Vielfalt in Wien – Zahlen und Fakten

Vielfalt in Wien – Zahlen und Fakten

Okt 17, 2013

Factbox

  • Am 24. Oktober wird Preis der Wiener Vielfalt vergeben
  • Mehr als ein Drittel der Personen ausländischer Herkunft in Wien ansässig
  • Wiener MigrantInnen im Durschnitt mehrsprachiger
  • MigrantInnen für Wien als Wirtschaftsstandort sehr wichtig
  • Kunst und Kultur: Deutsche sehr gefragt
  • Fußball: Fast jeder dritte Bundesliga-Nachwuchskicker ist Migrant

 

In Österreich leben rund 1,5 Millionen Menschen ausländischer Herkunft. Laut Statistik Austria ist mehr als ein Drittel von ihnen (602.881 mit dem Stichtag 1.1.2013) in Wien ansässig. 18,9 Prozent (rund 1,6 Millionen) der österreichischen Bevölkerung weist einen Migrationshintergrund* auf, in Wien alleine sind es um die 38,4 Prozent (rund 658.300). Die Hauptstadt weist somit allein in dieser Hinsicht schon eine große Vielfalt auf. Am 24. Oktober wird der „Preis der Wiener Vielfalt“ vergeben. Aus diesem Anlass hat sich die Medien-Servicestelle Neue ÖsterreicherInnen (MSNÖ) einige Zahlen und Daten hinsichtlich Migration und Integration in den Bereichen Wirtschaft, Sprache und Bildung, Sport sowie Kunst und Kultur in Wien näher angesehen.

PREIS DER WIENER VIELFALT

Der „Preis der Wiener Vielfalt“ wird am 24. Oktober 2013 zum ersten Mal vergeben. Er soll WienerInnen auszeichen, die sich beruflich, ehrenamtlich und/oder privat dafür einsetzen, die kulturelle und sprachliche Vielfalt Wiens sichtbar zu machen. Migrationshintergrund muss man als BewerberIn dabei nicht aufweisen. Die Einreichfrist endete am 15. September.

Insgesamt gab es 163 Persönlichkeiten, Gruppen und Initiativen, die in einer von sechs Kategorien – Wirtschaft, Küche und Kulinarik, Sport, Bühne, Wissenschaft und Bildung – nominiert wurden. Initiiert und verliehen wird der „Preis der Wiener Vielfalt“ vom Verein Wirtschaft für Integration und dem ORF Landesstudio Wien.

SPRACHE UND BILDUNG

Wiener MigrantInnen sind mehrsprachiger

In Wien beherrschen MigrantInnen durchschnittlich 2,9 Sprachen. Der Wert bei Nicht-MigrantInnen liegt bei 2,4 Sprachen. Zu diesem Ergebnis kam die von der Arbeiterkammer Wien in Auftrag gegebene und von der L&R Sozialforschung durchgeführte Studie „Beschäftigungssituation von Personen mit Migrationshintergrund in Wien“ (siehe MSNÖ-Artikel „Wiener MigrantInnen: Hohe Sprachkompetenz“). Das Spektrum ihrer Sprachen umfasst 100 verschiedene Sprachen.

Spitzenreiter bei der Anzahl an gesprochenen Sprachen sind Personen mit russischem oder ukrainischem Migrationshintergrund mit 3,5 Sprachen, gefolgt von Personen aus Afghanistan, Bangladesch, Indien, Pakistan und dem Iran, die 3,4 Sprachen beherrschen. Die wenigsten Sprachen sprechen türkische MigrantInnen: Sie kommen im Durchschnitt “nur” auf 2,6 Sprachen – und damit mehr als autochthone ÖsterreicherInnen (2,4). Die klare Mehrheit (ca. 96 Prozent) der Befragten bevorzugt dabei Deutsch am Arbeitsplatz sowie im privaten Alltag.

