Über 206.000 Menschen mit bosnischem Migrationshintergrund

Über 206.000 Menschen mit bosnischem Migrationshintergrund

Feb 11, 2014

 

Factbox

  • Viertgrößte ZuwanderInnengruppe in Österreich
  • 90.000 Flüchtlinge aus Bosnien in 1990er Jahren
  • Großteil der Flüchtlinge blieb nach dem Krieg in Österreich
  • Einbürgerungen stark rückläufig
  • Sehr reges Vereinsleben

 

Rund 206.500 Menschen mit bosnischem Migrationshintergrund leben in Österreich. Darunter sind laut Hochrechnungen der Statistik Austria (2012) etwa 148.200 Angehörige der Ersten Generation (selbst im Ausland geboren) und 56.900 Angehörige der Zweiten Generation (selbst in Österreich geboren, beide Elternteile in Bosnien geboren). Damit stellen die BosnierInnen die viertgrößte MigrantInnengruppe hierzulande.

 

89.925 bosnische StaatsbürgerInnen leben in Österreich. 151.705 in Österreich lebende Personen wurden in Bosnien-Herzegowina geboren. Die meisten leben in Wien (42.135) und Oberösterreich (31.733).

 

Bevölkerung mit Migrationshintergrund aus Bosnien-Herzegowina:

 

Österr.

Bgld

Ktn

Salzb.

Stmk

Tirol

Vlb.

Wien

Insgesamt

206.500

(1.400)

16.000

27.600

43.000

23.200

21.100

14.800

7.700

52.300

Erste Generation

148.200

12.000

18.600

32.110

15.800

16.100

10.900

6.300

36.400

Zweite Generation

56.900

4.000

9.000

10.600

7.400

5.000

3.900

(1.400)

15.900

Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung 2012, () Werte sind stark zufallsbehaftet, eigene Darstellung        

 

Bevölkerung mit Geburtsland Bosnien bzw. bosnische StaatsbürgerInnen:

 

Österr.

Bgld

Ktn

Salzb.

Stmk

Tirol

Vlb.

Wien

Geburtsland  Bosnien

151.705

1.974

11.431

17.078

31.733

14.685

16.905

10.202

5.562

42.135

Bosnische StaatsbürgerInnen

89.925

981

7.395

11.087

19.416

11.379

9.603

6.505

3.718

19.841

Quelle: STATISTIK AUSTRIA, eigene Darstellung, Stand: 1. Jänner 2013

 

Konkrete Zahlen bezüglich der ethnischen Zugehörigkeit der in Österreich lebenden Personen mit bosnischem Migrationshintergrund gibt es nicht. Für die Bevölkerungsstatistiken der Statistik Austria werden Staatsangehörigkeit und/oder Geburtsland erhoben, nicht aber die ethnische Zugehörigkeit. Das bedeutet, dass konkrete Aussagen über die Zahl der Bosniaken (bosnische Muslime) ebenso nicht möglich sind wie jene über bosnische KroatInnen bzw. bosnische SerbInnen. Die Bosniaken stellen jedenfalls nach den TürkInnen die zweitstärkste Gruppe der Muslime in Österreich.

 

Einwanderungsdynamik

Die erste größere Gruppe aus Bosnien-Herzegowina emigrierte 1878, als die beiden Provinzen durch Österreich-Ungarn besetzt wurden. 1908 wurde das Gebiet formell annektiert. 1912 wurde in Österreich der Islam als offizielle Religion anerkannt.

 

1966 wurde zwischen Österreich und Jugoslawien wegen einem akuten Mangel an Arbeitskräften und als Folge des Raab-Olah-Vertrages das Anwerbeabkommen mit Jugoslawien geschlossen. Dies markiert den Beginn der Gastarbeiterbewegungen zwischen den Ländern. 1971 gab es infolgedessen 93.337 jugoslawische StaatsbürgerInnen in Österreich. Genaue Auskünfte über den Anteil der BosnierInnen sind nicht möglich, da Bosnien bis 1991 Teil Jugoslawiens war und Statistiken nicht nach Teilrepubliken aufgeschlüsselt sind.

 

Jugoslawien-Kriege: 90.000 Flüchtlinge aus Bosnien

Die letzte größere Migrationsbewegung hängt mit dem Ausbruch des Krieges in Ex-Jugoslawien (1991-1995) zusammen. Aus Bosnien-Herzegowina wurden in Österreich etwa 90.000 Personen aufgenommen. In Westeuropa nahmen nur Deutschland (320.000) und Schweden (etwa 90.000) mehr Flüchtlinge aus Bosnien-Herzegowina auf als Österreich. Dahinter folgten Italien (36.000), Dänemark (28.000) und die Schweiz (25.000).

 

In Österreich wurden die aus Bosnien-Herzegowina Geflüchteten großteils als „De-facto-Flüchtlinge“ betreut. Sie galten nicht als Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention. Das Innenministerium gewährte – in Absprache mit den Ländern – auf bestimmte Zeit ein vorübergehendes Aufenthaltsrecht.

 

60.000 BosnierInnen blieben in Österreich

Die „De-facto-Aktion“ erreichte im Sommer 1993 mit 47.000 betreuten Flüchtlingen ihren Höchststand. Im Laufe der Zeit konnten immer mehr BosnierInnen eine Aufenthaltsbewilligung erhalten. Die 1992 begonnene Bosnien-Sonderaktion wurde im August 1998 offiziell beendet. In diesen sechs Jahren gelang es etwa 60.000 BosnierInnen, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren und in Österreich eine neue Existenz aufzubauen.

