbische Vereine in Österreich, die sich hauptsächlich mit Sport und Kultur befassen. Zudem gibt es jede Woche ein reichhaltiges Angebot an Konzerten, Ausstellungen, Lesungen oder anderen kulturellen Events.

 

Neben Dachverbänden in einzelnen Bundesländern gibt es einen serbischen Dachverband für ganz Österreich. Allein der Wiener Dachverband zählt elf Mitgliedsvereine, die sich größtenteils aus Sport- und Kulturvereinen zusammensetzen. Jedes Jahr werden vier gemeinsame österreichweite Veranstaltungen organisiert, an denen alle Vereine beteiligt sind.

 

Die Österreichisch-Serbische Gesellschaft (ÖSG) hat sich zum obersten Ziel gesetzt, bilaterale Beziehungen zwischen den beiden Staaten zu fördern. Zudem organisiert die ÖSG unter anderem den traditionsreichen Sveti Sava Ball (mehr Informationen hier) .

 

Eine der ersten Formen der Selbstorganisation der SerbInnen waren Fußballklubs. Bis vor einigen Jahren gab es sogar eine eigene „Jugo-Liga“. Im Frühjahr 2008 wurde der Fuballklub Srbija 08 von Wiener Serben gegründet, der drei Jahre später nach einer Fusion unter dem Namen SC Kaiserebersdorf-Srbija 08 bereits in der Wiener Oberliga A spielt (fünfthöchste Spielstufe) und acht Nachwuchsmannschaften führt.

 

„Vesti“ meistgelesene Tageszeitung

Insgesamt sechs Online- und Printmedien fokussieren sich laut dem von M-Media herausgegebenen Medienhandbuch auf die ex-jugoslawischen Communitys. Unter den Tageszeitungen hat „Vesti“, ein serbischsprachiges Blatt, die meisten LeserInnen. Die bekanntesten Zeitschriften sind „Kosmo“ und „Bum“, die sich an die gesamte ex-jugoslawische Community richten.

 

Kurironline.at ist das zahlenmäßig größte serbischsprachige News-Portal in Österreich. Zudem liefern auf dem TV-Sender Okto Sendungen wie „Dijaspora uživo“ (Diaspora live), „Bum TV“ oder „Ex-Yu in Wien“ Beiträge, Reportagen, Kulturtipps und aktuelle Ereignisse aus und zur ex-jugoslawischen Diaspora.

 

Österreich nach wie vor attraktiv

Die Zahlen der Zuzüge belegen, dass Österreich für die serbische/montenegrinische/kosovarische Bevölkerung noch immer ein attraktives Ziel ist. Dementsprechend ergibt sich für das Jahr 2012 ein positives Saldo von 1.749 Personen.

 

 

Zuzüge

Wegzüge

2009

2010

2011

2012

2009

2010

2011

2012

Gesamt

 107.523 

 112.691 

 124.619 

 140.358 

 90.470 

 91.375 

 93.914 

 96.561 

SRB/CG/RKS

4.560

7.134

6.051

6.715

4.471

5.650

5.818

4.966

Quelle: Statistik Austria; Anm.: SRB=Serbien, CG=Montenegro, RKS=Kosovo

 

Im Jahr 2013 gab es 2.148 Studierende mit serbischer Staatsangehörigkeit an den öffentlichen Unis in Österreich. Die Zahl der Studierenden an Fachhochschulen (2013 waren es 133) und an Privatuniversitäten (2012: 58 Studierende) ist zwar geringer, der Trend hier geht aber in Richtung Zunahme.

 

 

2008

2009

2010

2011

2012

2013

öffentliche Universitäten

1.684

1.638

1.732

1.831

2.076

2.148

Fachhochschulen 

55

55

65

74

96

133

private Universitäten

21

33

61

74

58

k.A.

Serbische Studierende in Österreich, jeweils Wintersemester; Quelle: BMWF; eigene Darstellung 

 

2012 gab es etwas mehr Asylanträge

Nach einem Höhepunkt im Jahr 2005 (4.403 Ansuchen) sind die Asylanträge serbischer/montenegrinischer/kosovarischer StaatsbürgerInnen kontinuierlich gesunken. Die Statistik Austria listet seit 2006 die Anzahl der Asylanträge von Personen aus Montenegro und seit 2009 jene aus dem Kosovo getrennt auf, das Innenministerium bezifferte bereits im Jahr 2008 die Asylanträge aus dem Kosovo mit 892. Im Jahr 2012 gab es 314 Asylanträge aus dem Kosovo, damit ist die Zahl verglichen zu den Vorjahren deutlich gesunken. Die Anzahl der Anträge aus Serbien (292) sowie aus Montenegro (16) ist im Vergleich zum Vorjahr jeweils etwas gestiegen.

