Bis zu 3.000 Personen mit norwegischen Wurzeln

Bis zu 3.000 Personen mit norwegischen Wurzeln

Sep 4, 2013

Factbox

  • Insgesamt 903 Personen norwegischer Herkunft
  • Schätzungen: 2.000 bis 3.000 Personen mit norwegischen Wurzeln
  • Stimmabgabe für Parlamentswahlen am 9.9.2013 in Botschaft möglich
  • Bis 1940 kaum NorwegerInnen in Österreich
  • Gut organisierte, aktive Community

In Österreich leben laut Statistik Austria insgesamt 903 Personen norwegischer Herkunft (Stichtag 1. Jänner 2013). Davon sind Schätzungen der norwegischen Botschaft zufolge rund 500 NorwegerInnen in Österreich über 18 Jahre alt und somit wahlberechtigt. Die NorwegerInnen können an den in Norwegen bevorstehenden Parlamentswahlen am 9. September teilnehmen und ihre Stimme entweder in der Botschaft in Wien oder per Brief abgeben.

Gegenüber der Medienservicestelle Neue Österreicher/innen (MSNÖ) schätzte die norwegische Botschaft die gesamte Community – die Summe der Personen norwegischer Herkunft und aller Personen mit norwegischen Wurzeln durch mindestens einen Elternteil – auf 2.000 bis 3.000 Personen.

Mit insgesamt 329 Personen hat sich etwa ein Drittel der NorwegerInnen in Wien niedergelassen, danach folgt Niederösterreich mit insgesamt 144 NorwegerInnen. An dritter Stelle befindet sich Tirol mit 115 Personen.

Bundesländer Bgld. Ktn. Slbg. Stmk. Tirol Vlbg. Wien Gesamt
NorwegerInnen 9 30 144 80 73 71 115 52 329 903

Quelle: Statistik Austria, Bevölkerungsstand (Stichtag: 1. Jänner 2013), eigene Darstellung

Kaum Einbürgerungen

Ein Charakteristikum der norwegischen Community ist die ausgesprochen geringe Einbürgerungsrate während der vergangenen zehn Jahre: So wurden mit einer Person im Jahr 2004, mit zwei Personen im Jahr 2005 und wiederum mit einer Person im Jahr 2006 lediglich vier NorwegerInnen zu neuen ÖsterreicherInnen.

Jahr 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 Gesamt
Eingebürgert 1 2 1 4

Quelle: Statistik Austria

Wanderungssaldo vom Negativen ins Positive

Insgesamt hat die Community jährlich eine vergleichsweise geringe Anzahl an Zuzügen nach und an Wegzügen aus Österreich zu verzeichnen. Während sich die Zuzüger innerhalb der vergangenen fünf Jahre zwischen 76 (im Jahr 2010) und 98 (im Jahr 2011) bewegten, sank die Zahl der Wegzüge deutlich von 104 (im Jahr 2008) auf 63 (im Jahr 2012).

Das Wanderungssaldo rutschte während der vergangenen fünf Jahre vom Negativen ins Positive. Belief sich Zahl im Jahr 2008 noch auf Minus 14, betrug sie im Jahr 2010 eins und stieg bis zum Jahr 2012 auf 29 an.

2008 2009 2010 2011 2012
Zuzüge 90 79 76 98 92
Wegzüge 104 89 75 86 63
Saldo -14 -10 1 12 29

Quelle: Statistik Austria

Immigrationsgeschichte begann vorwiegend ab 1940

Laut Erik Furu, Mitarbeiter der norwegischen Botschaft, immigrierten NorwegerInnen zumeist aus privaten oder familiären Gründen nach Österreich. Vor dem Jahr 1940 seien nur wenige eingewandert. Seinen Annahmen zufolge sind einige Kinder aus Ehen zwischen österreichischen Soldaten und Norwegerinnen mit ihren Müttern gemeinsam während der Besatzungszeit des Zweiten Weltkriegs (zwischen 1940 und 1945)  nach Österreich immigriert.

Aufgrund zunehmender internationaler Mobilität während der vergangenen Jahrzehnte seien vorwiegend Norwegerinnen aufgrund österreichischer Partner, die sie im Rahmen ihrer Auslandsstudien hierzulande oder in anderen Ländern kennengelernt haben, nach Österreich immigriert.

