Rund 500.000 orthodoxe ChristInnen in Österreichs

Rund 500.000 orthodoxe ChristInnen in Österreichs

Jan 2, 2014

Factbox

    • Mehrheit der Orthodoxen feiert am 6. und 7. Jänner Weihnachten
    • Glaubensgemeinschaften orientierten sich nach dem Julianischen Kalender
    • SerbInnen stellen in Österreich die größte Gruppe
    • Unterschiedliche Bräuche – „die Orthodoxie“ gibt es nicht
    • 18 Prozent der MigrantInnen feiern im Jänner Weihnachten

 

Etwa 500.000 Menschen orthodoxen Glaubens leben laut Schätzungen der orthodoxen Kirchen in Österreich. Die Mehrheit dieser Menschen feiert – nach dem Julianischen Kalender – am 6. und 7. Jänner Weihnachten.

 

Während die russische Kirche schätzt, dass bis zu 600.000 Orthodoxe hierzulande leben, gehen die anderen orthodoxen Kirchen von 500.000 aus. Dies ergaben Recherchen der Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ). Die Stiftung Pro Oriente schätzt, dass etwa 490.000 Personen orthodoxen Glaubens in Österreich leben.

 

SerbInnen größte orthodoxe Gruppe

Die serbische Community ist laut Pro Oriente mit schätzungsweise 265.000 Gläubigen die größte orthodoxe Gemeinde in Österreich, gefolgt von 40.000 RussInnen, 40.000 BulgarInnen, 40.000 RumänInnen, 35.000 GriechInnen, 10.000 SyrerInnen, 10.000 ArmenierInnen und etwa 10.000 KoptInnen. Die restlichen 40.000 sind schwierig zuzuordnen, denn viele Menschen würden es vorziehen, ihr Religionsbekenntnis nicht dokumentieren zu lassen, teilte Pro Oriente der MSNÖ mit.

 

Die einzelnen orthodoxen Kirchen nennen zwar die Gesamtzahl von 500.000 Orthodoxen in Österreich, erfassen selbst aber nur jene Mitglieder, die sich am kirchlichen Leben beteiligen, den Gottesdienst besuchen oder aufgrund von Taufen, Hochzeiten und/oder Begräbnissen vermerkt sind. So spricht die griechische Kirche von etwa 15.000 Mitgliedern in Österreich, die russische Kirche von 20.000, die rumänische von 30.000 bis 35.000, die syrische von etwa 6.000 Mitgliedern.

 

Unterschiedliche Weihnachtstermine 

Die orthodoxen Glaubensgemeinschaften orientierten sich nach dem Julianischen Kalender, der seit der Kalenderreform im Jahr 1582 13 Tage vom damals eingeführten Gregorianischen Kalender der Westkirche abweicht. Ab 1923 entschlossen sich jedoch einige Kirchen den „Neuen Kalender“ einzuführen, sodass die orthodoxen Glaubensgemeinschaften der GriechInnen, BulgarInnen, RumänInnen, ZypriotInnen, AlbanerInnen, FinnInnen, SyrerInnen, TschechInnen und SlowakInnen sowie die Kirchen von Konstantinopel, Alexandrien und Antiochien am 24. Dezember den Heiligen Abend und am 25. Dezember den Christtag feiern.

 

Die orthodoxen Kirchen von Russland, Serbien, Jerusalem, Mazedonien, Polen, Georgien, Montenegro, Weißrussland, Armenien, Äthiopien, der Ukraine, die koptische Kirche und die Klöster auf dem Athos folgen weiter dem „Alten Kalender“ und feiern demnach am 6. und am 7. Jänner Weihnachten. Das Osterfest begehen die orthodoxen Kirchen weiterhin nach dem Julianischen Kalender.

 

Feierlichkeiten

Nach dem Gregorianischen Kalender feiern am 6. Jänner (Dreikönigstag) viele orthodoxe GriechInnen, RumänInnen und BulgarInnen in Wien das Fest der „Erscheinung des Herrn“. An diesem Tag wird der Taufe Jesu gedacht und es findet die „Große Wasserweihe“ statt. Seit 2007 findet dieser Festakt nicht nur in der Kirche, sondern auch am Donaukanal statt.

 

Arsenios Kardamakis, der griechisch-orthodoxe „Metropolit von Austria“, ist der oberste Repräsentant der orthodoxen Kirche in Österreich. Zugleich hat er den Vorsitz in der Orthodoxen Bischofskonferenz für Österreich inne, die seit 2010 besteht. Durch die Novellierung des 1967 beschlossenen Orthodoxen-Gesetzes im Sommer 2011 wurde übrigens die Möglichkeit zur staatlichen Anerkennung aller orthodoxen Pfarren und Diözesen geschaffen.