 

Asylanträge von serbischen/montenegrinischen/kosovarischen StaatsbürgerInnen

 

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

 Gesamt 

 32.359 

 24.634 

 22.461 

 13.349 

 11.921 

 12.841 

 15.821 

 11.012 

 14.416 

 17.413 

RKS

1.332

622

358

314

CG

7

14

13

8

3

6

16

SRB

2.526

2.835

4.403

2.515

1.760

1.702

701

350

183

292

Quelle: Statistik Austria

 

Einbürgerungen stark gesunken

Im vergangenen Jahrzehnt hatte die Einbürgerung in Österreich, darunter auch jene der serbischen/montenegrinischen/kosovarischen StaatsbürgerInnen, 2003 ihren Höhepunkt. Insgesamt gab es damals 45.112 Einbürgerungen, wovon 9.863 serbische/montenegrinische/kosovarische Staatangehörige waren. Danach sanken die Zahlen kontinuierlich. Insgesamt wurden in den elf Jahren von 2003 bis 2013 42.197 serbische/montenegrinische/kosovarische Staatangehörige in Österreich eingebürgert.

 

Einbürgerungen gesamt sowie von serbischen/montenegrinischen/kosovarischen Staatsbürgern

 

 2003

 2004

 2005

 2006

 2007

 2008

 2009

 2010

 2011

 2012

 2013

 Gesamt 

 45.112

 42.174 

 35.417 

 26.259 

 14.041 

 10.268 

 7.990 

 6.190 

 6.754 

 7.107 

 7.418 

 SRB-CG 

 9.863

 7.260

 6.694

 4.294

 –

 –

 –

 –

 –

 –

 –

 SRB

 –

 –

 –

 534

 4.216

 2.582

 1.638

 829

 548

 710

 824

 CG

 –

 –

 –

 6

 41

 13

 12

 3

 2

 14

 11

 RKS

 –

 –

 –

 –

 –

 –

 353

 437

 542

 423

 348

Quelle: Statistik Austria

  

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Dieser Artikel wurde am 2. Mai 2012 veröffentlicht und nun anlässlich der Parlamentswahlen aktualisiert. 

 

*   Dies sind die vorläufigen Zahlen der Statistik Austria. Bei der Bevölkerung nach Staatsbürgerschaft ist mit einer Abweichung von +/- 100 Personen zu rechnen, da es sein kann, dass sich manche Personen, die mit dem 1. Jänner 2014 erfasst wurden, nur wenige Monate in Österreich aufhalten. Im Mai dieses Jahres liegen dann die endgültigen Ergebnisse vor.

 

Anmerkung: Montenegro löste sich im Juni 2006 nach einem Referendum von Serbien und wurde ein international anerkannter Staat mit UNO-Sitz. Der Kosovo erklärte im Februar 2008 einseitig seine Unabhängigkeit von Serbien. Völkerrechtlich ist der Kosovo-Status umstritten. Bisher (Stand März 2014) haben 107 der insgesamt 193 UNO-Mitgliedsstaaten, darunter Österreich, den Kosovo als Staat anerkannt.

 

Borislav Kapetanović, Obmann des Dachverbands für serbische Vereine in Wien; Wielandgasse 2, 1100 Wien;

 

Österreich-Serbische Gesellschaft; Präsident der ÖSG ist Marko Stijakovic, praesident@oesg.or.at

 

Serbisch-Orthodoxe Kirchengemeinde zum Hl. Sava; Veithgasse 3, 1030 Wien; Tel.: +43 1 713 47 65

 

Die in Frankfurt/Main erscheinende Tageszeitung Vesti ist das von SerbInnen in Österreich meistgenutzte Printmedium

 

Der Fußballverein Srbija 08 wurde im Frühjahr 2008 von Wiener Serben gegründet

 

Sollten Sie weitere Informationen und/oder Kontakte benötigen, wenden Sie sich bitte an Zarko Radulovic, Chefredakteur der Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen; zarko.radulovic@medienservicestelle.at; Tel.: +43 69915097080

 

 

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