In der Hauptstadt gibt es zudem (mit rund 98.000) die meisten SchülerInnen, die eine andere Sprache als Deutsch als Umgangssprache haben (siehe MSNÖ-Artikel „218.596 SchülerInnen mit nicht-deutscher Umgangssprache“).

Ausländische Studierende: rund 60 Prozent in Wien

Im vergangenen Wintersemester hat sich von den rund 78.400 (Stichtag: 28.02.2013) ausländischen Studierenden an öffentlichen Universitäten in Österreich weit mehr als die Hälfte (47.277 bzw. 60,3 Prozent) für eine Uni in Wien entschieden. Bei den österreichischen Studierenden waren es im selben Wintersemester verhältnismäßig (ca. 124.00 von 221.000 bzw. rund 56 Prozent) etwas weniger.

WIRTSCHAFT

MigrantInnen als UnternehmerInnen äußerst wichtig für Wirtschaft

Der Studie „Ethnische Ökonomien“ der Wirtschaftsagentur Wien zufolge waren insgesamt 37.600 in Wien wohnende Personen mit Migrationsbezug** im Laufe des Jahres 2011 selbstständig tätig. Rund 37 Prozent (26.200) aller in Wien selbstständig Tätigen wiesen einen Migrationsbezug auf und haben ihren Lebensunterhalt überwiegend über eine selbstständige Erwerbstätigkeit bestritten. Alles in Allem sind Personen aus mehr als 130 verschiedenen Ländern in Wien selbstständig tätig. Zu den bedeutendsten Herkunftsstaaten zählen die Slowakei, Polen und Rumänien – rund vier von zehn migrantischen Selbstständigen kommen aus einem dieser drei Länder. Rund sechs von zehn Selbstständigen mit Migrationsbezug stammen aus Ländern der EU.

36 Prozent der „ethnischen UnternehmerInnen” sind im Gewerbe und Handwerk zu finden, 31 Prozent im Handel, 30 Prozent arbeiten im Bereich Information und Consulting. Überwiegend handelt es sich bei diesen Unternehmen um Klein- und Mittelbetriebe. Jede/r Vierte betreibt ein Ein-Personen-Unternehmen. Etwa die Hälfte hat ein bis neun MitarbeiterInnen. Der Rest beschäftigt mehr als zehn ArbeitnehmerInnen.

SPORT

Bundesliga-Nachwuchskicker: Rund 30 Prozent Migranten

Rund 30 Prozent (bzw. 431 von 1.457) der Jugendkicker bei den österreichischen Fußball-Bundesligavereinen haben in der Saison 2012/2013 Migrationshintergrund gehabt. Austria Wien hatte mit 42,78 Prozent (bzw. 77 von 180) den höchsten Anteil (siehe MSNÖ-Artikel „Jeder dritte Bundesliga-Nachwuchskicker ist Migrant“). Nicht miteinbezogen werden konnte die Situation bei Rapid Wien, weil dem Verein keine entsprechenden Informationen vorliegen.

Fußball-„Legionäre“ in Bundesliga: Salzburger Verein zuletzt vor Wiener Vereinen

Als sich die MSNÖ die Kader der österreichischen Bundesliga zuletzt genauer ansah (Stand: 1.9.2012) spielten für RB Salzburg (mit 22 „Legionären“) doppelt so viele ausländische Staatsangehörige wie für die beiden Wiener Vereine Rapid und Austria zusammen (elf; siehe MSNÖ-Artikel „60 Fußball-”Legionäre” in der Bundesliga„)

KUNST UND KULTUR

Deutsche spielen erste Geige

Wie in anderen gesellschaftlichen Sektoren sind im Bereich Kultur & Kunst insbesondere Deutsche gefragt: 19 Prozent der KünstlerInnen der Bundes-, Landes- und Stadttheater haben eine deutsche Staatsbürgerschaft. Auch bei den MusikerInnen der großen Orchester spielen die Deutschen eine wichtige Rolle (siehe MSNÖ-Artikel „Kultur & Kunst: Deutsche Primgeiger“).