 

Bräuche und Rituale

Orthodoxe ChristInnen, die sich zum Fasten entschließen, verzichten vor Weihnachten 40 Tage lang auf tierische Produkte wie Fleisch, Milch und Eier. Anders als bei katholischen ChristInnen wird bei vielen Orthodoxen der Christbaum nicht zu Weihnachten, sondern zu Neujahr aufgestellt. Zu diesem Anlass werden Geschenke verteilt. In vielen slawischen Ländern werden die Geschenke von „Väterchen Frost“ gebracht, einer dem Weihnachtsmann sehr ähnlichen Figur. So wie es aber „die Orthodoxie“ nicht gibt, so gibt es auch nicht einheitliche Bräuche bei den orthodoxen ChristInnen.

 

Bei den SerbInnen etwa ist es Tradition, am 6. Jänner in der Früh in den Wald zu gehen und einen „Badnjak“, einen jungen Eichenbaum, zu fällen. Dieser wird in das Haus gebracht und am Abend vor dem Haus angezündet. Ein Zweig wird behalten und im Haus aufbewahrt. In Städten werden meistens Äste des Badnjaks in der Kirche gekauft.

 

Traditionell wird am 6. Jänner (Badnji dan) für den nächsten Tag Spanferkel oder Lammbraten zubereitet. Zudem wird die „Cesnica“ gebacken – ein Brot, in dem eine Münze versteckt wird. Vor dem Mittagessen am 7. Jänner wird das Brot in Stücke gebrochen, jedes Familienmitglied bekommt ein Stück und wer die Münze findet, soll im ganzen Jahr besonders viel Glück haben. Unter dem Esstisch wird Stroh gelegt, in dem für Kinder Süßigkeiten und Nüsse als Weihnachtsgeschenke verstreut werden.

 

18 Prozent der MigrantInnen feiern orthodoxe Weihnachten

Viele der in Österreich lebenden MigrantInnen feiern das Weihnachtsfest ähnlich wie die einheimische österreichische Bevölkerung. Nach einer 2011 durchgeführten Erhebung des Markt- und Meinungsforschungsinstitutes Ethnopinion feiern 62 Prozent der MigrantInnen am 24. und 25. Dezember, 18 Prozent am 6. und 7. Jänner. Bei der Befragung gaben viele Personen an, sowohl im Dezember als auch im Jänner das Weihnachtsfest zu begehen.

 

Für MigrantInnen aus dem ehemaligen Jugoslawien ist die Geburt Christi eine wichtige Feier, die gerne zelebriert wird: etwa die Hälfte feiert am 24./25. Dezember, 44 Prozent begehen das Fest am 6./7. Jänner. 12,0 Prozent der befragten MigrantInnen aus Ex-Jugoslawien gaben an, Weihnachten nicht zu feiern.

 

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

Der Artikel wurde am 3. Jänner vorigen Jahres publiziert und anlässlich des heurigen orthodoxen Weihnachtsfestes aktualisiert.

 

Stiftung Pro Oriente, Hofburg, Marschallstiege II, A-1010 Wien; Erich Leitenberger, Pressesprecher, Tel.: +43-1-5338021-7, E-Mail: leitenberger@pro-oriente.at

 

Bulgarische Orthodoxe Kirche Zum Heiligen Iwan Rilski, Kühnplatz 7, 1040 Wien

 

Griechische Orientalische Metropolis von Austria (Ökumenisches Patriarchat)

Kirche zur Hl. Dreifaltigkeit, 1010 Wien, Fleischmarkt 13, Tel: (01) 533 29 65

 

Russische Orthodoxe Kirche zum Heiligen Nikolaus, 1030 Wien, Jaurèsg. 2, Tel: (01) 713 82 50

 

Serbische Orthodoxe Kirche Zum Heiligen Sava, 1030 Wien, Veithgasse 3, Tel: (01) 713 47 65

 

Rumänische Orthodoxe Kirche Zur hl. Auferstehung, 1110 Wien, Simmeringer Hauptstr. 161, (Kapelle: 1010 Wien, Löwelstr. 8), Tel: (01) 533 03 29

 

Koptische Orthodoxe Kirche der heiligen Jungfrau von Zeitoun, 1220 Wien, Quadenstraße 4-6, Tel: (01) 282 74 43

 

Ethnopinion, Markt- und Meinungsforschungsinstitut für neue Österreicher; Pressekontakt: Jürgen H. Gangoly, der zugleich Managing Partner und Geschäftsführer bei der PR-Agentur The Skills Group ist; gangoly@skills.at, Tel.: +43 1 505 26 25 13

 

Christina Matzka ist Studienleiterin der Weihnachts-Umfrage; Tel.: + 43 1 512 8900 320, matzka@ethnopinion.at

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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