 

Die Zahlen der Zuzüge belegen, dass Österreich trotz Schwankungen für die bosnische Bevölkerung ein attraktives Ziel ist. Dementsprechend ergibt sich für das Jahr 2012 ein positiver Saldo von 1.536 Personen.

 

 

2008

2009

2010

2011

2012

Zuzüge

2.924

2.423

2.526

3.872

4.133

Wegzüge

2.096

2.146

1.996

2.650

2.597

Saldo

828

277

530

1.222

1.536

Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Einbürgerungen stark rückläufig

Im vergangenen Jahrzehnt erreichte 2004 die Einbürgerung von  bosnischen StaatsbürgerInnen mit 8.664 Personen ihren Höhepunkt. Danach sanken die Zahlen kontinuierlich. Insgesamt wurden von 2002 bis 2012 45.065 bosnische Staatangehörige in Österreich eingebürgert.

 

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

5.919

8.275

8.664

7.033

4.597

3.329

2.207

1.457

1.279

1.174

1.131

Quelle: Statistik Austria, eigene Darstellung

 

Turbulente Vereinsgeschichte

Als Grundstein des jugoslawischen Vereinswesens wird 1969 die Gründung des „Internationalen Vereins der jungen Jugoslawen“ in Wien genannt. Schnell folgten weitere, von  GastarbeiterInnen gegründete Vereine, die vor allem sportliche und folkloristische Aktivitäten verfolgten.

 

Anfang der Neunziger spalteten sich mit Beginn des Jugoslawien-Krieges die einzelnen jugoslawischen Vereine voneinander ab. Es entstanden viele neue bosnische Vereine, die u.a. humanitäre Hilfe leisteten und sich um Flüchtlinge und Vertriebene aus Bosnien kümmerten. Nach dem Krieg verloren viele dieser Vereine ihre Funktion, was zu einer Phase der Umstrukturierung führte.

 

Gegenwärtig listet die bosnische Botschaft in Wien 46 bosnische Vereine und Verbände in Österreich auf.

 

Zu den aktivsten Vereinen zählt das 2004 gegründete „Zentrum der zeitgemäßen Initiativen“ (ZZI) in Linz. Im Vordergrund steht die Entwicklungszusammenarbeit von kulturellen, wissenschaftlichen und sozialen Projekten zwischen Österreich und Bosnien-Herzegowina. Weiters bemüht sich der Verein durch verschiedene mehrsprachige Projekte um Förderung des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Identitäten und Volksgruppenzugehörigkeiten.

 

Das 1993/94 gegründete „Collegium Bosniacum“ ist eine überkonfessionelle Vereinigung von bosnischen Studierenden in Wien mit Schwerpunkt Beratung und Integrationsarbeit. Vor allem während der Kriegsjahre bemühte sich der Verein, Studierenden aus Bosnien-Herzegowina Stipendien zu vermitteln. Es wurden ebenfalls mehrere Projekte zur Rückkehr von AbsolventInnen nach Bosnien-Herzegowina realisiert.

 

53 bosnisch-islamische Vereine

Laut Islam-Landkarte (Forschungsprojekts „Imame in Österreich“) gibt es 53 bosnisch-islamische Vereine in Österreich. Die meisten davon befinden sich in Oberösterreich (13), Niederösterreich (9) sowie Wien und Kärnten (je 8).

 

Der Verband der bosniakischen islamischen Vereine in Österreich entstand 2012 durch den Zusammenschluss der beiden Dachverbände „Dachverband bosnisch Islamischer Vereine in Österreich“ und der „Union der bosnischen Sport-, Kultur- und Religionsvereine Österreich“. Ziel des Verbandes ist es, verschiedene Moscheegemeinden zu vereinen.

 

Der Verband repräsentiert zusammen mit den Moscheevereinen insgesamt 40 Vereine und ist somit die größte muslimische Vereinigung nach den türkischen Großverbänden ATIB, IF und UIKZ und ist Mitglied in der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGIÖ).

 

Studierende

Laut Studierenden-Sozialerhebung waren im Wintersemester 2012 insgesamt 3.330 Studierende bosnische StaatsbürgerInnen. Die überwiegende Mehrheit studierte an den heimischen öffentlichen Universitäten.

 

 

Universitäten:

Fachhochschulen

Privatuniversitäten

Studierende insgesamt

299.355

41.366

7.316

ausländische Studierende

78.395

5.885

2.873

Bosnische Studierende

3.189

118

23

Quelle: BM für Wissenschaft und Forschung, Wintersemester 2012

 

Hinsichtlich der Kooperation zwischen Österreich und Bosnien-Herzegowina im universitären Bereich bestehen seit Jahrzehnten sehr enge Kontakte. An der Universität Graz existiert ein Kompetenzzentrum Südosteuropa mit starkem Bosnien-Schwerpunkt sowie eine Abteilung für südosteuropäische Geschichte mit Fokus auf historische Anthropologie und Kulturwissenschaft.

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Statistik Austria, presse@statistik.gv.at, Tel: 01/711 28/7777

 

Botschaft der Republik Bosnien, Tivoligasse 54, 1120 Wien, Tel: 01/ 811 8555 

 

Der Kulturkontakt Austria konzentriert sich mit seinem Programm für Ost- und Südosteuropa auf den Austausch und die Förderung von u.a. zeitgenössischen bosnischen KünstlerInnen.

 

Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMWF), E-Mail:  infoservice@bmwf.gv.at, Tel: 01/ 531 20-0   

 

Verein Collegium Bosniakum

 

Verein Zentrum für zeitgemäße Initiativen

 

Islam-Landkarte

 

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.