Österreichs Aushängeschild, die Wiener Philharmoniker, beschäftigt im Vergleich der großen Orchester mit 38 von 148 fixen MusikerInnen die wenigsten im Ausland Geborenen.

Den höchsten Anteil an deutschen SchauspielerInnen weist das Burgtheater auf: 39 der insgesamt 79 Ensemblemitglieder sind deutsche StaatsbürgerInnen – also fast die Hälfte. Dabei gehören mehr Deutsche als ÖsterreicherInnen (39 zu 21 Personen) dem Ensemble an.

Wiener Staatsballett: TänzerInnen aus 27 Nationen

Entgegen dem Trend bei den Theatern findet sich bei den TänzerInnen des Wiener Staatsballetts nur eine Person deutscher Nationalität. Die insgesamt 104 TänzerInnen gehören 27 verschiedenen Nationalitäten an: Nach den ÖsterreicherInnen (17 Personen) folgen RussInnen (16 Personen) sowie je sieben TänzerInnen mit japanischer, slowakischer und ungarischer Staatsangehörigkeit. Japanische KünstlerInnen sind auch in der Volksoper (sechs Personen) sowie in der Staatsoper (eine Person) vertreten.

KünstlerInnen mit serbischer Staatsangehörigkeit sind im Wiener Staatsballett (drei Personen) sowie im Burgtheater und in der Volksoper (je eine Person) zu finden. Insgesamt konnten bei der MSNÖ-Recherche zwei KünstlerInnen mit türkischer Staatszugehörigkeit erfasst werden, die in der Volksoper im Chor und im Orchester tätig sind.

Weiterführende Informationen und Kontakte:

 

*  Als Personen mit Migrationshintergrund werden von der Statistik Austria hier lebende Menschen erfasst, deren (beide) Elternteile im Ausland geboren wurden. Diese Gruppe lässt sich wiederum in MigrantInnen der ersten Generation (Personen, die selbst im Ausland geboren wurden) und in Zuwanderer der zweiten Generation (Kinder von zugewanderten Personen, die aber selbst im Inland zur Welt gekommen sind) untergliedern.

 

** Die Wirtschaftsagentur Wien definiert Personen mit Migrationsbezug als Personen, die eine andere Staatsbürgerschaft als die österreichische besitzen oder – wenn sie in der Zwischenzeit die österreichische Staatsbürgerschaft erworben haben – zwischen 1972 und 2011 eine andere Staatsbürgerschaft hatten.

 

Statistik Austria, Email: presse@statistik.gv.at, Tel: 01 711 28 7777

 

Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMWF), Email: infoservice@bmwf.gv.at, Tel: 01 531 20 0

 

Preis der Wiener Vielfalt, Pressekontakt: Meri Disoski (Geschäftsführerin Verein Wirtschaft für Integration), Tel: 01 94 44 846, E-Mail: m.disoski@vwfi.at

 

Wirtschaftsagentur Wien, Pressekontakt: Uschi Kainz, Tel: 01 4000 86583, Mobil: 0699 140 86583

 

Mingo Migrant Enterprises bietet kostenlos Workshops und Coachings in zehn Sprachen an.

Ansprechpartnerin: Tülay Tuncel, tuncel@wirtschaftsagentur.at

 

Die Studie “Beschäftigungssituation von Personen mit Migrationshintergrund in Wien” ist abrufbar in der iBibliothek

 

Projektleiterin der Studie ist Asiye Sel, AK Wien-Referenin in der Abteilung Frauen und Familie; E-Mail: asiye.sel@akwien.at

 

AK Wien Kommunikation, Ute Bösinger; Tel.: 01 501 65-2779, E-Mail: ute.boesinger@akwien.at

 

Durchgeführt wurde die Studie von der L&R Sozialforschung (Lechner, Reiter & Riesenfelder Sozialforschung OEG); Tel.: 01 595-40-40-0

 

Andreas Riesenfelder, L&R Sozialforschung, Leitung; Tel.: 01 5954040–0, E-Mail: riesenfelder@lrsocialresearch.at

 

 

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.