Zusätzlich dazu wanderten einige norwegische KünstlerInnen und SportlerInnen aufgrund ihrer Tätigkeiten ein – vorwiegend nach Wien. Zu den in Österreich lebenden norwegischen OpernsängerInnen zählen etwa Hege Gustava Tjonn und Kjellaug Tesaker. Ein weiterer Grund zur Niederlassung in Österreich ist laut Furu die Beschäftigung in internationalen Organisationen mit Sitz in der Bundeshauptstadt, wie etwa die Organisation der Vereinten Nationen.

Religiöse und sozioökonomische Zusammensetzung

Laut Furu setze sich die norwegische Community vorwiegend aus ChristInnen – entweder LutheranerInnen oder KatholikInnen – zusammen. In sozioökonomischer Hinsicht befände sich die Mehrheit der NorwegerInnen im österreichischen Mittelstand. Zudem seien binationale Ehen mit ÖsterreicherInnen häufig.

Vereine: Im Verhältnis sehr aktive Community

Dafür, dass es sich um eine verhältnismäßig kleine Community handelt, sind die NorwegerInnen in Österreich auf Vereinsebene sehr aktiv: Für Studierende gibt den österreichischen Zweig der ANSA (Verein für norwegische Studierende im Ausland) und zur Förderung der norwegisch-österreichischen Beziehung wurde sowohl die Österreichisch-Norwegische Gesellschaft, als auch die Norwegisch-Österreichische Gesellschaft ins Leben gerufen. Zusätzlich dazu gibt es laut Furu einige informelle Gruppen für Norwegerinnen sowie SeniorInnen.

Laut Homepage der ANSA handelt es sich um eine im Jahr 1956 gegründete, unabhängige Organisation für norwegische Studierende im  Ausland. Weltweit repräsentiere die Organisation rund 21.300 Studierende und arbeite für deren soziale, finanzielle und kulturelle Interessen. Zudem berate ANSA zukünftige Studierende über Studienfächer an Universitäten und Hochschulen im Ausland, unterstütze die Umsetzung sozialer und kultureller Veranstaltungen von AuslandsstudentInnen finanziell und setze sich für die Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüssen in Norwegen ein.

Die Ziele der im Jahr 1977 gegründeten Österreichisch-Norwegischen Gesellschaft sind laut Homepage die Pflege und Förderung der kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Den Kontakt zu ihren Mitgliedern halte die Gesellschaft über die Postille Norwegen-Österreich, die viermal im Jahr mit Publikationen, die beide Länder betreffen, erscheint.

 

Die im Jahr 2010 gegründete Norwegisch-Österreichische Gesellschaft setzt sich laut Homepage die Vertiefung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern zum Ziel. Dies erfolge im Rahmen von Vorträgen, Zusammenkünften in norwegischer Konversation, Konzerten, Ausstellungen und Lehrgängen. Im Vordergrund stehe die Schaffung einer Plattform für norwegische KünstlerInnen und WissenschafterInnen.

 

Im Jahr 2012 studierten 79 NorwegerInnen in Österreich

Im Wintersemester 2012/13 waren insgesamt 79 NorwegerInnen an Österreichs Universitäten und Fachhochschulen inskribiert. Davon entfielen insgesamt 68 Studierende bei einem sehr ausgewogenen Geschlechterverhältnis (36 Studentinnen zu 32 Studenten) auf öffentliche Universitäten, zehn Studierende auf private Universitäten und eine Studentin besuchte die Fachhochschule.

2008 2009 2010 2011 2012
Öffentliche Universität 66 64 74 70 68
Fachhochschule 2 5 8 6 1
Private Universität 6 7 4 8 10

Quelle: BM.WF, eigene Darstellung, jeweils zum Wintersemester

 

Weiterführende Kontakte und Links:

Norwegische Botschaft, Reisnerstrasse 55-57, 1030 Wien; Tel.: 01/71660 oder 0047/23953783; Mail: emb.vienna@mfa.no

ANSA – Association of Norwegian Students Abroad, Österreich; Tel.: 0047/22477600; Mail: ansa@ansa.no

Österreichisch-Norwegische Gesellschaft, Kontaktperson: Karin Klausner; Tel: 05997710252; Mail: k.klausner@kwizda.co.at

Norwegisch-Österreichische Gesellschaft, Kontaktperson: Ing. Dvorsky; Tel.: 0676/4059166; Mail: noeg@aon.at

Hege Gustava Tjonn, Mail: hegegustava@hotmail.com

Kjellaug Tesaker, Mail: kjellaug.tesaker@moz.ac.at

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